mini|Ponta Delgada Zentrum und Hafen; im Vordergrund der Regierungssitz Palácio de Sant‘Ana Ponta Delgada (, deutsch: Schmale Spitze) ist die faktische Hauptstadt der Azoren und liegt auf der Insel São Miguel.
Sie ist zugleich Sitz des Município Ponta Delgada, das den Westen der Insel umfasst. Dieses besteht aus 24 Freguesias (Gemeinden) mit insgesamt ca. 68.800 Einwohnern auf einer Fläche von 233 km².
Ponta Delgada ist der Regierungssitz der Autonomen Region Azoren, während das Parlament in Horta auf der Insel Faial tagt. Hier befindet sich zudem der Hauptstandort der 1976 gegründeten Universität der Azoren (Universidade dos Açores).
Geschichte Ponta Delgada wurde im Jahr 1499 von dem portugiesischen König Manuel I. gegründet. Es handelte sich um eine Fischersiedlung im heutigen Ortsteil Calheta mit der Kirche Igreja de São Pedro, die zusammen mit der Siedlung São José auch heute noch das Stadtzentrum im Osten und Westen begrenzen. Eine kleine Landspitze vor Calheta gab Ponta Delgada (=dünne/schmale Spitze) ihren Namen. Die Ansiedlung um ein Kloster mit Hospital und sicheren Hafen wuchs in den kommenden Jahren rasch und wurde im Jahr 1522 Zuflucht für den Inselverwalter Rui II., der aus dem – nach einem Erdbeben zerstörten – Vila Franca do Campo übersiedelte. In der Folge wurden Ponta Delgada am 2. April 1546 unter der Herrschaft von König Johann III. die Stadtrechte verliehen.
Mit dem Sitz der Inselverwaltung wuchs die Bedeutung. Im Jahr 1522 begann man mit dem Bau des Forte de São Brás zum Schutz vor Piratenüberfällen. Der daraus folgende Bevölkerungszuwachs fand im Jahr 1673 infolge einer Pestepidemie einen Einschnitt. Mit der Anlage von Orangenplantagen Ende des 18. Jahrhunderts wuchs der Wohlstand der Stadt durch den Zuzug fremder Kaufleute und jüdischer Familien ab dem Jahr 1818, unter anderem die Familie Bensaude. Zahlreiche herrschaftliche Häuser, neue Straßen, ein Friedhof, sowie Gärten und Parkanlagen im englischen Stil zeugen heute noch von dieser Zeit. Die Dächer etlicher historischer Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind mit kleinen viereckigen Aufbauten gekrönt, die von den Plantagenbesitzern als Ausguck benutzt wurden. Bedienstete hatten Ausschau nach ankommenden Frachtschiffen zu halten, damit frisch geerntete Orangen zum Export auf das europäische Festland und England bereitgestellt werden konnten.Michael Bussmann, Azoren, Michael Müller Verlag, Erlangen, 5. Auflage 2013, Seite 140 ff., ISBN 3-89953-257-0
Papst Paul III. hatte bereits 1534 Angra do Heroísmo zum Sitz des Bistums Angra und damit zur wichtigsten Stadt der Azoreninseln erhoben. Die hohe Steuerlast und Abhängigkeit gegenüber dem Bischofssitz bremsten die weitere Entwicklung Ponta Delgadas, es kam im Jahr 1821 zur erfolgreichen Revolte unter Beteiligung der auf São Miguel stationierten Soldaten, die zur Eigenständigkeit der Insel führte.Roman Martin auf Portal der Azoren aufgerufen am 18. Oktober 2016
Im Jahr 1828 wurde mit dem Bau der Kanalisation unter dem Vizeadmiral der portugiesischen Marine und letztem Generalkapitän des Kapitanats der Azoren Henrique da Fonseca de Sousa Prego (1768–1847), begonnen. Die erste, noch mit Fischöl betriebene, Straßenbeleuchtung wurde 1839 in Dienst gestellt und 1904 elektrifiziert. Im Jahr 1901 wurde das erste Auto auf São Miguel eingeführt. Nach heftigen Forderungen der Orangenbarone folgte der Ausbau des Hafens, doch noch bevor 1861 die Bauarbeiten für das neue Hafenbecken begannen, waren die Orangenbäume schon einem heimtückischen Pilz zum Opfer gefallen. Vorher konnten Handelsschiffe nur im Hafenbecken ankern und die Orangenkisten mussten mit kleinen Booten zu den Schonern hinaus transportiert werden. Der neue Hafen trug wesentlich zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung Ponta Delgadas bei. Er wurde im Laufe der Jahrzehnte mehrfach ausgebaut: Im Jahre 1947 befestigte man die Uferpromenade und setzte die erste, bei Stürmen regelmäßig überschwemmte, Häuserzeile um rund 40 Meter zurück.
