Die Geschichte der Volksrepublik China beginnt am 1. Oktober 1949, als Mao Zedong die Gründung der Volksrepublik China auf dem Tiananmen in Peking proklamierte. Die Kommunistische Partei Chinas war von Anfang an die einzige Regierungspartei auf dem chinesischen Festland. Zuvor besiegte die Kommunistische Partei die Kuomintang und die Republik China, die sich dann nach Taiwan zurückzogen und dort blieben. Seit 1949 gab es fünf sogenannte „Überragende Führer“: Mao Zedong (1949–1976), Deng Xiaoping (1978–1989), Jiang Zemin (1989–2002), Hu Jintao (2002–2012) und Xi Jinping (2012- ). Hua Guofeng war während der Übergangszeit (1976–1978) führend. Vier Verfassungen wurden 1954, 1975, 1978 bzw. 1982 veröffentlicht.
Mao-Zedong-Ära 1949–1976 Gründungszeit der Volksrepublik China 1949–1957
Neuausrichtung des Staates Nach dem Sieg der Kommunistischen Partei über die Kuomintang im chinesischen Bürgerkrieg wurde am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China ausgerufen. Erfolge bei der Bekämpfung der Inflation, dem Wiederaufbau der Infrastruktur und der darniederliegenden Landwirtschaft bescherten der kommunistischen Führung Popularität. Mit der Volksrepublik erlebte China zum ersten Mal im 20. Jahrhundert Stabilität und Frieden. Die Furcht vor einem erneuten Auseinanderbrechen Chinas und ein daraus abgeleiteter Kampf gegen vermeintliche „Abweichler“ und „Konterrevolutionäre“ blieb eine Konstante in der chinesischen Politik.
Zunächst war die Partei auf die Mithilfe des Bürgertums angewiesen. Mao proklamierte deshalb im Frühjahr 1949 die langfristige Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Parteien und bezeichnete diese Zusammenarbeit als „demokratische Diktatur“. Neben der Kommunistischen Partei wurden acht weitere Parteien zugelassen, die mithelfen sollten, die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in den neuen Staat zu integrieren und es wurde eine „Allianz der Proletarier, Mittelbauern, Kleinbürger und der nationalen Bourgeoisie“ in der Volksrepublik ausgerufen. Mittelbauern waren Bauern mit 15 bis 25 Ar Grundbesitz, zur nationalen Bourgeoisie gehörten die kleineren Unternehmer. Politische Macht hatte jedoch nur die Kommunistische Partei, die sich selbst die Vertretung der Arbeiter und Bauern vorbehielt.
Mitte des Jahres 1950 waren die dringendsten Probleme im Griff. Die Hungersnot war zurückgedrängt und die Staatsverwaltung funktionierte. Die Kommunistische Staatsführung konnte damit beginnen, die Gesellschaft in ihrem Sinne umzugestalten und sie versuchte, die Menschen umzuerziehen. In Anbetracht der wirtschaftlichen Rückständigkeit des Landes wollten sie ein noch nicht vorhandenes „sozialistisches Bewusstsein“ in der Bevölkerung durch entsprechende Ausbildung schaffen.
China brauchte seine gebildeten Eliten, seine Experten, um den Aufbau des Landes voranzutreiben, besonders weil es nur so wenige waren. Die breite Masse der Bevölkerung waren Analphabeten. Doch ideologisch waren die Intellektuellen und Fachleute den Bauern und einfachen Arbeitern untergeordnet und seitens der kommunistischen Regierung klar benachteiligt. Im Jahr 1950 wurde ein Ehegesetz erlassen, wodurch die Mehrehe abgeschafft wurde und die Frauen in der Volksrepublik China erstmals ein Recht auf freie Partnerwahl, auf Scheidung aus eigenem Willen sowie auf das Sorgerecht nach einer Scheidung erhielten.Irene Eber: Der Status der Frau in China. In: Yitzhak Shichor: People's China. Tradition Versus Change. S. 70.
Überschattet waren die ersten Jahre der Volksrepublik durch den Koreakrieg. Er dauerte von Juni 1950 bis Juli 1953, kostete einer Million chinesischer Soldaten das Leben und verschärfte das innenpolitische Klima. Die Kommunisten betrachteten das Vorrücken der amerikanischen Armee bis an die chinesische Grenze als Bedrohung für die eben erst gegründete Volksrepublik und traten im Oktober 1950 in den Krieg ein.
Zerschlagung der bisherigen Gesellschaftsordnung
Mit dem Ziel der Zerschlagung der alten feudalistischen Ordnung und der Schaffung einer neuen Gesellschaft wurden ab Mitte 1950 exakt organisierte Massenkampagnen durchgeführt, die das Bewusstsein der Volksmassen verändern sollten. Jede Kampagne stand unter sorgfältiger Lenkung der Kommunistischen Partei, die die Durchführung der vier Elemente einer Kampagne (Vorbereitung, Mobilisierung des Umfelds, Durchführung und Ergebniszusammenfassung) einschließlich der Zeitdauer genau festlegte.
