Diesdorf ist ein Flecken im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt. Die Gemeinde gehört zur Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf.
Geographie Lage Der Ort liegt in der westlichen Altmark und ist geprägt durch eine sanft-hügelige Endmoränenlandschaft mit zumeist waldbestandenen kargen Sandböden, maßgeblich durch die Saaleeiszeit gestaltet.
Diesdorf liegt etwa 25 km südwestlich von Salzwedel. Im unmittelbar benachbarten Niedersachsen ist der nächste größere Ort Wittingen in etwa zehn Kilometern Entfernung.
Gliederung Der Flecken Diesdorf hat folgende Ortsteile und Wohnplätze:
Geschichte mini|Klosterkirche im Ortszentrum mini|„Alte Darre“ auf dem ehemaligen Klostergelände Die Großsteingräber bei Schadewohl und die Großsteingräber bei Diesdorf belegen eine Besiedlung der Region bereits für die Jungsteinzeit.
Der Ort wurde 1112 erstmals urkundlich erwähnt. 1161 wurde durch den Grafen Hermann von Warpke-Lüchow das Stift der Augustiner-Chorherren Marienwerder gegründet. Dieses prägte stark die Geschichte und Entwicklung des Ortes. Nach der Reformation und Säkularisation des Klosters 1551 wurden hier ein Domänenamt des brandenburgischen Staates und ein adliges Frauenstift eingerichtet. 1810 wurden beide unter der Herrschaft des französischen Königreichs Westphalen aufgelöst. Nach der Rückgliederung an Preußen kam der Ort mit der Altmark zum Regierungsbezirk Magdeburg und damit in die Provinz Sachsen, aus der 1947 das Land Sachsen-Anhalt hervorging.
1911 wurde das erste Freilichtmuseum Deutschlands am Südrand von Diesdorf gegründet. Seit dem 27. März 1998 führt die Gemeinde offiziell den Namenszusatz Flecken.
Von 1952 bis 1994 lag Diesdorf im Kreis Salzwedel (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Magdeburg, dann im Land Sachsen-Anhalt). Seit der Kreisreform 1994 gehört die Gemeinde zum Altmarkkreis Salzwedel.
Eingemeindungen
30. September 1928: Gutsbezirk Diesdorf, Forst 1961: Molmke 15. April 1974: Lindhof 1. Januar 1991: Abbendorf (mit Dankensen, Hohenböddenstedt und Peckensen) und Waddekath (mit Haselhorst) 1. November 1992: Schadeberg (mit Dülseberg) 1. Januar 2010: Neuekrug (mit Höddelsen und Reddigau)StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010 1. September 2010: Mehmke
Bevölkerung Gemeinde Diesdorf JahrEinwohner 1734 128 1774 426 1789 412 1801 317 1818 536 1840 821 1871 869 1895 967 Jahr Einwohner 1905 984 1910 973 1925 999 1939 1.057 1946 1.383 1964 1.427 1971 1.467 1981 1.365 Jahr Einwohner 1990 1.280 2005 2.139 2010 2.500 2015 2.385 2020 2.302 Jahr Einwohner 2021 2.292 2022 2.139 2023 2.120 2024 2.101 2025 2.078
Quelle: bis 2005, danach; ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 1990 und 2005 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Ortsteil Diesdorf JahrEinwohner2015110120181109202110832022108520231067
Religion Die Volkszählung in der Europäischen Union 2011 zeigte, dass 42 % der Einwohner evangelisch und 3 % katholisch sind.
Auf evangelischer Seite gehört fast das gesamte Gemeindegebiet (samt den Kirchen in Abbendorf, Dankensen, Diesdorf, Mehmke, Peckensen, Waddekath und Wüllmersen) zum Pfarrbereich Diesdorf im Kirchenkreis Salzwedel im Bischofssprengel Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Nur die Feldsteinkirche Dülseberg gehört zum Pfarrbereich Osterwohle-Dähre im Kirchenkreis Salzwedel.
