mini|hochkant|Adolf Schill Adolf Schill, häufig auch Adolph Schill (* 14. Mai 1848 in Stuttgart; † 10. November 1911 in Düsseldorf), war ein deutscher Architekt, Innenarchitekt, Kunstgewerbler, Illustrator und Maler des Historismus. Als Hochschullehrer wirkte er zwischen 1880 und 1911 an der Kunstakademie Düsseldorf und prägte so die spätere Phase der Düsseldorfer Malerschule mit. Auch Schüler der Bildhauerei studierten bei ihm.
Leben mini|hochkant|Wandgestaltung nach der Antike, Pompeji 1875, Museum Kunstpalast Schill besuchte von 1864 bis 1870 die Vereinigte Kunst-, Real- und Gewerbeschule Stuttgart, abgerufen am 24. Dezember 2013, wo er von den Eklektizisten Christian Friedrich von LeinsHorst Ossenberg: Was bleibt, das schaffen die Baumeister. Das Württembergische Hof- und Staats-Bauwesen vom 15. bis 20. Jahrhundert. Books on Demand, Norderstedt 2004, ISBN 3-8334-0633-X, S. 66. in Architektur und Adolf Gnauth in Stilkunde unterrichtet wurde. Von 1870 bis 1874 vertiefte er seine Architekturkenntnisse beim Bau des Wiener Ringtheaters unter Emil von Förster.Herrmann A. L. Degener: Wer ist’s? 4. Ausgabe 1909, S. 1224. Sodann trat er eine zweijährige Bildungsreise nach Italien an, die sein Schönheitsempfinden nachhaltig prägte. Später bereiste er noch mehrfach Italien. Zu den Orten, die er 1875 dort bereiste, gehörte das historische Pompeji. Zwischen 1876 und 1880 redigierte Schill – als Nachfolger von Wilhelm Bäumer – die Zeitschrift Gewerbehalle, das im Stuttgarter Engelhorn Verlag herausgegebene „Organ für Fortschritt in allen Zweigen der Kunstindustrie“.Eintrag Adolf Schill im Historischen Architektenregister „archthek“, Abschnitt Scheben – Schittenhelm, abgerufen am 23. Dezember 2013 1880 wurde Schill – als Nachfolger von Wilhelm Lotz, der 1879 plötzlich gestorben war – Professor für Dekoration und Ornamentik an der Düsseldorfer Kunstakademie; diese Stellung bekleidete er bis zu seinem Lebensende im Jahr 1911. Als Leiter einer sogenannten „Dekorations-“ oder „Architekturklasse“ vermittelte er vielen Studenten Grundkenntnisse in Stilkunde und Architektur, die für die Ausführung monumentaler Wandmalereien unentbehrlich waren.Carsten Roth: Schill, Adolf. In: Hans Paffrath (Hrsg.): Lexikon der Düsseldorfer Malerschule 1819–1918. Band 3: Nabert–Zwecker. F. Bruckmann, München 1998, ISBN 3-7654-3011-0, S. 200 ff. mit Abb. 256 und 257. Eine „Sammlung der Gypsabgüsse aus kunstgewerblichen und dekorativen Mustern“ stellte er für Unterrichtszwecke zusammen.Staatliche Kunstakademie Düsseldorf (Hrsg.): Repertorium der bei der Kgl. Kunstakademie zu Düsseldorf aufbewahrten Sammlungen. Verlag A. Bagel, Düsseldorf 1883, S. VI. Schills Aquarellmalereien, die er nach Reisestudien anfertigte, hatten großen Einfluss auf seine Schüler.Friedrich Schaarschmidt: Die Geschichte der Düsseldorfer Kunst, insbesondere im XIX. Jahrhundert. (herausgegeben vom Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen) Verlag August Bagel, Düsseldorf 1902, S. 353. () Wie viele andere Akteure der Düsseldorfer Kunstszene war auch Schill ein Mitglied des Künstlervereins „Malkasten“. 1882 wurde er Vorstandsmitglied im Central-Gewerbe-Verein für Rheinland, Westfalen und benachbarte Bezirke. Im öffentlichen Leben Düsseldorfs trat Schill als Preisrichter bei Wettbewerben zur Errichtung von Denkmälern in Erscheinung, etwa beim Moltkedenkmal.Zeitschrift für bildende Kunst, 34. Jahrgang 1889, S. 155.
