Karstädt ist eine amtsfreie Gemeinde des Landkreises Prignitz in Brandenburg. Das Gemeindegebiet ist identisch mit dem von 1992 bis 2003 existierenden Amt Karstädt.
Geographie Karstädt befindet sich im Nordwesten des Landes Brandenburg. Südwestliche Teile des Gemeindegebietes liegen innerhalb des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe-Brandenburg. Innerhalb der Gemeindegrenzen münden die Tarnitz, die Karwe und weitere kleine Flüsse und Gräben in die Löcknitz. An der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern verläuft der Meynbach.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Karstädt gehören folgende Ortsteile: Blüthen mit den bewohnten Gemeindeteilen Strehlen, Waterloo und Klockow Boberow mit dem Wohnplatz Gosedahl Dallmin mit dem Wohnplatz Tiefental Garlin mit den bewohnten Gemeindeteilen Seetz, Sargleben, Dargardt und Bootz Groß Warnow mit dem bewohnten Gemeindeteil Klein Warnow [bis 27. Oktober 1937 „Wendisch Warnow“]Statistik des Deutschen Reichs, Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I, Berlin 1939; S. 249. Karstädt mit den bewohnten Gemeindeteilen Postlin und Stavenow Kribbe mit den bewohnten Gemeindeteilen Neuhof, Wittmoor und Karwe Laaslich mit dem bewohnten Gemeindeteil Lenzersilge Mankmuß mit den bewohnten Gemeindeteilen Mesekow und Birkholz Nebelin Premslin mit den bewohnten Gemeindeteilen Glövzin, Neu Premslin Pröttlin mit den bewohnten Gemeindeteilen Pinnow und Zapel Reckenzin mit dem bewohnten Gemeindeteil Streesow
Dazu kommen die Wohnplätze Forsthof, Kolonie, Margarethental, Neu Pinnow, Neuhof Ausbau, Neuhof Mollnitz, Semlin, Siedlung an der Bahn, Wendisch Warnow und Ziegelei.
Geschichte und Etymologie Etymologie mini|Kirche in Karstädt mini|Rittergut Bootz 1864/65 Karstädt wurde 1271 erstmals urkundlich erwähnt und ist ein altes Angerdorf. Der Ortsname geht zurück auf den Ritter Reinoldus (Reinhold) des anhaltischen Adelsgeschlechts von Karstedt, der sich als Zeuge in Wittstock auftrat.siehe Carl Otto Sigismund von Karstedt Ein Bezug zwischen dem Namen der Familie und der Ortschaft gilt als genealogisch gesichert. Im Jahr 1305 wurde Johann genannt von Karstedte erwähnt, 1421 findet sich die Form to Karstede, 1482 wiederum to Karstede sowie 1495 Karstede.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 383
Besitzgeschichte Der Ort Karstädt wies eine komplexe Besitzgeschichte mit mehreren Anteilen auf. Vor 1421 besaßen die von Winterfeld zu Dallmin jährliche Renten im Umfang von 5 1/2 Wispel sowie weitere Hebungen von sechs Hufen mit Gerechtigkeiten und Diensten. Zwischen 1421 und 1872 gehörte dieser Anteil zur Herrschaft Stavenow, die bis 1647 im Besitz der von Quitzow stand, von 1647 bis 1719 von den Freiherren von Blumenthal gehalten wurde und von 1719 bis 1809/1819 an die von Kleist gelangte, bevor er schließlich an die von Voß zu Stavenow überging. Diese übten die Ober- und Untergerichtsbarkeit, das Kirchenpatronat sowie die Herrschaft über sechs Hufner und vier Kossäten einschließlich des Dorfschulzen (belegt 1649 und 1745) aus; seit 1814 umfasste dieser Anteil zudem den Besitz der von Wartenberg (siehe dritter Anteil). In den Jahren 1474, 1483 und 1518 veräußerten die von Quitzow Hebungen aus Karstädt an den Kaland in Perleberg auf Wiederkauf, die noch 1542 von diesem erhoben wurden. Ein zweiter Anteil befand sich bereits vor 1315 beziehungsweise vor 1579 bis 1872 im Besitz der von Karstedt zu Kaltenhof. Einer der beiden Rittersitze war zwischen 1629 und 1713 im Wiederkaufsbesitz der von Winterfeld zu Dallmin. Dieser Anteil umfasste drei Bauernstellen, die für 1711 und 1745 nachgewiesen sind. Ein dritter Anteil gehörte von vor 1547 bis 1814 den von Wartenberg zu Nebelin und umfasste zwei Hufnerstellen (belegt 1599) mit Zaungerechtigkeit (1711 und 1745). Im Jahr 1814 wurde dieser Besitz an die von Voß zu Stavenow veräußert und damit mit dem ersten Anteil vereinigt. Darüber hinaus erhielt 1542 die Kommende Dobberzin in Perleberg einen Roggenzins von 24 Scheffel von zwei Bauern, während 1715 das Rülowsche Lehen eine Pacht von 1 1/2 Wispel bezog.
