mini|Wappen derer von Berlepsch (erstellt nach Vorlagen im Adelslexikon des Genealogischen Handbuchs des Adels) Berlepsch ist der Name eines alten niedersächsischen Adelsgeschlechts. Die Familie, deren Zweige zum Teil bis heute bestehen, gehört zum Uradel im Leinegau. Später gelangten die Herren von Berlepsch vor allem in Hessen, aber auch in Thüringen, Sachsen und Westfalen zu Besitz und Ansehen. Die Familienmitglieder mit Grundbesitz in Hessen sind bis in die Gegenwart in der Althessischen Ritterschaft immatrikuliert.
Herkunft, Herkunftslegenden und Urkunden Nach einer vom Ornithologen Hans Freiherr von Berlepsch im Jahr 1922 publizierten Sage nächtigte Kaiser Friedrich Barbarossa einst auf der Burg eines Ritters von Berlevessen.
Die ununterbrochene Stammreihe der Familie beginnt mit dem Ritter Konrad († 1271) und Theodrich († vor 1266). Diese sind Stammväter zweier im Stammbuch der Althessischen Ritterschaft (1888) nebeneinanderstehender Linien, die demnach jeweils Teil der Familie Berlepsch sind.
Frühe Urkunden Erstmals urkundlich erwähnt wird das Geschlecht wahrscheinlich mit Cunradus de Berleibisin in einer am 25. Februar 1233 ausgestellten Urkunde. In ihr ist Konrad einer der Zeugen der von Landgraf Konrad von Thüringen erteilten Zustimmung, dass das Kloster Spieskappel Güter nach Leimsfeld und in die heutige Wüstung Snegelbiz nach Waldrecht verpachte und die in landgräflicher Jurisdiktion gelegenen Güter von gewissen Leistungen befreie. Conradus de Berlevessen war jedoch unter den nicht mitsiegelnden Zeugen. Trotz fehlender Nachweise in Form von Siegeln oder Urkunden sprach der Heimatforscher Wilhelm Eckhardt und viele andere auf dem Familientag auf Schloss Berlepsch im Jahr 1933 von einer Linie unter Conradus de Berlevessen um das Jahr 1233 und einer Linie unter Theodoricus de Berlevessen um 1240. Theodoricus ist im Jahr 1240 überhaupt nicht urkundlich belegt, stattdessen aber ein Widekindus de Berlepsen. Cunradus wird im Gegensatz zu Theodoricus in den zwei Einleitungsbänden (Freiherrliche Häuser und Gräfliche Häuser) des Genealogischen Handbuchs des Adels und im jüngsten Band des Gothaisch genealogischen Taschenbuchs der gräflichen Häuser als frühester Beleg zum Geschlecht hinzugezählt.
Nach einer Urkunde vom 20. Juni 1284 verzichteten der Ritter Konrad und der Knappe Theoderich von Berlepsch („Berleipse“; nicht die Vorherigen), der Sohn Konrads Bruders „mit dem Ausdruck des Bedauerns“ auf einen und zwei halbe Zehnte zu Oberwehlheiden, Niedervellmar und Obersimmershausen. Vorausgegangen war gemäß der Urkunde eine Bedrängnis des Konvents des Frauenklosters Weißenstein durch Konrad und Theoderich. Als Zeugen bzw. Siegler sind unter anderem ein Graf Albert von Wallenstein, Graf Burchard von Ziegenberg, Conrad von Wehren, Eckehard von Felsberg, Theoderich von Elben, Heinrich von Rengshausen, Conrad von Bartherode, Ludwig von Blumenstein, Conrad von Weimar und Wernher von Geismar genannt.
Die Vorgeschichte ist in einer undatierten weiteren Urkunde festgehalten: In einem Brief des Albert, Graf von Wallenstein („Waldensten“) an Theoderich von Berlepsch („Berlebse“), bittet Wallenstein Berlepsch dringend darum, das Kloster Weißenstein wegen des vorgenannten Zehnten nicht zu belästigen, da er „dem Kloster, so lange er lebe, [...] für die Zehnten volle Währschaft leisten werde“.