Seit 1975 ist Ponta Delgada Sitz der Regionalregierung der Azoren. Im folgenden Jahr wurde hier die Universität der Azoren gegründet.
Lage
Die Innenstadt besteht im Wesentlichen aus dem zentralen Teil Sao Sebastião um die gleichnamige Kirche herum und dem Bereich der Kirchengemeinde São Pedro im Osten des Zentrums sowie São José im Südwesten. Weiter um die Stadt herum lagern sich die beiden Orte Fajã de Baixo, der „niedrige Ort“ und Fajã de Cima, der „höhere Ort“.
Fajã de Baixo ist bekannt für die dort angebaute Ananas, Fajã de Cima für seine überschwänglichen Festivitäten und den Frischkäse aus einer Mischung von Ziegen- und Kuhmilch. Beide Orte sind Pendlerorte, viele der Einwohner arbeiten im Zentrum der Stadt. Jedes Jahr im Mai wird der „Dia do Santo Cristo“, das Fest des heiligen Christus, mit aufwendig geschmückten, mit Blumen ausgelegten Straßen gefeiert.
Hafen Der Hafen von Ponta Delgada spielt durch die Insellage seit jeher eine zentrale Rolle und wurde seit der Stadtgründung wiederholt ausgebaut, vergrößert und befestigt. Das Hafenbecken mit Einfahrt auf der Ostseite hat eine Größe von etwa 550 m × 1200 m, die schützende Hafenmole hat eine Länge von 1500 m. Die Fahrrinnentiefe beträgt mindestens 9,4 m, die Ankerplatztiefe 14 m und die Tiefe an der Cargo-Pier 12,5 m, der Tidenhub beträgt durchschnittlich 2 m.Hafeninformation FleetMon aufgerufen am 19. Oktober 2016 Der Frachtverkehr von Containern, Fahrzeugen und Stückgut zwischen den Azoreninseln erfolgt durch die Firma Açores Expresso, die auch zweimal wöchentlich die Versorgung vom Festland über den Hafen Porto de Leixões mit vier Containerschiffen sicherstellt.Information der Firma Açores Expresso aufgerufen am 19. Oktober 2016 Mit dem jüngsten Ausbau, der 2008 abgeschlossen und wesentlich mit EU-Fördergeldern realisiert wurde, konnte die Liegefläche vervierfacht werden und bietet nun Platz für 640 Yachten. Gleichzeitig wurde mit dem Programm Portas do Mar ein modernes Kreuzfahrtterminal geschaffen, das Passagierschiffen und Großyachten bis 360 m Länge Platz bietet.Website Portas do Mar aufgerufen am 19. Oktober 2016
mini|Ponta Delgada, Hafenblick Mit dem Fährverkehr für Fahrzeuge und Passagiere zwischen den Inseln zu den Häfen Porto Horta auf Faial, Porto São Roque do Pico, Praia auf Graciosa, Porto Velas auf São Jorge, Villa do Porto auf Santa Maria und Ponta Delgada startete die Firma Atlanicoline im Jahr 2005 mit zwei Schiffen namens lha Azuk und Express Santorini. Im Jahr 2009 kam die Hochgeschwindigkeitsfähre als „Wikinger“ dazu, aktuell heißen die Fähren: Santorin, Arie und Hellenic Wind. Ponta Delgadas Marina hält die Blaue Flagge seit 1999. Eine Attraktion des Hafenlebens sind Whale Watching-Touren, die von mehreren kleinen Unternehmen angeboten und regelmäßig vor- und nachmittags durchgeführt werden. Im Hafen gibt es einen Hochsee-Bergungsschlepper und eine kleine Fischereiflotte. Auf den Azoren ist der Fang von Tiefseefischarten sehr vielseitig und es kommen sehr unterschiedliche Fanggeräte zum Einsatz. Die am meisten gefangenen Arten sind Thunfische (39 %), Graubarsche (30 %), Brassen (16 %) und Bastardmakrelen (12 %). Der größte Teil des Fischs wird von Schiffen mit einer Länge von unter 12 Metern gefangen.Jesús Iborra Martín, Die Fischerei in Portugal, Europäisches Parlament – Fachabteilung Struktur- und Kohäsionspolitik, Brüssel, 2011
Am Hafen gab es zwischen 1861 und 1973 die Hafenbahn von Ponta Delgada in der Brunel-Breitspur genannten Spurweite von sieben Fuß (2134 mm).