Die Katholiken gehören überwiegend zur Pfarrei St. Laurentius in Salzwedel; die nächste Filialkirche ist St. Antonius von Padua in Dähre. Die Ortschaften Hohengrieben, Mehmke und Wüllmersen sind indes der Pfarrei St. Hildegard mit Sitz in Gardelegen zugeordnet, deren nächste Filialkirche Mariä Himmelfahrt in Beetzendorf ist. Beide Pfarreien gehören zum Dekanat Stendal im Bistum Magdeburg.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Diesdorf besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Gemeinde aus 14 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 59,7 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 37,6 % 5 26,2 % 4 AfD – – 22,6 % 1 SPD 12,4 % 2 12,6 % 2 Die Linke 22,3 % 3 12,6 % 2 Einzelbewerber Raphael Hauffe – – 6,7 % 1 Einzelbewerber Stephan Bock – – 6,2 % 1 Einzelbewerber Daniel Fischer – – 5,8 % 1 Bündnis 90/Die Grünen 5,7 % 1 4,4 % – Einzelbewerber Heiko Fricke 5,3 % 1 2,8 % – FDP 3,8 % 1 – – . 12,9 % 1 – – Insgesamt 100 % 14 100 % 12
Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD drei Sitze, von denen zwei unbesetzt bleiben, weil die Partei nur einen Kandidaten nominiert hatte.
Bürgermeister 1990–2022: Fritz Kloß (SPD) seit 2022: Daniel Rieck
Kloß wurde bei der Bürgermeisterwahl am 22. Februar 2015 mit 53,5 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.
Rieck wurde am 6. März 2022 ohne Gegenkandidat mit 100 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 6. März 2022 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.
Wappen Das Wappen wurde am 1. April 1997 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.
Blasonierung: „In Rot ein von vier steigenden goldenen Eichenblättern bewinkeltes golden bordiertes schwarzes Kreuz mit einem Herzschild, der Herzschild schwarz-gold schräggeviert, belegt mit einer Fensterraute in verwechselten Farben.“
Mit dem Kloster hatte Diesdorf für die Entwicklung in der Altmark eine bedeutende Stellung. Das 1161 durch die Grafen von Warpke-Lüchow gegründete Augustinerstift trug wesentlich zur Ausprägung der Struktur und des Ortes bei. Es spielte im Rahmen der Missionierung und wirtschaftlichen Entfaltung eine bedeutende Rolle. Im geografischen Grenzraum aneinander stoßender Herrschaftsgebiete gelegen, kreuzten und verbanden sich hier verschiedene politische und kulturelle Einflüsse. Dies findet im Wappen sowohl durch das Kreuz als auch durch den Herzschild seinen Ausdruck. Das Kreuz steht für Christianisierung und das Klosterstift, aber auch für Wegekreuzung. Im Herzschild ist durch die aneinander stoßenden Felder der Schrägvierung der altmärkische Grenzraum symbolisiert. Die Fensterraute, angelehnt an das Wappenmotiv der Gründungsherren des Klosters, umfriedet mauerartig den Mittelpunkt der Schrägvierung und wirkt so mehrfach symbolhaft. Die Eichenblätter nehmen einerseits Bezug auf die Schönheit der Naturlandschaft, andererseits säumen jahrhundertealte Eichen die Klostermauern. Ein konkreter Bezug zum Ortsbild stellt ebenfalls die Fensterraute dar. Nicht nur der Fachwerkbau des Freilichtmuseums Diesdorf weist mehrfach variiert dieses Motiv auf, auch die verbliebenen Partien der mittelalterlichen Klostermauern tragen im Wechsel roter und schwarzer Backsteine dieses auffällige Zeichen.
Flagge Die Flagge der Gemeinde Flecken Diesdorf zeigt die Farben Schwarz – Gold (Gelb). Es ist eine Flagge mit zwei schmalen, schwarzen Außenstreifen und einem breiteren goldenen (gelben) Mittelstreifen, der mit dem Fleckenwappen belegt ist.
Sehenswürdigkeiten
Klosterkirche
In Diesdorf befindet sich die Kirche St. Maria und Crucis des 1161 durch den Grafen Hermann von Warpke-Lüchow gegründeten Augustiner-Chorherrenstiftes, mit dessen Bau 1182 begonnen wurde. Die Backsteinkirche im romanischen Stil gehört zu den ältesten in der Altmark, die ein vollständiges Kreuzgratgewölbe aufweisen. Ihr Inneres ist durch den Bau im gebundenen System geprägt. Ihr Äußeres zeigt Schmuckelemente wie Lisenen, Kreuzbogenfries, Rautenfries, Zickzackfries und Deutsches Band. Der weithin sichtbare Turm im neoromanischen Baustil wurde ab 1863 errichtet.Peter Seyfried: Die Klosterkirche zu Diesdorf. 3. Aufl. 1998 (DKV-Kunstführer Nr. 463).
