Elben sind fiktive menschenähnliche Wesen in der von J. R. R. Tolkien geschaffenen Fantasiewelt Mittelerde. Sie kommen insbesondere in den ersten Zeitaltern von Mittelerde vor. Ihre Geschichte ist im Silmarillion, in The History of Middle-earth und in den Romanen Der Hobbit und Der Herr der Ringe erzählt.
Hintergrund
Ebenso wie die Zwerge gehören die Elben in Tolkiens Welt Mittelerde fiktiven Völkern an, die ihre Vorbilder in den Mythen der „wirklichen Mittelerde“ haben. Tolkien hegte eine besondere Zuneigung zu den Elben, die sich im Zentrum seiner Erzählungen wiederfinden und für die er die eigenen sehr komplexen Sprachen Quenya und Sindarin erschuf. Die Elben werden als die „Erstgeborenen Kinder“ Eru Illúvatars bezeichnet, die dieser allein in dem dritten Thema der großen Musik „Ainulindale“ erschuf. Sie gelten als die ältesten und edelsten aller sprechenden Wesen auf Arda. Dem Antagonisten Melkor gelang es, einige wenige dieser Elben gefangen zu nehmen und daraus später die Orks zu erschaffen. Schon zu Beginn des ersten Zeitalters in Mittelerde teilten sich die Elben in zwei Gruppen, die Eldar, welche in das westliche Land Aman gingen und dem Ruf der gottgleichen Valar folgten, und die Avari (Verweigerer), die lieber in Mittelerde im Licht der Sterne verweilen wollten.
Merkmale
Elben zeichnen sich im Allgemeinen durch ihre Unsterblichkeit, ihre Körpergröße – sie überragen Menschen, Zwerge und Hobbits – ihr altersloses Antlitz, eine würdevolle Ausstrahlung sowie eine tiefe Weisheit und Weitsicht aus. Tolkien selbst beschrieb sie in seinen Briefen wie folgt:
Tolkien legte allerdings großen Wert auf die Feststellung, dass sich seine Elben von den Elfen und Elben der nordischen Mythologie unterscheiden.
Die Elben sind die erstgeborenen Kinder Illúvatars (des Schöpfers) und nennen sich selbst Eldalië (Sternenvolk) oder Quendi (die mit Stimmen reden). Es gibt drei Völker, die alle gemeinsam am See Cuiviénen (Wasser des Erwachens) zu einer von Illúvatar vorherbestimmten Zeit als schlafende Wesen erschienen und erweckt wurden: Die goldblonden Vanyar (die Hellen), die als besonders edel und weise gelten, die dunkelhaarigen Noldor (die Wissenden), die durch ihr handwerkliches Geschick und ihren Erfindungsgeist gekennzeichnet sind, und die silberhaarigen Teleri (die Letzten), die sich erst spät entschieden, der Aufforderung der Valar (Götter), nach Aman (Segensreich) zu kommen, zu folgen.
Die Entstehung und das Wesen der Kinder Illúvatars (Elben und Menschen) sind nach Tolkiens eigenen Worten die zwei größten Geheimnisse in seiner Geschichte. Selbst die Valar wussten, dass diese Kinder kommen würden, sobald die Zeit ihres Erwachens gekommen sei. Die erstgeborenen Elben und die zweitgeborenen Menschen seien verwandt und doch gänzlich unterschiedlich. Die Valar hatten auf diese Entwicklung keinen Einfluss und sehnten sich lange Zeit danach, diesen Geschöpfen endlich gegenüberzutreten. Je länger dieser Zeitraum andauerte, desto größer wurde ihre Liebe zu den Kindern Illúvatars.
