Das Galileum Solingen ist ein am 5. Juli 2019 eröffnetes Planetarium mit Sternwarte im Solinger Stadtteil Ohligs. Es handelt sich um das erste und einzige Planetarium, das in einen stillgelegten Kugelgasbehälter eingebaut wurde. Das Projekt wurde von der Walter-Horn-Gesellschaft e. V., dem Trägerverein der Sternwarte Solingen, geplant und durchgeführt. Es ist ein Leuchtturmprojekt innerhalb des Integrierten Stadtteilentwicklungskonzepts Ohligs, das durch die Städtebauförderung des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt wurde. Es ist einer von drei regional bedeutsamen außerschulischen Lernorten innerhalb des Bergischen Städtedreiecks und soll zugleich ein Begegnungs- und Veranstaltungsort für die Stadtteilbewohner sein. Schirmherr des Galileums ist seit Juni 2014 der Kabarettist und Moderator Vince Ebert.
Geschichte Die Anfänge des Vorhabens Unter dem Namen Galileum Solingen plante die Sternwarte Solingen seit 2004 den Neubau eines modernen Planetariums in Solingen. Website des Galileums. Abgerufen am 24. November 2017. Der Name Galileum bezieht sich auf den italienischen Universalgelehrten Galileo Galilei, der als erster mit einem Fernrohr den Himmel beobachtete. Website des Galileums. Abgerufen am 24. November 2017. Zuerst sollte ohne öffentliche Förderung eine Planetariumskuppel (Durchmesser: 10 m) für 1,7 Millionen Euro neben der bisherigen Sternwarte an der Sternstraße in Solingen-Wald gebaut werden.Günter Tewes: Sternwarte greift nach den Sternen Artikel in der Solinger Morgenpost vom 31. Januar 2007. Abgerufen am 24. November 2017 Im November 2008 schlugen die Bergische Entwicklungsagentur und die Wirtschaftsförderung Solingen vor, im Südpark in Solingen-Mitte einen Neubau für Planetarium und Sternwarte zu errichten.Uwe Vetter: Galileum in den Südpark Artikel in der Solinger Morgenpost vom 1. Februar 2009. Abgerufen am 24. November 2017 Der Landschaftsverband Rheinland übernahm einen Teil der Planungskosten. Aktuelles auf der Website des Galileums vom 13. Oktober 2009. Abgerufen am 24. November 2017 Diese Alternative scheiterte aber an der mangelnden Aussicht auf Fördergelder, um die fast 2,5 Millionen Euro für einen Neubau im Südpark aufbringen zu können. Als Lichtblick erwies sich der Hinweis der Denkmalbehörde auf den zum Abriss im Herbst 2010 vorgesehenen Kugelgasbehälter der Stadtwerke Solingen an der Tunnelstraße in Solingen-Ohligs, wobei sich die erste Kostenschätzung für diesen Standort allerdings auf knapp fünf Millionen Euro belief.Andrea Röhrig: Galileum: Südpark-Pläne geplatzt, Artikel in der Solinger Morgenpost vom 9. April 2010. Abgerufen am 24. November 2017Beschreibung des Gasbehälters Auf der Website der Gaswerksfreunde Augsburg. Abgerufen am 24. November 2017 Am 9. Juli 2010 beschlossen die Gesellschafter der Bergischen Entwicklungsagentur, das Galileum Solingen als einen von drei regional bedeutsamen außerschulischen Lernorten neben der Junior-Uni Wuppertal und dem Deutschen Röntgen-Museum in Remscheid zu etablieren. Im Herbst 2010 sagten die Stadtwerke Solingen zu, auf den Abbruch des Kugelgasbehälters zugunsten des Galileums Solingen zu verzichten.
