mini|Michael Emanuel Bauer (2020)

Michael Emanuel Bauer (* 4. Januar 1974 in Roding) ist ein deutscher Komponist.

Leben Nach Besuch des Gymnasiums in Zwiesel studierte Michael Emanuel Bauer ab 1995 Musikwissenschaft sowie Alte, Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Regensburg. 1997 wechselte er an die Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er 2003 mit dem Magister Artium in Musikwissenschaft abschloss. Des Weiteren besuchte er Kompositionskurse bei Karlheinz Stockhausen, Dieter Schnebel und Bernhard Lang. Zudem nahm er an den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik teil.

Daneben absolvierte Bauer 2002 ein Klavierstudium an der Neuen Jazzschool München bei Max Neissendorfer. Von 2004 bis 2006 nahm er Privatunterricht in Film- und Theatermusik beim Fassbinder-Komponisten Peer Raben, mit dem er auch zusammenarbeitete. In diesem Zusammenhang fällt u. a. ein Arrangement von Peer Rabens Musikbeitrag zu Wong Kar-Wais Film 2046.

2006 nahm Bauer ein Promotionsstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz auf. 2012 promovierte er dort zum Dr. phil. im Fach Musikwissenschaft / Jazzforschung mit einer Dissertation über Peer Rabens Filmmusik zu ausgewählten Fassbinder-Filmen.

Seit 2001 ist Bauer als freischaffender Komponist tätig, vorrangig im Bereich Musik- und Sprechtheater sowie Hörspiel. Seine Arbeiten kamen auf den Wiener Festwochen, am Deutschen Theater Berlin, Residenztheater München, Münchner Kammerspiele, Staatsschauspiel Dresden, Staatstheater Stuttgart, Schauspielhaus Bochum, an der Neuköllner Oper Berlin und auf der Münchener Biennale zur Aufführung (Zusammenarbeit u. a. mit Nurkan Erpulat, Fabian Gerhardt, Ulrich Rasche, Matthias Rebstock, Johannes Schmid, Sandra Strunz und Miriam Tscholl). Den zweiten Schwerpunkt seiner künstlerischen Tätigkeit bildet die Komposition kammermusikalischer Werke. Darüber hinaus schreibt er Musik zu Arthouse- und Dokumentarfilmen.

Bauers Schaffen bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Musik, bildender Kunst, Film und Theater. Häufig bedient er sich verschiedener Collage-Techniken mit verwobenen und adaptierten musikalischen Zitaten („Found Footage“). Hierin steht er der Appropriation Art nahe, wie sie z. B. von den Künstlern Elaine Sturtevant, Wade Guyton, Cindy Sherman, dem Kollektiv Equipo Cronica und von Martin Arnold praktiziert wird.

Neben seiner Tätigkeit als Komponist ist Bauer Lehrbeauftragter für Theater und Komposition am Lehrstuhl für Theaterwissenschaft der Universität Bayreuth, abgerufen am 13. August 2014. und an der Universität Hildesheim, Institut für Musik und Musikwissenschaft. 2019 und 2023 war er Jury-Mitglied im International Antonín Dvořák Composition Competition in Prag. Seit 2003 unterrichtet er Musik als Wahlpflichtfach an der Fachoberschule Regen.

Michael Emanuel Bauer lebt in München und Regen.

Werke Arbeiten im Bereich Musiktheater (Auswahl) This is not a love song, Konzept und Regie: Ulrich Rasche, Musik: Michael Emanuel Bauer, Elektronik: Wolfgang Musil, Wiener Festwochen, 2007.

Der Wilhelmine-Code, Musiktheater, Text: Constantin von Castenstein, Regie: Lilli-Hannah Hoepner, Kompositionsauftrag des Theater Erlangen, 2009 (verlegt bei schaefersphilippen).Schulz, Reinhard: Mummenschanz der Gefühle. Süddeutsche Zeitung / Feuilleton vom 13. Februar 2009.Fuchs, Jörn Florian: Sinneslust und Lebensfrust. Wiener Zeitung vom 30. Januar 2009.

Die Entführung aus dem Serail, ein Monolog nach Wolfgang Amadeus Mozart, Konzept und Regie: Ulrich Rasche, Musik: Michael Emanuel Bauer, Elektronische Komposition: Hannes Strobl, Sophiensäle (Berlin), 2010.

Brachland. Geschichten vom Nichts, Musiktheater von Matthias Rebstock, Tilman Rammstedt und Michael Emanuel Bauer, Regie: Matthias Rebstock, Neuköllner Oper (Berlin), 2010.Polaczek, Dieter: Ich sing` jetzt ein Lied über gar nichts. Opernwelt 11. November 2010.

making of – eine musiktheatrale Installation, Konzept, Komposition, szenische Einrichtung: Michael Emanuel Bauer, 13. Münchener Biennale – Internationales Festival für neues Musiktheater, 2012., abgerufen am 13. August 2014.

