mini|Kirche Bruder Klaus mini|Ansicht von Westen mini|Innenansicht mini|Blick zur Orgelempore mini|Bruder-Klaus-Fenster von Pierino Travaglini mini|Kirchturm mini|Marienfenster mini|Jakobsfenster mini|Wappenfenster Die Kirche Heiliger Bruder Klaus ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Urdorf im Schweizer Bezirk Dietikon (Kanton Zürich).
Geschichte Vorgeschichte und Namensgebung Bis ins Jahr 1930 bestand das heutige Urdorf aus zwei Gemeinden: Niederurdorf, das im Mittelalter kirchlich zu Dietikon gehörte, und Oberurdorf, in dem in einer Urkunde des Papstes Lucius III. aus dem Jahr 1184 eine Kapelle St. Nikolaus als Besitz des Klosters Engelberg erwähnt wird. In Oberurdorf gab es des Weiteren einen Meierhof des Klosters St. Blasien und einen im Jahr 1140 erwähnten Besitz des Klosters Muri. Im anschliessenden Reppischtal existierte zudem bis zur Reformation eine Kapelle St. Georg, welche im Jahr 1173 in einer Urkunde des Gegenpapstes Callixtus III. erstmals erwähnt wurde.
Infolge der Reformation in Zürich trat Urdorf im Jahr 1529 zum neuen Glauben über. Im Gegensatz zu Dietikon, der Mutterpfarrei, blieb Urdorf auch nach der Schlacht bei Kappel im Jahr 1531 beim neuen Glauben, da das reformierte Zürich in Urdorf die niedere Gerichtsbarkeit besass. Die Kapelle St. Nikolaus stand in der Folgezeit leer. Die Altäre waren entfernt und die Fresken übermalt worden. Um 1600 wurde die Kapelle durch einen Zwischenboden in zwei Geschosse für Schulräume geteilt. Bald darauf verwendete man die Kapelle für reformierte Gottesdienste. Aus ihr wurde in der Folgezeit die heutige alte reformierte Kirche von Urdorf.Kroiß: Hl. Bruder Klaus Urdorf. 2013, S. 7–20, und Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus. 1980, S. 260.
Dass die mittelalterliche Kirche in Urdorf dem hl. Nikolaus von Myra geweiht wurde, hängt mit den Kreuzzügen zusammen. Am Grab des hl. Nikolaus in Bari erflehten die Kreuzfahrer eine glückliche Überfahrt. Der hl. Nikolaus ist einer der Vierzehn Nothelfer und gilt u. a. als Patron der Seefahrer und Reisenden. Da Urdorf an einem Flüsschen und an einer alten Handelsstrasse liegt, wurde der Kapelle als Patron der hl. Nikolaus zugedacht.Kroiß: Hl. Bruder Klaus Urdorf. 2013, S. 15–16. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt der hl. Bruder Klaus von Flüe als der grosse Friedensheilige, weshalb die katholische Gemeinde bei der Neugründung der katholischen Pfarrei von Urdorf entschied, ihn als ersten Kirchenpatron zu wählen. Da dieser seinen Namen nach dem hl. Nikolaus von Myra erhalten hat, wird damit indirekt auch das Patrozinium der mittelalterlichen Kirche von Urdorf aufgenommen.Kroiß: Hl. Bruder Klaus Urdorf. 2013, S. 25.
Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts waren katholische Gottesdienste im Kanton Zürich verboten. Das Toleranzedikt des Zürcher Regierungsrats vom 10. September 1807 erlaubte erstmals wieder eine katholische Gemeinde in Zürich.Henri Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. Zürich 1989, S. 192. Das sog. Erste zürcherische Kirchengesetz im Jahr 1863 anerkannte die katholischen Kirchgemeinden neben Zürich auch in Winterthur, Dietikon und Rheinau (die letzten beiden waren traditionell katholisch geprägte Orte). Auf Grundlage des Vereinsrechts konnten daraufhin im ganzen Kanton katholische Niederlassungen gegründet werden. Mit Hilfe von Fördervereinigungen wie dem «Piusverein» (gegründet 1857) und der Katholischen Gesellschaft für inländische Mission (gegründet 1863) entstanden in den 1860er Jahren in kurzer Folge weitere Seelsorgestationen und spätere Pfarreien im Kanton Zürich: Männedorf (1864), Gattikon-Thalwil/Langnau (1864), Horgen (1865), Pilgersteg-Rüti/Wald (1866), Wald und Bubikon (1873), Uster (1876), Langnau (1877), Rüti (1878), Wädenswil (1881), Bülach (1882), Wetzikon (1890), Bauma (1894), Adliswil (1894), Pfungen (1895), Dübendorf (1897) und Küsnacht (1901). So existierten um 1900 im Kanton Zürich 20 katholische Pfarreien.Christian Renfer: Katholische Kirche Bülach. S. 4–5.
