Der Große Preis von Italien 2000 (offiziell LXXI Gran Premio Campari d’Italia) fand am 10. September auf dem Autodromo Nazionale di Monza in Monza statt und war das 14. Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft 2000.

Berichte Hintergrund Nach dem Großen Preis von Belgien führte Mika Häkkinen in der Fahrerwertung mit sechs Punkten vor Michael Schumacher und mit 13 Punkten vor David Coulthard. In der Konstrukteurswertung führte McLaren-Mercedes mit acht Punkten vor Ferrari und mit 95 Punkten vor Williams-BMW.

Mit Michael Schumacher (zweimal), Johnny Herbert, Heinz-Harald Frentzen und Coulthard (jeweils einmal) traten vier ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.

Training

Freitagstraining Im ersten freien Training am Freitag erzielte Rubens Barrichello die schnellste Rundenzeit vor Schumacher und Jarno Trulli.

Samstagstraining Im Samstagstraining übernahm sein Teamkollege Michael Schumacher die Führungsposition vor Häkkinen, Barrichello selber fuhr die drittschnellste Zeit.

Qualifying Im Qualifying lautete die Reihenfolge genau gleich wie im freien Training zuvor: Michael Schumacher drehte erneut die schnellste Runde und belegte damit die Pole-Position vor Häkkinen und Teamkollege Barrichello.

Warm Up Im Warm Up am Rennsonntag erzielte überraschend Ricardo Zonta die schnellste Runde, zweiter wurde Häkkinen vor Michael Schumacher.

Rennen Gleich nach dem Start, als sich die Autos der vor kurzem neu gestalteten ersten Schikane näherten, kollidierte Eddie Irvines Jaguar mit beiden Sauber-Fahrern, sodass sein Motor abstarb und ihn so schon früh im Rennen zur Aufgabe zwang. Ein viel schwererer Unfall wurde kurze Zeit später in der zweiten Schikane ausgelöst, als die Jordan von Trulli und Frentzen einander berührten, Trulli sich drehte und die beiden die Autos von Barrichello und Coulthard von der Strecke rissen. Alle vier endeten im Kiesbett. Kurz darauf folgte der Arrows von Pedro de la Rosa, der ins Heck von Herberts Jaguar gekracht war; mit solcher Wucht, dass es dessen linkes Hinterrad weggerissen hatte, der Arrows in die Luft stieg und sich mehrfach überschlug. Als er den Auslaufbereich erreichte, touchierte de la Rosas Auto das von Coulthard und landete auf der Seite, gleich neben Barrichellos Ferrari.

Die fünf ausgefallenen Fahrer konnten ohne körperliche Verletzungen aus ihren Autos klettern. Herberts Auto kam um die Auslaufzone herum und er fuhr zurück an die Boxen auf drei verbliebenen Rädern. Jedoch hatte sich während des Abflugs das rechte Vorderrad von Frentzens Jordan gelöst und war in Richtung Streckenbegrenzung geflogen, wo es den 33-jährigen Feuerwehrmann Paolo Gislimberti im Brust- und Kopfbereich traf. Gislimberti wurde vor Ort reanimiert, erlag aber später seinen Verletzungen und wurde der erste Todesfall in der Formel 1 seit Ayrton Senna 1994 (siehe: Großer Preis von San Marino 1994). Er hinterließ eine schwangere Frau, die finanzielle Unterstützung aus einer Auktion des Verkaufs der Rennfahrer-Overalls erhielt.

Die Rennkommissare entschieden sich, das Rennen nicht abzubrechen, sondern die verbliebenen Autos hinter dem Safety-Car zu führen. Dies verärgerte viele Fahrer, darunter Coulthard, der sagte, das Rennen hätte wegen der Ernsthaftigkeit des Zustandes des Feuerwehrmannes abgebrochen werden müssen. Die Safety-Car-Phase dauerte elf Runden mit Michael Schumacher in Führung und Häkkinen an zweiter Position. Beide befanden sich kurz vor dem Unfall, als er passierte.

Michael Schumacher und Häkkinen benutzten beide eine Ein-Stopp-Strategie, die es Michael Schumacher ermöglichte, am Ende des Rennens vor dem Finnen zu bleiben und damit den Großen Preis von Italien das dritte Mal in fünf Jahren zu gewinnen. Dies war der 41. Sieg seiner Karriere, damit hatte er nun die zweithöchste Anzahl Gesamtsiege und genau gleich so viele wie Senna. Häkkinen sicherte sich den zweiten Platz, Ralf Schumacher wurde Dritter. In die weiteren Punkteränge fuhren Jos Verstappen (das beste Resultat der Saison mit einem vierten Platz) 7,5 Sekunden hinter Ralf Schumacher, Alexander Wurz erzielte seine einzigen beiden WM-Punkte des Jahres mit dem fünften Platz und Ricardo Zonta wurde sechster für British American Racing.

