Die Großsteingräber bei Wersen sind eine Gruppe von ehemals drei Grabanlagen der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur nahe dem zur Gemeinde Lotte (Westfalen) gehörenden Ortsteil Wersen im Kreis Steinfurt, Nordrhein-Westfalen. Von diesen Gräbern existieren nur noch zwei, das Dritte wurde im 19. Jahrhundert zerstört. Die beiden erhaltenen Anlagen tragen die Sprockhoff-Nummern 983 und 984. Grab 1 (Nr. 983) ist auch unter dem Namen Kleine Sloopsteine, Grab 2 (Nr. 984) als Große Sloopsteine bzw. Sloopsteine bekannt.
Lage Grab 1 befindet sich etwa einen Kilometer nordwestlich der Bauerschaft Halen. Grab 2 liegt zwei Kilometer nordnordwestlich von Wersen. 500 m südwestlich hiervon befand sich das dritte Grab. Gute 500 m nordwestlich von Grab 2 liegt das Großsteingrab Osterbeck.
Forschungsgeschichte 2014 wurden die Großen Sloopsteine neu vermessen. 2015 wurden zwei neben der Grabkammer gelegene Schutthügel untersucht, die Aushub aus der Kammer enthielten.Kerstin Schierhold: Die großen Sloopsteene bei Lotte-Wersen, Kreis Steinfurt. 2016, S. 14–22. 2017 wurden Reste des zerstörten Grabs 3 wiederentdeckt.Vergessener Riese wiederentdeckt. In: lwl-archaeologie.de. 20. Januar 2017, abgerufen am 19. Juni 2024. 2020 fand eine Nachgrabung an den Kleinen Sloopsteinen statt.Erste Schritte auf dem Weg der großen Steine. In: Archäologie online. 13. September 2020; abgerufen am 14. September 2020.
Beschreibung Grab 1 mini|Grab 1 („Kleine Sloopsteine“) Die Anlage besitzt eine längliche Hügelschüttung und ist annähernd ost-westlich orientiert. Am westlichen Ende des Hügels befindet sich ein einzelner Stein, von dem aber nicht sicher gesagt werden kann, ob er den Rest einer Umfassung darstellt. Die Grabkammer hat eine Länge von 7 m und eine Breite von 1,5 m. Sie besitzt noch neun Wandsteine: je einen Abschlussstein an den Schmalseiten sowie vier Steine an der nördlichen und drei an der südlichen Langseite. Bis auf einen Stein der nördlichen Langseite und den östlichen Abschlussstein stehen noch alle in situ. Ursprünglich dürften sich an den Langseiten fünf Wandsteinpaare befunden haben. Die Decksteine liegen teils außerhalb der Kammer, teils sind sie in deren Inneres gestürzt.
Grab 2 Die Sloopsteine bestehen aus einer langen Grabkammer, die in recht engem Abstand von einer steinernen Umfassung umschlossen ist. Eine Hügelschüttung ist nicht auszumachen. Die Anlage ist ungefähr ost-westlich orientiert. Die Grabkammer gehört wohl zum Typ der Ganggräber. Sie hat eine Länge von 18,5 m und in der Mitte eine Breite von 1,8 m. Auf der nördlichen Langseite sind noch zehn Wandsteine vorhanden, von denen acht in situ stehen. Der ursprünglich zweite Wandstein von Westen aus gesehen fehlt. Die südliche Langseite besitzt noch 13 Wandsteine, hiervon noch sieben in situ. Fünf Steine sind in die Kammer gekippt, ein weiterer nach außen. Von den elf erhaltenen Decksteinen ruhen noch zwei in ihrer ursprünglichen Position, die restlichen sind in die Kammer gestürzt oder nach außen weggeschleppt worden. Ein vor der südlichen Langseite liegender Stein kann möglicherweise als Deckstein des Gangs angesehen werden. Von der Umfassung sind nur noch Reste erhalten. Sie hat eine Länge von 23,5 m und eine Breite von 7,5 m.