Entstehungs- und Baugeschichte Die heutige Pfarrei Heiliger Bruder Klaus ist eine Tochterpfarrei von St. Agatha Dietikon. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts aber gehörte Urdorf zunächst noch zu andern Pfarreien: Ab August 1900 war die neu gegründete Pfarrei Heilig Kreuz in Zürich-Altstetten auch für die Katholiken in Ober- und Niederurdorf zuständig. Aus dieser Kirche erhielten die Urdorfer den Josefs-Altar geschenkt, der in Urdorf von 1953 bis 1964 verwendet wurde. Ab dem Jahr 1923 wurden die Katholiken von Urdorf von der neu errichteten Pfarrei St. Josef Schlieren aus betreut.
Der Bischof von Chur, Christian Caminada, trennte dann Urdorf per 1. Januar 1956 von St. Josef Schlieren ab und teilte es der Pfarrei St. Agatha Dietikon zu. Dadurch war Urdorf wieder wie im Mittelalter zur Pfarrei Dietikon zugehörig. Im Jahr 1953 wurde im Fabrikkeller der Metalldrückerei von Hermann Fischer-Frey an der Schönheimstrasse 2 in Urdorf eine Notkapelle eingerichtet. In dieser fand am Ostersonntag 1953 die erste heilige Messe in Urdorf seit der Reformation statt. Als ab den 1950er Jahren die Bevölkerung von Urdorf zunahm, zogen auch vermehrt Katholiken zu. Deshalb wurde Urdorf per 10. Oktober 1960 zu einer eigenständigen Pfarrei erhoben und von St. Agatha Dietikon abgetrennt. Im Oktober 1960 wurde eine zweite, angemessenere Kapelle eingerichtet: Bis zur Einweihung der Kirche Bruder Klaus im Jahr 1964 fanden die Gottesdienste im alten Schulhaus an der Uitikonerstrasse in einem Schulzimmer im ersten Stock statt.
Für den Bau der Kirche Bruder Klaus hatte die Pfarrkirchenstiftung Schlieren bereits ein Grundstück an der Schönheim-/Baurenackerstrasse in Urdorf gekauft. Dieses wurde am 13. Juni 1956 an die Bruder-Klausen-Stiftung Urdorf übertragen. Am 19. August 1962 erfolgte auf diesem Areal der erste Spatenstich, und am 23. Juni 1963 wurde der Grundstein von Generalvikar Alfred Teobaldi gesegnet. Am 31. August 1963 wurde das neue Pfarrhaus bezogen, in dessen Untergeschoss daraufhin bis zur Vollendung der Kirche eine kleine Kapelle eingerichtet war. Nach den Plänen der Architekten Hansjörg und Otto Sperisen (Solothurn) – letzterer erbaute zeitgleich im Thurgauer Ort Eschlikon die dem gleichen Patron gewidmete Kirche Bruder Klaus – wurde die Urdorfer Kirche Bruder Klaus errichtet und am 30. August 1964 geweiht. Hierbei wurden in den Altar Reliquien des hl. Bruder Klaus, der hl. Maria Goretti und eines Katakombenheiligen Felix eingebracht.Kroiß: Hl. Bruder Klaus Urdorf. 2013, S. 21–35, und Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus. 1980, S. 260.
1991 wurde die Kirche ein erstes Mal saniert, wobei die Künstlerin Eva Pauli Wandmalereien in der Kirche und in der Taufkapelle schuf. In den Jahren 2012–2013 erfolgte eine erneute, umfangreiche Aussen- und Innensanierung der Kirche, die am 13. Dezember 2013 mit der Altarweihe der Marienkapelle durch den Churer Bischof Vitus Huonder abgeschlossen wurde. Hierbei wurde eine Reliquie der hl. Sr. Bernarda Bütler eingesetzt. In den Jahren 2015–2016 wurde das Pfarrhaus umgebaut und durch einen Anbau für das Sekretariat erweitert.Beschlüsse des Synodalrats, Abschnitt 51. Katholische Kirche im Kanton Zürich, abgerufen am 6. September 2016 (PDF; 134 kB). Dies greift eine Idee der Architekten der Kirche und des Pfarrhauses aus den 1960er Jahren auf: Hansjörg und Otto Sperisen hatten bereits zur Erbauungszeit des Zentrums einen entsprechenden Anbau an das Pfarrhaus als Option vorgesehen.Alex Rudolf: Architekt Günter Schröder: «Wir haben keinen Röntgenblick». In: Limmattaler Zeitung. 14. Dezember 2015, abgerufen am 6. September 2016. Abgeschlossen wurde diese Bauetappe mit der Segnung der fünf Tondi der Künstlerin Flavia Travaglini am 5. Februar 2017.Sandro Zimmerli: Ohne Dorothea wäre Niklaus von Flüe nie Bruder Klaus geworden. In: Aargauer Zeitung. 4. Februar 2017, abgerufen am 22. Februar 2017.
