mini|Blick von der Pötzer Straße bei Holtensen auf Welliehausen und dahinter der Ostteil des Süntel, 2025

Welliehausen liegt im Norden Hamelns und wurde am 1. Januar 1973 als ursprünglich eigenständige Gemeinde im Rahmen der Gebietsreform in die Stadt Hameln eingemeindet. Am 31. Dezember 1973 wurde aus den Gemeinden Holtensen, Unsen und Welliehausen der Hamelner Ortsteil Sünteltal gebildet.

Geografie Der Ort liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln am südöstlichen Rand des Süntelgebirges auf 191 m ü. NHN. Westlich von Welliehausen, zwischen Süntel und Landesstraße L 432, erstreckt sich das 26,69 ha große Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Pötzen“.

Geschichte Wie die Funde von drei verschiedenartigen Schabern zeigen, wurde das Gebiet bei Welliehausen bereits in der Mittelsteinzeit (8000–5600 v. Chr.) von Menschen aufgesucht.Jürgen Schlieckau: Die Geschichte der Dörfer Diedersen und Dadersen, Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden, 2025, ISBN 978-3-95954-174-9, S. 11.

Mittelalter Nach der Siedlungsforschung wurden Orte mit den Endungen „-hausen“ und „-husen“ (abgeschliffen zu „-sen“), wie Welliehausen, in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends am Süntel in zweitrangiger Siedlungslage angelegt.

Welliehausen gehörte zum Archiadiakonat Ohsen der Diözese Minden, das faktisch bis 1647/1648 bestand und infolge des Westfälischen Friedens offiziell aufgelöst wurde.

Welliehausen lag außerdem im Gerichtsbezirk Goe auf der Hamel im altsächsisch-engernschen Tilithigau.Jürgen Schlieckau, 2025, S. 25.

Die erste urkundliche Erwähnung von Weldihusenvgl. zur Ortsnamenforschung das Niedersächsische Ortsnamenbuch (NOB). Es ist ein langfristig angelegtes Projekt des Instituts für Historische Landesforschung an der Universität Göttingen. datiert in die Zeit von 1237 bis 1247, in der eine Hufe zu Welingehusen als Eigentum der vom altsächsischen Grafen Bernhard von Engern und Ohsen († 826) und Gräfin Christina 802 oder 812 gegründeten Stiftskirche Sankt Bonifatius zu Hameln und erneut in der Zeit von 1311 bis 1324 als Eigentum des Hamelner Stiftes beurkundet wird. In einer Urkunde vom 14. April 1359 verpflichtet sich ein Knappe Herman von Stelre (Steller) gegenüber dem Junker Otto Graf von Eberstein, den Hof zu Welingehusen mit 2 Hufen (das entspricht ca. 60 ha), den er für 22 Mark dem Knappen Luder von Stochem verpfändet hatte, innerhalb von 4 Jahren wieder einzulösen. Bei diesem Hof handelt es sich wohl um den einzigen Vollmeierhof des Dorfes. Steller wohnte nicht auf dem Hof, sondern verpfändete ihn an einen anderen Siedler. Im Lehnsbuch des Grafen Otto I. von Schauenburg und Holstein-Pinneberg (* ca. 1330, † 1404) wird um das Jahr 1380 ein Lehen in Welliehausen beurkundet: „Schadelant […] den teghenden to Weldehusen […]“. Die Lehensinhaber von Welliehausen lassen sich bis 1834 nachweisen. Im Güterverzeichnis des 896 gegründeten Stifts Möllenbeck bei Rinteln wurde das Dorf Welliehausen (Weldyhusen) erstmals 1456 erwähnt: „[…] dat gantze dorp to Weldehusen“,Ludwig Fricke 2002, S. 23 ff."Mulinpeche in pago Osterpurge infra terminum ville, que nun cupatur achriste"; Das Damenstift Möllenbeck war zuerst dem Hl. Petrus und später dem Hl. Dionys geweiht. 1446 wurde es mit Mönchen aus dem Kloster Bödeken aus dem Paderborner Raum belegt. Siehe LWL, Westfälische Geschichte. aber 1465 im Güterverzeichnis des Stiftes Möllenbeck als wüst bezeichnet: „Dyt ganze dorp ist mestig woste und ward von Holthusen ut geseiet […].“ Die Güter in Welliehausen gehörten zum Streubesitz des Damenstifts und späteren Augustiner-Chorherrenstifts Möllenbeck, wurden vom „Amt Hachmühlen“ (interner klösterlicher Verwaltungs- und Rechnungsbezirk, 14. Jh.-1649) aus verwaltet und als Lehen an den lokalen niederen Adel ausgegeben. Das Stift konnte von den Lehnsnehmern den Zehnten und Dienste einfordern, um den wirtschaftlichen Betrieb des Stifts Möllenbeck zu finanzieren.