Das Schicksal der Elben ist es, unsterblich zu sein und die Schönheit der Welt zu lieben, sie durch ihre Gaben zum Erblühen zu bringen und diese Welt nur zu verlassen, wenn sie erschlagen würden, jedoch mit der Möglichkeit, erneut zurückzukehren. Des Weiteren sollten sie die Zweitgeborenen unterweisen und ihnen Platz machen, je selbständiger diese würden, und schließlich zurückweichen.Humphrey Carpenter: The letters of J.R.R. Tolkien. Houghton Mifflin, Boston 1981, ISBN 0-395-31555-7. (Letter 131, to Milton Waldmann, S. 169.) Trotz ihrer Unsterblichkeit können Elben neben einem gewaltsamen Tod auch durch Kummer vergehen, doch sind sie weder anfällig für Krankheiten noch kann ihnen das Altern etwas von ihrer Lebenskraft nehmen. Die Elben werden als die schönsten aller irdischen Geschöpfe beschrieben, die den Ainur (die Heiligen, der Name der Götter, ehe sie nach Arda kamen) im Geiste ähnlich sind. Sie sind durchschnittlich 6 Fuß groß, schlank, anmutig und zugleich stark und widerstandsfähig gegen die Einflüsse der Natur. Sie zeichnen sich insbesondere durch ein feines Gehör und ein scharfes Sehvermögen aus. Sie benötigen keinen Schlaf, ruhen stattdessen nur und erfreuen sich an Wachträumen oder ergehen sich in der Betrachtung schöner Dinge, um sich zu erholen. Sie lieben besonders die Wunder der Natur, wie die Gewässer Ulmos, oder die Sterne, die Varda an das Himmelszelt gesetzt hat, denn diese Dinge waren die ersten, die sie bei ihrem Erwachen erblickt haben. Des Weiteren zeichnen sie sich durch ihre Neugierde und ihren Wissensdurst aus. Sie verabscheuen alle Werke Melkors, sind jedoch nicht gänzlich immun gegen seinen Einfluss, wenn er sich beispielsweise mit einem schönen Antlitz tarnt.Robert Foster: Das große Mittelerde-Lexikon. Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 2012, ISBN 978-3-404-20453-3, S. 193 ff. Verliert ein Elb sein Leben, so geht er in die Halle von Mandos, von dort kann er sich frei in Valinor bewegen, nicht jedoch ohne die Erlaubnis von Namo nach Mittelerde zurückkehren. Elben sind wie die Ainur an Ea (das Sein) gebunden und können die Welt nicht verlassen.
Die Eldar oder Calaquendi: sind alle Elben, die Aman betraten und das Licht der zwei Bäume in Valinor erblickten. Sie hatten direkten Kontakt zu den Valar und gelten somit als die Erleuchteten. Zu ihnen zählen alle Vanyar und die meisten Noldor sowie jene Teleri, die auf Tol Eressea oder in Alqualonde lebten. Ihre Sprachen waren das Quenya und das Noldorin. Die Avari oder Moriquendi: waren alle Elben, die von Aman aus gesehen jenseits des großen Meeres in Mittelerde lebten. Sie sind kein eigenes Volk, sondern setzen sich vielmehr aus allen in Mittelerde verbliebenen Elben zusammen, die nie nach Aman kamen. Avari bedeutet die Ablehner oder Verweigerer. Doch waren unter ihnen auch Elben, die sich auf der Großen Wanderung in den Wäldern Mittelerdes verliefen. Diese Elben werden auch Úmaneldi, Úamanyar oder Alamanyar (Nichtamanelbe; jene, die nie in Aman waren) genannt und entstammten größtenteils den Teleri. Sie wurden von den Zwergen auch als „Wilde Elben“ bezeichnet. Ihre Sprachen waren Sindarin und Nandorin oder Waldelbisch.
Die Unsterblichen Lande Die „Undying Lands“ sind jene jenseitigen Gefilde, die in der Sprache der Elben als „Valinor“ (Heimat der Valar, angelehnt an die Walhalla der Nordischen Mythologie) bezeichnet werden. Nach dort segeln von den Grauen Anfurten aus am Ende des 3. Zeitalters viele der noch in Mittelerde verbliebenen Elben in den Westen, in das Land der Unsterblichen. Diese Unsterblichlande zu betreten wird den sterblichen Menschen, den Zwergen und den Hobbits von den Valar verwehrt. (Es gibt einige wenige Ausnahmen, zu denen beispielsweise die Träger des Einen Ringes gehören). Diesen mystischen Ort hat Tolkien aus den irischen Jenseitsvorstellungen entwickelt. Die frühmittelalterlichen irischen Texte weisen auf sagenhafte Inseln im Westen hin, die ein gesegnetes Land im Jenseits (Tír na nÓg) darstellen; diese können lediglich von wenigen Einzelpersonen, wie etwa dem heiligen Brandan, erreicht werden. Offensichtlich übernahm Tolkien dieses Konzept aus der im 14. Jahrhundert niedergeschriebenen Eiríks saga viðförla (Saga vom weitgereisten Eirek). Dort wird dieses Land „Ódáinsakr“ (Land der Unsterblichen) genannt und ist für irdische Lebewesen unzugänglich. Allerdings siedelte Tolkien seine Unsterblichlande eher der Vorstellung der keltischen Anderswelt folgend im Westen seiner Welt an und nicht wie in der Eiríks saga im äußersten Osten.Mittelerde. Tolkien und die germanische Mythologie. C. H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-52837-6, S. 44–48.
