Die Kalkadoon-Sprache (u. a. auch Kalkutungu, Galgadungu, Kalkutung, Kalkatungu, Galgaduun) ist eine wahrscheinlich ausgestorbene, australische Sprache der Kalkadoon-Aborigines, welche um die Region von Mount Isa in Queensland lebten.

Klassifikation Kalkadoon wird, neben der nah verwandten Aborigine-Sprache Wakabunga, oft mit der Yalarnnga-Sprache gemeinsam als Kalkatungu-Sprachuntergruppe der Pama-Nyunga-Sprachfamilie eingestuft. O’Grady et al.,O’Grady G.N, Voegelen C.F, Voegelen F.M (1966) Languages of the Indo-Pacific, Fascicle six, Anthropological linguistics 8/2 klassifiziert die Sprache hingegen als einziges Mitglied der „Kalkatungu-Sprachuntergruppe“ der Pama-Nyunga-Sprachfamilie, und Dixon (2002) bezeichnet die Kalkatungu-Sprachuntergruppe als eine areale Gruppe.

Phonologie Vokale vorne hinten hoch tief

Konsonanten

peripheral laminal apical bilabial velar palatal dental alveolar retroflex Plosiv Nasal Lateral Vibrant Approximant 1 = Es ist nicht klar, ob die Anschläge einmalig oder mehrfach sind.

Betonung In der Kalkadoon-Sprache drückt sich Betonung in Form von Lautstärke aus. Die Satzbetonung wird ähnlich wie im Englischen organisiert, wobei die erste Silbe im letzten Wort einer phonologischen Phrase die meiste Betonung erhält. Zudem wird, wenn es in einer Phrase mehr als zwei Wörter gibt, der ersten Silbe des ersten Wortes mehr Betonung gegeben als dem Wort, welches nicht am Ende kommt.

Zeichensprache Kendon (1988) zeigt in seiner Arbeit, dass die Kalkadoon auch eine gebärdensprachliche Form ihrer Sprache entwickelt haben.Kendon, A. (1988) Sign Languages of Aboriginal Australia: Cultural, Semiotic and Communicative Perspectives. Cambridge: Cambridge University Press.

Grammatik Nomen Fälle

Die Kalkadoon-Sprache hat 6 Fälle. Name Nutzung Beispiel Deutsche Übersetzung Nominativ wer oder was maa Essen Ergativ Das handelnde Wort im Satzbzw. womit (siehe Instrumental) maathu das Essen bzw. mit dem Essen Lokativ wobzw. mit wem/was zusammen maatha im Essen bzw. zusammen mit dem Essen Dativ wessenfür wen/was maatji des Essens; für das Essen Ablativ woher maathangu vom Essen (her) Allativ wohin maatjinha zum Essen (hin)

Bildung der Fälle Ein Fall wird im Kalkatungu durch das Anhängen einer Nachsilbe (Suffix) gebildet.

Ergativ: Der Ergativ ist der komplexeste Fall. Familienmitglieder, die auf u enden: -yu (z. B. martu (Mutter) → martuyu) Familienmitglieder, die auf a oder i enden: -i (z. B. kurla (Vater) → kurlai) Zweisilbige Nomen mit Nasal(m, n, ng), Stopplaut (p, t, k) und Vokal am Ende: -ku (z. B. kunka (Stock) → kunkaku) sonstige zweisilbige Nomen, die auf einen Vokal enden: -ngku (z. B. kupu (Spinne) → kupungku) Nomen mit mehr als zwei Silben: -thu (z. B. matjumpa (Känguru) → matjumathu) Nomen, die auf n enden: -tu (z. B. kalpin (junger Mann) → Kalpintu) Nomen, die auf t enden: t wird durch -rtu ersetzt (z. B. Utingat (Emu) → Utingartu) Nomen, die auf yn enden: yn wird durch ntju ersetzt (z. B. Mulpiyn (Papagei) → Mulpintju)

Lokativ: Nomen mit mehr als zwei Silben und einer vokalen Endung: -thi (z. B. Paimarra (Cloncurry) → Paimarrathi) alle anderen Nomen: -pia (z. B. Nhaut (Kind) → Nhautpia)

Dativ: Nomen, die auf einen Konsonanten enden: -ku (z. B. Kalpin (junger Mann) → Kalpinku) Nomen, die auf einen Vokal enden: Wiederholung des Vokals am Ende (z. B. Kurla (Vater) → Kurlaa)

Allativ: -nha wird an die Dativform des Nomens angehängt (z. B. Taun (Stadt) → Taunku (siehe Dativ) → Taunkunha)

Ablativ: -ngu wird an die Lokativform des Nomens angehängt (z. B. Paimarra (Cloncurry) → Paimarrathi (siehe Lokativ) → Paimarrathingu)

Alle restlichen Formen werden wie in der oben stehenden Tabelle gebildet. S. 6–7

Transkriptionen Für einige Nomen gab es vor der Ankunft der Briten keine Bezeichnungen, z. B. für Lebewesen, die nicht in ihrem Gebiet lebten. Aus diesem Grund wurden Wörter aus der englischen Sprache übernommen, die der Kalkatungu-Aussprache entsprechen.

Beispiele: „thuku“ (Hund) vom englischen „dog“ „kiki“ (Kuchen) vom englischen „cake“ „taun“ (Stadt) vom englischen „town“

Verben Man unterscheidet im Kalkadoon zwischen transitiven und intransitiven Verben. Bei den intransitiven Verben ist offensichtlich, wer die Handlung ausführt, weshalb keine Ergativkonjugation des Handelnden nötig ist. Die Verben werden mithilfe von Suffixen gebildet. Es werden einzig Modus und Tempus konjugiert, nicht etwa Numerus oder Genus.