Ab dem 15. Jahrhundert im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit bildete eine Landwehr in Form von Buschwerk, der sogenannte Schaumburger Knick,Christina Ricke: Wehrbergen im Wandel der Zeit, Hameln, 1990, S. 17 f., zit. Staatsarchiv Hannover, Hann. 74 Springe Nr. 86. am westlichen Rand der Gemarkung Welliehausen die Grenze zum Schaumburgischen. Der Schaumburger Knick zog sich als Grenze der beiden Hoheitsgebiete Fürstentum Calenberg und Grafschaft Schaumburg vom Kamm des östlichen Teils des Süntels hinunter zum westlichen Rand der Gemarkung von Welliehausen, über die Pötzer Landwehr und den Lengeberg zur westlichen Grenze der Gemarkung von Wehrbergen bis in die Weser.

Neuzeit Im Jahr 1538 wurde der Knappe Corth van Bardeleue vom Prior des Stiftes Möllenbeck (Kloster Möllenbeck) mit Weldyehussen belehnt. Von 1542 bis 1544 führte Herzogin Elisabeth von Calenberg (geborene Prinzessin von Brandenburg, * 24. August 1510, † 25. Mai 1558) in ihrem Gebiet und damit auch in Welliehausen die Reformation ein.Jürgen Schlieckau 2025, S. 7. Unterstützt wurde sie dabei von Jobst von Walthausen (* 30. April 1508, † 8. April 1592), dessen Vorfahren aus Welliehausen stammten und der Kanzler ihres Sohnes, des Herzogs Erich II. von Braunschweig-Calenberg-Göttingen (* 10. August 1528, † 17. November 1584) war.Ludwig Fricke 2002, S. 216 ff.

1554 fand im Zuge der direkten chaotischen Nachwehen des Zweiten Markgrafenkrieges bzw. der Bundesständischen Fehde (1552–1554) in Weldihusen Raub und Brandschatzung durch das Kriegsvolk der Herzöge Heinrich II. der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel (* 10. November 1489, † 11. Juni 1568) und seines Sohnes Philipp Magnus von Braunschweig-Wolfenbüttel (* 26. Juni 1527, † 9. Juli 1553) statt.Ludwig Fricke 2002, S. 56.

Der reiche Unternehmer Statius von Münchhausen (* 5. Juni 1555, † 27. März 1633), Bauherr von Schloss Bevern, kaufte um 1600 zahlreiche Bauernhöfe in Welliehausen auf.

Die Bauern des Ortes waren dem Dorfmeister in Vorwerk Dahle an der Deisterpforte zu Fuhrdiensten und Abgaben verpflichtet.

Vom Dreißigjährigen Krieg war die Dorfbevölkerung von Welliehausen hart betroffen. In einer calenbergischen Urkunde von 1633 hieß es: „Wellighausen hatt nur (noch) 4 Häuser“ (von ursprünglich 17 Feuerstellen); 1642 war aber fast alles wieder aufgebaut.

1308 wurden in einer Urkunde erstmals Steinbrüche, sogenannte „Steinkuhlen“, im Süntel bei Welliehausen erwähnt. 1574 beschrieb Herzog Erich II. seine herrschaftlichen Steinbrüche im südöstlichen Süntel über Welliehausen. Dort wurde seit dem Spätmittelalter Wealdensandstein abgebaut, und im 19. Jahrhundert gab es neun Steinbruchinhaber und -pächter.Ludwig Fricke 2002, S. 221 ff. Mit dem Sandstein aus dem Süntel bei Welliehausen wurden unter anderem der Erweiterungsbau des Schlosses Pyrmont und die Stadtkirche in Bad Pyrmont, das Hochzeitshaus, das Leisthaus, das Rattenfängerhaus, die Creditbank Hameln und die Schleuse in Hameln, die Türme des Bremer Doms, das Kreishaus und die Stiftskirche (Marienkirche Herford) in Herford, sowie das Schloss Schwöbber, das Schloss Barntrup und das Schloss Uhlenburg/Westfalen gebaut.Ludwig Fricke 2002, S. 232 ff.

1620 gab es die erste urkundliche Erwähnung des Steinkohlenbergbaus im östlichen Bereich des Welliehäuser Forstes. Die Steinkohle wurde als Schmiedekohle für die Glashütte Klein Süntel (ab 1760), für die Saline in Münder sowie als Hausbrand verwendet. Der Kohleabbau im Süntel fand mit Unterbrechung bis 1954 statt.Ludwig Fricke 2002, S. 240 f.

Am Waldrand des Süntels oberhalb von Welliehausen, am Ende des „Großen Steinweges“ (heute: Straße „Süntelhang“) lag der Kalksteinbruch aus Korallenoolith, aus dem seit alters her Steine zur Ausbesserung von Straßen entnommen wurden. Er war kleiner als der weiter westlich liegende Steinbruch bei Pötzen. Im Welliehäuser Steinbruch konnten ab Oktober 1962 bis zu 2500 Tonnen Gestein, insbesondere für den Ausbau von Bundesstraßen, verarbeitet werden. Der Kalksteinbruch war bis 1967 in Betrieb, wurde 1971 mit Abraum verfüllt und ab 1985 bepflanzt und renaturiert.Ludwig Fricke 2002, S. 238 ff.

