mini|Der färöische Trawler Nýggjaberg wurde am 28. März 1942 von einem deutschen U-Boot versenkt. 21 Seeleute fanden den Tod. Wie alle färöischen Schiffe war die Nýggjaberg mit Merkið, der Flagge der Färöer gekennzeichnet. (Färöische Briefmarkenausgabe von 1990, Künstler: Bárður Jákupsson). mini|Nördlich von Schottland und auf halbem Weg nach Island: die strategische Lage der Färöer 1940 Die dänische nordatlantische Inselgruppe Färöer wurde im Zweiten Weltkrieg am 11. April 1940 im Rahmen der sogenannten Operation Valentine von Großbritannien besetzt, nachdem am 9. April Dänemark von den Deutschen überfallen und besetzt worden war.
Dies führte zu einer kompletten Isolation des damaligen dänischen Amtsbezirks vom Mutterland und letztlich der Autonomie der Färöer im Jahr 1948. Während die Färöer unter britischer Besetzung ein enormes Wirtschaftswachstum durch die Fischerei erlebten, zahlten ihre Seeleute hierfür einen hohen Preis. 150 Färinger, etwa 0,5 % der Bevölkerung, blieben auf See.
Zeitweilig waren bis zu 8000 britische Soldaten auf den Färöern stationiert, die damals etwa 30.000 Einwohner hatten.
Übersichtsartikel: Geschichte der Färöer
Strategische Lage der Färöer Während im Ersten Weltkrieg die britische Seeblockade gegen Deutschland zwischen den Orkney, Shetlandinseln und Bergen im neutralen Norwegen errichtet wurde, war die strategische Situation im Nordatlantik während des Zweiten Weltkriegs nach der sogenannten Operation Weserübung – der deutschen Besetzung Dänemarks und Norwegens am 9. April 1940 – komplizierter.
Großbritannien musste nun seine Blockade zwischen Shetland, den Färöern und Island aufbauen, während Deutschland die lange norwegische Küste als Operationsbasis hatte. Nach der Besetzung Dänemarks und Norwegens war aus britischer Sicht Eile geboten, um diesen strategischen Posten nicht zu verlieren.
Auch die strategische Bedeutung der Färöer im Kalten Krieg (und bis heute) bestimmt die politischen Geschicke des Landes immer wieder mit.
Kriegsausbruch Vorbereitungen Bereits nach dem Kriegsbeginn in Europa 1939 bereitete man sich auf den Färöern auf mögliche Konsequenzen bezüglich der Versorgungssituation vor. Es wurde ein Kontrollrat geschaffen, der sicherstellen sollte, dass lebenswichtige Güter wie Salz (davon hing die Fischereiindustrie ab) und Brennstoffe ebenso in ausreichender Menge vorhanden waren wie Kleidung und Nahrungsmittel.
Seit Anfang 1940 wurden dänische Schiffe Opfer des deutschen U-Boot-Krieges, und so verschlechterte sich die Verbindung der Färöer mit Dänemark zusehends. Im Februar kam die letzte Post aus Dänemark an. Erst nach dem Kriegsende wurde die Verbindung wiederhergestellt.
Am 11. März 1940 forderte der Kontrollrat alle Färinger auf, äußerste Sparsamkeit zu üben und verstärkt Kartoffeln und Gemüse für den Eigenbedarf der Inseln anzubauen. Gleichzeitig wurde Kohle als Importware rationiert (später auch die einheimische Kohle aus Hvalba) und an die Einwohner appelliert, die schon fast vergessen geglaubte Tradition des Torfstechens wieder aufleben zu lassen. Grundbesitzer waren überdies gehalten, landlosen Fischern Parzellen zur Verfügung zu stellen, wo sie selbst Kartoffeln anbauen konnten.
Die Flottenaktivitäten im Nordatlantik wurden Ende März, Anfang April immer intensiver, sodass man sich unmittelbar auf das Schlimmste vorbereitete.
Chronologie der Ereignisse Dienstag, 9. April 1940. In den frühen Morgenstunden bricht die Telegrafenverbindung der Färöer mit Dänemark zusammen. Das Dänische Radio berichtet am Vormittag vom Einmarsch der deutschen Wehrmacht, dem zwecklosen Widerstand sowie der Kapitulation des Königs und der Regierung.
Etwa 3000 Färinger befinden sich zu diesem Zeitpunkt in Dänemark. Sie werden ihre Heimat erst 1945 wiedersehen. Auf den Färöern selber ist vom Krieg noch nichts zu spüren.
