mini|Kirche Skaisgirren (Kreuzingen), links ehemalige Aussegnungshalle Die Kirche Skaisgirren (Standort in Groß Skaisgirren, 1938 bis 1946: Kreuzingen) ist ein Feldsteinbau aus dem 18. Jahrhundert und war bis 1945 evangelische Pfarrkirche für das weitflächige Kirchspiel des jetzt Bolschakowo genannten Ortes im einstigen Ostpreußen und der heutigen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) in Russland.

Lage

Das heutige Bolschakowo liegt 86 km nordöstlich der Stadt Kaliningrad (Königsberg) am Kreuzungspunkt der russischen Fernstraßen A 190 (einstige deutsche Reichsstraße 126), A 197 (Reichsstraße 137) und A 216 (Reichsstraße 138, heute auch Europastraße 77). Der Ort ist Bahnstation an der Bahnstrecke Kaliningrad–Sowetsk (Königsberg–Tilsit).

Die Kirche steht südöstlich des Bahnhofs an der uliza Gagarina (frühere Hauptstraße) gegenüber dem Kriegerdenkmal.

Kirchengebäude Der Ort Skaisgirren wird erstmals 1583 genannt. Seit 1693 gab es in Groß Skaisgirren eine Kirche. Der erste Bau wurde in den Jahren 1772 und 1773 durch einen rechteckigen Feldsteinbau ersetzt.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Bd. 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1948, S. 93, Abb. 379 und 380. Im Jahr 1807 diente das Kirchengebäude Napoleons Soldaten als Pferdestall und Wagenremise, er selber logierte im Pfarrhaus.Bolschakowo - Groß Skaisgirren/Kreuzingen bei ostpreussen.net. Am 17. Januar 1818 wurde der hochragende Kirchturm durch einen Orkan beschädigt. Auf dem bis zum Mauerwerk abgetragenen Turm wurde ein Notdach montiert. Drei Jahrzehnte später errichtete man einen Dachreiter. Im Jahr 1853 wurde eine grundlegende Renovierung der Kirche fällig.

Der Kircheninnenraum war flach gedeckt und hatte zwei Seitenemporen. Altar und Kanzel waren miteinander verbunden. An der Wand links und rechts vom Kanzelaltar waren zwei im Jahr 1911 entstandene Ölgemälde angebracht, die die Kreuzigung Jesu bzw. seine Auferstehung zeigten.

Die Orgel stammte aus der Gründerzeit der Kirche. Das Geläut bestand aus zwei Glocken.

Im Zweiten Weltkrieg blieb das Gebäude unbeschädigt. Die Teile des Turms oberhalb des Kirchenschiffs wurden abgetragen, die Fenster vorübergehend zugemauert. Die Kirche nutzte man zweckentfremdet als Kulturhaus, danach auch als Kaufhalle und schließlich als Kino und Bühnensaal. Die Sakristei und die Vorhalle waren zuletzt grundlegend zerstört und lediglich die Turmruine erinnerte lange Zeit an das einstige Gotteshaus.Лютеранская кирха Гросс Скайсгиррена - Die Kirche Groß Skaisgirren bei prussia39.ru (mit Fotos der Turmruine aus dem Jahr 2012). Inzwischen hat die Orthodoxe Kirche das einst baufällige Gebäude übernommen und grundlegend saniert. Auch der Turm bekam eine neue Haube.

An der Südseite der Kirche steht noch heute das einst schmucke und heute eher deplatziert wirkende Friedhofsportal unweit der ehemaligen Aussegnungshalle, die lange Zeit als Imbissbude diente, inzwischen aber ebenfalls rekonstruiert wird. Die Umbauarbeiten waren im Sommer 2018 noch nicht abgeschlossen.

Kirchengemeinde Eine evangelische Kirchengemeinde wurde in Groß Skaisgirren im Jahre 1693 gegründet.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, Seite 483. Das Kirchenpatronat war staatlich. Für die wachsende Gemeinde wurde dem amtierenden Pfarrer ab 1847 ein Hilfsprediger zur Seite gestellt, im Jahre 1895 wurde außerdem eine zweite Pfarrstelle errichtet. Bis 1945 gehörte das Kirchspiel Skaisgirren, das 1925 9.091 Gemeindeglieder in mehr als 40 Orten und Ortschaften zählte, zum Kirchenkreis Niederung (Elchniederung) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung in Kriegsfolge und der restriktiven Kirchenpolitik der Sowjetunion kam das kirchliche Leben in Bolschakowo zum Erliegen.