Funde Bei der Grabung von 2015 wurden Keramikscherben der Trichterbecherkultur sowie unspezifische Feuerstein-Artefakte und kleine Platten aus Sandstein und Kalkstein gefunden. Letztere waren Teil des ursprünglichen Kammerpflasters. Überraschenderweise waren auch noch größere Mengen menschlicher Knochenreste erhalten.Kerstin Schierhold: Die großen Sloopsteene bei Lotte-Wersen, Kreis Steinfurt. 2016, S. 22–26. Die Keramik datiert in die Stufen 4–6 des von Anna Brindley aufgestellten typologischen Systems der Trichterbecher-Westgruppe.Anna L. Brindley: The typochronology of TRB West Group pottery. In: Palaeohistoria. Band 28, 1986, S. 93–132 (Online). Dies entspricht dem Zeitraum 3250–2860 v. Chr.Jahreszahlen korrigiert nach Moritz Mennenga: Zwischen Elbe und Ems. Die Siedlungen der Trichterbecherkultur in Nordwestdeutschland (= Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung. Band 13). Habelt, Bonn 2017, ISBN 978-3-7749-4118-2, S. 93 (Online). Eine Radiokohlenstoffdatierung der Knochenreste ergab ähnliche Werte zwischen 3350 und 2850 cal. BC.Kerstin Schierhold: Die großen Sloopsteene bei Lotte-Wersen, Kreis Steinfurt. 2016, S. 27.
Literatur Leo Klinke: Mehr als nur Steine – die virtuelle Rekonstruktion der Großen Sloopsteene. In: Archäologie in Westfalen-Lippe. 2017 (2018), S. 239–242 (Online). Leo Klinke: Virtuelle Massen-Bewegung. Die digitale 3-D-Rekonstruktion des Megalithgrabes Große Sloopsteene bei Lotte-Wersen, Kreis Steinfurt. In: Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe. Band 15, 2020/2021 (2020), S. 253–326 (Online). Leo Klinke, Bernhard Stapel: Minimalinvasive Archäologie – Ausgrabung am Megalithgrab Kleine Sloopsteene. In: Archäologie in Westfalen-Lippe. 2020 (2021), S. 49–52 (Online). Johannes Heinrich Müller, Jacobus Reimers: Vor- und frühgeschichtliche Alterthümer der Provinz Hannover. Schulze, Hannover 1893, 284–285 (PDF; 25,0 MB). Kerstin Schierhold: Auf megalithischer Schnitzeljagd im Tecklenburger Land – Neues zu Sloopsteenen und Co. In: Archäologie in Westfalen-Lippe. 2014 (2015), S. 227–229 (Online). Kerstin Schierhold: Große Sloopsteene revisited – erste Ergebnisse neuer Untersuchungen. In: Archäologie in Westfalen-Lippe. 2015 (2016), S. 44–47 (Online). Kerstin Schierhold: Die großen Sloopsteene bei Lotte-Wersen, Kreis Steinfurt (= Megalithgräber in Westfalen. Band 1). Altertumskommission für Westfalen, Münster 2016 (Online). Ernst Sprockhoff: Atlas der Megalithgräber Deutschlands. Teil 3: Niedersachsen – Westfalen. Rudolf-Habelt Verlag, Bonn 1975, ISBN 3-7749-1326-9, S. 150.
Filme Eine archäologische Zeitreise in die westfälische Jungsteinzeit: Die Großen Sloopsteene. Altertumskommission für Westfalen. In: YouTube. 19. Juli 2022, abgerufen am 4. August 2022.
Weblinks
The Megalithic Portal: Kleine Sloopsteine, Große Sloopsteine, Westerkappeln Steingrab Gemeinde Westerkappeln – Die Sloopsteine in Westerkappeln Großsteingrab „Kleine Sloopsteine“, Halen bei Westerkappeln Großsteingrab „Große Sloopsteine“, Westerkappeln Die kleinen Sloopsteine auf Großsteingräber.de Die großen Sloopsteine auf Großsteingräber.de Altertumskommission für Westfalen: Die Kleinen Sloopsteene bei Lotte-Halen Altertumskommission für Westfalen: Die Großen Sloopsteene bei Lotte-Wersen Annemarie Reck: Das inoffizielle Grabungstagebuch …der Forschungsgrabung an den Kleinen Sloopsteenen. In: blog.altertumskommission.lwl.org.
Einzelnachweise
Wersen Kategorie:Bauwerk in Lotte (Westfalen) Wersen Kategorie:Religion (Tecklenburger Land) Kategorie:Geographie (Lotte, Westfalen) Kategorie:Westgruppe der Trichterbecherkultur Kategorie:Grabbau in Europa Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Europa Kategorie:Bodendenkmal im Kreis Steinfurt