Gaswerk und Kugelgasbehälter in Ohligs mini|Der Kugelgasbehälter im Bau im Jahre 1957
Die damals selbständige Stadt Ohligs errichtete im Gebiet Suppenheide an der Tunnelstraße ab 1891 ein Gaswerk, das am 1. Juli 1892 in Betrieb ging. Ein von der Stadt Solingen zunächst mit RWE, dann mit der 1926 gegründeten Ruhrgas AG abgeschlossener Lieferungsvertrag sah vor, die vorhandenen städtischen Gaswerke stillzulegen. Durch die Städtevereinigung 1929 war auch Ohligs davon betroffen. Am 13. Juli 1930 wurde Solingen-Ohligs an das Netz der Ruhrgas AG angeschlossen und der Eigenbetrieb eingestellt.Stadtwerke Solingen: 150 Jahre Gasversorgung in Solingen 1859–2009 Auf der Website der Stadtwerke Solingen, 2009. (PDF; 819 kB) Abgerufen am 24. November 2017 Die Stadtwerke Solingen hatten sich verpflichtet, 60 Prozent des maximalen Tagesverbrauches zu speichern. Dazu gab es über das Stadtgebiet verteilte Gasometer. 1935 waren es neun mit insgesamt 54.000 m³ Fassungsvermögen, 1949 noch sieben mit insgesamt 49.000 m³. Der Kugelgasbehälter an der Tunnelstraße mit 26 m Durchmesser und einem Fassungsvermögen von 64.000 m³ wurde 1956/1957 gebaut, um gemäß dem Vertrag mit der Ruhrgas AG angesichts des gestiegenen Verbrauches ausreichend Speicherraum zur Verfügung zu stellen. 2009 wurde der Gasbehälter stillgelegt, da die Gasbeschaffung nunmehr über den Großhandel erfolgte und eine Zwischenspeicherung nicht mehr erforderlich war. Seit Ende 2014 ist die Walter-Horn-Gesellschaft e. V. Eigentümerin des Geländes an der Tunnelstraße und des Gasbehälters. Auf einem kleinen Teil des Grundstücks befindet sich noch eine Gasübergabe- und Regler-Station der Stadtwerke. Auf der Website des Galileums. Abgerufen am 24. November 2017
2010 – Architektenwettbewerb Am 16. November 2010 wurde der europaweite Architektenwettbewerb für das Planetarium mit angeschlossener Sternwarte gestartet., Aktuelles auf der Website des Galileums vom 16. November 2010. Abgerufen am 24. November 2017 Mehr als 170 Architekturbüros aus ganz Europa bewarben sich, von denen 25 Büros für den Wettbewerb um insgesamt 21.000 Euro ausgewählt wurden., Aktuelles auf der Website des Galileums vom 23. Dezember 2010. Abgerufen am 24. November 2017 Am 11. Januar 2011 fand das Einführungskolloquium in der Festhalle Ohligs statt, an das sich eine Besichtigung des Kugelgasbehälters anschloss., Aktuelles auf der Website des Galileums vom 12. Januar 2011. Abgerufen am 24. November 2017 21 Büros reichten schließlich Entwürfe ein, aus denen das Preisgericht am 24. März 2011 vier Gewinner auswählte. Auf den ersten Platz kam einstimmig der Entwurf des Büros mvmarchitekt & starkearchitektur aus Köln. Dieser sah vor, Vereinsräume, Sternwarte und Ausstellungsräume in einem turmartigen Nebengebäude unterzubringen, das durch zwei gläserne Stege mit dem Planetarium im Kugelgasbehälter verbunden sein sollte. Es war der einzige Entwurf mit einer 360-Grad-Beobachtungsmöglichkeit für die Sternwarte., Aktuelles auf der Website des Galileums vom 25. März 2011. Abgerufen am 24. November 2017 Auf der Website des Bergischen Städtedreiecks, April 2011. (PDF; 3,1 MB) Abgerufen am 24. November 2017 Die Kosten des Wettbewerbs, 40.000 Euro, konnten aus bereits eingegangenen Sponsorengeldern in Höhe von 65.000 Euro gedeckt werden.Galileum: Ein Turm neben der Gaskugel Artikel in der Solinger Morgenpost vom 28. September 2011. Abgerufen am 24. November 2017 Der Wettbewerb wurde in einer internationalen Architekturwettbewerbsstudie untersucht.Jean-Pierre Chupin, Carmela Cucuzzella, Bechara Helal (Hrsg.): Architecture Competitions and the Production of Culture, Quality and Knowledge: An International Inquiry. Potential Architecture Books, 2015. ISBN 978-0-9921317-0-8 (S. 137f.)