Panorama
Klima
mini|hochkant=1.2|Lageplan von Ponta Delgada in den 1880er Jahren
Gemeinden mini|hochkant=1.3|Kreis Ponta Delgada
Sehenswürdigkeiten mini|Portas da Cidade
Largo de Goncalo Velho Cabral ist der zentrale Platz von Ponta Delgada und wurde nach dem Entdecker und ersten Inselverwalter Gonçalo Velho Cabral benannt, dem hier auch ein Denkmal gewidmet ist. Die Gebäude mit den Arkadengängen, wie das Bankhaus auf der Ostseite des Platzes, lagen früher direkt am Meer und dienten im 18. und 19. Jahrhundert zum Be- und Entladen von Handelswaren. Bevor man das Ufer mit einer Mole befestigte, stand auch das dreibogige Stadttor Portas da Cidade aus dem Jahr 1783 als Tor zur Stadt unmittelbar an dem kleinen Hafen. Es ist heute das Wahrzeichen von Ponta Delgada. Der Platz bildet den optischen Mittelpunkt der langen Bucht von Ponta Delgada, an deren Ufer die lange breite Avenida Infante Dom Henrique, in dieser Form aus dem Jahr 1952, entlang führt. Sie ist nicht nur die Hauptverkehrsader der Stadt, sondern entlang dieser Straße findet man auch die meisten Banken und Büros. Zur Südseite direkt am Meer entlang ist eine Promenade mit kleinen Cafés am früheren Fischerhafen Cais da Sardinha, das Freibad Piscina, dem Yachthafen Marina.Michael Bussmann, Azoren, Michael Müller Verlag, Erlangen, 5. Auflage 2013, Seite 155 ff, ISBN 3-89953-257-0
mini|Rathaus (port. Càmara Municipal)
Das Rathaus Càmara Municipal ist ein typischer azoreanischer Barockbau aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Als Wohnsitz einer noblen Familie errichtet, beherrscht es den schmalen langgezogenen Praça da Republica mit seinem Brunnen. Anfang des 20. Jahrhunderts zog die Verwaltung in das Gebäude ein, dessen Eingang unterhalb der mit dem Stadtwappen gekrönten Balkone liegt. In dem mit reichlich wertvollen antiken Möbeln ausgestatteten Erdgeschoss finden regelmäßig Ausstellungen lokaler Künstler statt. In dem 1724 errichteten Turm des Rathauses, mit einem herrlichen Rundumblick über die Stadt, hängt eine Glocke von König Dom Joao III. aus dem 16. Jahrhundert. Es ist die älteste Glocke der Azoren. Vor dem Gebäude steht die Statue des Schutzheiligen São Miguel.Beschreibung des Portugiesischen Kulturministeriums aufgerufen am 17. Oktober 2016 Der Praça 5 de Outubro, früher: Campo de São Francisco ist nahezu quadratisch und hat in der Mitte einen asiatisch anmutenden Pavillon. Auf dem Platz steht ein uralter australischer Metrosidero (Eisenholzbaum), der 1870 gepflanzt wurde. In den sommerlichen Abendstunden und bei unzähligen Festen versammelt sich auf dem Platz die Stadtbevölkerung.
mini|Igreja de São José Die Igreja de São José auf der Westseite des Praça 5 de Outubro gehörte einmal zum Franziskanerkloster Convento de nossa Senhora da Conceição. In sechzigjähriger Bauzeit im 16. Jahrhundert wurde der größte Kirchenbau der Azoren geschaffen, dessen dreischiffige Front mit neuer Fassade, dem Portikus und drei Fensterreihen, im frühen 18. Jahrhundert gestaltet wurde. Fünf in Kalkstein gemeißelte Flachreliefs mit Szenen aus dem Leben des Heiligen Franziskus und eine Nische, in der eine Basaltstatue des Schutzheiligen steht, schmücken die Vorderfront. Der Innenraum wird von vier prächtigen Seitenaltären dominiert, der Chor ist von wertvollen Azulejos geschmückt. Zur Igreja de São José gehört auch die links davon liegende, erst später angebaute, Kapelle Nossa Senhora da Dores, ein Paradebeispiel der barocken Baukunst auf den Azoren. Die Kapelle war bis zum Jahr 1864 Ausgangspunkt von Prozessionen, bei denen sich die Gläubigen mit Peitschen geißelten, um eine Vergebung der Sünden zu erlangen.
mini|Igreja da Nossa Senhora da Esperança