Fernweh. Aus dem Leben eines Stubenhockers. Musiktheater von Matthias Rebstock, Hermann Bohlen und Michael Emanuel Bauer, Regie: Matthias Rebstock, Neuköllner Oper (Berlin), 2012.

Die Götterdämmerung in Wien. Dokumentarcours nach Alexander Kluge, Musiktheater, Text: Constantin von Castenstein, Regie: Lilli-Hannah Hoepner, Theater Osnabrück / Spieltriebe 5, 2013.

Die Nase, nach Nikolai Gogol, Musiktheater, Textfassung: Miriam Tscholl, Regie: Miriam Tscholl, Staatsschauspiel Dresden, 2013.Rezension von Michael Bartsch in Dresdner Neueste Nachrichten vom 30. September 2013.

Expedition Freischütz, ein Musiktheaterprojekt nach Carl Maria von Weber von Matthias Rebstock, Regie: Matthias Rebstock, Musik: Michael Emanuel Bauer, Elektronik: Matthias Meyer, Staatsschauspiel Dresden, 2014.Rezension von Raphael Barth in Sächsische Zeitung vom 9. April 2014.

Die Verwandlung, ein Musiktheaterprojekt nach Franz Kafka von Miriam Tscholl und Michael Emanuel Bauer, Regie: Miriam Tscholl, Musik: Michael Emanuel Bauer, Deutsches Theater Berlin, 2015.Kurzbeschreibung auf der Webpräsenz des Deutschen Theaters Berlin, abgerufen am 16. Januar 2016.

Pizzeria Anarchia, ein TanzMusiktheaterprojekt von Thomas Desi, Bernhard Glocksin und Balletto Civile, Text: Thomas Desi und Balletto Civile, Regie und Choreographie: Michela Lucenti, Musik: Michael Emanuel Bauer, Musiktheatertage Wien, Neuköllner Oper Berlin, Teatro della Tosse Genova, 2015.Rezension von Dieter David Scholz in der Neuen Zürcher Zeitung, abgerufen am 16. Januar 2016.

Invention über H, MusikTanztheater von Rakesh Sukesh und Michael Emanuel Bauer, Choreographie und Tanz: Rakesh Sukesh, Musik: Michael Emanuel Bauer, Apéro im Rahmen der Festspiele Zürich, 2017.

Aunt Sally – A Jaap Kool Rework für Sprecherin, Jazzsextett und Mixtur-Trautonium, A-Trane Berlin, 2017.Kurzbeschreibung, abgerufen am 18. April 2017.

47°22'12" Nord / 8°32'28" Ost. Eine akustische Vermessung der Stadt Zürich, musiktheatrale Installation für 12 Kinderchöre und 8 Perkussionisten, Regie: Barbara Falter, Musik: Michael Emanuel Bauer, Festspiele Zürich, 2018.Programm Eröffnung der Festspiele Zürich 2018, abgerufen am 18. November 2018.

Funkhaus Weimar -mit Nietzsche auf Sendung. Ein musiktheatrale Spurensuche nach dem „Neuen Menschen“, Konzept, Text, Regie: Matthias Rebstock, Musik: Michael Emanuel Bauer, Kunstfest Weimar (in Kooperation mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar), 2018., abgerufen am 18. November 2018.Besprechung in der nmz (neue musikzeitung), abgerufen am 18. November 2018.

Orpheus. Ohne Angst. Ein Musiktheater nach Motiven von Christoph Willibald Gluck und Claudio Monteverdi von Natascha Kalmbach und Michael Emanuel Bauer, Theater Heidelberg, 2020.Informationen zur Produktion auf der Seite des Theaters Heidelberg.Besprechung in der Rhein-Neckar-Zeitung, abgerufen am 2. Februar 2021.

Posthuman Journey, Trilogie von Pat To-Yan, Regie und Raum: Thomas Krupa, Komposition: Michael Emanuel Bauer, Hannes Strobl, Stadttheater Gießen, 2022.

Lurie’s Lyrics, eine multimediale Musikperformance von Julia Wahren und Rudolf Herz, Komposition: Michael Emanuel Bauer, Münchner Kammerspiele, 2022.

Sei uns sicher, ein installativer Theaterparcours von Gesche Piening, Regie und Text: Gesche Piening, Komposition und musikalische Leitung: Michael Emanuel Bauer, ZIRKA München, 2024.

Arbeiten im Bereich Sprechtheater (Auswahl) Mogadischu Fensterplatz von Friedrich Christian Delius, Dramatisierung: Beate Seidel und Regina Wenig, Regie: Regina Wenig, Staatstheater Stuttgart, Komposition der Bühnenmusik, 2007.

Don Quijote von der Mancha von Cervantes, Dramatisierung: Georg Holzer und Johannes Schmid, Regie: Johannes Schmid, Bayerisches Staatsschauspiel / Cuvilliéstheater, Komposition der Bühnenmusik, 2009.

Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss von Horace McCoy, Regie: Miriam Tscholl, Dramaturgie und Bearbeitung: Martin Heckmanns, Staatsschauspiel Dresden, Komposition der Bühnenmusik, 2010.

