mini|360px|Stand des Konflikts Juni 2014

Die Chronik des Bürgerkriegs in Syrien 2014 erfasst die Ereignisse des Bürgerkriegs in Syrien im Jahr 2014.

Januar Am 3. Januar gab die Organisation Ärzte ohne Grenzen bekannt, dass fünf ihrer Helfer im Norden Syriens durch Unbekannte verschleppt worden seien.Oliver Holmes: Medecins Sans Frontieres says five staff detained in Syria. Reuters, 3. Januar 2014, abgerufen am 3. Januar 2014 (englisch).

Bis zum 4. Januar wurden in den Provinzen Aleppo und Idlib nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 60 Menschen im Rahmen einer seit zwei Tagen andauernden gemeinsamen Offensive verschiedener gemäßigter Rebellengruppen gegen die Kämpfer der radikalislamistischen ISIL (Islamischer Staat im Irak und der Levante) getötet. Es handelt sich nach Angaben von Aktivisten um die schwersten Kämpfe zwischen Rebellengruppen seit Beginn des Krieges. Im Dorf Harem, etwa zwei Kilometer von der türkischen Grenze, hätten ISIL-Kämpfer ein Massaker an 30 Gefangenen verübt, nachdem sie von anderen Rebellen umzingelt worden waren. Monzer Akbik, Vertreter der Nationalkoalition syrischer Revolutions- und Oppositionskräfte, erklärte die Angriffe als Reaktion der Freien Syrischen Armee (FSA) auf die „autoritäre Unterdrückung“ durch ISIL. Das syrische Volk weise Versuche von al-Qaida, sich in den befreiten Gebieten zu etablieren, entschieden zurück.Dominic Evans: Syrian rebels launch fierce offensive against al Qaeda fighters. Reuters, 4. Januar 2014 (englisch).

Am 5. Januar wurden die Kämpfe zwischen verschiedenen Rebellengruppen im Norden Syriens fortgesetzt. Nach Angaben von Aktivisten hätten Kämpfer einer neuen Allianz verschiedener Rebellengruppen drei wichtige Kommandeure der radikalislamistischen ISIL getötet und 170 ihrer Kämpfer gefangen genommen. Umgekehrt seien zahllose von ISIL inhaftierte Syrer befreit worden. Die ISIL-Kämpfer seien aus Saraqeb, Maarat al-Numan und dem Grenzort Bab al-Hawa in der Provinz Idlib, sowie Marae und Tal Rifaat in der Provinz Aleppo vertrieben worden. Als Reaktion auf die Angriffe drohte ISIL in einem Statement über den Kurznachrichtendienst Twitter, seine Kämpfer aus von den Rebellen gehaltenen Stadtteilen Aleppos abzuziehen und so den syrischen Regierungstruppen preiszugeben. Zur gleichen Zeit fanden in der irakischen Provinz Anbar heftige militärische Auseinandersetzungen zwischen Einheiten von ISIL und irakischen Regierungstruppen um die Städte Ramadi und Fallujah statt.Liz Sly, Loveday Morris: Rebels battle al-Qaeda-affiliated fighters across northern Syria. In: The Washington Post. 5. Januar 2014 (englisch). Bei einem zweitägigen Treffen in der Türkei bestätigte die Dachorganisation der syrischen Exilopposition „Nationalkoalition syrischer Revolutions- und Oppositionskräfte“ (SNC) Ahmed Dscharba für weitere sechs Monate als Vorsitzenden. Er konnte in der Abstimmung eine knappe Mehrheit gegen den früheren syrischen Premierminister Rijad Hidschab, der sich im August 2012 mit seiner Familie nach Jordanien abgesetzt hatte, hinter sich vereinigen.Dasha Afanasiewa: Western-backed Syrian opposition re-elects Jarba as leader. Reuters, 5. Januar 2014 (englisch). Im nordlibanesischen Tripoli kam es zum wiederholten Mal zu Schusswechseln zwischen Anhängern und Gegnern des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Dabei wurde ein Mensch getötet und sechs weitere verletzt.Stephen Kalin: Sniper fire kills one as clashes flare in Lebanon’s Tripoli. Reuters, 5. Januar 2014 (englisch).

Am 6. Januar dehnten sich die Gefechte zwischen Kämpfern der radikalislamischen ISIL und anderen Rebellengruppen auf die rund 400 Kilometer nordöstlich von Damaskus gelegene Stadt Raqqa aus. Raqqa, die einzige von Rebellen kontrollierte Provinzhauptstadt Syriens, war von den Islamisten im März 2013 eingenommen worden.Khaled Yacoub Oweis: Syria Islamists fight al Qaeda allies in Raqqa. Reuters, 6. Januar 2014 (englisch).