14. bis 16. Jahrhundert Karstädt ist 1421 als Dorf belegt. Für 1483 ist ein Schulzenhof nachgewiesen. 1542 bestand kein Pfarrhaus und kein Pfarrland; der Pfarrer erhielt 1 Wispel Roggenpacht von zwei Bauern sowie zusätzlich 1 Wispel von vier Bauern und 1 Wispel aus Blüthen. Für 1542 sind 1 Schock Kommunikanten belegt. Ein Küster fehlte; 1558 gab jeder Hufner Scheffel und jeder Kossät 1 Viertel Roggen. Der Kirchacker umfasste Saat zu vier (1581: sechs) Scheffeln im Dreijahresrhythmus; 1558 bestanden zwei Wiesen, 1581 zusätzlich weiteres Land.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 385 Im Jahr 1576 umfasste das Dorf elf Einhufner und vier Kossäten.
17. Jahrhundert 1652 sind sieben Hufner und vier Kossäten mit insgesamt elf Personen überliefert. 1686 bestanden acht Hufnerstellen ohne Hufe (davon eine wüst) sowie sieben Kossäten, darunter drei Dreiviertelhufner. Die Aussaat betrug insgesamt 13 Wispel 8 1/2 Scheffel; den wüsten Hof nutzte ein Bauer. Es wurde Dreifelderwirtschaft betrieben, wobei beim Roggen noch nicht das dritte Korn und bei Gerste das zweite Korn gewonnen wurde. Die Wiesen galten als mittelmäßig (ein Hufner erhielt etwa sechs, ein Kossät zwei Fuder Heu), Weide und Viehzucht waren schlecht. Der Acker war mittelmäßig, es gab etwas Mast auf dem Hufschlag, keine Fischerei und nur notdürftiges Brennholz (Kavelholz). Das Dorf wurde in die zweite Klasse eingeordnet.
18. Jahrhundert 1719 umfasste Karstädt elf Hufner, vier Kossäten, zwei Paare Einlieger und zwei Hirten ohne Vieh bei acht Hufen zu 14 Groschen. 1734 werden elf Ganzbauern, vier Kossäten, sechs Häusler, ein Schäfer und ein Hirt erwähnt; die Aussaat betrug 13 Wispel 8 Scheffel 8 Metzen. 1745 erscheint Karstädt als Dorf mit elf Bauern und vier Kossäten. 1760 bestanden weiterhin elf Hufner und vier Kossäten sowie zwei Paare Einlieger und ein Dorfschäfer bei acht Hufen. 1791 werden elf Bauern, vier Kossäten und 15 Haushaltungen bei 33 Feuerstellen genannt.
19. Jahrhundert 1801 bestanden elf Ganzbauern, vier Kossäten und elf Einlieger bei 33 Feuerstellen. 1819 umfasste das Dorf elf Hufner, vier Kossäten, ein Dorfschäfer, ein Kuhhirt und fünf Paare Einlieger bei acht Hufen zu 14 Groschen. 1846 sind 36 Wohnhäuser belegt. 1852 wurde die Feldmark als überwiegend leichter Boden beschrieben, mit einigen Wiesen am Löcknitzbach und ohne Mineralvorkommen; es bestand Dreifelderwirtschaft, zwei- beziehungsweise vier- bis fünfschürige Wiesen sowie Rindviehweide. Die Rinder- und Schafzucht war unbedeutend, Schweine-, Geflügel- und Bienenzucht fehlten; die Fischerei war ganz unbedeutend. Haupterwerbsquelle war der Ackerbau (etwa zwei Drittel Winter- und ein Drittel Sommerkorn), Nebenbeschäftigungen bestanden nicht. Der Ort lag an der Chaussee sowie an der Eisenbahnlinie Berlin–Hamburg. 1860 bestanden fünf öffentliche Gebäude, 43 Wohn- und 24 Wirtschaftsgebäude bei einer Fläche von 2340 Morgen (20 Morgen Gehöfte, 44 Morgen Gartenland, 1562 Morgen Acker, 241 Morgen Wiese, 433Morgen Weide, 40 Morgen Wald). 1871 wurde der Bahnhof Karstädt mit zwei Wohngebäuden genannt.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 384
