mini|Sonja Eismann auf der Frankfurter Buchmesse 2025 Sonja Eismann (* 1973 in Heidelberg) ist eine deutsche Journalistin und Kulturwissenschaftlerin. Sie ist Mitbegründerin und Mitherausgeberin des Missy Magazine und lebt in Berlin.

Leben Sonja Eismann studierte Vergleichende Literaturwissenschaft in Wien, Mannheim, Dijon und Santa Cruz (USA). bei der Uni Paderborn, abgerufen am 30. Dezember 2013. 1998 war sie Mitbegründerin der Zeitschrift nylon. KunstStoff zu Feminismus und Populärkultur. Seit 2008 ist sie Mitherausgeberin des Missy Magazine. Sie hat als freie Autorin für verschiedene Zeitschriften geschrieben (u. a. Spex, taz, Jungle World, konkret, Freitag, Deutschlandfunk Kultur).

Sie ist Herausgeberin verschiedener Bücher, beispielsweise (zusammen mit Chris Köver) Mach’s selbst – Do it yourself für Mädchen (2012) beltz.de; abgerufen am 30. Dezember 2013. und Glückwunsch, du bist ein Mädchen! (2013). beltz.de; abgerufen am 30. Dezember 2013.

Seit 2007 lehrt sie an verschiedenen Universitäten. Als Wissenschaftlerin liegen ihre Forschungsschwerpunkte auf Repräsentation von Geschlecht in der Populärkultur, Dritte-Welle-Feminismus, gendersensiblem (pop)journalistischem Schreiben, Do-It-Yourself-Kulturen und Modetheorie.

Mit dem Buch Candy Girls. Sexismus in der Musikindustrie (2025) befasst sich Eismann mit der strukturellen Benachteiligung von Frauen im Pop-Mainstream und widerspricht der Annahme, ein vielbeschworenes „Matriarchat des Pop“ durch weibliche Superstars löse die zugrunde liegenden Probleme bereits auf. Sie zeigt anhand von Festival-Aufstellungen und Branchendynamiken, dass Machtgefälle fortbestehen und männliche Interpreten weiterhin dominieren. Als analytische Figur arbeitet sie die von der Industrie entworfenene Weiblichkeitsfantasie der „Candy Girls“ heraus, die Künstlerinnen als süß, verfügbar und manipulierbar imaginiert und sie auf Körper und Sexiness reduziert. In diesem Zusammenhang konstatiert Eismann, ein Mann mit einer Gitarre gelte schlicht als Gitarrist, während eine Frau zuerst als Frau wahrgenommen werde und erst nachrangig als Musikerin, was Expertise und Autorenschaft unsichtbar mache. Überdies analysiert sie die Abwertung weiblicher Fankulturen – bis hin zur historischen Pathologisierung etwa in der sogenannten „Lisztomanie“ – und hält dem die Funktion von Fansein als Schutz- und Resonanzraum für Mädchen und Frauen entgegen. Zugleich verweist Eismann auf Berichte über Grenzüberschreitungen im Livebetrieb, etwa Debatten um „Row Zero“ und Aftershowpartys, als Hinweise auf fortbestehende Risikozonen. Als Gegenstrategien nennt sie die Arbeit von #MeToo-Aktivistinnen, den Aufbau eines feministischen FLINTA-Pop-Kanons sowie Arbeitskreise und Boykotte, durch die dominante Muster aufgebrochen werden sollen.

Anlass für die erneute Zuspitzung ihrer Kritik sieht Eismann in den Debatten um Rammstein, die ihr vor Augen geführt hätten, wie wenig sich trotz prominenter Künstlerinnen an den Machtstrukturen der Branche verändert habe. Sie argumentiert, dass weibliche Spitzenphänomene den Blick auf weiterhin männerdominierte Breitenverhältnisse verstellen, und verweist auf Verkäufe, Streams, Charts, Labelhierarchien und Festivalauftritte als Belege für die anhaltende Dominanz männlicher Akteure. Als Indikator für normalisierte Misogynie nennt sie zudem die Popularität von Liedern, die Femizide romantisieren, etwa „Tom Dooley“, „Where the Wild Roses Grow“ oder „Delia’s Gone“.