Ehemaliges Klostergelände Zu den früheren Klostergebäuden gehört die im 14. Jahrhundert entstandene „Alte Darre“, ehemals als Brau- und Backhaus genutzt. Anfang der 2010er Jahre wurde sie restauriert und als heimatgeschichtliches Museum eingerichtet. Die Mauer um das Klostergelände ist weitgehend erhalten.
Freilichtmuseum Diesdorf mini|Hallenhaus im Freilichtmuseum Das Freilichtmuseum Diesdorf zeigt unter anderem Fachwerkhäuser verschiedener Zweckbestimmung und Form sowie eine Bockwindmühle. Thematisch bezieht sich das Museum auf die Altmark.Jochen Alexander Hofmann: Das Freilichtmuseum Diesdorf und seine Gärten. In: Sachsen-Anhalt-Journal. Heft 2, 2020.
Großsteingräber bei Diesdorf mini|Großsteingrab Diesdorf 3 In der Nähe von Diesdorf befinden sich die Großsteingräber bei Diesdorf, eine Gruppe von drei noch erhaltenen jungsteinzeitlichen Grabanlagen.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Im Ortsteil Peckensen befindet sich ein Erdgas-Kavernenspeicher mit einem derzeitigen Speichervolumen von 400 Millionen Kubikmetern.
Verkehr Diesdorf liegt an den Landesstraßen 8 Wittingen–Salzwedel (Teil der Deutschen Fachwerkstraße) und 11 Diesdorf–Beetzendorf–Apenburg (Teil der Straße der Romanik).
Durch das Gemeindegebiet verläuft auch der Iron Curtain Trail (EV13), der als Kulturroute des Europarats zu den bedeutendsten Fernradwegen in Europa (EuroVelo) zählt. Er wurde jedoch zum überwiegenden Teil die auf niedersächsische Seite der Landesgrenze umtrassiert, so dass nur noch Teilbereiche auf der Ostseite verblieben. Hinzu kommen weitere regionale Radrouten, wie beispielsweise der Altmarkrundkurs.
Bis zur Stilllegung des Abschnitts Diesdorf–Dähre der Bahnstrecke Salzwedel–Diesdorf am 23. Mai 1993 war der Ort an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Bereits 1945 bzw. 1973 wurde der Schienenverkehr Richtung Wittingen und Beetzendorf eingestellt. Heute sind alle Strecken abgebaut.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde August Zarnack (1777–1827), Pädagoge und Volksliedsammler, geboren in Mehmke Heinrich Mahlke (1851–1921), Reichstagsabgeordneter (SPD), geboren in Dankensen Eduard von Westernhagen (1851–1921), preußischer Generalleutnant, geboren in Abbendorf Adolf Heitmann (1858–1946), Pädagoge und Schriftsteller, geboren in Diesdorf Fritz Darges (1913–2009), SS-Obersturmbannführer, 1943 bis 1944 persönlicher Adjutant von Adolf Hitler, geboren in Dülseberg Helmut Gäde (1932–2022), Pflanzenbauwissenschaftler, geboren in Peckensen Hans-Görg Roos (* 1949), Mathematiker, geboren in Diesdorf Klaus Decker (* 1952), Fußballspieler, geboren in Diesdorf
Mit Diesdorf verbundene Persönlichkeiten Christoph von der Schulenburg (1513–1590), Propst im Kloster Diesdorf Marliese Dobberthien (1947–2017), Politikerin (SPD), Pferdezüchterin in Abbendorf
Literatur
Weblinks
Website der Gemeinde Gemeinde Diesdorf auf der Website der Verwaltungsgemeinschaft
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Kategorie:Ort im Altmarkkreis Salzwedel
Kategorie:Flecken in Sachsen-Anhalt Kategorie:Ersterwähnung 1112