In der Bodenreformkampagne wurden die Grundbesitzer enteignet und das Land unter den landlosen Bauern aufgeteilt, die Kampagne gegen Konterrevolutionäre richtete sich gegen die Vertreter des alten Staates. Viele der ehemaligen Grundbesitzer und Vertreter des alten Staates wurden wegen wirklicher oder übertriebener Verbrechen angeklagt und, durch das „Votum der Massen“, zum Tode verurteilt und getötet.
Der erste Fünfjahresplan mini|Eröffnung der Bahnlinie Chengdu–Chongqing, 1952 Die wirtschaftliche Bilanz der Jahre 1949 bis 1952 war gut. Der Produktionswert von Industrie und Landwirtschaft zusammengenommen war, bei Preisen von 1952, von 46,6 Mrd. Yuan auf 82,7 Mrd.Khaled M. Kayali: Political integration of the chinese communist party elite 1952–1966, Yuan gestiegen. Die Konsolidierung der Wirtschaft nach dem Krieg war geglückt und es wurde ein Sozialsystem aufgebaut.
Im ersten Fünf-Jahres-Plan für 1953 bis 1957 lag, nach sowjetischem Muster, der Schwerpunkt auf der Schwerindustrie, während die Landwirtschaft den Aufbau der Industrie zu bezahlen hatte. Der Plan war, auch dank sowjetischer Hilfe, erfolgreich, es wurde ein jährliches Wachstum des Nationalprodukts von 8 bis 9 % erreicht. Die sowjetische Hilfe musste allerdings mit Agrarausfuhren bezahlt werden, was zu Versorgungsengpässen im eigenen Land führte.
Das „Auskaufen“ der Nationalen Bourgeoisie
Bei der Gründung der Volksrepublik wurde den Kleinunternehmern der Schutz ihres Eigentums zugesichert, aber ab Beginn der 1950er Jahre begannen Schikanen. Im Jahr 1954 war den Unternehmern klar, dass sie als Unternehmer in China keine Zukunft mehr hatten und so gingen sie in der Regel auf das Angebot der Regierung ein, ihr Unternehmen an den Staat zu verkaufen und das Unternehmen als Geschäftsführer weiter zu leiten.
Die Sufan-Bewegung und die Anti-Rechts-Bewegung
Von 1955 bis 1957 verfolgte die Sufan-Bewegung eine große Anzahl von „Konterrevolutionären“, wie zum Beispiel die nichtkommunistischen Intellektuellen.
Im Jahr 1957 wurde die Bevölkerung, d. h. besonders die Intellektuellen von der Regierung aufgefordert, an Partei und Staat konstruktiv Kritik zu üben. Nach einigem Abwarten der Bevölkerung schwoll ein weder von Partei noch von Parteikritikern in diesem Umfang erwarteter Proteststurm an. Im Juli wurde die Hundert-Blumen-Kampagne rigoros beendet und in der nachfolgenden Rechtsabweichlerkampagne wurden nun die, die der Aufforderung Maos zur Kritik gefolgt waren, als Rechtsabweichler verfolgt. Viele verloren ihren Arbeitsplatz, zumindest aber mussten sie demütigende Verhöre mit dem Zwang zur Selbstkritik, oft verbunden mit dem Eintrag „Rechtsabweichler“ bei den Sicherheitsbehörden, über sich ergehen lassen.
Der „Große Sprung“ wird vorbereitet Im Jahr 1957 verstärkte sich die Entfremdung zwischen der chinesischen und sowjetischen Führung und Mao setzte durch, im nächsten Fünfjahresplan wieder verstärkt auf Massenkampagnen zu setzen, die den Aufbau der Wirtschaft noch einmal massiv beschleunigen sollten. Die Bauern, die die große Mehrheit der Bevölkerung stellten, sollten beim Ausbau der Stahlproduktion wie auch bei vielen Infrastrukturprojekten mithelfen. Die Staatsführung schwelgte in Illusionen und seit der Rechtsabweichlerkampagne wagte in der Verwaltung kaum jemand mehr Kritik. Die Tragödie des „großen Sprungs nach vorn“ begann.
Großer Sprung nach vorn 1958 bis 1961
alternativtext=|mini|Der „Hinterhofofen“ zur Herstellung von Stahl. Großer Sprung nach vorn () war der Name für eine Massenkampagne in der Volksrepublik China für die Zeit von 1958 bis 1961.