Zufälligerweise tagt gerade das am 30. Januar neu gewählte Løgting. Der dänische Amtsmann (Gouverneur) Carl Aage Hilbert berät sich umgehend mit den Volksvertretern über die neu entstandene Situation.
Derweil sticht die Schaluppe Eysturoy unter Kapitän Hans Mikkelsen von Klaksvík aus in See, um eine Ladung gefrorenen Fisch nach Aberdeen zu bringen.
Mittwoch, 10. April. Am Morgen wendet sich Hilbert über Radio Tórshavn an das färöische Volk. Er sagt, dass die dänische Kapitulation keine Kapitulation der Färöer sei, und dass er zusammen mit dem Løgting die Regierung des Landes in der Hand behält. Der Løgtingspräsident Kristian Djurhuus wendet sich danach an die Zuhörer. Er verspricht, dass das Løgting alles unternehmen wird, damit die Fischerei fortgesetzt werden kann.
Hilbert verbietet gleichzeitig allen dänischen Schiffen das Verlassen der Färöer ohne seine Erlaubnis. Ihre Ladungen werden zur Selbstversorgung der Inseln beschlagnahmt, allerdings ist die Ausbeute geringer als erhofft.
Am Nachmittag versucht die Volkspartei (Fólkaflokkurin) einen Staatsstreich: Die Autorität Hilberts für die Färöer wird von ihr einseitig für beendet erklärt und das Løgting als alleinige Instanz des Landes proklamiert. Es wird ein Ultimatum bis 18 Uhr gestellt, ab dem die Unabhängigkeitserklärung der Färöer zur Kenntnis genommen werden muss. Der Staatsstreich scheitert an der Ablehnung aller anderen Parteien, welche die Mehrheit im Løgting bilden.
mini|Am 10. April 1940 wird die Flagge der Färöer das erste Mal auf See verwendet. Am 25. April erfolgt die offizielle Anerkennung. Briefmarke von 1990 zum 50. Flaggtag. Inzwischen kommt die Schaluppe Eysturoy in britische Gewässer und wird bei den Orkney von einem Kriegsschiff der Royal Navy aufgebracht. Der Skipper Hans Mikkelsen wird aufgefordert, den Dannebrog zu streichen. Problematisch ist, dass die britische Marine den Auftrag hat, die Schiffe aus dem besetzten Dänemark abzufangen, man aber keine Probleme mit den Faröern haben will. Er wird von den Briten gefragt, ob er nicht eine andere Flagge habe. Das lässt er sich nicht zweimal sagen, setzt die – bis dahin aus Sicht Dänemarks illegale – Flagge der Färöer und darf die Fahrt nach Aberdeen fortsetzen. Dort im Hafen befinden sich viele Boote von den Färöern. Als Eysturoy mit der färöischen Flagge in Sichtweite kommt, wird auf allen Booten der Dannebrog eingeholt und Merkið gehisst. Der kriegsbedingt erzwungene Schriftzug DANMARK an den Bordwänden wird auf allen Booten durch FAROES – FØROYAR ersetzt.
Donnerstag, 11. April. Der britische Premier- und Marineminister Winston Churchill erklärt im Unterhaus (und über BBC):
Am gleichen Tag taucht ein Aufklärungsflugzeug der Royal Air Force über Tórshavn auf.
Freitag, 12. April. Gegen Mittag ankern die britischen Zerstörer Havant und Hesperus vor Tórshavn. Die beiden Kommandanten suchen den Amtsmann Hilbert auf, der sie im Beisein von Kristian Djurhuus empfängt. Die Briten fordern die Färinger dazu auf, Vorbereitungen für die Landung der Marineinfanterie in Tórshavn und Skálafjørður zu treffen. Angesichts der Lage erklärt Hilbert, dass es keine andere Alternative gäbe.
Samstag, 13. April. Das Løgting protestiert formal beim britischen Konsul in Tórshavn gegen die Besetzung der Färöer. Dieser Protest wird von allen Seiten als rein formal angesehen, denn die Bevölkerung ist übereinstimmend erleichtert, dass es die Briten und nicht die Deutschen sind, die ihr Land besetzen.
Über die Telegrafie und das Radio wird die Zensur verhängt und der überseeische Postdienst ausgesetzt. Für Tórshavn wird Verdunklung angeordnet.
