Hainfeld ist eine Stadtgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Lilienfeld in Niederösterreich.
Geografie Geografische Lage mini|Hainfeld im Jahr 2015, im Hintergrund ist der Kirchenberg zu sehen Hainfeld liegt im Gölsental im Bezirk Lilienfeld in Niederösterreich. Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst 44,73 Quadratkilometer. 46,24 Prozent der Fläche sind bewaldet.
Der höchste Berg im Gemeindegebiet Hainfeld ist der Kirchenberg mit . An seiner Nordseite befindet sich der Drei-Hütten-Wanderweg, welcher an den Schutzhütten Liasenböndlhütte, Hainfelderhütte und Lindensteinhütte vorbei führt.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst 13 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Gegend Egg, Gölsen, Hainfeld, Heugraben, Kasberg, Landsthal, Ob der Kirche, Saugraben und Vollberg.
Nachbargemeinden
Geschichte mini|Hainfeld um 1775 auf einer Karte der Josephinischen Landesaufnahme mini|Hainfeld in der Franziszeischen Landesaufnahme, zwischen 1806–1869
Markt Hainfeld Im Altertum war das moderne Stadtgebiet wie auch der Rest des Gölsentals Teil der römischen Provinz Noricum.
Es existiert keine Gründungsurkunde von Hainfeld, jedoch wird der Ort schon um 1280 als forum, also als Markt bezeichnet, was auf eine gewisse Bedeutung und Wichtigkeit hinweist.
Um ca. 1120 wurde die Veste Hainfeld durch Markgraf Ottokar II. von Steier aufgehoben und an ihrer Stelle eine romanische Wehrkirche des hl. Andreas gegründet.
Im Zuge der Rekatholisierung war 1616 nach einer Zeit, in der protestantische Pastoren die Kirche von Hainfeld innegehabt hatten, David Gregor Corner (der später 45. Abt von Stift Göttweig, Gregor I. Cornerus) wieder der erste katholische Pfarrer im Ort. Corner blieb jedoch nur ein halbes Jahr, bis er die Leitung der Pfarre an Georg Hildebrand Thiermayer weitergab.
Vom hohen Mittelalter bis zur Aufhebung der Grundherrschaft im Revolutionsjahr 1848 war Hainfeld immer ein Teil der Herrschaft Kreisbach sowie der Stiftsherrschaft Lilienfeld gewesen. Ein vom Grundherren eingesetzter Marktrichter stand stets an der Spitze der Kommunalverwaltung und der Justiz und war somit ein Vorläufer der späteren Bürgermeister. Von 1848 bis 1850 war Leopold Kowatsch der letzte vom Lilienfelder Abt (Hainfeld war Teil der Stiftsherrschaft Lilienfeld, weshalb der jeweilige Abt auch Grundherr des Ortes war) eingesetzte Marktrichter Hainfelds. Nach Abschaffung der Grundherrschaft wählten ihn die Bürger zum ersten Bürgermeister der Marktgemeinde. Kowatschs Amtszeit als Bürgermeister währte von 1850 bis 1860.
Während der Amtszeit von Bürgermeister Heinrich Zmoll fand vom 30. Dezember 1888 bis zum 1. Jänner 1889 hier der von Victor Adler initiierte Hainfelder Parteitag statt, auf dem die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs gegründet wurde.
Erste Republik und Ständestaat Von 1911 bis 1921 war Adalbert Fuchs (später als Adalbert II. der 59. Abt von Stift Göttweig) als Pfarrer in Hainfeld tätig.
Am 22. April 1928 hatte in Hainfeld eine Festsitzung des Gemeinderates unter dem Vorsitz von Bürgermeister Ferdinand Benischke (1922–1934) stattgefunden, die mit einem einstimmigen Beschluss geendet hatte, ein Ansuchen um eine Erhebung Hainfelds zur Stadtgemeinde an die niederösterreichische Landesregierung zu schicken. In der Landtagssitzung vom 26. September 1928 wurde diesem Antrag zugestimmt und der Markt Hainfeld zur Stadt erhoben.
