mini|200px|Die Deutsche Nationalhymne (Akustikversion)

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Musik, die sich seit der Alten Musik im Gebiet des heutigen Deutschland (und, teilweise schwer abgrenzbar, im deutschen Sprachraum) etabliert hat, insbesondere ihre Genres und wichtigsten Vertreter. Deutschland war 2013 der drittgrößte Musikmarkt der Welt und verfügt dank seiner umfangreichen Kulturförderung über eine große Laienmusikszene mit etwa vier Millionen organisierten Teilnehmern, darunter 1,3 Millionen in Chören, eine halbe Million in Bands und 740.000 in Instrumentalensembles.Axel Schildt, Detlef Siegfried: Deutsche Kulturgeschichte. Die Bundesrepublik von 1945 bis zur Gegenwart. Carl Hanser, München 2009, ISBN 978-3-446-23414-7, S. 533 f. 2014 übten 128.000 Erwerbstätige einen Musikberuf aus.Spartenbericht Musik: In Deutschland sind 128.000 Erwerbstätige in Musikberufen aktiv. In: Backstage PRO, 13. April 2017. Die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft – eine der dichtesten der Welt mit jährlich 9000 Konzerten – ist als immaterielles Welterbe vorgeschlagen worden;Deutsche Theater- und Orchesterlandschaft soll Welterbe werden. In: Der Standard, 19. Dezember 2016. zum immateriellen Kulturerbe des Landes gehört viel Musikalisches.

Klassische Musik

Mittelalter Die Geschichte der Musik in Deutschland beginnt im Mittelalter. Walther von der Vogelweide schuf im 12. und 13. Jahrhundert mehrere Lieder in deutscher Sprache. Dazu gehören: Herzeliebez vrouwelin, Ich hân mîn lêhen, Ir sult sprechen willekomen, Got gebe ir iemer guoten tac und Under der linden. Weitere deutsche Minnesänger sind Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach und Ulrich von Winterstetten.

Das Glogauer Liederbuch von 1480 enthält im ersten Teil Deutsche Lieder und Spielstücke, neu gedruckt im Sammelwerk Das Erbe deutscher Musik.Glogauer Liederbuch, Bd. 4, Abteilung Mittelalter, Bd. 1, Bärenreiter-Verlag Kassel 1936

Renaissance Ludwig Senfl schuf im 16. Jahrhundert ebenfalls mehrere Bände mit Deutschen Liedern. Weitere Meister der Renaissance sind in Deutschland Joachim a Burck, Joachim Burmeister, Wolfgang Dachstein, Ludwig Daser, Johannes Eccard, Georg Forster, Adam Gumpelzhaimer (1594: Neüe Teütsche Geistliche Lieder, nach Art der Welschen Canzonen), Hans Leo Haßler, Valentin Haussmann, Leonhard Kleber, Hans Kugelmann, Leonhard Lechner (1582: „Neue Teutsche Lieder“ zu vier bis fünf Stimmen), Conrad Paumann, Caspar Othmayr, Andreas Raselius, Konrad Rupff, Leonhart Schröter, Thomas Stoltzer, Melchior Vulpius und Johann Walter.

Barock Die Geschichte der europäischen klassischen Musik wird seit der Periode der Barockmusik von deutschen Komponisten geprägt. Aufgrund der zentralen Lage Deutschlands konnten hier unterschiedliche Musiktraditionen aus ganz Europa zusammenfließen. Ein Beispiel ist Heinrich Schütz. Dieser reiste 1609 und 1628 nach Italien. Bei der zweiten Reise nahm er wahrscheinlich auch Kontakt zu Claudio Monteverdi auf. In der Barockzeit erlebten die Kirchenmusik und der Orgelbau eine Blüte. Wichtige Barockkomponisten waren u. a. Heinrich Schütz, Dietrich Buxtehude, Johann Mattheson, Georg Friedrich Händel, Georg Philipp Telemann, Johann Sebastian Bach, Johann Kuhnau, Johann Pachelbel und Johann Joachim Quantz.

Vorklassik und Klassik Stilbildend für die Wiener Klassik waren aus Deutschland die Komponisten der Mannheimer Schule (z. B. Christian Cannabich, Carl Stamitz, Anton Stamitz und Anton Fils). Wolfgang Amadeus Mozart, der auch als österreichischer Komponist gilt, und Ludwig van Beethoven, der auch als Wegbereiter für die Epoche der Romantik gilt.

Romantik Beginnend zur Zeit des Vormärz wurde der begleitete Liedgesang durch Komponisten wie Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy zu einer eigenen Kunstgattung entwickelt. Letzterer gilt auch als Mitverantwortlicher der Bach-Renaissance, zu deren wichtigsten Punkten die Wiederaufführung der Matthäuspassion BWV 244 unter Mendelssohn Bartholdys Leitung am 11. März 1829 gehört. Weitere wichtige deutsche romantische Komponisten waren Carl Maria von Weber, Max Bruch, Johannes Brahms, Richard Wagner, Hans Pfitzner, Max Reger, Engelbert Humperdinck und Richard Strauss.