1882 heiratete Schill in der Trinitatiskirche in Elberfeld Emmy Simons (* 30. August 1858 in Elberfeld), eine Nichte des Architekten Walter KyllmannGenealogie von Emmy Simons im Portal gw.geneanet.org, abgerufen am 31. Mai 2014, die ihm die Kinder Lisbeth, Adolf, Addy und Lore gebar. 1889 wohnte Schill mit seiner Familie im Haus Blumenstraße 12, in einem gründerzeitlichen Neubauviertel Düsseldorfs.Eintrag im Adreß-Buch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf 1889 im Portal adressbuecher.net, abgerufen am 23. Dezember 2013 Im Januar 1912 wurde Schill durch eine Gedächtnisausstellung im Kunstgewerbemuseum der Stadt Düsseldorf geehrt. Die Gedenkrede hielt Heinrich Kraeger.Christoph auf der Horst: Kraeger, Alexander August Heinrich. Pseudonym: Erich Ekkehard. In: Christoph König (Hrsg.), unter Mitarbeit von Birgit Wägenbaur u. a.: Internationales Germanistenlexikon 1800–1950. Band 2: H–Q. De Gruyter, Berlin/New York 2003, ISBN 3-11-015485-4, S. 998. ()
Werk mini|Das Theater des Pompejus mit dem Tempel der Venus Victrix, BuchillustrationIllustration von Adolf Schill in: Hermann Bender: Rom und das römische Leben im Alterthum. Verlag der Laupp’schen Buchhandlung, Tübingen 1879. (Erstausgabe mit neun Kunstbeilagen) mini|hochkant|Aula der Kunstakademie Düsseldorf, Foto um 1900 mini|Stiftmosaike an den Fassaden der Kunstakademie Düsseldorf mini|Wandbild Stammbaum der bergischen Herrscher im Ahnensaal des Schlosses Burg mini|hochkant|Rechter Zwischenpfeiler der alten Oberkasseler Brücke nach Fertigstellung, am 9. Juni 1898 mini|Brückengeländer der alten Oberkasseler Brücke (links),Boris Becker: Düsseldorf in frühen Photographien 1855–1914. Schirmer/Mosel 1990, Untertitel zu Abb. 82 heute Brüstung am Spee’schen Graben in der Carlstadt, Foto 2012 Als Maler war Schill Ende des 19. Jahrhunderts neben Adolf Seel vor allem durch Aquarelle bekannt, die „Architekturstücke“,Kunstausstellungen d. J. 1890 in Deutschland (Dresden). In: Meyers Konversationslexikon, 18. Band, Jahres-Supplement 1890/91, S. 542 (online) insbesondere architektonische Eindrücke aus Italien wiedergeben. (PDF) im Portal winterberg-kunst.de, abgerufen am 23. Dezember 2013.Eintrag Schill, Adolf im Portal stiftung-volmer.de, abgerufen am 23. Dezember 2013. Im kunstgewerblichen Bereich schuf er seit den 1870er Jahren Illustrationen sowie sogenannte Ornamentstücke und Vignetten als Buchschmuck.Siehe zum Beispiel Übersicht Vollbilder bei Rudolf von Stillfried-Alcantara, Bernhard von Kugler: Die Hohenzollern und das deutsche Vaterland. Nachdruck, Europäischer Geschichtsverlag, Book on Demand, 2012, ISBN 978-3-86382-698-7 (online) Nach einer Studienreise nach Belgien veröffentlichte er 1870 die dort angefertigten Reiseskizzen mit Architekturmotiven.Adolph Schill: Architektonische Reiseskizzen aus Belgien. Verlag Emil Hochdanz, Stuttgart 1870 (online) 1891 wurde Schill zur Ausgestaltung des Friedenssaals im Rathaus Osnabrück herangezogen.