Die zentrale Idee des Großen Sprungs war, die Bauernschaft, die die große Mehrheit der Bevölkerung ausmachte, und von der die Regierung „revolutionäre“ Begeisterung erwartete, verstärkt zum Aufbau des Landes einzusetzen. Eine Politik, die Mao schon seit Jahren forderte. Mit Hilfe dieser Kampagne sollten die drei großen Unterschiede Land und Stadt, Kopf und Hand sowie Industrie und Landwirtschaft eingeebnet und dadurch die Übergangsperiode zum Sozialismus deutlich verkürzt werden.
Wirtschaftlich wurde durch die Mobilisierung der „Volksmassen“ ein jährliches Wachstum von 45 % in der Industrie und 20 % in der Landwirtschaft erwartet, Zahlen die während der Kampagne noch einmal heraufgesetzt wurden. Hatte der ursprüngliche Fünfjahresplan für 1962 noch eine Stahlproduktion von 12 Mio. Tonnen angepeilt, so wurde die Zahl nun durch 80 bis 100 Mio. Tonnen ersetzt. Die Getreideernte von 1958 mit 200 Mio. Tonnen sollte bis 1960 auf 525 Mio. Tonnen gesteigert werden.Oskar Weggel: Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert (= Kröners Taschenausgabe. Band 414). Kröner, Stuttgart 1989, ISBN 3-520-41401-5.
Während des großen Sprungs nach vorn kam es zur großen Hungersnot von 1959 bis 1961. Die Zahl der Opfer wird zwischen 15 und 45 Millionen Menschen geschätzt. Es gab in diesen Jahren in China zwar schwere Überschwemmungen und Dürren, der Hauptgrund für die Hungersnot lag aber in der Politik. Während die landwirtschaftlichen Erträge während der Kampagne durch die Kollektivierung der Landwirtschaft und die Zusatzbelastung der Bauern durch die Arbeit für Infrastrukturprojekte sanken, wurden, aufgrund weit überhöhter Phantasiezahlen über die reale Produktion, die vom Staat als Steuer erwarteten Getreideabgaben massiv heraufgesetzt, vielen Bauern blieb zum Überleben zu wenig übrig.
In der heutigen offiziellen chinesischen Darstellung war die Hungersnot zu 30 % wetterbedingt und zu 70 % durch politische Fehler bedingt.
Die Zeit von 1961 bis 1965
mini|Mao Zedong, Peng Zhen, Norodom Sihanouk und Liu Shaoqi (1965). Anfang 1961 war China auf einem Tiefpunkt angelangt. Das Volk hungerte und auch die Industrie war schwer beschädigt. Die Getreideproduktion ging von 200 Mio. t (1958) auf 160 Mio. t (1962) zurück, Zucker von 0,9 Mio.t auf 0,34 Mio., Baumwolle von 2,0 Mio. t auf 0,8 Mio., Roheisen von 13,7 Mio. t auf 8,1 Mio., Zement von 9,3 Mio. t auf 6,0 Mio. Vor diesem Hintergrund setzte sich Liu Shaoqi auf dem 9. Plenum der KPCh im Januar 1961 mit einem Notstandsprogramm durch. Das Programm lief unter den Schlagwörtern „Regulierung, Konsolidierung, Ergänzung und Niveauhebung“.
Mao Zedong startete 1963 die „Sozialistische Erziehungskampagne“, die der Vorläufer der Kulturrevolution war.
Aus diesem ursprünglichen Notstandsprogramm entwickelte die Gruppe um Liu Shaoqi ein Wirtschaftsmodell zum Aufbau der chinesischen Wirtschaft, das in scharfem Widerspruch zum Mao’schen Ansatz stand. Das Modell war erfolgreich, aber die Kluft zwischen arm und reich vertiefte sich wieder, den Siegern des neuen Modells standen auch Verlierer gegenüber. So blieben in der staatlichen Industrie zwei Drittel der Arbeiter zeitlich unbefristet angestellt, mit Arbeitsplatzgarantie, Krankenversicherung und Pensionsanspruch, während ein Drittel der Arbeiter nur noch mit Zeitvertrag und ohne soziale Sicherheiten angestellt waren. In der Zeit von 1961 bis 1965 rangen die Linien Maos und Liu Shaoqis um die Macht, wobei mal die eine und mal die andere die Oberhand bekam. Mit der Sozialistischen Erziehungsbewegung begann ab 1963 eine Bewegung, mit der Mao sich immer mehr durchsetzte, und die schließlich in die Kulturrevolution führte.
1964 detonierte China erfolgreich seine erste Atombombe. Die erste Wasserstoffbombe und der erste künstliche Satellit wurden in den folgenden Jahren erfolgreich entwickelt.
Kulturrevolution 1966 bis 1976