20. Jahrhundert Im 20. Jahrhundert erlangten u. a. die Komponisten Paul Hindemith, Carl Orff, Hanns Eisler und Werner Henze (Neue Musik) Popularität. Nach 1950, mitgeprägt durch die Darmstädter Ferienkurse, war in Westdeutschland die Entwicklung der seriellen und elektronischen Musik durch Komponisten wie Karlheinz Stockhausen bedeutend. Wichtige zeitgenössische deutsche Komponisten sind z. B. Helmut Lachenmann, Wolfgang Rihm sowie der weltweit sehr erfolgreiche Filmmusikkomponist Hans Zimmer.

Komponistinnen Die deutsche Musik kennt auch einige Komponistinnen. Dazu gehören u. a. Fanny Hensel, Clara Schumann, Annette von Droste-Hühlshoff, Hildegard von Bingen, Franziska Lebrun und Emilie Mayer.

Chormusik

Die Entwicklung des Chorgesanges in Deutschland wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen und auch in der Folgezeit stark gebremst. Erst seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts findet in dieser Richtung wieder ein Aufschwung von internationaler Bedeutung statt.

Populäre Musik

Schlager und Volksmusik Die Populäre Musik in Deutschland wurde über das 20. Jahrhundert hinweg von Schlager und volkstümlicher Musik mitgeprägt. Zu den Pionieren dieser Richtung werden um 1900 die Operettenhäuser im deutschen Sprachraum gezählt, etwa mit dem Berliner Komponisten Paul Lincke. Durch die Verbreitung von Tonträgern wie Schallplatten und die Aufnahme des Rundfunks kam in der Ära der „Goldenen Zwanziger“ zunehmend schlagerartige Unterhaltungsmusik auf. Bekannte Vertreter sind die Comedian Harmonists, Marlene Dietrich, Liane Haid, Erwin Hartung, Lilian Harvey, Fritzi Massary, Max Pallenberg, Paul Preil und Otto Reutter.

Erfolgreiche Interpreten des modernen Schlager-Genres sind und waren u. a. Roy Black, Roberto Blanco, Andrea Berg, Helene Fischer, die Höhner, Wolfgang Petry, Max Raabe, Matthias Reim und Frank Zander. Im Bereich der volkstümlichen Musik sind u. a. Florian Silbereisen, Heino, Stefanie Hertel und die Wildecker Herzbuben erfolgreich, wobei die Grenzen zum Schlager und Partyschlager fließend sind.

Rock und Metal Krautrock Der Ende der 1960er-Jahre entstehende Krautrock hatte Einfluss auf die Entstehung verschiedener Formen der Rockmusik und der elektronischen Musik. Ausschlaggebend waren die Essener Songtage 1968. Das vor allem auch aufgrund der frühen Verwendung der Synthesizer-Technik. Einflussreiche Vertreter dieser Epoche sind unter anderem Can, Faust, Neu!, Ton Steine Scherben, Amon Düül, Amon Düül II, Kraan, Guru Guru sowie Tangerine Dream und Kraftwerk in ihrer Frühphase.

Ostrock Bekannte Vertreter des Ostrock sind City, Karat, Silly, Keimzeit, Karussell, electra und die Puhdys. Viele der DDR-Bands wurden wegen ihrer Freiheit und Veränderung herbeisehnenden Texte zensiert oder gar verboten, dennoch gelang ihnen dank geheimer Konzerte Ende der 1980er Jahre erfolgreich der politische Protest gegen das Regime und es kam u. a. zur Resolution von Rockmusikern und Liedermachern.

Punkrock Seit der Entstehung in den 1980er-Jahren ist deutschsprachiger Punkrock verbreitet. Zu den erfolgreichsten Vertretern gehören Die Ärzte, Nina Hagen und Die Toten Hosen.

Mainstream Rock International populär sind und waren z. B. die deutschen Rockbands Scorpions, Beatsteaks, The Rattles und The Lords.

Metal und Alternative Die Metal-Bands Blind Guardian, Helloween und Gamma Ray sind über die deutschen Grenzen hinaus populär. Die Band Rammstein ist der bekannteste Vertreter der sogenannten Neuen Deutschen Härte, zu der auch Oomph! und Unheilig gezählt werden.

Im Bereich Alternative Rock/Crossover waren und sind bspw. die Guano Apes, H-Blockx, Liquido, Law, Die Krupps, Such a Surge und Thumb wichtige Interpreten.

Indierock Populären Indie-Rock und -Pop produzieren die Sportfreunde Stiller, Tocotronic, Blumfeld, Selig, Jennifer Rostock und Kraftklub. The BossHoss sind für ihren Country-Rock bekannt.