Am 7. Januar wurden nach Angaben der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) im Hafen von Latakia erstmals Container mit Bestandteilen chemischer Waffen auf ein dänisches Frachtschiff verladen. Das Transportschiff nahm danach wieder eine Warteposition in internationalen Gewässern ein bis weiteres Material geladen werden kann. Es wurde dabei von Kriegsschiffen aus Norwegen, Dänemark, Russland und China gesichert. Die syrische Regierung hatte sich in Folge internationalen Drucks nach den Giftgasangriffen von Ghuta zur Übergabe ihres Potentials an chemischen Waffen an die Internationale Gemeinschaft verpflichtet. Die Substanzen sollen nach Italien transportiert werden, von wo die gefährlichsten Bestandteile auf das US-amerikanische Spezialschiff MV Cape Ray verbracht und dort zerstört werden sollen.Syria chemical weapons: First consignment leaves Latakia. In: BBC News. 7. Januar 2014 (englisch). Verschiedene Beobachtergruppen vermeldeten den Tod von bis zu 71 ISIL-Kämpfern in den Kämpfen der letzten drei Tage. Weiterhin wurde angegeben, dass mehrere Kämpfer der ISIL, die bei den oppositionsinternen Kämpfen durch andere Rebellen gefangen genommen wurden, sich aber nicht als Syrer identifizieren konnten, hingerichtet wurden.Angus MacSwan: Syria rebels kill 34 foreign fighters in northwest: monitor. Reuters, 7. Januar 2014, abgerufen am 7. Januar 2014 (englisch).

Am 8. Januar bezifferten Oppositionsaktivisten die Gesamtzahl der Toten in den internen Auseinandersetzungen auf bisher mehr als 274. Sie wiesen auch auf einen Aufruf hin, der der ISIL zugerechnet wird, und in dem ein Sprecher die Kämpfer zur Vernichtung von FSA und anderen Oppositionsgruppen aufruft. Deren Anhänger sollen demnach getötet werden, wo auch immer sie angetroffen werden.„Al Qaeda group vows to attack Syrian rebels, opposition leaders“ Reuters vom 8. Januar 2014, gesichtet am 8. Januar 2014 Bei der Einnahme des bisherigen Hauptquartiers der ISIL in einem ehemaligen Kinderkrankenhaus in Aleppo durch Kämpfer der verbündeten anderen Rebellenkräfte wurden rund 300 Gefangene befreit, darunter Journalisten, Aktivisten und Rebellenkämpfer.Richard Spencer: „Syrian Al-Qaeda group ISIS expelled from second city Aleppo“ The Telegraph vom 9. Januar 2014 Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) blockierte der Vertreter Russlands erneut eine Erklärung, in der die seit dem 15. Dezember 2013 andauernden Luftangriffe der syrischen Luftwaffe auf Aleppo verurteilt werden sollten. In dem von Großbritannien vorgelegten Text wurde die syrische Regierungsarmee für den Tod von mehr als 700 Menschen und die Verletzung 3.000 weiterer verantwortlich gemacht.Michelle Nichols and Louis Charbonneau: „Russia again blocks U.N. Security Council from condemning Syria attacks“ Reuters vom 8. Januar 2014

Am 9. Januar erklärte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier, dass Deutschland bereit sei, sich an der Beseitigung der syrischen Chemiewaffen zu beteiligen. Deutschland verfüge über die technischen Fähigkeiten und sollte sich deshalb nicht verweigern.Andreas Rinke: „Germany will help dispose of Syrian chemical weapons“ Reuters vom 9. Januar 2014 Bei einem Autobombenanschlag im Dorf al-Kafat in Zentralsyrien wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) mindestens 18 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt, darunter viele Frauen und Kinder. Al-Kafat wird überwiegend von Angehörigen der schiitischen Minderheit bewohnt und von syrischen Regierungstruppen kontrolliert.