Bei der Pressekonferenz nach dem Rennen brach Michael Schumacher in Tränen aus, als er gefragt wurde, ob ihm der heutige Sieg viel bedeute, da es sein 41. war und er nun mit Senna Gleichstand hatte. Nachdem auch Häkkinen, der ein Jahr lang Sennas Teamkollege gewesen war, sichtlich um seine Fassung rang und um eine Unterbrechung bat, wurde die Pressekonferenz bei Ralf Schumacher fortgesetzt, bis die anderen beiden sich beruhigen konnten. Michael Schumacher wurde noch zweimal auf seinen Gefühlsausbruch angesprochen, verweigerte aber, diese Fragen zu beantworten. Michael Schumacher zeigte sich später überrascht über die allgemeine Reaktion auf seinen Gefühlsausbruch (da sein öffentliches Auftreten sonst eher emotionslos gewesen war, waren seine Tränen vor allem in Italien größere Schlagzeilen als sein Sieg) und erklärte, dass er kurz vor dem Rennen erfahren hatte, dass sein alter Freund Willi Bergmeister einen Herzinfarkt erlitten hatte (den er allerdings überleben würde). Dazu kamen der schwere Unfall Gislimbertis (die Fahrer wussten zu dem Zeitpunkt noch nicht von seinem Tod), der Druck gewinnen zu müssen und schließlich die Erinnerung an Senna, die das Fass zum Überlaufen brachte.

Als Konsequenz von Gislimbertis Tod wurden die Radaufhängungen der Rennwagen verbessert, um die Räder davon abzuhalten, umherzufliegen und Fahrer, Sicherheitsbeamte und Fans in Gefahr zu bringen. 2004 wurde ein Sicherheitszaun an der Unfallstelle in der Variante Della Roggia installiert.

In der Weltmeisterschaft verkürzte Michael Schumacher den Abstand zu Häkkinen auf nur noch zwei Punkte. Bei der Konstrukteurswertung holte Ferrari bis auf vier Punkte Abstand zu McLaren auf.

Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 McLaren MP4/15 Mercedes-Benz 3.0 V10 2 3 Ferrari F1-2000 Ferrari 3.0 V10 4 5 Jordan EJ10B Mugen-Honda 3.0 V10 6 7 Jaguar R1 Cosworth 3.0 V10 8 9 Williams FW22 BMW 3.0 V10 10 11 Benetton B200 Supertec 3.0 V10 12 14 Prost AP03 Peugeot 3.0 V10 15 16 Sauber C19 Petronas 3.0 V10 17 18 Arrows A21 Supertec 3.0 V10 19 20 Minardi M02 Fondmetal 3.0 V10 21 22 BAR 002 Honda 3.0 V10 23

Klassifikationen Qualifying Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Start 1 1:23,770 1 2 1:23,797 2 3 1:23,967 3 4 1:24,238 4 5 1:24,290 5 6 1:24,477 6 7 1:24,516 7 8 1:24,786 8 9 1:24,789 9 10 1:24,814 10 11 1:24,820 11 12 1:24,907 12 13 1:25,150 13 14 1:25,251 14 15 1:25,322 15 16 1:25,324 16 17 1:25,337 17 18 1:25,388 18 19 1:25,558 19 20 1:25,625 20 21 1:26,336 21 22 1:27,360 22

Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 53 1 1:27:31,638 1 1:25,663 (36.) 2 53 1 + 3,810 3 1:25,595 (50.) 3 53 1 + 52,432 7 1:26,636 (49.) 4 53 1 + 59,938 11 1:27,033 (31.) 5 53 1 + 1:07,426 13 1:26,869 (44.) 6 53 3 + 1:09,293 17 1:26,433 (22.) 7 52 3 + 1 Runde 15 1:27,297 (26.) 8 52 2 + 1 Runde 16 1:27,215 (44.) 9 52 1 + 1 Runde 21 1:28,131 (31.) 10 52 1 + 1 Runde 22 1:28,299 (49.) 11 52 1 + 1 Runde 9 1:26,731 (46.) 12 51 1 + 2 Runden 19 1:27,978 (47.) – 15 0 DNF 20 1:29,580 (14.) – 14 0 DNF 4 1:28,038 (14.) – 10 0 DNF 12 1:43,666 (1.) – 1 0 DNF 18 4:18,026 (1.) – 0 0 DNF 2 – – 0 0 DNF 5 – – 0 0 DNF 6 – – 0 0 DNF 8 – – 0 0 DNF 10 – – 0 0 DNF 14 –

WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 10, 6, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e).

Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 McLaren-Mercedes 80 2 Ferrari 78 3 McLaren-Mercedes 61 4 Ferrari 49 5 Williams-BMW 24 6 Benetton-Supertec 18 7 BAR-Honda 11 8 Williams-BMW 10 9 Jordan-Mugen 7 10 Jordan-Mugen 6 11 Sauber-Petronas 6 12 Arrows-Supertec 5 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 13 Jaguar-Cosworth 3 14 Arrows-Supertec 2 15 BAR-Honda 2 16 Benetton-Supertec 2 17 Sauber-Petronas 0 18 Jaguar-Cosworth 0 19 Minardi-Fondmetal 0 20 Prost-Peugeot 0 21 Minardi-Fondmetal 0 22 Prost-Peugeot 0 23 Jaguar-Cosworth 0

Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 Aufgrund eines fehlenden FIA-Siegels an Mika Häkkinens Auto beim Großen Preis von Österreich wurden McLaren-Mercedes nachträglich zehn Konstrukteurspunkte aberkannt. 131 2 127 3 34 4 20 5 13 6 13 Pos. Konstrukteur Punkte 7 7 8 6 9 3 10 0 11 0 Anmerkungen

Einzelnachweise

Weblinks

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