Leopold Langhammer (* 7. September 1891 in Wien; † 5. Juni 1975 ebenda) war Volksbildner, KZ-Häftling und wesentlich am Wiederaufbau der Volkshochschulen in Wien beteiligt.

Leben und Wirken Langhammer studierte an der Universität Wien Germanistik und Philosophie. 1916 erfolgte seine Promotion zum Dr. phil. Zwischen 1918 und 1938 war er Sekretär des Wiener Volksbildungsvereins und Verlagssekretär. In der Zwischenkriegszeit war Langhammer auch Werbeleiter der Wiener Landesorganisation der Vaterländischen Front, der 1933 von Engelbert Dollfuß gegründeten Nachfolgeorganisation der Christlichsozialen Partei. Als Leiter der Volkshochschule Leopoldstadt wurde er Förderer von Jean Améry, der Langhammer noch Jahrzehnte später als seinen „Mentor“ bezeichnete.Irene Heidelberger-Leonard, 2005, S. 30. Langhammer versuchte nach dem Zweiten Weltkrieg Jean Améry durch positive Gutachten nach Österreich zurückzuholen, wozu sich Améry aber nicht entschließen konnte.

Nach dem „Anschluss Österreichs“ an den NS-Staat wurde der „Arier“ Langhammer 1938/39 in dem Konzentrationslager Buchenwald interniert. Von seiner Funktion in der Volksbildung war er in der NS-Zeit bis 1945 suspendiert. Erinnerungen an diese Zeit enthält Langhammers lyrisches Werk „Die Gesänge von den kleinen Leuten“ (1946) oder das „Buchenwald-Lied“ (1959).. In: christenundjuden.org.

Von 1945 bis 1948 wurde er als Hauptreferent für Volksbildung der Stadt Wien eingesetzt. Dabei war er auch für Entnazifizierungsfragen zuständig.Christian H. Stifter: „Sehnsucht nach Erkenntnis und nach Geistigkeit“. Hermann Broch und die wissenschaftszentrierte Volksbildung in Wien. In: adulteducation.at. Verband Österreichischer Volkshochschulen, abgerufen am 7. Juni 2020. 1946/47 gründete Leopold Langhammer gemeinsam mit Karl Lugmayer und Gerda Matejka-Felden den Verein „Künstlerische Volkshochschule“; hier wurden sogenannte Meisterkurse für kunstbegabte Personen angeboten, die den Bewerbern danach eine Ausbildung an der Kunstakademie ermöglichen sollten. Zwischen 1945 und 1961 unterrichtete Langhammer am Wiener Konservatorium und an der Akademie der bildenden Künste Literatur- und Musikgeschichte, Philosophie und Pädagogik. Zuletzt war er Hauptreferent der Wiener Volkshochschulen.Leopold Langhammer im österreichischen Musiklexikon. Langhammer gehörte seit 1948 dem KZ-Verband Wien als Präsidiumsmitglied an.W. Weinert: KZ-Verband Wien. In: kz-verband-wien.at. Abgerufen am 7. Juni 2020. mini|Ehrenhalber gewidmetes Grab am Urnenhain der Feuerhalle Simmering Leopold Langhammer wurde in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Friedhof der Feuerhalle Simmering (Abt. E16, Nr. 377) bestattet.Hedwig Abraham: Prof. Dr. Leopold Langhammer Volksbildner, 1891–1975. In: viennatouristguide.at. Abgerufen am 7. Juni 2020. (PDF; 89 kB) In: friedhoefewien.at. November 2016, abgerufen am 7. Juni 2020.

Auszeichnungen / Ehrungen 1936: Österreichisches goldenes Verdienstzeichen 1937: Silbernes Ehrenkreuz 1937: Goldenes Ehrenzeichen der Stadt Wien 1959: Preis der Stadt Wien für Volksbildung Mitglied des österreichischen P.E.N.-Zentrums Verleihung des Berufstitels „Professor“ durch den Bundespräsident der Republik Österreich

Ausgewählte Schriften Leopold Langhammer (Red.): Die Gesetzgebung in Österreich. Das Programm der V. F. Mitteilungsblatt der Vaterländischen Front. Wien. Nr. 1. Wien, April 1935. Leopold Langhammer (Red.): Zum 1. Mai. Vaterländische Front. Mitteilungsblatt der Vaterländischen Front, Wien. Nr. 2. Wien, Mai 1935. Leopold Langhammer: Die Gesänge von den kleinen Leuten. Titan Verlag, Wien 1946. Leopold Langhammer: Das Buchenwaldlied – drei dramatische Szenen. Verlag des Bundesverbandes der Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus, Wien 1959.

Literatur Irene Heidelberger-Leonard: Jean Améry. Revolte in der Resignation. Biographie. Klett-Cotta, Stuttgart 2005, ISBN 3-608-93539-8.

Weblinks

Einzelnachweise

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