mini|Kuhschelle mit Schneeheide Das Naturschutzgebiet Garchinger Heide befindet sich auf dem Gebiet und südöstlich der Gemeinde Eching im Landkreis Freising (Bayern). Sie wurde 1854 erstmals botanisch beschrieben und 1908 begann die Bayerische Botanische Gesellschaft mittels Spenden Flächen anzukaufen. So konnte die Gesellschaft 27 ha erwerben (Stand: 2015). Seit 1942 steht das Gebiet unter Naturschutz und hat heute die Kennung NSG-00389.01.

Mit 218 nachgewiesenen Pflanzenarten, von denen mehr als 50 auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen – darunter die Finger-Kuhschelle (Pulsatilla patens), die deutschlandweit nur noch hier vorkommt und nach der FFH-Richtlinie (Anhang II) geschützt ist – 40 Flechten, von denen 12 auf der Roten Liste stehen, 34 Moose, Pilze und einer Vielzahl von Tierarten hat diese Heidefläche überregionale Bedeutung.

Gebietsbeschreibung Wegen der Kombination aus Trockenheit und Nährstoffmangel haben sich in der Garchinger Heide Pflanzenarten erhalten, die andernorts durch konkurrenzstärkere Arten verdrängt wurden. Diese stammen aus sehr unterschiedlichen botanischen Großregionen. Während der Eiszeiten wanderten alpine Arten aus den vergletscherten Bergen in das Vorland. Zudem breiteten sich submediterrane Arten über die Provence und das westliche Alpenvorland bis ins heutige Bayern aus. Eine weitere Wanderbewegung kommt aus dem Südosten, wo pontische Florenelemente aus der Schwarzmeerregion bis ins Gebiet kamen. Außerdem gibt es Pflanzenarten der pannonischen Steppen Ungarns, die sich während der Eiszeiten bis zur Garchinger Heide verbreiteten.

Diese Kombination mit Arten aus vier Großregionen ist einmalig und die Garchinger Heide und ihr Umfeld sind der letzte verbleibende Rest dieser Landschaft, die noch im Jahr 1850 15.000 ha groß war.

Das Klima im Bereich des Naturschutzgebiets ist schwach subkontinental mit einem sommerlichen Niederschlagsmaximum. Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt bei 883 mm und die Jahresmitteltemperatur bei 9 °C mit einem mittleren Minimum im Januar von -2 °C und einem mittleren Maximum im Juli von 18 °C.

Entstehung und frühere Nutzung mini|Gedenkstein für einen verunglückten Reiter von 1908 mini|Gedenkstein für Franz Vollmann (1858–1917), den „Retter der Garchinger Heide“ Die Garchinger Heide ist ein Relikt der Kulturlandschaft, die ehemals den gesamten Norden der Münchner Schotterebene bedeckte. Sie verdankt ihr Erscheinungsbild den Schottern, die am Ende der Eiszeiten durch die abschmelzenden Gletscher und deren gewaltige Wassermassen in die Ebene hinausgetragen wurden. Der Schotter ist ein Trockenstandort, weil Wasser schnell in das tief liegende Grundwasser versickert und nährstoffarm, weil bis zur Verfügbarkeit von Kunstdünger kaum Nährstoffe in das Gebiet eingebracht wurden.

Aus der Bronzezeit (1800–1000 vor Chr.) stammen zwei Hügelgräbergruppen im Nordosten und Südosten des Naturschutzgebietes. Die Bajuwaren legten auf den kargen Böden im frühen Mittelalter Hochäcker an, deren Reste noch im Osten des Naturschutzgebiets zu sehen sind. Durch die Nutzung als allgemeines Weideland (Allmende) bis zum Ende des 19. Jahrhunderts für Schafe, Rinder, Ziegen und Schweine oder einschürige Mähwiese entstand der landschaftsprägende niederwüchsige Kalkmagerrasen, der nur vereinzelt durch Hecken und Gehölze unterbrochen wurde. Die Umwandlung in Acker begann nach der Aufteilung der Allmende auf die dortigen Bauern gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Zwischen 1907 und 1914 kaufte die Bayerische Botanische Gesellschaft 23 ha Land, um die Umwandlung in Ackerland zu verhindern. Erst 1942 wurde die Fläche offiziell als Naturschutzgebiet „Garchinger Heide“ ausgewiesen, aber in den letzten Kriegsmonaten 1945 begannen Zwangsarbeiter aus dem Konzentrationslager Dachau die oberste Kiesschicht von Hand abzutragen, um ein 40 m breites und 300 bis 400 m langes Rollfeld für den Militärflughafen Schleißheim zu schaffen. Neben dem Rollfeld wurden Schützenlöcher von etwa 1 m² ausgehoben, die heute noch einen halben Meter tief sind.

Durch weitere Flächenankäufe in den Jahren 1933, 1959 (ehemaliger Acker Ost) und in den 1960er Jahren (ehemaliger Acker Ost) umfasst die Garchinger Heide heute 27,13 ha, davon 26,89 ha als Naturschutzgebiet. Innerhalb des Naturschutzgebietes wurde auf zwei Flächen neben dem Rollfeld im Jahr 1980 (1829 m²) und 2000 der Oberboden abgetragen und auf dem südwestlichen Rollfeld wurde Kies aufgetragen. Im Jahr 1993 wurden in der nahen Umgebung der Garchinger Heide neue Kalkmagerrasen durch Oberbodenabtrag und Mähgutübertragung angelegt.

Flora mini|Rosmarin-Seidelbast (Daphne cneorum) Die Einzigartigkeit der Garchinger Heide machen Pflanzen aus verschiedenen Florengebieten aus, wie die submediterranen Arten Hügel-Meier (Asperula cynanchica), Kelch-Traubenhafer (Danthonia alpina) und Hufeisenklee (Hippocrepis comosa), alpine Arten wie Clusius-Enzian (Gentiana clusii) und Herzblättrige Kugelblume (Globularia cordifolia) oder pontische Arten wie Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) und Finger-Kuhschelle (Pulsatilla patens).