Eine mythologische Beschreibung dieser Vorstellung eines Landes der Unsterblichen oder der ewigen Jugend finden sich auch in Beschreibungen von Avalon und von Glæsisvellir. Es ist daher kein Zufall, dass die Hafenstadt der Elben auf Tol Eressea den Namen Avallóne hatte. Tolkien erklärte die Namensherkunft damit, dass diese Stadt auf Tol Eressea jene war, die Valinor am nächsten war. Im Quenya bedeutet das ana-valonë (zu den Valar hin) oder ava-valonë (neben den Valar gelegen, in der Nachbarschaft, Nähe oder gegenüber von Valinor). Das Präfix wird jeweils zu ‘a’ verkürzt was Avallóne oder Avallonë ergibt. Das Wort enthält zudem auch lóna (Insel), lon(d)e (Hafen) oder lón, lóna, lóne (sehr tiefer Teich). Eine für elbische Namen typische Eigenschaft ist es, dass sie mit einem Wort mehrere Eigenschaften umschreiben, hier also wäre die Langform der Übersetzung von Avallóne „am nächsten zu den Ländern der Valar auf einer Insel in einem tiefen Teich gelegener Hafen“.
Elben aus Elfen und Alben In der deutschen Version von Tolkiens Mythologie stellte sich die Übertragung des englischen „elf“ (Plural: elves) zunächst schwierig dar. Der Begriff Elben ist daher als eine Verschmelzung aus den Begriffen „Alb(en)“ und „Elf(en)“ oder „Alf(en)“ zu sehen. In den altenglischen Texten tauchen diesen Elben ähnliche Wesen als „ælf(en)“ oder „ylfe(n)“ auf, in Irland und Skandinavien als „álfr“ (Plural: álfar) und im Alt- oder Mittelhochdeutsch wurden sie „alb“ oder „elbinne“ genannt. Tolkien wählte daher zunächst die germanischen Alben als Vorbilder für seine Elben aus. Allerdings lehnte er die weit verbreitete Vorstellung, die Menschen mit den Elfen verbinden, strikt ab. Seine Elben haben nichts mit kleinen geflügelten Naturwesen – im englischen als „Fairies“ bezeichnet – gemein. Bekannt sind diese Elfen beispielsweise aus dem Sommernachtstraum von William Shakespeare oder den Irischen Elfenmärchen (Fairy Legends and traditions of the South of Ireland). Während sie bei Shakespeare menschliche Größe haben, sind die Elfen der irischen Märchenerzählungen nur sehr klein und haben einen fast durchsichtigen, luftigen Körper. So verbreitete sich in ganz Europa die Vorstellung von Elfen als kleine niedliche Wesen, die in vielen Büchern herumflatterten oder auf Bildern dargestellt wurden.Arnulf Krause: Die wirkliche Mittelerde. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2736-9, S. 98–104.
Elfen gab es jedoch schon lange vor diesen Werken. So tauchen sie beispielsweise im Beowulf auf, wo sie mit weiteren Wesen, die sich ebenfalls in Mittelerde wiederfinden, genannt werden. Dort wurden sie als „eotenas ond ylfe ond orcneas“ (Riesen und Elfen/Alben und Dämonleichen/Orks) bezeichnet, die allerdings alle als bösartige Kreaturen galten. Hier treten also die Vorbilder für Tolkiens „Elves“ und „Orcs“ bereits nebeneinander auf. Jacob Grimm unterschied in seinem Wörterbuch daher zwischen einem „Alb“ als Geist oder Dämon und dem „Alp“ als einem feindlichen oder bösen Nachtgeist, der beim Menschen Alpträume hervorrufen könne. Ein „Elb“ hingegen sei dem englischen elf gleichzusetzen, dem Grimm jedoch keinen Raum im deutschen Wortschatz zuweisen wollte. Dazu kam noch die Elbe als weiblicher Wassergeist, die ebenfalls als deutscher Flussname gebräuchlich ist, oder die Bezeichnung „Elbisz“ für den weißen Schwan. Das wiederum leitet sich von einem gemeinsamen Wortstamm „alb“ ab, so sind das germanische „albi“ und das „albus“ des Latein nahe verwandt und bezeichnen etwas Weißes oder Glänzendes. Die Alben oder Elben wurden also ursprünglich als „weiße, lichte oder glänzende Gestalten“ oder nach anderen Interpretationen als Künstler verstanden. Auch in Worten wie Albino oder Alpen findet sich diese ursprüngliche Bedeutung wieder.