Köhler ist ein Gemeindeteil der Stadt Volkach im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Die Gemarkung Köhler hat eine Fläche von 0,609 km². Sie ist in 317 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1920,92 m² haben.
Köhler war bis zum freiwilligen Zusammenschluss mit Volkach am 1. Juli 1972 eine selbstständige Gemeinde. Historisch war das Dorf lange Zeit Teil des Hochstifts Würzburg und bereits seit dem 17. Jahrhundert über das hochstiftische Amt Volkach mit der nahen Stadt verbunden.
Köhler ist der kleinste Volkacher Gemeindeteil mit eigener Gemarkung. Diese wird zu einem großen Teil von Weinbergen eingenommen, die seit Jahrhunderten die Bevölkerung Köhlers ernähren. Neben dem Weinbau lebt das Dorf insbesondere vom Tourismus, hierzu trägt auch die Lage am Rand der Volkacher Mainschleife bei.Main-Post: Was Michael Sauer an Köhler so mag, abgerufen am 17. Oktober 2017.
Geografische Lage Geografie und naturräumliche Lage Köhler liegt im äußersten Südwesten des Volkacher Gemeindegebietes. Im Norden liegt, etwa 2 Kilometer entfernt, Escherndorf, das ebenfalls ein Volkacher Gemeindeteil ist. Weiter östlich, auf der anderen Mainseite, beginnt die sogenannte Weininsel. Die Gemarkung von Nordheim am Main mit dem Kreuzberg liegt Köhler am nächsten. Im Süden und Südwesten grenzt das Gebiet von Dettelbach an das Dorf. Im Süden befindet sich die Gemarkung von Neuses am Berg, südwestlich liegt Neusetz. Der Südosten wird von Prosselsheim im Landkreis Würzburg eingenommen.
Nächstgelegene größere Städte sind Kitzingen mit einer Distanz von etwa 12 Kilometern und Schweinfurt, das ungefähr 22 Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das 18 Kilometer entfernte Würzburg.
Naturräumlich liegt Köhler im Gebiet der Volkacher Mainschleife, die als Untereinheit zum Mittleren Maintal der Mainfränkischen Platten gezählt wird.Geographie Giersbeck: Karte 152 Würzburg, PDF-Datei, abgerufen am 8. Januar 2019.
Das Dorf liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Klimazonen in Deutschland zählt. Dies erklärt auch den Weinbau im Ort. Köhler ist im äußersten Südwesten der Volkacher Mainschleife zu finden. Hier geht die breite Landfläche, die bei Escherndorf als Kerbtal entstanden ist, wieder in den Prallhang über, sodass der Ansiedlung nur wenig Platz blieb. Der Hang wird von Gesteinen des Muschelkalks geprägt, die von Lettenkeuper und Tonmergeln durchsetzt sind. Die Häuser stehen auf Mainkiesen und Sanden.
Dorfgliederung Das kleine, einreihige Häcker-Straßendorf liegt zentral und zieht sich entlang des Maines hin, weshalb im Volksmund wegen nur einer Reihe Häuser der Spruch entstand: „In Köhler werden die Pfannkuchen nur auf einer Seite gebacken“. Die Siedlungssonderform entstand durch die besondere Lage zwischen Fluss und Berg. Den Mittelpunkt der besiedelten Fläche bildet die Filialkirche St. Andreas, sie wird von insgesamt 31 Häusern eingerahmt.
Südlich der Kirche am Mainufer befindet sich das Naturschutzgebiet Mainaue zwischen Sommerach und Köhler. Das Schutzgebiet soll die letzten Reste des Biotops Aue schützen, das sich am sogenannten Altmain erhalten hat. Das Dorf wird vom etwa 240 m hohen Fürstenberg überragt. Oberhalb dieser Höhe verflacht sich die Landschaft. Im äußersten südlichen Ende der Gemarkung liegt ein unbenannter See.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte (bis 1253) Anders als viele andere Gemeinden an der Mainschleife hat Köhler keine lange Siedlungsgeschichte. Hier wurden keinerlei archäologische Funde gemacht. Allerdings bestand auf dem nahegelegenen Vogelsberg bereits im Paläolithikum eine Siedlung. In der Bronzezeit, um 1500 v. Chr., errichteten die Bewohner auf dem Berg Befestigungsanlagen, die in späteren Jahrhunderten weiter verstärkt wurden. Der Berg war lange Zeit wohl auch kultischer Mittelpunkt für die Umgebung.