Im Hinblick auf soziale Medien beschreibt Eismann eine ambivalente Lage: Niedrigschwellige Vernetzung und Distribution stehen einer Abhängigkeit von kommerziellen, mehrheitlich von Männern dominierten Plattformen gegenüber, die Begriffe wie „queer“ und „sexpositiv“ zensieren können; zugleich verstärke die Bildorientierung den Druck auf Musikerinnen, normierten Weiblichkeitsidealen zu entsprechen, und mache sie besonders anfällig für digitale Anfeindungen. Auch den Musikjournalismus verortet sie als historisch männlich und sexistisch; bei allem analytischen Potenzial beobachtet sie einen Bedeutungswandel, kritisiert ritualisierte „Erklärbär“-Formate und konstatiert eine Verlagerung männlicher Expertisen in ausführliche Buchpublikationen. Das Spiel mit Sexualisierung und Ambivalenzen in der Popkultur erläutert sie exemplarisch am Fall von Sabrina Carpenter, dessen Wirkmacht sich aus der Lesart durch den Male Gaze speise und in der Regel jenen vorbehalten bleibe, die als „sexy“ kodiert werden. Grundsätzlich versteht Eismann die Ausbeutung junger, „konsumierbarer“ Frauenkörper als konstitutives Funktionsprinzip der Popindustrie, das weibliche Stars zugleich fetischisiert und intellektuell abwertet; dennoch betont sie das spielerische Potenzial von Pop und setzt auf Veränderung durch Bewusstmachung dieser Strukturen.

Von 2016 bis 2022 war sie Mitglied im Musikbeirat des Goethe-Institutes.

Im Sommersemester 2024 übernahm Eismann die Popdozentur des Studiengangs Populäre Musik und Medien an der Universität Paderborn.

Werke mini|hochkant|Sonja Eismann, 2019 (als Hrsg.:) Hot Topic. Popfeminismus heute. Ventil Verlag, Mainz 2007, ISBN 978-3-931555-75-7. (mit Elke Zobl:) Radical Crafting, DIY-Aktivismus & Gender-Politiken. Einleitung. In: „Critical Crafting Circle“ (Hrsg.): Craftista! Handarbeit als Aktivismus. Ventil, Mainz 2011, ISBN 978-3-931555-60-3. absolute Fashion. orange-press, Freiburg im Breisgau 2012, ISBN 978-3-936086-57-7. (mit Chris Köver:) Mach’s selbst. Do it yourself für Mädchen. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 2012, ISBN 978-3-407-75363-2. (mit Chris Köver:) Glückwunsch, du bist ein Mädchen! Eine Anleitung zum Klarkommen. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 2013, ISBN 978-3-407-75368-7. (mit Anna Mayrhauser:) Freie Stücke: Geschichten über Selbstbestimmung. Edition Nautilus, Hamburg 2019, ISBN 978-3-96054-185-1. Die doppelte Scham. Über das autofiktonale Erzählen der französischen Schriftstellerin Annie Ernaux. In: Konkret, 9, 2020, S. 54f. Wie siehst du denn aus? Warum es normal nicht gibt. Beltz & Gelberg, Weinheim 2020, ISBN 978-3-407-75564-3. (als Hrsg. mit Ingo Schöningh:) Movements and Moments. Indigene Feminismen in 10 Graphic Novels. Jaja Verlag, Berlin 2022, ISBN 9783948904289. Wo kommst du denn her? Warum das die falsche Frage ist und was uns wirklich ausmacht. Beltz & Gelberg, Weinheim 2022, ISBN 978-3-407-75693-0. Candy Girls. Sexismus in der Musikindustrie. Nautilus Flugschrift, Hamburg 2025, ISBN 978-3-96054-472-2.

Literatur

Weblinks

Lebenslauf auf der Website der Uni Paderborn; abgerufen am 30. Dezember 2013 Goethe-Institut (Beiräte)

Einzelnachweise

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