Herkunft nach alten Überlieferungen Die Vorfahren der Familie Berlepsch sollen nach einigen älteren Veröffentlichungen aus Mähren an der ungarischen Grenze stammen und Heinrich und Dietrich von Bernewitzko gehießen haben. Dies behaupteten beispielsweise Wigand Happel (16. Jahrhundert), Johannes Letzner (1594), Lorenz Peckenstein (1608), Valentin König (1729), Zedler’s Universallexikon (1733), Johann Christian von Hellbach (1825), Leopold von Zedlitz-Neukirch (1836), Heinrich Ferdinand Mannstein (1843) und eine Veröffentlichung im Verlag Ernst Schäfer (1858), wobei Happel die älteste greifbare Quelle darstellt, auf die sich nachfolgende Veröffentlichungen (darunter Letzner, Peckenstein und König), beziehen. Eine handschriftliche Stammtafel dazu wurde von Heinrich August Lindner (18. Jahrhundert) angefertigt. Konkret sollen nach Valentin König die Ritter Heinrich und Dietrich von Bernewitzko im Dienst Herzog Ottos, Grafen zu Nordheim gestanden haben. Um 1079 hätten sie mit ihrem verdienten Geld Jühnde (Barlissen, in alten Urkunden: Berleveshusen, Berleipeshusen, 1524: Barlevessen) bezogen.
Im Jahr 1858 wurde ein gemeinsamer Ursprung der Freiherren von Bernewitz und der Freiherren von Berlepsch bei jener „uralten mährischen Familie Bernevizko“ behauptet. Wenig später (1869) legte auch das Gothaisch genealogische Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser im Kapitel über die Herren von Bernewitz eine Abstammung der Berlepsch von der hochadeligen Familie Bernewitz dar („wurden die Stammväter der Freiherren von Berlepsch“). Die Familie Bernewitz aus Mähren wanderte demnach Mitte des 12. Jahrhunderts mit Albrecht dem Bären nach Brandenburg ein und gehörte davor „zu den mächtigsten Dynasten-Geschlechtern des Landes“ Mähren. Barnewitz wäre ein ebenso verwandtes Adelsgeschlecht.
M. Gritzner bzw. A. M. Hildebrandt erwähnten in einem Deutschland und Österreich-Ungarn betreffenden Wappenbuch (1885) die böhmische Familie Berleviczko, mit der sich die sächsische Familie Berlepsch „in früherer Zeit als stammverwandt verbunden hatte“. Die Familie Berleviczko habe demnach ursprünglich die drei goldenen Sparren im Wappen geführt.
Eine vermeintliche Verwandtschaft mit den Herren von Bernewitz, Barnewitz oder Berleviczko wird, abgesehen vom genannten Band (1869), in den zahlreichen, das Adelsgeschlecht Berlepsch behandelnden Bänden des Genealogischen Handbuchs des Adels oder des Gothaisch Genealogischen Taschenbuchs der Freiherrlichen/Gräflichen/Uradeligen Häuser jedoch nicht thematisiert.vergleiche Literaturangaben
Joachim Jünemann bemerkte im Jahr 1978 in einem im Göttinger Jahrbuch veröffentlichten ausführlichen Aufsatz über die Familie von Berlepsch, dass sich jene Reihe von Chronisten (Peckenstein, König etc.) möglicherweise von Letzners „phantasiereichen Berichterstattung, die sich im Text und in den Stammbäumen der von Berlepsch widerspiegelt“, habe täuschen lassen. Auch ein Deckengemälde aus dem 19. Jahrhundert im Rittersaal auf dem Schloss Berlepsch, das eine „vorgestellte Göttin ‚Historia‘“ umgeben von Sparren- und Stichwappen und mit Letzners Chronik über die Familie Berlepsch auf dem Schoß zeigt, könnte diese Legendenbildung verstärkt haben.
Hans Dietrich Freiherr von Berlepsch trug auf einem Familientag am 23. Oktober 1964 in Vöhl das „leider nicht gedruckte“ Referat Vom ersten Auftreten der von Berlepsch bis zum „Luther-Hans“ vor. Berlepsch habe sich deutlich von den Berichten jener Chronisten ab dem 17. Jahrhundert distanziert und sich stattdessen an Georg Landaus Geschichte der Familie von Berlepsch gehalten, die größtenteils auf wirklich vorhandenen Urkunden beruhe. Landaus handschriftlicher, ebenfalls nicht gedruckter Aufsatz aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, befinde sich in Form einer Schreibmaschinenabschrift in Privatbesitz der Familie von Berlepsch.
Name, Burg/Schloss und Stammsitz Der Name des Geschlechts lautete im 14. Jahrhundert noch Berlevessen nach der Stammburg Barlissen und ging im weiteren zeitlichen Verlauf desselben und des darauffolgenden Jahrhunderts mit dem Bezug der neuen Burg über Berlevs und Berleps in Berlepsch auf.
