mini|hochkant=1.5|K4500 der KVB Köln

Der Flexity Swift ist eine Familie von Stadtbahnwagen des Herstellers Bombardier Transportation, die erstmals 1995 durch die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) eingesetzt wurde. Heute sind die Fahrzeuge bei mehreren Verkehrsbetrieben in Europa, Asien und den USA im Einsatz. Dazu gehören u. a. Bonn, Bursa, Frankfurt am Main, Istanbul, Karlsruhe, Köln, London-Croydon, Minneapolis, Rotterdam, Stockholm und Manchester. Der gemeinsame Name wurde 2003 eingeführt.

Der Flexity Swift ist sowohl als Niederflur- als auch Hochflur-Version lieferbar. Nicht nur konstruktionstechnisch, auch durch die lange Bauzeit sind die einzelnen Varianten daher teils sehr unterschiedlich. Die verschiedenen Ausführungen des Flexity Swift spiegeln den breiten Einsatzbereich der Fahrzeuge wieder: Nieder- bzw. mittelflurige Varianten sind als Straßenbahn, Stadtbahn oder Lokal- bzw. Überlandbahn im Einsatz, hochflurige Fahrzeuge als Stadtbahn oder U-Bahn. In Deutschland sind sie hauptsächlich unter den Typbezeichnungen der KVB (K4000, K4500, K5000) oder der VGF (U5) bekannt.

Die von Bombardier ab 1992 an die U-Bahn Wien gelieferten Niederflurwagen T waren das Vorbild der K4000 und wurden auch in Köln testweise eingesetzt. Allerdings gehören sowohl die Typen T und T1 als auch die davon abgeleitete Reihe 400 der Wiener Lokalbahn nicht zur Flexity-Familie.

Große Ähnlichkeit hat auch das nach Saarbrücken gelieferte Tram-Train-Modell Flexity Link, welches von Bombardier gemeinsam mit dem Flexity Swift unter dem Begriff Flexity Light Rail zusammengefasst wurde.

Die wichtigsten Wettbewerber des Flexity Swift waren bzw. sind je nach Einsatzgebiet der Alstom Citadis, der Siemens Combino und Siemens Avanto bzw. S70, der Tango von Stadler Rail, der Sirio von AnsaldoBreda und Bombardiers andere Flexity-Straßenbahnwagen.

Modelle und Einsatzorte Köln, Bonn K4000 mini|K4000 in Köln

Die K4000 sind – je nach Definition – mittel- oder niederflurige, sechsachsige Zweirichtungsstadtbahn­wagen. Das Laufgestell unter dem Gelenk hat wegen des tiefliegenden Wagenbodens Losräder ohne umlaufende Achswellen.

mini|K4000 Innenraum

Wegen der Wagenbodenhöhe von 35 Zentimetern über Schienenoberkante an allen Einstiegstüren eignen sich die K4000 für die Bedienung von Strecken, deren Bahnsteige aus finanziellen oder stadtgestalterischen Gründen nicht auf das 90-Zentimeter-Einstiegsniveau der Stadtbahnwagen der Typen B oder K5000 angehoben werden können oder sollen. Bei den K4000 ist bereits ab einer Bahnsteighöhe von 35 bis 40 Zentimetern ein stufenloser Einstieg möglich. Der Niederfluranteil beträgt 70 Prozent, der Wagenboden ist zwischen der jeweils Einstiegstür bis zum Führerstandsende über dem Triebdrehgestell angehoben, was eine Stufe im Fahrzeuginneren nötig macht, dafür aber die Konstruktion des Antriebs wesentlich vereinfacht.

120 baugleiche Fahrzeuge dieses Typs wurden von 1995 bis 1998 im Konsortium von Bombardier Transportation und Kiepe Elektrik gebaut und an die Kölner Verkehrs-Betriebe ausgeliefert. Im Jahr 2002 traf eine Nachlieferung von weiteren vier Fahrzeugen in Köln ein, so dass die KVB heute über 124 K4000-Wagen verfügt. Die Betriebsnummern lauten dementsprechend 4001 bis 4124.

Anfangs waren nur die Linien 1, 7, 8 und 9 (seit 5. August 2007 noch 1, 7 und 9) das Einsatzgebiet für diese Fahrzeuge, inzwischen sind zusätzlich die Linien 6, 12 und 15 (seit 5. August 2007 noch 12 und 15) auf K4000, bzw. K4500 umgestellt worden.

In der Regel sind die K4000 als Doppeltraktion mit zwei Wagen im Einsatz. Anfang des Jahres 2006 wurde der Prototyp 4001 umgebaut, um mit den Wagen der Nachfolgebauart K4500 gekuppelt werden zu können und erhielt dazu u. a. ein neues IBIS-Gerät. Inzwischen wurden alle Fahrzeuge mit den neuen IBIS-Geräten ausgestattet und können mit K4500 in Doppeltraktion fahren.