Beispiele für transitive Verben sind: itjai (beißen), unpii (nehmen), ngkai (schicken). Hier wird deutlich, dass sich die handelnde Person nicht aus dem Kontext erschließen lässt, weshalb der Ergativ benötigt wird.

Beispiele für intransitive Verben sind: ara (hineingehen), thuna (rennen), watharra (herauskommen). Hier wird deutlich, dass sich die handelnde Person aus dem Kontext erschließen lässt, weshalb der Nominativ nötig ist.

Das Beispiel hier ist das intransitive Verb „ara“ (gehen).

Modus/Tempus Suffix Beispiel Deutsche Übersetzung Präsens kein Suffix Thuat tjaa ntuuka ara. Die Schlange geht in das Loch. Vergangenheit -nha Thuat tjaa ntuuka aranha. Die Schlange ging in das Loch. Zukunft -mi Thuat tjaa ntuuka arami. Die Schlange wird in das Loch gehen. Potentialis -mia Thuat tjaa ntuuka aramia. Die Schlange könnte in das Loch gehen. Imperativ -ya nach a oder u -a nach i Ntuuka araya! Geh in das Loch!

Ausnahmen Einige Ausnahmefälle sind bei besonderen Verben vorgegeben. Als wichtigste Ausnahme gilt das Verb „haben“: -yan/-aan/-an an das Nomen anhängen, das besessen wird (z. B. yuku (Speer) → yukuyan = einen Speer haben). S. 9

Adjektive Adjektive verhalten sich im Kalkadoon genauso wie Nomen. Diese werden an das Nomen gehängt und nicht dekliniert.

Pronomen Die Pronomen im Kalkadoon werden unabhängig von den Kasusbildungsregeln für die Nomen gebildet. Die Bedeutung ist allerdings gleich. Für jeden Fall gibt es je einen Pronom.

Personalpronomen Es gibt bei den Personalpronomen im Kalkadoon 3 Numeri, nämlich Singular, Dual und Plural. Für die Geschlechter gibt es keine eigenen Personalpronomen, dies wird meist durch den Kontext klar.

Fall Ich Du Er/Sie/Es Wir (2) Ihr (2) Sie (2) Wir (2+) Ihr (2+) Sie (2+) Nominativ Ngai Nyini Lhaa/ Pakai Ngalhi Mpaya Puyu Ngata Nhutu Thina Ergativ Ngathu Nyinti Lhii Ngalhii Mpayai Puyuyu Ngatai Nhutuyu Thinai Lokativ Ngaingu Nyiningu Alhangu Ngalhingu Mpayangu Puyungu Ngatangu Nhutungu Thinangu Dativ Ngatji Nyunku Alhaa/ Pakaya Ngalhii Mpayaa Puyuu Ngataa Nhutuu Thinaa Allativ Ngatjinha Nyunkunha Alhaanha Ngalhiinha Mpayaanha Puyuunha Ngataanha Nhutuunha Thinaanha Ablativ Ngainguangu Nyininguangu Alhanguangu Ngalhinguangu Mpayanguangu Puyunguangu Ngatanguangu Nhutunguangu Thinanguangu S. 7

Demonstrativpronomen Die Demonstrativpronomen haben dieselben Numeri wie die Personalpronomen und werden untergliedert in drei Entfernungsgraden: etwas bei dem Sprecher, etwas bei dem Angesprochenen und etwas, das weder beim Sprecher, noch beim Angesprochenen ist.

Fall Dieses(bei Sprecher) Dieses(bei Angesprochenem) Jenes(von Sprecher und Angesprochenem weiter weg) Diese 2(bei Sprecher) Diese 2(bei Angesprochenem) Jenes(von Sprecher und Angesprochenem weiter weg) Diese 2+(bei Sprecher) Diese 2+(bei Angesprochenem) Jene 2+(von Sprecher und Angesprochenem weiter weg) Nominativ Tjaa Nhaa Paa Tjaawatikaya Nhaawatikaya Paawatikaya Tjaamiakaya Nhaamiakaya Paamiakaya Ergativ Tjipai Nhai Pai Tjaawatikayarlu Nhaawatikayarlu Paawatikayarlu Tjaamiakayarlu Nhaamiakayarlu Paamiakayarlu Lokativ Tjangkaathi Nhangu Pangithi Tjaawatikayangu Nhaawatikayangu Paawatikayangu Tjaamiakayangu Nhaamiakayangu Paamiakayangu Dativ Tjipaa Nhau Pau Tjaawatikayaa Nhaawatikayaa Paawatikayaa Tjaamiakayaa Nhaamiakayaa Paamiakayaa Allativ Tjipaanha Nhaunha Paunha Tjaawatikayaanha Nhaawatikayaanha Paawatikayaanha Tjaamiakayaanha Nhaamiakayaanha Paamiakayaanha Ablativ Tjangkayangu Nhanguwangu Pangu Tjaawatikayanguwangu Nhaawatikayanguwangu Paawatikayanguwangu Tjaamiakayanguwangu Haamiakayanguwangu Paamiakayanguwangu S. 8

Interrogativpronomen Es gibt im Kalkadoon drei Arten von Fragewörtern, nämlich für die Person (z. B. Wer?), für die Sache (z. B. Was?) und für den Ort (z. B. Wo?).

Fall Wer? Was? Wo? Nominativ Nhani Nhaka (nicht nötig) Ergativ Nhantu Nhakathu (nicht nötig) Lokativ Nhaningu Nhakathi Arrakathi Dativ Nhanku Nhakaa (nicht nötig) Allativ Nhankunha Nhakaanha Arrakanhi Ablativ Nhaninguwangu Nhakathingu Arrakangu S. 8

Einzelnachweise

Kategorie:Australische Sprachen Kategorie:Kultur (Aborigines)