20. Jahrhundert 1900 umfasste Karstädt 69 Häuser bei 638 Hektar Fläche. Eine detaillierte Sozialstruktur ist für 1908 überliefert, darunter Amtsvorsteher, Bauern, Dreiviertelbauern, Kossäten, Landwirte sowie zahlreiche Handwerker, Händler, Beamte und Eisenbahnbedienstete, ferner ein Arzt und ein Lehrer. Verwaltungsgeschichtlich wurde 1928 der Gutsbezirk Stavenow (ohne die von Hinkeldeysche Forst und das Vorwerk Waterloo) eingemeindet. 1931 umfasste die Gemeinde die Wohnplätze Bahnhof Karstädt, Semlin und Stavenow. Es bestanden 180 Wohnhäuser bei 2117 Hektar Fläche. 1939 verzeichnete man einen Betrieb über 100 Hektar, 16 mit 20–100 Hektar, elf mit 10–20 Hektar, sieben mit 5–10 Hektar und 46 mit 0,5–5 Hektar (352 in der Landwirtschaft Tätige); hinzu kamen 522 Beschäftigte in Industrie und Handwerk sowie 233 in Handel und Verkehr.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 1946 885,14 Hektar enteignet und auf Neu- und Altbauern sowie Gemeinden und die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) verteilt. Im Jahr 1958 entstand eine LPG V. Parteitag mit neun Mitgliedern und 62,09 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. 1960 bestanden eine LPG Typ I Aufbau mit 23 Mitgliedern und 283 Hektar sowie eine LPG Typ III mit 66 Mitgliedern und 606,38 Hektar; noch im selben Jahr wurde die LPG Aufbau aufgeteilt. 1964 und 1973 bestanden die Ortsteile Semlin und Stavenow, 1974 wurde Postlin eingegliedert, und 1985 sowie 1995 wird Karstädt als Gemeinde mit den Ortsteilen Postlin, Semlin und Stavenow geführt 1968 und 1971 erfolgten weitere Zusammenschlüsse benachbarter LPG, 1976 die Bildung der LPG Löcknitztal Karstädt durch Fusion mehrerer Betriebe, 1978 deren Erweiterung. 1979 entstanden getrennte LPG für Tier- und Pflanzenproduktion. 1970 bestanden im Ort volkseigene Betriebe, darunter Tankanhängerbau und Bau- und Holzbearbeitung sowie ein staatlicher Forstwirtschaftsbetrieb. 1990/1991 wurden die LPG vereinigt, 1992 in die Agrargenossenschaft Karstädt e.G. umgewandelt. 1995 bestand eine differenzierte Agrar- und Gewerbestruktur mit mehreren Genossenschaften und Unternehmen.
Glövzin und Kaltenhof Eine Besiedlung der Region gab es bereits in der Jungsteinzeit. Aus der Eisenzeit sind Urnen und Grabbeigaben gefunden worden.Andrea Moser: Importe und Kontakte. Erste Aussagen zu einer eisenzeitlichen Siedlung bei Karstädt, Lkr. PrignitzAndrea Moser, Eric Biermann: „Feuerböcke“ der vorrömischen Eisenzeit – eine vernachlässigte Artefaktgruppe. Funde aus Karstädt 12 und Garlin 10, Lkr. Prignitz
Vom 6. bis ins 12. Jahrhundert bestanden mehrere kleine slawische Siedlungen. Glövzin wurde erstmals 1252 urkundlich erwähnt, die Ortsgründung erfolgte jedoch bereits um 1230 durch die Familie von Karstedt. Ab dem 14. Jahrhundert bestand die Bevölkerung Glövzins überwiegend aus Untertanen des Grundherren zu Stavenow, und nur noch wenige Höfe im Ort gehörten der Familie von Karstedt. Diese gab im 16. Jahrhundert den Rittersitz in Glövzin auf, nachdem sie 1540 einen Gutshof in Kaltenhof errichtete, ein Ort der 1542 erstmals erwähnt wurde. Zu dieser Zeit gab es in Glövzin 17 Hufner, sechs Kossäten und einen Schneider. Der Pfarrhof war wüst, die Küsterei wurde erst 1558 wieder besetzt. Im Dreißigjährigen Krieg verlor der Ort fast alle seine Einwohner, noch 1686 wurden nur elf männliche Bewohner gezählt.