Am Nachmittag landen die ersten 200 Royal Marines mit zwei bewaffneten Trawlern in Begleitung des Kreuzers Suffolk. mini|Britische Schiffskanone auf Skansin Sonntag, 14. April. Die Marines werden nach Skálafjørður verlegt, wo die Briten einen Marinestützpunkt errichten. Das Hauptquartier wird in der alten Tórshavner Festung Skansin angelegt. Die großen Schiffskanonen dort zeugen heute noch von dieser Zeit.
Sonntag, 21. April. Die ersten Fischerboote mit der Flagge der Färöer kommen zurück aus Aberdeen. Amtsmann Hilbert versucht, diese „Aufrührerflagge“ durch eine grüne Signalflagge ersetzen zu lassen. Das führt umgehend zu heftigen Demonstrationen in Tórshavn. Hilbert beugt sich dem Volkswillen.
Montag, 22. April. Alle färöischen Leuchttürme werden abgeschaltet und in den Folgejahren nur noch auf Anweisung der Alliierten zeitweise in Betrieb genommen, um Schiffsverbänden den Weg zu weisen.
Donnerstag, 25. April. Über BBC gibt die Royal Navy bekannt, dass die Flagge der Färöer für den Rest des Krieges auf färöischen Schiffen geführt werden soll.
mini|Truppenübung auf den Färöern. Gedenkbriefmarke von 2005. Samstag, 27. April. Hilbert unterschreibt eine Anordnung, dass die färöische Flagge zur See geführt werden soll, an Land aber weiterhin der Dannebrog verwendet wird.
Die britische Anordnung bezüglich der Flagge soll die einzige Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Färöer bleiben. Der 25. April wird seitdem als arbeitsfreier Feiertag (Flaggtag der Färöer) begangen. Es gibt keine Hinweise dafür, dass der britischen Seite bewusst war, welche innenpolitischen Auseinandersetzungen der Vergangenheit sie damit beendeten.
25. Mai. Die Marines werden durch 500 Lovat Scouts aus Schottland abgelöst, die mit dem Transportschiff Ulster Prince landen. Dieses Regiment verbleibt bis zum 10. Juni 1942. Sie wurden unter anderem von den ebenfalls schottischen Cameronians abgelöst, die bis 1943 blieben.
Kriegsgeschehen Britische Aktivitäten auf den Färöern mini|Am 9. November 1942 stürzte eine britische Maschine vom Typ Armstrong Whitworth Whitley zwischen Tvøroyri und Hvalba ab. Fünf der sechs Besatzungsmitglieder fanden den Tod. Dieser Propeller befindet sich im Lokalmuseum von Tvøroyri. mini|Dieser Grabstein auf Vágar erinnert an den neuseeländischen Piloten H. J. G. Haeusler, der auf den Färöern im Alter von 24 Jahren nach dem Flugunfall vom 9. November 1942 am nächsten Tag seinen schweren Verletzungen erlag.BBC: WWII people’s war Sole Survivor. 30. Dezember 2005 (über den einzigen Überlebenden des Flugzeugabsturzes vom 9. November 1942)
Die Präsenz der alliierten Streitkräfte auf den Färöern verfolgte zwei strategische Ziele.
Die Seeblockade im Nordatlantik Kampf gegen die deutsche U-Boot-Waffe
Entsprechend maritim waren die von den Färöern ausgehenden Aktionen.
Die britische Royal Air Force leistete mit dem Bau des Flughafens Vágar einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Infrastruktur des Landes, der heute noch als einziger Flughafen dient (siehe dort). Bevor der Flughafen fertiggestellt wurde, diente der benachbarte große See Sørvágsvatn als Wasserflugplatz mit einem Anleger bei Vatnsoyrar, wo gleichzeitig die meisten Briten stationiert waren. Vágar war damit auch die am stärksten befestigte Insel der Färöer. Die Einwohner bekamen spezielle Identitätskarten, und wer Vágar besuchen wollte, brauchte hierfür einen besonderen Sicherheitspass. Verfallene Betonbunker erinnern ebenso an diese Zeit wie der britische Soldatenfriedhof in der Nähe des Flughafens.
Zwischen 1942 und 1944 befand sich die größte Truppenkonzentration auf den Färöern, zeitweilig bis zu 8000 Mann. Dies führte zu erstaunlich wenigen Zwischenfällen mit den etwa 30.000 Einheimischen. Einige vereinzelte Übergriffe aufgrund von Trunkenheit oder ähnlichem wurden gemeinsam und einvernehmlich von der Royal Military Police und der provisorischen Regierung der Färöer verfolgt.
Verluste und Schäden an Land Luftangriffe