Die Zusammensetzung des Gemeinderats während der Stadterhebungsära war folgendermaßen:
Hainfelder Gemeinderat 1928 Sozialdemokraten: Bgm. Ferdinand Benischke, Karl Gschaider, Josef Appel, Marie Pichowetz, Franz Happenhofer, Hans Pfeifer, Josef Pachlatko, Matthias Schulz, Karl Novotny, Vinzenz Pfingstner, Ludwig Sperl, Anna Hummel Christlichsoziale: Johann Kühmayer, Franz Bitter, Emmerich Kühmayer, Konrad Foltin, P. Magnus Lackner (Stadtpfarrer), Leopold Kapeller, Alois Zöchner (Hasler) Großdeutsche: Wilhelm Trentler, Andreas Schachner, Silvester Wondrasch
Die Stadterhebungsfeier selbst fand am 20. und am 21. Oktober 1928 in Hainfeld statt. Das Programm sah für den ersten Tag einen Begrüßungsabend und ein Wiedersehensfest vor, die Hauptfeier war jedoch erst tags darauf mit einem Festgottesdienst, Platzkonzert, Festsitzung, anschließender Huldigung des ehemaligen Bürgermeisters Heinrich Zmoll und Enthüllung des Schubertbrunnens. Den Abschluss bildete ein Festbankett im Gasthaus Riedmüller. Der heimische Heimatkundler Hans Reiß hatte extra zu diesem Anlass die Festschrift Unser Heimatort Hainfeld im Wandel der Zeiten auf Bitte der Gemeindeverwaltung herausgebracht.
Während des Österreichischen Bürgerkriegs 1934 wurde in der Hainfelder Katastralgemeinde Ob der Kirche der Heimwehr-Bataillonskommandant und Mitchef der Rohrbacher Firma Kaschütz Hans Lintner am 13. Februar 1934 durch einen Kopfschuss ermordet. In Rohrbach wurden daraufhin zwei Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes festgenommen, und zwar Johann Hoys (geb. 23. Juli 1891, Fabriksarbeiter aus Rohrbach und Kommandant des örtlichen Republikanischen Schutzbundes) sowie Viktor Rauchenberger (geb. 20. Juli 1908, Maurer aus Rohrbach und Mitglied des Republikanischen Schutzbundes). Das Standgericht in St. Pölten vom 15. Februar verurteilte Hoys und Rauchenberger zum Tode durch den Strang, die Hinrichtung durch Scharfrichter Johann Lang erfolgte am 16. Februar 1934 im Landesgericht St. Pölten.Landeshauptstadt Sankt Pölten. In: Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hrsg.): Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand, Verfolgung, Exil und Befreiung. Mandelbaum Verlag 2011. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW). (PDF; 2,76 MB), S. 434. Auf DOEW.at, abgerufen am 1. September 2020. Ein Grabstein für beide wurde am 29. März 1974 am Hauptfriedhof St. Pölten enthüllt. Das Opfer, Hans Lintner, war am 16. Februar 1934 in Rohrbach begraben worden.Landeshauptstadt Sankt Pölten. In: Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hrsg.): Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand, Verfolgung, Exil und Befreiung. Mandelbaum Verlag 2011. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW). (PDF; 2,76 MB), S. 436. Auf DOEW.at, abgerufen am 1. September 2020.Sterbeeintrag von Hans Lintner: Sterbebuch der Pfarre Rohrbach 1886–1938
Die Sozialdemokraten verloren die Februarkämpfe. Ihnen folgte die Selbstausschaltung des Parlaments, die der christlichsoziale Bundeskanzler Engelbert Dollfuß dazu nutzte die Republik in den austrofaschistischen Bundesstaat Österreich umzubauen. Die SDAP wurde verboten, weshalb in Niederösterreich in 169 Gemeinden neue Gemeindevertreter gebraucht wurden, um die dortigen sozialdemokratischen Ortsvorsteher zu ersetzen. Daher wurde Ende März 1934 der Molkereileiter Josef Wimmer durch die niederösterreichische Landesregierung zum Nachfolger von Ferdinand Benischke als Hainfelder Bürgermeister bestellt.
