Die Alpen-Waldrebe (Clematis alpina) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Waldreben (Clematis) in der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).

Beschreibung mini|links|Habitus mini|Blüten mini|Früchte mit den haltbaren Griffeln

Vegetative Merkmale Die Alpen-Waldrebe ist die einzige Liane der Bergwälder der Alpen. Sie ist ein kriechender oder kletternder Schlingstrauch mit verholzten, rankenden Sprossachsen mit Längen von 30 bis 300 Zentimetern. Sie wird 1 bis 2 (bis 3) Meter hoch.

Die Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Auch die Blattstiele sind rankend. Die hellgrüne Blattspreite ist einfach bis doppelt dreiteilig. Die Blattstiele und die Blattspindel fungieren als Ranke.

Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Mai bis August. Es sind Blütenstiele vorhanden. Die Blüten sind 2,5 bis 4 Zentimeter groß. Sie hat einen Durchmesser vom 4 bis 6 Zentimetern. Die vier Blütenhüllblätter sind leuchtend blau-violett und glockig zusammenneigend. Es sind viele freie Staubblätter vorhanden.

Die Früchte wiegen etwa 2,5 mg. Die behaarten, schwanzartig verlängerten Griffel sind etwa 3,5 Zentimeter lang.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.

Ökologie Blütenökologisch handelt es sich um „Nektar führende Scheibenblumen“. Die äußeren Staubblätter sind zu Nektarblättern umgewandelt und stellen eine Nektarquelle für Bienen, Wespen und Schmetterlinge dar.

Toxikologie Die Alpen-Waldrebe ist wie die Aufrechte Waldrebe (Clematis recta) giftig. Hauptwirkstoff ist das hautreizende Protoanemonin. Bei Berührungen mit dem Pflanzensaft kann es durch diesen Inhaltsstoff zu Hautrötungen und Juckreiz kommen.

Standortbedingungen Die Alpen-Waldrebe wächst meist auf kalkhaltigen Böden. Sie gedeiht oft an Waldrändern, in Gebüschen, Schluchten, aber auch auf Felsen. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Vaccinio-Pinetum cembrae, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften des Verbands Erico-Pinion vor. In den Allgäuer Alpen steigt Clematis alpina subsp. alpina am Mußkopf in Bayern bis in eine Höhenlage von bis zu 1960 Metern auf.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 2 (subalpin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).

mini|Clematis alpina subsp. ochotensis Taxonomie, Systematik und Verbreitung Clematis alpina wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Band 1 Seite 542–543 als Atragene alpina erstbeschrieben. Die Art wurde 1768 von Philip Miller in Gardeners Dictionary, Edition 8, Clematis Nr. 9 als Clematis alpina in die Gattung Clematis gestellt.

Clematia alpina kommt in Asien im zentralen, nördlichen und östlichen Asien mit Pakistan vor. In Europa kommt die Art in Frankreich, Deutschland, Schweiz, Italien, Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien, Slowakei, Polen, Norwegen, Finnland, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Ukraine und in Russland vor. In Deutschland ist die Art gesetzlich geschützt.

Je nach Autor umfasst die Art Clematis alpina mehrere Unterarten: Clematis alpina subsp. alpina: Sie kommt in den Südwest- und Ostalpen, den Pyrenäen, Apennin, Karpaten und im Balkangebirge vor. Clematis alpina subsp. ochotensis (Syn.: Atragene ochotensis , Clematis ochotensis ): Sie kommt in Ostsibirien, Sachalin, Kamtschatka, China, in der Mongolei, in Russlands Fernem Osten, in Korea und Japan vor. Clematis alpina subsp. sibirica (Syn.: Clematis sibirica ): Sie kommt ursprünglich in Norwegen, Finnland, im europäischen Russland sowie in Asien vor. In Estland wurde sie eingeführt.

mini|Die Sorte ‘Tage Lundell’

Trivialnamen Für die Alpen-Waldrebe bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Grastrauben (Altenau) und Umwund (Altenau).

Literatur

Belege Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage, Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 401. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 536. Jaakko Jalas, Juha Suominen: Atlas florae europaeae. Band 8: Nymphaeaceae to Ranunculaceae. Helsinki 1989, ISBN 951-9108-07-6. Seite 108. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 103. (online).

E. von Raab-Straube, R. Hand, E. Hörandl & E. Nardi 2014+: Ranunculaceae. – In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Datenblatt Clematis alpina Jens G. Rohwer: Ranunculaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 338.

Weblinks

Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben). Datenblatt bei giftpflanzen.com.

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