Zur Vorbereitung der Technikbeschaffung reisten Delegationen der Sternwarte zweimal nach Frankreich: am 2. und 3. April 2011 zum Planetarium in Saint-Étienne Aktuelles auf Website des Galileums vom 6. April 2011. Abgerufen am 24. November 2017, dem ersten 3D-Planetarium in Frankreich, First 3D in France! The planetarium of St Etienne at the forefront of technology: Auf der Website der Fa. RSA Cosmos. Abgerufen am 24. November 2017 sowie am 5. Juni 2011 zum Planetarium in Cappelle-la-Grande im Arrondissement Dunkerque, Aktuelles auf Website des Galileums vom 6. Juni 2011. Abgerufen am 24. November 2017 wo bei einer Tagung der Vereinigung französischsprachiger Planetarien (APLF) das erste Hybrid-Planetarium in Frankreich vorgestellt wurde. GOTO – RSA Cosmos: First Hybrid planetarium presented in France Auf der Website der Fa. RSA Cosmos. Abgerufen am 24. November 2017 Am 27. September 2011 wurde das Modell des Siegerentwurfs rund 60 Unternehmern, Interessierten und Medienvertretern präsentiert, ein erster Sponsorenkreis stellte sich vor und es wurde bekanntgegeben, dass das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium bereits einen Qualifizierungsauftrag für die angestrebte Fördersumme von 3,5 Millionen Euro aus dem Städtebauförderungsprogramm erteilt hatte. Aktuelles auf Website des Galileums vom 30. September 2011. Abgerufen am 24. November 2017 Am 11. Januar 2012 wurde der Generalplanungsvertrag zwischen dem Büro mvmarchitekt & starkearchitektur und der Walter-Horn-Gesellschaft e. V. unterschrieben. Aktuelles auf Website des Galileums vom 17. Januar 2012. Abgerufen am 24. November 2017
2012 – Impuls für die Entwicklung des Stadtteilzentrums Ohligs Das Galileum wurde bereits im Frühjahr 2011 von der Stadtverwaltung Solingen als Leuchtturmprojekt in die Fortschreibung des Rahmenplans Ohligs Ost aus dem Jahr 1996 aufgenommen. Als Impulsgeber erfordere das Galileum mit seiner erwarteten überregionalen Ausstrahlung auch begleitende und unterstützende Maßnahmen im unmittelbaren Umfeld des Standorts. Für den Bau des Galileums wurde 2011 eine Förderung über das Landesprogramm Initiative ergreifen angestrebt, mit dem im Städtebau Projekte mit bürgerschaftlichem Engagement unterstützt wurden. Auf der Website der Stadt Solingen, April 2011 (PDF; 15,8 MB) Abgerufen am 24. November 2017 Auf der Website des Förderprogramms „Initiative ergreifen“. Abgerufen am 24. November 2017 Die Rahmenplanung Ohligs Ost wurde von der Bezirksvertretung Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid und den Ratsgremien bis in den Sommer 2011 beraten und mit Handlungsempfehlungen beschlossen. Angesichts der angespannten städtischen Finanzlage solle sich die Stadt Solingen zwar nicht finanziell an dem Projekt beteiligen, aber es durch begleitende Planungen, Kontakt mit den Zuschussgebern etc. umfassend unterstützen. Auf der Website der Stadt Solingen. Abgerufen am 24. November 2017
Im Vorfeld der NRW-Landtagswahl am 13. Mai 2012 besuchte der NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) am 10. April 2012 den ausgewählten Standort.Annemarie Kister-Preuss: Galileum ist einmalig Artikel in der Solinger Morgenpost vom 11. April 2012. Abgerufen am 24. November 2017 Am 26. April 2012 informierte sich Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) vor Ort über den geplanten außerschulischen Lernort.Günter Tewes: Beeindruckt vom Galileum Artikel in der Solinger Morgenpost vom 27. April 2012. Abgerufen am 24. November 2017 mini|Kugelgasbehälter vor dem Umbau, 2016 Im Herbst 2012 legten die Stadtverwaltung und die Bergische Entwicklungsagentur ein Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept Ohligs vor. Darin kommt dem Galileum als Leuchtturmprojekt eine besondere Bedeutung zu, um die historisch bedingte Trennung des Ohligser Stadtkerns in einen Ost- und Westteil zu überwinden, Auf der Website der Stadt Solingen, Oktober 2012. (PDF; 32,2 MB) Abgerufen am 24. November 2017 die durch die 1867 eröffnete Bahnstrecke von Köln nach Wuppertal entstanden war. Bahnhöfe in Solingen Auf der Website von Bahnen-Wuppertal.de. Abgerufen am 24. November 2017 Das in Ansätzen vorhandene städtebaulich-funktionale „Knochenprinzip“ des zentralen Versorgungsbereichs von Ohligs sollte auf der Westseite des Bahnhofs durch weitere Angebotsanker gestärkt und auf der Ostseite durch eine „Entwicklungsachse“ mit den neuen Attraktoren Galileum und einem Hotelneubau fortgesetzt werden. Das auf der Ostseite gelegene Galileum werde durch überregional anreisende Besucher auch auf das Gastronomie-, Einkaufs- und Kulturangebot auf der Westseite ausstrahlen. Das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept Ohligs wurde von der Bezirksvertretung und den Ratsgremien beraten und vom Rat am 21. Februar 2013 beschlossen. Auf der Website der Stadt Solingen, Januar/Februar 2013. Abgerufen am 24. November 2017