Clash, Text: Nurkan Erpulat und Dorle Trachternach, Regie: Nurkan Erpulat, Dramaturgie: Barbara Kantel, Deutsches Theater Berlin, Düsseldorfer Schauspielhaus, Komposition der Bühnenmusik, 2011 (eingeladen zum Berliner Theatertreffen der Jugend 2011).

Die Zärtlichkeit der Russen von Dagrun Hintze, Regie: Sandra Strunz, Staatsschauspiel Dresden, Komposition der Bühnenmusik, 2011.

Katzelmacher von Rainer Werner Fassbinder, Regie: Anja Sczilinski, Residenztheater München / Marstall, Komposition der Bühnenmusik, 2012.

Morgenland, ein Abend mit Dresdnerinnen und Dresdnern aus dem Orient, Regie: Miriam Tscholl, Staatsschauspiel Dresden, Komposition der Bühnenmusik, 2015., abgerufen am 16. Januar 2016.Rezension in der „nachtkritik“. Weitere Rezensionen erschienen in der taz und in der Sächsischen Zeitung (jeweils am 1. Dezember 2015) sowie in der WELT (am 2. Dezember 2016).

Romeo und Julia von William Shakespeare in der Fassung von Martin Heckmanns, Regie: Miriam Tscholl, Staatsschauspiel Dresden, Komposition der Bühnenmusik, 2016.

Arc de Triomphe von Erich Maria Remarque in der Fassung von Stephan Wipplinger und Fabian Gerhardt, Regie: Fabian Gerhardt, Schauspielhaus Bochum, Komposition der Bühnenmusik, 2017., abgerufen am 18. April 2017.

Die Leiden des jungen Werther von Johann Wolfgang von Goethe, Regie: Miriam Tscholl, Staatsschauspiel Dresden, Komposition der Bühnenmusik, 2017.Kurzbeschreibung auf dem Spielplan des Staatsschauspiels Dresden, abgerufen am 22. November 2018.

Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken von Daniel Paul Schreber in der Fassung von Stephan Wipplinger und Fabian Gerhardt, Regie: Fabian Gerhardt, Schauspielhaus Bochum, Komposition der Bühnenmusik, 2018.Besprechung der Uraufführung in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, abgerufen am 18. November 2018.

Wunderblock – Eine Trilogie der Erinnerung, Regie: Miriam Tscholl, Staatsschauspiel Dresden, Komposition der Bühnenmusik, 2020.

Sterntagebücher nach Stanislav Lem, Regie: Raphaela Möst, Schauspielhaus Graz in Kooperation mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen, Komposition der Bühnenmusik zusammen mit Andrej Prozorov, 2021.

Atemprotokolle - über das Leben und Sterben mit Covid auf der Intensivstation von Miriam Tscholl, Text und Regie: Miriam Tscholl, Münchner Kammerspiele in Koproduktion mit dem Staatstheater Nürnberg und der Schauburg München, Komposition der Bühnenmusik, 2022.

Ich will aber! von Miriam Tscholl, Text und Regie: Miriam Tscholl, Schauburg München, Komposition der Bühnenmusik, 2025.

Film und Fernsehen (Auswahl) 2046, Buch und Regie: Wong Kar-Wai, Jet-tone Pictures, Arrangement des Filmmusikbeitrages von Peer Raben, 2004 (Spielfilm). Golden Horse Award Taipeh 2004, „Best original filmscore“, Hong Kong Film Award 2005, „Best original filmscore“

Leben ausser Kontrolle, Buch und Regie: Bertram Verhaag, Denkmal Film in Zusammenarbeit mit ARTE und SWR, Filmmusik, 2004 (Dokumentarfilm). Preise u. a. IDA`s 20th Annual Competition 2004, Los Angeles / USA.

Kontakt, Buch: Gordan Mihic, Regie: Sergej Stanojkovski, Busse & Halberschmidt in Zusammenarbeit mit ZDF / Kleines Fernsehspiel, Filmmusik zusammen mit Peer Raben, 2005 (Spielfilm). Vornominierung in der Kategorie „Best foreign language film“ für den Academy Award (Oscar) 2007.

Armin, Buch und Regie: Ognjen Svilicic, Busse & Halberschmidt, Filmmusik zusammen mit Karger/Holzapfel, 2006 (Spielfilm). Berlinale (Forum) 2007, Cannes (Market) 2007, Vornominierung in der Kategorie „Best foreign language film“ für den Academy Award (Oscar) 2008.

Spielverderber, Buch und Regie: Georg Nonnenmacher und Henning Drechsler, Busse & Halberschmidt, Filmmusik zusammen mit Karger/Holzapfel, 2006. (Dokumentarfilm) Hessischer Filmpreis 2007.

W wie Wissen, Der Rhythmus des Ätna (Sendung vom 25. März 2012), Buch und Regie: Frank Bäumer, BR / ARD, Filmmusik, 2012 (Dokumentarfilm).