Wie in Köln (und generell in Stadtbahnsystemen) typisch, werden die Wagen nicht nur im oberirdischen Straßenbahnbetrieb eingesetzt, sondern sie befahren auf Teilstrecken auch U-Bahn-Tunnel. Darüber hinaus sind sie für den Betrieb nach EBO auf klassischen Eisenbahnstrecken zugelassen. Wegen des abweichenden Rückflächenabstandes der Radsätze erfordert dieser Einsatz allerdings Weichen mit unterbrechungsloser Fahrkante durch bewegliche Herzstückspitzen oder Flügelschienen. Einen solchen Streckenabschnitt gibt es auf der KVB-Linie 7 zwischen den Haltestellen „Brahmsstraße“ und „Frechen Bahnhof“.

K5000 bzw. K5100/K5200 mini|K5000 in Köln mini|Innenraum eines K5000

Der K5000 ist die Hochflur-Variante des Bombardier Flexity Swift. Ursprünglich wollten die KVB den neuen Siemens-Typ „CitySprinter“ beschaffen. Jedoch wurde nach dem schweren Unfall des Prototyps am 23. August 1999 ein neuer Auftrag an Bombardier vergeben. Allerdings entschieden sich die KVB kurzfristig, die 59 Bombardier-Fahrzeuge als 5101–5159 einzureihen, da man die Nummer 5001, die der verunglückte CitySprinter-Prototyp getragen hatte, nicht neu vergeben wollte. Eine Option über 69 weitere Einheiten wurde in eine Bestellung für niederflurige K4500 umgewandelt, da mittlerweile die Umstellung der Linien 6, 12 und 15 auf Niederflurbetrieb beschlossen worden war. Einige der Kölner Fahrzeuge wurden ebenfalls so nachgerüstet, dass sie auf den EBO-Strecken fahren können. Mittlerweile ist der Digitalfunk jedoch auf der HGK-Strecke ausgebaut und die Wagen mit IBISplus-Geräten sind für diese Strecke zugelassen. Die K4000 wurden erst auf IBISPlus umgerüstet, nachdem die Frechener Strecke mit Digitalfunk ausgestattet wurde.

2003 beschafften die Stadtwerke Bonn 15 baugleiche Fahrzeuge, die mit Rücksicht auf die damals geplante Fusion mit den KVB als 0360–0374 eingereiht wurden, also durch Austausch der ersten Ziffern sofort ins Kölner Nummernsystem integriert werden könnten. Nach dem bisherigen System wäre die erste Betriebsnummer 0351 gewesen.

Zunächst wurden die Bonner Triebwagen – tagsüber als Doppeltraktionen – ausschließlich auf der dortigen Linie 63 eingesetzt. Ein gemeinschaftlicher Verkehr auf den Linien 16 und 18 nach Köln findet seit August 2005 statt, da die K5000 erst nach einem sehr langwierigen Verfahren die die für den Fahrgastbetrieb auf der Rheinufer- und Vorgebirgsbahn erforderliche Zulassung nach EBO erhielten. Notwendig für den Erhalt dieser Zulassung war der Einbau eines Feuerlöschers in der Wagenmitte.

Im November 2010 nahm die KVB die ersten Fahrzeuge des Typs K5200, einer zweiten Generation von Hochflur-Flexitys, in Betrieb. Die 15 bestellten Fahrzeuge unterscheiden sich nur geringfügig vom K5000 und wurden bis 2011 ausgeliefert.

K4500 mini|Mittelteil eines K4500 in Köln (2005) Der K4500 ist eine weitere Niederflur- bzw. Mittelflur-Variante des Flexity Swift, die dem Typ K4000 sehr ähnelt, technisch aber näher mit dem K5000 verwandt ist, was besonders für die Ersatzteilvorhaltung vorteilhaft ist. Das mittige Lauffahrwerk ist jedoch eine gesonderte Entwicklung, die auf dem Lauffahrwerk des Incentro basiert, bei der aber klassische Radsätze mit durchgehenden Radsatzwellen verwendet werden. Auffälligste Änderung ist das zum Mittelwagen verlängerte Gelenk, das nun acht Sitzplätze beherbergt. In den Jahren 2005 bis 2007 wurden insgesamt 69 dieser Fahrzeuge an die KVB geliefert. Grund dieser Umwandlung einer Bestellung für K5000-Fahrzeuge war eine Entscheidung der Kölner Stadtverordneten, einen Teil des Stadtbahnnetzes komplett für den Einsatz von Niederflurfahrzeugen herzurichten. Damit wären mehr Hochflurwagen vorhanden gewesen, als in Köln gebraucht wurden und gleichzeitig zu wenig Niederflurwagen.

London

Croydon Tramlink (CR4000) Im Frühjahr 2000 erhielt das neu eingerichtete Croydon-Tramlink-System (inzwischen London Trams genannt) auf dem K4000 basierende und äußerlich beinahe identische Niederflurtriebwagen.