Erst in den 1990er Jahren bildete sich hier wieder eine evangelisch-lutherische Gemeinde. Sie ist eine Filialgemeinde innerhalb der Kirchenregion der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen) innerhalb der Propstei Kaliningrad (russisch/deutsch) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Kirchspielorte Insgesamt 42 Orte und Siedlungen gehörten bis 1945 zum weitflächigen Kirchspiel der Kirche Skaisgirren: Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Basznitzkallen1936–1938: Baschnitzkallen Steilberg Kletellen Georgenheide Uroschainoje Berkeln Kumpelken Kämpen BersteningkenSchulort Eckwalde Lankeningken Altmühle Borstehlischken Borstehnen Lepienen Gerhardsheim Demmenen Demmen Priwolnoje Liedemeiten Gerhardsweide Ochotnoje Endrejen Ossafelde Pobedino Makohnen 1938: Kreuzungen1938–1946: Mühlenkreuz Finkenhof Margen Sadoroschnoje Gerhardwalde Obschruten Gerhardgrund Gobienen Nagornoje Oschweningken Breitenhof Groß Asznaggern ab 1936: Grenzberg Pridoroschnoje Osseningken ab 1931:Grünau Ossinowka Groß Girratischken Wartenhöfen Ossupönen Groß Skaisgirren Kreuzingen Bolschakowo Parwischken Parwen Peski Groß Wabbeln Kleingrenzberg Petschkehmen Groß Wixwen Vielbrücken Pobedino Schillehlen Tannenhöhe Gründann Schudlidimmen Schulzenwiese Nowostrojewskoje Grünhof-Kippen Wargutschen Tannenhöhe Jagsten Poddubje Wegnerminnen Wegnersdorf Kischen Wischnjaki Weidgirren Gerhardshöfen Kamyschewka Klein Girratischken Gronwalde Krasnosnamenskoje Wilhelmsbruch Klein Ischdaggen Georgenforst Wilhelmsheide Klein Skaisgirren Kleinkreuzingen Radischewo Wirblauken Rutenfelde

Pfarrer An der Kirche Skaisgirren amtierten zwischen 1693 und 1945 als evangelische Geistliche:Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 128 Matthäus Wilhelm Meissner, 1693–1708 Adam Fr. Schimmelpfennig, 1708–1740 Johann Philipp Wilde, 1741–1776 Heinrich Gottlieb Schultz, 1776–1788 Albrecht Fr. Reitenbach, 1788–1797 Friedrich Ernst Mikisch, 1797–1807 Johann Gottlieb Marks, 1807–1819 Friedrich Leopold Hahn, 1819–1840 Friedrich Wilhelm Lucks, 1840–1884 Karl Eduard Strohmann, 1847–1853Strohmann († 1893) war Angehöriger des Corps Littuania Robert Fr. Th. Boettcher, 1854Boettcher (1824–1882) war Angehöriger des Corps Masovia. Johann Anton Max Heck, 1857–1859 Gustav Albert (?) Hubert, 1859–1862 Gottfried Hermann Marold, 1885–1892 Hermann Cölestin G. Ebel, 1888–1890 Georg Richard E. Woede, 1890–1892 Eduard Otto David Köhler, 1892–1893 Ernst Rudolf Max Wohlfromm, 1893–1906 Paul Stanislaus Siegel, 1894–1896 Rudolf Franz Th. Glogau, 1895–1909 Karl Eduard Rebschies, 1907–1919 Karl Wessolleck, 1909–1937 Gustav Müller, 1919–1933 Erich Klinger, 1933–1943 Horst Lekszas, 1937–1940 Heinz Neuhof, 1939 Kurt Streetz, bis 1940 Heinz Neubert, 1940–1945 Gerhard Schultz, 1943–1945

Literatur Paul Lemke, Die Errichtung des Kirchspiels Skaisgirren, in: Der Ostpreuße. Heimat-Jahrbuch für den Kreis Niederung 1936, S. 52–55. Paul Lemke: Urzustand und erste Besiedlung des Kirchspiels Skaisgirren (1570–1670). Tilsit 1934.

Einzelnachweise

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