Für das benachbarte Escherndorf sind die ersten archäologischen Funde aus der Zeit um 50 vor Christus nachweisbar. Unmittelbar nördlich von Köhler wurden Kelten bestattet, die zu diesem Zeitpunkt auf der Vogelsburg saßen. Sie wurden später von den Thüringern verdrängt. Schließlich erreichten die Franken das Gebiet um die Mainschleife und etablierten erstmals echte Verwaltungsstrukturen. So entstanden zwei Königshöfe in Prosselsheim und auf der Vogelsburg. Das Gebiet von Köhler blieb allerdings noch unbesiedelt.
Mit den Franken kam, neben dem Christentum, auch der Weinbau in die Region. Erstmals ist er im 7. oder 8. Jahrhundert an den Hängen um die Vogelsburg nachzuweisen. Allerdings machte es erst die fortschreitende Weinbautechnik möglich, auch die steilsten Hänge zu bebauen. Nach 1127 entstand das heutige, zusammenhängende Weinbauareal um Escherndorf-Köhler.Egert, Gerhard: Escherndorf und Köhler. S. 125. Köhler etablierte sich in dieser Zeit als Lagerplatz für Wein; hier bestand eine gute Stelle, die Fracht am Main anzulanden.Feuerbach, Ute (u. a.): Volkach und seine Ortsteile. S. 92.
Das Hochstift Würzburg (bis 1803) Erstmals erwähnt ist der Weinlandeplatz erstmals im Jahr 1253. Damals erhielt Albertus de Ostheim, ein Bewohner des nahen Astheims, „septum jugera vineta sita in keller“ (lat. sieben Weinberge, in Köhler gelegen) vom Zisterzienserkloster Ebrach zu Lehen. 1293 wurde das Dorf neuerlich genannt. Wieder verlieh das Kloster Ebrach zwei Morgen Weingarten „in monte keller“ (lat. am Berg Keller) an Gozwin Strüber.Egert, Gerhard: Escherndorf und Köhler. S. 126.
Obwohl das Kloster Ebrach einige Besitzungen in Köhler hatte, kann das Hochstift Würzburg als eigentlicher Dorfherr angesehen werden. Im Jahr 1303 waren Heinrich von Eisenheim, die Hofmänner von Prosselsheim, Hermann Zink und Engelhard Jungherr von Frickenhausen mit Lehen des Hochstifts „am Keller et in Vogelspurk“ ausgestattet.Treutwein, Karl: Von Abtswind bis Zeilitzheim. S. 129. Noch 1340 waren einige Bewohner allerdings noch Ebracher Untertanen und dem Amt Elgersheim zugeordnet. Im 14. Jahrhundert hielt auch das Kloster Münsterschwarzach einige Weinberge im Ort.
Das restliche Mittelalter ist in Köhler von großer Quellenarmut geprägt. 1495 wird im Buch der Sebastianibruderschaft aus Volkach lediglich ein Steffan Stahel von Köhler genannt. Im Jahr 1575 war Köhler endgültig Teil des Hochstifts und der Zent Prosselsheim zugeordnet. Zum Blutgericht schickte das Dorf zwei Erbschöffen nach Prosselsheim. Insbesondere die Regelung von Straftaten wurde nun erstmals geregelt. Wie in Escherndorf war auch in Köhler der Traubendiebstahl kein Kavaliersdelikt und wurde hart bestraft.
Köhler besaß im 16. Jahrhundert bereits ein kleines Gotteshaus. Es wurde 1576 erstmals erwähnt. Die Gemeinde war Teil der Pfarrei Prosselsheim. Zur gleichen Zeit erreichte lutherisches Gedankengut auch das kleine Weinbauerndorf und die Bevölkerung wurde in zwei Lager gespalten. Erst mit der Etablierung einer katholischen Pfarrei im nahen Escherndorf, dessen Filiale Köhler 1604 wurde, konnte das Dorf wieder rekatholisiert werden. Der Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn trieb die Gegenreformation voran.
Während des Dreißigjährigen Krieges litt auch Köhler unter den häufigen Durchzügen fremder Mächte. Zunächst machte sich der Krieg durch Arbeitskräftemangel bemerkbar, da das Dorf während der Weinsaison auf viele Fremdarbeiter angewiesen war. Später brach die Pest in dem Ort aus. Zusätzlich belasteten sogenannte Kontributionsforderungen der kriegführenden Mächte die Bevölkerung. Mangels Viehbestand wurde diese zumeist in Geld abgegolten.