Am 10. Januar berichteten syrische staatliche Medien, dass Truppen, die loyal zu Präsident Assad stehen, einen Versuch von Rebellen, den Belagerungsring um Homs zu durchbrechen, vereitelt hätten. Die Medien berichteten von 37 getöteten Rebellenkämpfern, während Oppositionsquellen von mindestens 45 toten Kämpfern ausgingen.Dominic Evans:„Assad’s forces kill dozens of rebels in Homs city“ vom 10. Januar 2014, gesichtet am 10. Januar 2014 Im spanischen Córdoba beendeten Vertreter eines weiten Spektrums von Oppositions- und Rebellengruppen ein zweitägiges Treffen. Es wurde ein Koordinationsgremium eingesetzt, eine Einigung bezüglich der Teilnahme an den für den 22. Januar geplanten Friedensgesprächen in Genf konnte nicht erzielt werden.Dominic Evans: „Al Qaeda group fights back against Syria rebel assault“ Reuters vom 10. Januar 2014

Am 12. Januar erklärte die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos anlässlich eines Besuchs in Syrien, die Vereinten Nationen (UN) benötigten wenigstens 6,5 Mrd. Dollar für die Unterstützung der Opfer des seit drei Jahren andauernden Konfliktes in Syrien. Außer den über zwei Millionen Flüchtlingen im Ausland gebe es weitere vier Millionen, die im Inland auf Hilfe angewiesen seien. Rund 2,5 Millionen von ihnen seien aufgrund von Kämpfen oder Belagerungen nur schwer für humanitäre Helfer zu erreichen.Marwan Makdesi: „Syria donor meeting aims to raise over $1.5 billion, U.N. aid chief says“ nach Reuters vom 12. Januar 2014 In einem Kommuniqué forderten die Freunde Syriens bei einem Außenministertreffen die syrische Opposition auf, sich an der geplanten Friedenskonferenz in Genf zu beteiligen. Im Norden und Osten Syriens wurden nach Angaben der Aktivisten der SOHR seit Beginn der Offensive mehrerer Rebellengruppen gegen die Kämpfer der ISIL mehr als 700 Menschen getötet. Die Regierungsarmee konnte nach Angaben der Beobachtungsstelle in Folge der Kämpfe unter den Rebellen die Stadt Nakarin bei Aleppo einnehmen.„Syriens Opposition lässt Teilnahme an Friedenskonferenz weiter offen“ nach Deutsche Welle vom 12. Januar 2014 Nach Angaben von Aktivisten konnten Kämpfer der ISIL einen Großteil der an andere Rebellengruppen verlorenen Gebiete zurückerobern, vor allem im Bereich von ar-Raqqa und den Grenzübergang zur Türkei in Tel-Abyad. ISIL Angehörige hätten bei den Kämpfen in der Umgebung von Raqqa rund 100 Kämpfer rivalisierender islamistischer Gruppierungen, einschließlich des örtlichen Kommandeurs der al-Nusra-Front, gefangen genommen und hingerichtet.Khaled Yacoub Oweis: „Al Qaeda Syria unit executes dozens of rivals in Raqqa: activists“ Reuters vom 12. Januar 2014, gesichtet am 12. Januar 2014 Nach verschiedenen Berichten wurden im Lande zahlreiche Menschen bei Angriffen von Regierungstruppen getötet, darunter allein erneut 21 bei Luftangriffen mit sog. Fassbomben auf die Stadt al-Bab in der Provinz Aleppo.Karen DeYoung and Liz Sly: „To end Syrian civil war, rebels must help form transition government, Kerry, others warn“ Washington Post vom 12. Januar 2014

Am 13. Januar erklärten die Außenminister der Vereinigten Staaten, John Kerry, und Russlands, Sergei Lawrow, auf einer Pressekonferenz nach einem gemeinsamen Treffen mit dem Syrien-Beauftragten der Vereinten Nationen, Lakhdar Brahimi, in Paris, dass sie sich gemeinsam für zunächst lokal begrenzte Waffenstillstandsvereinbarungen im Syrien-Konflikt einsetzen wollen, beginnend mit Aleppo. Außerdem werde ein Gefangenen­austausch zwischen den Kriegsparteien angestrebt. Lawrow erklärte, es gebe Anzeichen, dass die syrische Regierungsarmee humanitäre Hilfslieferungen für die seit mehr als einem Jahr von ihr belagerten Vororte von Damaskus – insbesondere die 160.000 Einwohner von Ghuta – zulassen könnte. Keine Verständigung konnte über eine Teilnahme des Iran an der geplanten Friedenskonferenz in Genf erzielt werden.Warren Strobel: U.S. and Russia say Syria aid access and local ceasefire possible. In: Reuters.com, 13. Januar 2014 (englisch). Unterdessen gaben Aktivisten die Zahl der Hungertoten in von der syrischen Regierungsarmee belagerten Vororten von Damaskus mit mittlerweile 68 an.Ruth Sherlock: „Syria: dozens die of starvation in Damascus after being ‚denied food‘“ The Telegraph vom 13. Januar 2014