In der Geschichte derer von Berlepsch sind zunächst zwei Linien hervorgetreten. Das Stammbuch der Althessischen Ritterschaft und seine Nachfolgebände veröffentlichten umfangreiche Stammbäume beider Linien. Sie saßen beide laut einem Beitrag in der Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde (1932) noch bis um das Jahr 1300 auf der namensgebenden Stammburg Barlissen. Das Verwandtschaftsverhältnis der Stammväter ist ungeklärt. Dem Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland zufolge waren seinerzeit „neuere Genealogen“ der Auffassung, dass es zwei eigenständige Geschlechter gewesen seien. Das Geschlecht mit dem Sittichwappen erbte demnach aber zumindest das Wappen des Geschlechts mit dem Sparrenwappen. In der Tat sind in allen bisherigen acht Bänden des Genealogischen Handbuchs des Adels, die das Adelsgeschlecht Berlepsch behandeln, nur Glieder der noch blühenden Linie aufgeführt, wobei die Namensformen zwischen Berleibisin, Berleybischin, Berlevessen und Berlepsch gewechselt habe. Friedrich Schannat ordnete der Linie mit dem Sittichwappen den Namen Berlips zu, der Linie mit dem Sparrenwappen hingegen den Namen Berleves.
Nach Angaben des Gothaisch Genealogischen Taschenbuchs der Gräflichen Häuser (1871) stand in Barlissen „keine Burg“, wobei jedoch „Reste von Wall und Graben des ehemals befestigten Dorfkirchhofes“ noch vorhanden (gewesen) seien. Jünemann zitierte aus nicht angegebener, wohl zeitgenössischeren Quelle ein „castrum Berlevessen“, was auch mit befestigter Ort übersetzt werden kann.
In der Zeit, in der die Stadt Göttingen angesichts des mitunter von angesehensten Adelsfamilien praktizierten Raubrittertums versuchte, ihr Umland unter Kontrolle zu bekommen, kündigte Herzog Albrecht der Feiste von Braunschweig in einem gedrungenen Versprechen an Göttingen am 7. Juni 1297 an, die Burg Barlissen bis zum 25. Juli zerstören zu lassen, was in der sogenannten Landgrafenfehde gegen Otto von Hessen in den Jahren 1312 bis 1314 auch geschah.
Linie mit dem Sittichwappen Der älteste bekannte Vorfahre war der Ritter Konrad. Nach der Zerstörung der Stammburg Barlissen ließ sich diese Linie auf Schloss Ziegenberg nieder. Von ihr stammen alle heute noch lebenden Mitglieder der Familie von Berlepsch ab.
Linie mit dem Sparrenwappen Der älteste bekannter Vorfahre war Theoderich. Seine Nachkommenschaft kam nach der Zerstörung der Stammburg teilweise auf dem um das Jahr 1149 von Arnold von Berlepsch errichteten Schloss Arnstein und ab 1338 zum größeren Teil auf Bischoffshausen zum Lehen unter.
mini|Schloss Berlepsch Späterer Stammsitz wurde das um das Jahr 1369 von Arnold von Berlepsch (Berleves) und seinem Sohn Hans „mit Hülfe der hessischen Fürsten“ errichtete Schloss Berlepsch bei Witzenhausen an der Werra. Die hessischen Landgrafen hatten den Bau unterstützt, da er als Grenzburg strategisch gegen Feinde genutzt werden sollte.
1369 erhielt der genannte Arnold von Berlepsch durch Heinrich II. das erbliche Amt eines Kämmerers der Landgrafen von Hessen. Danach bekleidete jeweils der älteste, in Hessen landsässige Berlepsch das damalige Amt des Erbkämmerers von Hessen, das eins der vier höchsten Hofämter im hessischen Adel war.
Arnolds Sohn Hans von Berlepsch ist im Jahr 1357 als Schultheiß zu Eschewege belegt. „In einem gemeinsamen Landsterben“ starb er Ende des 14. Jahrhunderts einschließlich seiner 12 Söhne an der Pest. Dazu werden noch 6 Töchter erwähnt, von denen zwei die Pest überlebten, und auch das Stammbuch der Althessischen Ritterschaft weiß von zumindest einer später verheirateten Tochter. Die verstorbenen Kinder seien im Wilhelmitenkloster Witzenhausen beigesetzt worden. Zum Zeitpunkt Hans Todes gibt es einige ältere Belege für das Jahr 1399, während neuere Literatur und einige Webseitenhttp://wbs.werra-burgen-steig.de/index.php/schloss-berlepsch.htmlhttps://www.schlossberlepsch.de/familievonberlepsch45.html das Jahr 1392 angeben. Hans Witwe Luitgarde, geborene von Canstein, verkaufte am 9. Januar 1399 ihr Leibgedinge und heiratete gleichen Jahres Albrecht III. von Bovenden.S. 170 ().
Übernahme des Schlosses Berlepsch durch die Linie auf Ziegenberg