Nach dem Krieg war das Dorf vollkommen verarmt. Die sogenannte Kleine Eiszeit hatte außerdem die Weinbergsernten stark zurückgehen lassen. 1662 herrschte immer noch der Würzburger Fürstbischof über Köhler. Den Weinbergszehnt lieferte die Bevölkerung im Würzburger Karmelitenkloster und bei der Pfarrei Püssensheim ab. Drei Häuser im Dorf waren den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach zugeordnet.Egert, Gerhard: Escherndorf und Köhler. S. 128–132. 1698 kam das Dorf ans hochstiftische Amt Volkach.Feuerbach, Ute: Gericht und Amt. S. 52.
In Bayern (bis heute) Im Zuge der Eroberungen Napoleons in Mitteleuropa wurde das Hochstift Würzburg durch den Reichsdeputationshauptschluss im Jahr 1803 aufgelöst. Köhler kam bis 1805 an Kurpfalzbayern. Dann etablierte Erzherzog Ferdinand von Toskana nach dem Frieden von Preßburg das Großherzogtum Würzburg von Napoleons Gnaden. Köhler war Teil dieses Gebildes. Erst am 19. Juni 1814 wurde das Würzburger Umland wieder Teil des nun zum Königreich aufgestiegenen Bayerns, Köhler wurde Ruralgemeinde.Egert, Gerhard: Die politische Raumordnung im Bereich der Volkacher Mainschleife 1814. S. 267.
mini|hochkant|Eine Tafel an der Kirche erinnert an die Gefallenen der Weltkriege (Juni 2013) Im Dorf selbst waren die Dorfbewohner nun erstmals selbst für den Weinbau verantwortlich und durften als Bürger ihre Berge selbstständig bewirtschaften. Dies ging zunächst mit einigen Problemen einher, weil die Bewohner auch ungeeignete Lagen erschlossen.Pfrang, Franz: Geschichte des Weinbaus an der Mainschleife. S. 24. Köhler hatte unter schlechten Weinjahren besonders zu leiden. 1845 erschien sogar ein Artikel, der behauptete „in ganz Unterfranken [sei] keine Gemeinde so arm (…) als wie die von Köhler“.
Das Landgericht Volkach versuchte der schlechten wirtschaftlichen Lage Herr zu werden, die auch andere Gemeinden betraf, indem es den Obstbau an der Mainschleife förderte. Das Relief um Köhler schob diesen Bemühungen allerdings einen Riegel vor. Die Köhler Bevölkerung musste im 19. Jahrhundert deshalb häufig als Tagelöhner bei Escherndorfer Winzern arbeiten, deren gute Weinlagen nicht vom Niedergang betroffen waren.Egert, Gerhard: Weinbaugemeinden Escherndorf und Köhler im 19. Jahrhundert. S. 312. Das Aufkommen der Reblaus verschärfte die Situation um 1880 noch weiter.
Im 20. Jahrhundert war Köhler auch von den beiden Weltkriegen betroffen. So starben im Ersten Weltkrieg fünf Männer aus dem Dorf. Ebenso verloren im Zweiten Weltkrieg fünf Dorfbewohner ihr Leben. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges rückte ein Infanterieregiment der Amerikaner von Prosselsheim kommend ins nahe Escherndorf vor. Wenige Tage später zog das Regiment nach Nordheim weiter. Köhler selbst war von den Kampfhandlungen nicht unmittelbar betroffen.
Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte man die Idee diskutiert, die Mainschleife für Großschiffe zu erschließen. Hierzu sollte ein 315 m langer Schifffahrtstunnel durch den Vogelsberg gegraben werden. Die Idee wurde zunächst verworfen. Allerdings legten die Planer 1941 einen weiteren Plan vor, die enge Flussschlinge zu umgehen. Diesmal war ein 1540 m langer Tunnel zwischen Fahr und Köhler angedacht. In Köhler sollte eine Schleuse errichtet werden. Der Plan wurde wiederum nicht realisiert.Walter, Hugo: Der Durchstich Volkach-Gerlachshausen. S. 232, 236.
Schließlich errichtete man zwischen 1950 und 1957 den Mainkanal Volkach-Gerlachshausen. Köhler war zwar nun von der Schifffahrt abgeschnitten, aber am sogenannten „Altmain“ konnte sich Kultur- und Ausflugstourismus etablieren. Ab Sommer 1961 wurde die Flurbereinigung auch im Dorf vorangetrieben und die überalterten Weinlagen wieder rentabel gemacht.Rutte, Erwin: Der Hauptmuschelkalk am Maintalhange von Köhler. S. 181. 1970 hatte das Dorf unter einem großen Hochwasser zu leiden. Im Jahr 1972 wurde Köhler in die Stadt Volkach eingemeindet.Bauer, Hans: Landkreis Kitzingen. S. 23. 2011 stieg der Main erneut über die Ufer.infranken: , abgerufen am 18. Oktober 2017.
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