Als Architekt nahm Schill verschiedene Privataufträge an. Eine besondere Gelegenheit zur Verwirklichung architektonischer Vorstellungen bot ihm dabei Ende des 19. Jahrhunderts der Auftrag des Bankiers und Stadtverordneten Moritz Leiffmann zur Errichtung der großbürgerlichen Villa Leiffmann im Düsseldorfer Stadtteil Golzheim. Schill konzipierte einen eklektizistischen Bau mit zwei Türmen, der an eine Villa der italienischen Renaissance erinnerte.Falk Wiesemann: Steiler Aufstieg ins Großbürgertum. Die Villa Leiffmann in Düsseldorf. (PDF; 2,3 MB) In: Kalymnos, Beiträge zur deutsch-jüdischen Geschichte aus dem Salomon-Ludwig-Steinheim-Institut, 3. Jahrgang 2000, Extrablatt, S. 23; abgerufen im Portal steinheim-institut.de am 23. Dezember 2013. im Portal schaffendesvolk.sellerie.de (Stefanie Schäfers: Vom Werkbund zum Vierjahresplan. Die Ausstellung Schaffendes Volk, Düsseldorf 1937. (= Quellen und Forschungen zur Geschichte des Niederrheins, Band 4.) (= Beiträge der Forschungsstelle für Architekturgeschichte und Denkmalpflege der Bergischen Universität–Gesamthochschule Wuppertal, Band XI.) Droste Verlag, Düsseldorf 2001, ISBN 3-7700-3045-1), abgerufen am 23. Dezember 2013., Webseite im Portal schaffendesvolk.sellerie.de, abgerufen am 2. Mai 2015. In Düsseldorf zog ihn auch der Maler Georg Oeder für die innere Ausgestaltung seines Wohnhauses am Hofgarten hinzu. Bis in die 1890er Jahre entwickelte Schill – zusammen mit Peter Janssen d. Ä. – die dekorative Ausstattung der Aula des 1879 fertiggestellten Kunstakademie-Neubaus in Düsseldorf. Das weitgerühmte Gesamtkunstwerk wurde Ende der 1890er Jahre gegen ein Entgelt interessierten Fremden gezeigt. Akademiedirektor Walter Kaesbach ließ die historische Ausstattung der Aula bis auf die Gemälde Janssens im Zuge seiner „Akademiereform“ um 1930 beseitigen und die Wände in Gold gestalten, eine Maßnahme, die Paul Clemen 1944 als nicht gerechtfertigt kritisierte.Wend von Kalnein: Die Düsseldorfer Malerschule. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1979, ISBN 3-8053-0409-9, S. 180.
Eine weitere Zusammenarbeit von Schill und Janssen ergab sich für Grabmale in Kleve, Dortmund und Düsseldorf.Dietrich Schubert: Die Kunst Lehmbrucks. Wernersche Verlagsgesellschaft, 1990, S. 77. Er entwarf ferner den silbernen Tafelschmuck, den die preußische Rheinprovinz und die Provinz Westfalen dem deutschen Kronprinzenpaar zu seiner Hochzeit 1881 schenkten.Andreas Sassen, Claudia Sassen: (PDF) In: Beiträge zur Heimatgeschichte, Solingen 2009, S. 27; abgerufen am 23. Dezember 2013. 1894 wurden in Meißen nach Entwürfen von Schill Majolika-Gasöfen für das Königszimmer und den Großen Saal der Gesellschaft Casino zu Coblenz geschaffen.Werner Wilhelm Weichelt: Casino zu Coblenz 1808–1908. Verlag Gebrüder Breuer, 1908, S. 55. In den Jahren 1896 bis 1898 entwarf Schill die historistische Portalarchitektur der Oberkasseler Brücke. auf bilderbuch-duesseldorf.de, abgerufen am 24. Dezember 2013.Das von Schill entworfene historistische Brückengeländer gehörte zu der ersten, kurz vor der Jahrhundertwende gebauten Oberkasseler Brücke, welche im März 1945 von den zurückgehenden deutschen Truppen gesprengt wurde. Nach dem Abbau der Behelfsbrücke 1973 wurden die Teile des kunstvoll geschmiedeten Brückengeländers als Brüstung an der Poststraße (Spee’scher Graben) und an der Haroldstraße (Schwanenspiegel, Parkanlage am Ständehaus) wiederverwendet. – Vgl. Eine Brücke wird verschoben, Artikel vom 26. März 1976 im Portal zeit.de, abgerufen am 11. August 2016. Um 1900 schuf Schill die Stiftmosaike an der Außenfassade der Obergeschosse der Kunstakademie Düsseldorf.Wilhelm Avenarius: Düsseldorf und Bergisches Land. Landschaft, Geschichte, Volkstum, Kultur, Kunst (= Bibliothek Deutsche Landeskunde, Abteilung Westdeutschland, Band 2). Glock und Lutz, Nürnberg 1982, S. 231.