mini|hochkant|Häuser im Münchner Stil in der Sparkassenstraße mini|hochkant|Im Bozner Stadtbuch erscheinen in der Landgerichtsordnung für Gries-Bozen von 1487 mit Wangergaß und Schuestergaß frühe Straßenbezeichnungen mini|Stadtplan von Bozen aus Geuters Reiseführer von 1914 mit den historischen Straßenbezeichnungen des Altstadtbereichs mini|Plan von Gries im Pharus-Plan Bozen-Gries von ca. 1910 links|mini|Der Grieben Reiseführer Bozen-Gries und Umgebung von 1930 dokumentiert die zum 1. Oktober 1929 verordnete Italianisierung der Bozner Straßenbezeichnungen. mini|225px|Siegesplatz, ehem. Friedensplatz links|mini|Gedenktafel am Hans-und-Sophie-Scholl-Platz, 2021 Die Namen von Straßen und Plätzen haben sich in Bozen ursprünglich durch allgemeinen Gebrauch entwickelt.Karl Theodor Hoeniger: Ein Häuserverzeichnis der Bozner Altstadt von 1497 (= Schlern-Schriften. Band 92). Innsbruck: Wagner 1951, S. 5 ff.

Aus der Zeit bis 1500 sind im Altstadtbereich bereits zahlreiche Platz- und Straßenbezeichnungen urkundlich vielfach belegt. Zu den alten Platznamen zählen der Obstplatz (am Obern Platz), der Untere Platz (heutiger Rathausplatz), der Kornplatz (Cornplatz, Korennplatz), der Musterplatz (auff der Muster), der Plärrer (eine Freifläche in der heutigen Gumergasse).Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 2. Stadtgemeinde Bozen: Bozen 2008, ISBN 978-88-901870-1-8, S. 292–294.

An Straßenzügen sind vor 1500 urkundlich genannt: die Eisack(brücken)gasse (in der gassen Eysackhpruggen), die Erhardgasse (heutige Franziskanergasse), die Fleischgasse (heutige Museumstraße), die Hintergasse (auch Erhard-, später Karrnergasse, heutige Dr.-Streiter-Gasse; in der Hindern gassen, Hindergass), die Hudergasse (nördl. Abschnitt der heutigen Goethestraße und unteres Ende des Obstplatzes; Hudergasse, Huderstang), die Lauben oder Gewölbe (vnter den gewölben), die Obergasse (in Bozen-Dorf), die Raingasse (an dem Rayn), die Rauschertorgasse (Rauschgazzen), die Spielhofgasse (heutiger Pfarrplatz zwischen Pfarrkirche und ehemaligem Heilig-Geist-Spital; via communis que der Spilhoff dicitur), die Schustergasse (später Predigergasse und heutige Goethestraße) und die Wangergasse (heutige Bindergasse; Wangergazze, Wagnergassen). Auch kleinere Durch- und Quergänge des Stadtkerns wie Steglein (an der Silbergasse) und am Gesslen sind namentlich bezeugt.

Erst um 1890 und im Zuge der städtischen Expansion begannen die Stadtgemeinde Bozen und die Landgemeinden Gries und Zwölfmalgreien, aus denen die Stadt Bozen heute besteht, Namen amtlich festzulegen bzw. bislang unbenannten oder neu errichteten Straßenzügen, etwa in der sogenannten Neustadt, Namen zu verleihen. Das hatte vor allem postalisch-touristische Gründe. Damals waren alle Namen einsprachig deutsch.

Nach der Annexion Südtirols 1920, dem Marsch auf Rom von 1922 und infolge des 1923 von Ettore Tolomei verkündeten Italianisierungsprogramms begannen die Faschisten mit einer nationalistischen und einsprachig italienischen Um- und Neubenennung vieler Straßen und Plätze. Insbesondere 1929Alpenzeitung vom 10. Oktober 1929, S. 3 und 1936Alpenzeitung vom 29. September 1936, S. 5 wurden zahlreiche Straßen umbenannt. Nach Mussolinis Entmachtung wurden die Straßennamen teilweise ersetzt:Alpenzeitung vom 20. August 1943, S. 2 Die NS-Behörden der Operationszone Alpenvorland von 1943 bis 1945 verboten die italienischen Namen nicht, fügten auf einsprachigen Schildern aber die deutschen Namen hinzu.

Nach dem Kriegsende rissen einige Italiener die zweisprachigen Schilder herunter und ersetzten sie durch wiederum einsprachig italienische. Dies musste aufgrund einer Verfügung der amerikanischen Militärbehörde wieder rückgängig gemacht werden. In der Folge wurde 1946 eine Kommission eingesetzt, die sich mit der Schilderfrage beschäftigte. Eine wichtige demokratisch-republikanische Neubenennung erfolgte mit der Freiheitsstraße, des ehemaligen Corso dell'Impero.

Ende 1948 wurde eine neue Kommission gebildet, da nicht in allem ein Kompromiss erzielt werden konnte. Faschistische Granden und Würdenträger wurden entfernt, aber viele nationalistische, kriegsverherrlichende und anti-österreichische Namen blieben bis heute bestehen: Amba-Alagi-Straße, Cesare-Battisti-Straße, Armando-Diaz-Straße, Luigi-Cadorna-Straße, Col-di-Lana-Straße, Duca-d'Aosta-Allee, Giuseppe-Garibaldi-Straße, Pater-Reginaldo-Giuliani-Straße, Antonio-Locatelli-Straße, Montellostraße, Piavestraße, Siegesplatz, Vittorio-Veneto-Straße, 4.-November-Platz.

2001 setzte die Stadt Bozen ein Zeichen, indem sie den Siegesplatz in Friedensplatz (Piazza della Pace) umbenannte. Bei einer von den italienischen Rechtsparteien initiierten Volksabstimmung stimmten allerdings 2002 die Einwohner der Stadt Bozen (rund 73 % italienisch- und 26 % deutschsprachig) mit ca. 62 % für die Rückbenennung in Siegesplatz.Artikel im Corriere della Sera vom 7. Oktober 2002

Sehr viele Straßen sind nach italienischen Städten benannt. Demgegenüber gibt es nur eine einzige österreichische Stadt (Innsbrucker Straße) und keine deutsche.

In jüngster Zeit wurde bei Neubenennungen vor allem Namen von Frauen und Antifaschisten gewählt.

Alle Bozner Straßenschilder sind zweisprachig italienisch und deutsch (mit dieser Sprachenreihung).

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