Docklands Light Railway

Auch die von Bombardier für die Docklands Light Railway gebauten Hochflurwagen gehören zur Flexity-Swift-Familie.

Stockholm, Schweden (A32) Ende der 1990er Jahre wurden Fahrzeuge für die erste neue Stadtbahnstrecke der Nachkriegszeit in Stockholm, Schweden, die sogenannte „Querbahn“, beschafft. Sie sind mit den K4000 nahezu baugleich, jedoch wurden sie mit runderen Köpfen und nur drei Türen je Seite ausgerüstet. Die vierte ist vorbereitet und nachrüstbar. Wegen eines Anschlusses in Liljeholmen und den straßenbündigen Rillenschienen durch Gröndal laufen die Stockholmer Wagen auf Kompromissradreifen.

Die Haagsche Tramweg-Maatschappij (HTM) setzte baugleiche Wagen in Kooperation mit den Nederlandse Spoorwegen auf der „RijnGouweLijn“ (Gouda-Alphen aan den Rijn) ein. Da diese Fahrzeuge ursprünglich auch nach Stockholm geliefert werden sollten, trugen sie auch die Bezeichnung A32. Die Fahrzeuge wurden im Jahr 2010 nach Stockholm verkauft.Blickpunkt Straßenbahn, Heft 4/2010, Seite 130,

Izmir Im August 2000 wurde in Izmir, Türkei eine von Adtranz erstellte Metro eröffnet. Die Lieferung umfasste 45 Fahrzeuge., in: bombardier.com, abgerufen am 29. Mai 2022.

Istanbul Im Sommer 2001 bestellte die Istanbul Transport Authority (ITC) 55 Flexity Swift. Ähnlich den Fahrzeugen für Stockholm, bieten die Einheiten für Istanbul bei einer Länge von 30 m eine Gesamtkapazität von 272 Fahrgästen. Die Einstiegshöhe beträgt 300 Millimeter. Die Fahrzeuge wurden 2003 in Betrieb genommen.

Frankfurt am Main (U5) mini|Zweirichtungswagen U5-25 607 auf der Linie U3

Für die U-Bahn Frankfurt wurden Flexity-Swift-Fahrzeuge als Type U5 in drei Varianten beschafft: Zunächst herkömmliche Zweirichtungsfahrzeuge (U5-25) sowie unechte Zweirichtungswagen (Anderthalbrichtungsfahrzeug) mit nur einem Führerstand und Fahrgastübergang auf dem anderen Ende. Letztere verkehren grundsätzlich immer in Doppeltraktion, je zwei Wagen bilden etwa 50 Meter lange Doppeleinheiten (U5-50), die in der Mitte durch einen Wagenübergang verbunden und durchgehend begehbar sind. Nachträglich wurden 23 Einheiten ohne Führerstand (Typ U5-MW) bestellt, die es ermöglichen, ebenfalls durchgehend begehbare Züge aus einer U5-50-Doppeleinheit und einem oder zwei zusätzlichen Mitteleinheiten bilden zu können (U5-75 oder U5-100). Alle Fahrzeugvarianten haben (ungekuppelt) jeweils eine Länge von etwa 25 Meter.

Die U5 basieren auf den K5000, sind aber vor allem optisch an die Frankfurter Vorgänger der Bauart U4 angelehnt. Der Bau der Fahrzeuge begann 2007, im Mai 2008 wurde das erste Fahrzeug präsentiert und seit September 2008 sind die U5 im Linienbetrieb. Sie sind mit den von Duewag und Siemens gebautem Vorgängertyp U4 kuppel- und vielfachsteuerbar. Insgesamt wurden 249 Fahrzeuge ausgeliefert, davon 96 Zweirichtungsfahrzeuge (U5-25), 130 unechte Zweirichtungsfahrzeuge (ergibt 65 Doppeleinheiten U5-50) sowie 23 Mittelwagen ohne Führerstand.

Minneapolis Seit 2004 fahren auf der Hiawatha-Linie – heute Metro Light Rail (Minneapolis-Saint Paul) – Bombardier-Flexity-Swift-Fahrzeuge.

Manchester (M5000)

Die Greater Manchester Passenger Transport Executive (GMPTE) hat Bombardier und Vossloh-Kiepe einen Auftrag über acht Fahrzeuge des Typs M5000 im April 2007 für die Stadtbahn Manchester Metrolink erteilt. Diese Bestellung wurde im November 2007 auf 12 erweitert."More trams for Manchester" in: Rail Magazine, Dezember 2007 (siehe S. 18) Die ersten Fahrzeuge nahmen 2009 ihren Betrieb auf.

Weitere 28 Einheiten wurden bestellt, um die Phase 3A, der Erweiterung des Metrolinks abzuschließen. Im Jahr 2011 entschied man sich die bestehende Flotte AnsaldoBreda T-68 gänzlich zu ersetzen – 32 weitere Einheiten wurden bestellt. 2013 wurden 10 weitere Einheiten bestellt, da die Eröffnung der Trafford Park Line bevorstand.