20. und 21. Jahrhundert Im Jahr 1905 wurde an der östlichen Grenze des Welliehäuser Forstes, am Rand eines Sandsteinbruchs, eine Unterkunft für Steinbrucharbeiter erbaut, die 1920 in ein Wanderheim, die „Julius-Blanck-Hütte“ umgenutzt wurde. Dieses Heim schloss sich dem Deutschen Jugendherbergsverband an und wurde seit dieser Zeit auch als Gaststätte betrieben. Es wurde 1933 aus politisch-ideologischen Gründen auf den Namen „Jahnhütte“ umbenannt und war während des Zweiten Weltkriegs von der NS-Volkswohlfahrt (NSV) und der Hitlerjugend belegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus weiter als Gaststätte bewirtschaftet, bis es am 1. Oktober 1974 an die Stadt Hameln verkauft und 1978 wegen fehlender Kanalisation und hoher Modernisierungskosten abgerissen wurde. Aus den Sandsteinen der abgebrochenen „Jahnhütte“ baute das Stadtforstamt Hameln eine Schutzhütte.Ludwig Fricke 2002, S. 236 f.

1912/13 wurde die Gemeinde Welliehausen an die Stromversorgung der Überlandzentrale (Elektrizitätswerk) Hameln angeschlossen.

Während des Ersten Weltkrieges und noch einige Zeit länger wurden Kinder aus dem Ruhrgebiet in Welliehausen untergebracht, deren Ernährung im Ruhrgebiet in den Kriegsjahren nicht gesichert war.Ludwig Fricke 2002, S. 60. Nach Kriegsende wurde am 28. November 1918 in Welliehausen ein „Arbeiter- und Bauernrat“ gewählt.Ludwig Fricke 2002, S. 267 f.

Ab 1929 gab es eine Buslinie Pötzen-Welliehausen-Holtensen, die zweimal täglich betrieben wurde.Ludwig Fricke 2002, S. 260.

In den Jahren 1937 bis 1938 wurde am Rand des Sandsteinbruchs nordöstlich der „Jahnhütte“ das Horst-Wessel-Denkmal im Süntel errichtet.

Im Zweiten Weltkrieg arbeiteten neun junge Zwangsarbeiter (fünf Jungen und vier Mädchen), die mehrheitlich aus Polen deportiert wurden, auf Bauernhöfen in Welliehausen. Sie wurden im Mai 1945 in ihre Heimat zurücktransportiert. Im Haus Nr. 7 in der Straße „Schlenke“ in Welliehausen wurden nach 1941 russische Kriegsgefangene untergebracht, die wegen eines 1940 erfolgten Windbruchs im Süntel als Zwangsarbeiter Fichtenholz aufarbeiten mussten.Ludwig Fricke 2002, S. 270.

Bereits in den Tagen der Belagerung von Hameln im April 1945 war das Dorf mit Einwohnern aus der Stadt Hameln belegt. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurden viele aus Hannover und aus dem Aachener Raum evakuierte Familien in Welliehausen untergebracht, unter anderem Ausgebombte. Sie kehrten noch im gleichen Jahr überwiegend wieder in ihre Heimatorte zurück. In Welliehausen lebten nach dem Krieg viele Familien von Kriegsflüchtlingen und Heimatvertriebene aus dem Osten.Ludwig Fricke 2002, S. 350.

Holtensen war für die Welliehäuser immer das Kirch- und Schuldorf. 1908 wurde nach dem Abriss des mittelalterlichen Kirchenschiffes die ev.-luth. St.-Aegidienkirche in Holtensen gebaut. Teile des Kirchengebäudes, insbesondere der untere Teil des Westturms, gehen bis auf das 12. Jahrhundert zurück.

Bis 1968 wurden verstorbene Welliehäuser auf dem Friedhof in Holtensen beigesetzt. Der städtische Friedhof in Welliehausen wurde 1968 eingeweiht und erhielt 1971 eine Friedhofskapelle sowie 1996 einen Glockenturm.

Im Juni 1977 wurde am östlichen Rand der Gemarkung Welliehausen, am Waldrand des Süntel, das „Waldbad Sünteltal“ eröffnet. Das Freibad ist mit einem 25 Meter Schwimmerbecken, einem Nichtschwimmerbecken, einem Babybecken, einem Spielplatz, einer großen Liegewiese, einem Beachvolleyballplatz und einem Kiosk ausgestattet. Das Schwimmerbecken wurde in den Jahren 2021 und 2024 in den Wintermonaten jeweils mit einer beheizbaren Traglufthalle zum „wintertauglichen“ Hallenbad umgerüstet.