Elektronische Musik Im Bereich elektronische Musik gehören die deutschen Vertreter Kraftwerk, Tangerine Dream, Karlheinz Stockhausen und Klaus Schulze zu den weltweiten Pionieren.

Mitte der 1970er Jahre schuf Giorgio Moroder von München aus mit seinem am Synthesizer komponierten Euro-Disco-Sound wegweisende Pionierstücke der elektronischen Tanzmusik. Insbesondere der von Moroder für Donna Summer im Jahr 1976 produzierte Track I Feel Love, welcher erstmals repetitive Synthesizer-Loops mit einem durchgängigen Four-On-The-Floor-Rhythmus verband, gilt als Meilenstein der elektronischen Tanzmusik und als bedeutender Vorläufer der und Techno- und House-Musik.

In verschiedenen Sparten der elektronischen Tanzmusik wie Techno, House, Electro oder auch im EDM-Bereich spielen zahlreiche deutsche Produzenten und DJs eine Rolle, wie beispielsweise Sven Väth, DJ Hell, Chris Liebing, Anthony Rother, Mousse T., Paul van Dyk, Scooter, Robin Schulz, 2raumwohnung, Zedd, Tomcraft, Moguai, Snap!, The Disco Boys, Lexy & K-Paul, Boys Noize, Kai Tracid, Tiefschwarz, Sono, Northern Lite, Blank & Jones und Paul Kalkbrenner.

Pop Neue Deutsche Welle

Die als „Neue Deutsche Welle“ bezeichnete Etablierung einer eigenständigen, auch international erfolgreichen deutschen Pop- und Rockmusik fand Anfang der 1980er-Jahre durch Interpreten wie Nena, Hubert Kah und Peter Schilling ihren kommerziellen Höhepunkt. Weitere erfolgreiche Interpreten dieser Zeit sind Trio, Extrabreit, Joachim Witt, DAF, Ideal, Münchener Freiheit und die Spider Murphy Gang.

Internationale Pop-Produktionen Deutsche Produzenten prägen seit Jahrzehnten den globalen Musikmarkt. International erfolgreich waren von den 1970er bis in die 1990er Jahre die Produktionen von Frank Farian, u. a. mit Boney M. Von 1985 bis zur Auflösung 2003 waren die Stücke von Dieter Bohlen mit Modern Talking ein Erfolgsgarant, daneben auch seine anderen Produktionen, u. a. für die Castingshow DSDS. Alex Christensen ist ein weiterer erfolgreicher Produzent im Popbereich. Die Synthpopgruppe Alphaville ist seit 1983 weltweit erfolgreich.

Die 1990er und frühen 2000er Jahre waren geprägt von Pop und Eurodance, die durch deutsche Musikprojekte beeinflusst wurden, z. B. Jasmin Wagner („Blümchen“), Culture Beat, U96, Captain Jack, Lou Bega, Dune, ATC, E-Rotic, Fun Factory und Mr. President. In den 2000er Jahren feierten zudem u. a. die Castingbands No Angels, Bro’Sis und Monrose, die Sängerin Sarah Connor, der Pop-Violinist David Garrett und die vor allem bei weiblichen Teenagern beliebte Band Tokio Hotel weltweite Erfolge. Die englischsprachige Band Reamonn war bis zu ihrer Auflösung 2010 europaweit populär.

Pop(rock) der Gegenwart

Zu den bekanntesten deutschsprachigen Pop- und Poprockmusikern der Gegenwart gehören zum Beispiel Udo Lindenberg, Peter Maffay und Herbert Grönemeyer. 2010 gewann Lena für Deutschland den Eurovision Song Contest.

Jazz und Blues

R&B und Soul Seit 1995 ist der Sänger Xavier Naidoo einer der bekanntesten deutschsprachigen Interpreten des R&B und Soul, anfangs mit seiner Band Söhne Mannheims. Daneben zählen Tim Bendzko, Cassandra Steen (Glashaus), Max Herre, Joy Denalane, Andreas Bourani, Moses Pelham, Sabrina Setlur, Ayman, Edo Zanki, Max Mutzke und auch Jan Delay zu den populären Künstlern dieser Musikrichtungen.

Hip-Hop

Die 1989 gegründete Band Die Fantastischen Vier bereitete 1992 mit ihrem Titel Die da!? den Weg für populären Deutschrap. Neben ihnen konnte vor allem die Band Fettes Brot seit 1995 große Erfolge feiern. Weitere kommerziell erfolgreiche deutschsprachige Hip-Hop-Künstler sind und waren u. a. Marteria, Dendemann, Samy Deluxe, Beginner (Jan Delay, Dennis Lisk), Bushido, Fler, Fünf Sterne deluxe (u. a. Das Bo), Blumentopf, K.I.Z, Die Atzen, Kool Savas, Creutzfeld & Jakob, Miss Platnum, Haftbefehl, Casper, Cro, Sido, Kollegah, Shindy und Deichkind.