Die Pfarrei Bruder Klaus Urdorf ist mit ihren 3'170 Mitgliedern (Stand 2021) eine der kleineren katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zürich.Katholische Kirche im Kanton Zürich (Hrsg.): Jahresbericht 2021. S. 106.
Baubeschreibung Kirchturm und Äusseres Die Kirche Bruder Klaus befindet sich zwischen den Strassen Im Baurenacker und Schönheimstrasse auf abfallendem Gelände. Treppen führen zwischen der Kirche und dem Pfarrhaus durch das Areal und ermöglichen den Zugang von beiden Strassen. Die Kirche besitzt Wände aus weiss gestrichenem Sichtbeton. Gegliedert werden die Fassaden der Kirche durch schachbrettartig eingelassene Vertiefungen. Die Mauer zur tiefer gelegenen Schönheimstrasse ist leicht nach innen geneigt, was einen Kontrast zum vertikalen Kirchturm darstellt. Letzterer ist 33 Meter hoch. Sein Richtfest fand am 16. März 1964 statt. Die Zifferblätter der Turmuhr wurden von der reformierten Kirchgemeinde Urdorf gespendet.Kroiß: Hl. Bruder Klaus Urdorf. 2013, S. 56. Der Grundstein der Kirche, der als Eckstein gefertigt wurde, zeigt eine Darstellung des Siegels, das der hl. Bruder Klaus verwendet hatte.Obwaldner Brattig. Nr. 39, Jahrgang 2014, S. 78.
Glocken Die Glocken der Kirche Bruder Klaus wurden am 4. Dezember 1963 in der Giesserei Karl Czudnochowsky im bayerischen Erding gegossen. Am 11. April 1964 fand die Glockenweihe statt.Kroiß: Hl. Bruder Klaus Urdorf. 2013, S. 52, und Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus. 1980, S. 260.
Nummer Gewicht Durchmesser Ton Widmung Inschrift 1 3182 kg 175 cm A Dreifaltigkeit und Bruder Klaus «Beter und Büsser Bruder Klaus, sorge für Fried im Schweizer Haus» 2 1656 kg 145 cm cis Muttergottes Maria «Unsere Liebe Frau im Moos, führ uns zum Kind auf deinem Schoß» 3 1063 kg 127 cm e St. Joseph «Joseph, Nährvater des Herrn, erhalt uns Arbeit und Ern» 4 714 kg 107 cm fis St. Michael «St. Michael, gib gut Geleit aus Erdennot zur Seligkeit» 5 458 kg 91 cm a St. Nikolaus und St. Bernhard von Clairvaux «St. Bernhard, jag die bösen Geister – St. Nyklaus, wird Feuer und Wasser Meister»
Innenraum und künstlerische Ausstattung Durch das Kirchenportal gelangt man zunächst in ein Atrium, in dem sich ein Weihwasserbecken befindet, das der Tessiner Künstler Peter Travaglini von Vira aus grauweissem Cristallina-Marmor meisselte. Die Kunstschlosserei Pfyl und Bracher, Dietikon, schmiedete dazu den Dreifuss. Links vom Atrium befindet sich die Taufkapelle. In der Tradition mittelalterlicher Kirchen wurde sie dem eigentlichen Kirchraum vorangestellt. Der Taufstein wurde aus dem gleichen Stein wie das Weihwasserbecken geschaffen, was verdeutlicht, dass sich der Gläubige beim Bekreuzigen mit Weihwasser an seine Taufe erinnert. An der Westwand des Atriums befindet sich ein Glasfenster von Peter Travaglini, in dem die Wappen der Stifter des grossen Bruder-Klausen-Fensters in der Kirche enthalten sind. Seitlich wurden auch die Wappen des Bischofs Christian Caminada und des Pfarrers Felix Marbach angebracht. Das Atrium war durch ein schmiedeeisernes Gitter von der Marienkapelle abgetrennt. Die Gitterstäbe enthielten farbiges Glas und wurden ebenfalls von Peter Travaglini entworfen.
Marienkapelle