Am Vorabend des österreichischen Anschlusses an das nationalsozialistische Deutsche Reich lebten 1938 gegen Ende der Amtszeit von Bürgermeister Wimmer in Hainfeld 3904 Einwohner, die Gemeinde zählte zum politischen Bezirk St. Pölten und war Sitz eines eigenen Bezirksgerichts (letzteres bis 2002).Adressbuch von Österreich für Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft, Herold Vereinigte Anzeigen-Gesellschaft, 12. Ausgabe, Wien 1938 PDF, Seite 227 Vertretene Berufe in Hainfeld 1938 Landwirtschaft: die Murbodner Viehzuchtgenossenschaft f.d. Bezirk Hainfeld und mehrere Landwirte Gemeinwesen, Bildung: ein Gendarmerieposten, ein Bezirksaltenheim, eine Hauptschule, ein Landeskindergarten, ein Arbeitsamt Handel: dreizehn Gemischtwarenhändler, eine Baumaterialienhandlung, eine Drogerie, zwei Eisenwarenhandlungen, zwei Strickwarenhändlerinnen, zwei Brennmaterialienhändler, drei Radioapparate- und -bedarfsartikelhändler, ein Holzhändler, zwei Konsumvereine, ein Landesproduktehändler, eine Lederwarenhandlung, zwei Buchhandlungen, ein Trödler Handwerk: vier Bäcker, zwei Fleischhauer, ein Taschner, zwei Spengler, ein Installateur, ein Baumeister, eine Bierbrauerei, zwei Binder, ein Buchbinder, eine Buchdruckerei, vier Friseure, ein Lebzelter und Wachszieher, drei Maler und Anstreicher, eine Plakatierungsanstalt, zwei Mechaniker, eine Rauchfangkehrerin, zwei Sattler, zwei Schlosser, ein Schmied, sechs Schneider und fünf Schneiderinnen, sieben Schuhmacher, ein Dachdecker, zwei Elektrotechniker, drei Gärtner, zwei Glaser, ein Hutmacher, fünf Tischler, drei Uhrmacher, zwei Zimmermeister, zwei Zuckerbäcker Dienstleistungen: ein Bahnhof, eine Sparkasse, zwei Ärzte, ein Tierarzt, eine Apotheke, vier Hebammen, eine Mutterberatungsstelle, zwei Autoverkehrsunternehmen, die Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft „Eigenheim“, fünf Fuhrwerksunternehmungen, eine Leichenbestattungsanstalt, ein Notar, zwei Rechtsanwälte, ein Zivilingenieur Industrie: eine Eisen- und Stahlwarenfabrik, eine Molkerei, ein Städtisches Elektrizitätswerk, eine optische Fabrik, eine Rasierklingenfabrik, eine Maschinenfabrik, vier Sägewerke, eine Sodawasserfabrik, eine Werkzeugfabrik Gastronomie, Freizeit & Unterhaltung: fünfzehn Gastwirte, zwei Hotels, ein Kino, ein Städtisches Schwimm- und Wannenbad
Nach dem vollzogenen Anschluss an das Deutsche Reich wurde Hainfeld Teil des Reichsgaus Niederdonau. Dessen Gauleiter Landeshauptmann Roman Jäger hatte noch im März 1938 eine Anweisung zum Umbau der ehemaligen niederösterreichischen Ortsgemeinden veröffentlicht, mitunter mit der Bestellung neuer provisorischer Gemeindeverwalter für alle Orte, wodurch Josef Wimmer sein Amt verlor und durch den Ingenieur Eugen Winkler ersetzt wurde. Winkler war auch Leiter der NSDAP-Ortsgruppe.
Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit In der Zeit des Nationalsozialismus hatte auch Hainfeld unter der NS-Terrorherrschaft zu leiden. So zum Beispiel wurde Altbürgermeister Karl Gschaider (1919–1922) ein Opfer des NS-Regimes. Das erste Bombardement erlebte der Ort im Oktober 1944 durch sowjetische Jagdflugzeuge. Ein zweites erfolgte am 8. April 1945. Während der Kämpfe um Alland kam am 18. April 1945 die 1. SS-Panzer-Division nach Hainfeld. Ab da stand die Stadt unter permanentem Beschuss von Seiten der Sowjets. Bei ihrem Rückzug ging die SS gemäß Hitlers Nerobefehl mit Flammenwerfern gegen die Gebäude vor, um so viel wie möglich von der Infrastruktur zu zerstören, nichts sollte dem sowjetischen Feind in die Hände fallen, was dieser noch hätte gebrauchen können.
Damit war Hainfeld nach Ende des Zweiten Weltkriegs als bedeutender Industrieort für die Rüstung (unter anderem mit der Schmid Schraubenfabrik) die am zweitmeisten zerstörte Stadt Österreichs direkt hinter Wiener Neustadt.Elisabeth Vavra: Montag, 23. April 1945. In: Die letzten Tage: April 1945 – Kriegsschauplatz NÖ 8 / 10. 27. April 2016. Museum Niederösterreich. Auf MuseumNOE.at, abgerufen am 1. September 2020.
Nach dem Krieg zählte Hainfeld zur sowjetischen Besatzungszone. Erster Bürgermeister der Nachkriegszeit wurde von 1945 bis 1962 Ferdinand Benischke, der bereits von 1922 bis 1934 Bürgermeister des Ortes gewesen war.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Pfarrkirche Hainfeld und davor das „Andreaskreuz“ von dem Bildhauer Gottfried Höllwarth mini|hochkant|Die Nepomukstatue 2015 mini|hochkant|Bierkrug im Museum
Ehemaliger Burgstall Hainfeld und ebendort Katholische Pfarrkirche Hainfeld hl. Andreas Museum Historischer Bierkrüge: Einziges österreichisches Museum für historische Bierkrüge. Die private Sammlung umfasst Bierkrüge aus der Zeit von 1500 bis 1950.