Die 1768/1769 erbaute Kirche in Popelken (der ostpreußische Ort hieß zwischen 1938 und 1946: Markthausen) war bis 1945 evangelisches Gotteshaus für die Kirchspielbewohner des heute Wyssokoje genannten Ortes in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)). Die Ruine des Turms und ein Teil der westlichen Außenmauer ist erhaltenКирха Попелькена - Высокое Die Kirche Popelken in Wyssokoje bei prussia39.ru (mit Fotos aus dem Jahre 2012).

Geographische Lage Das heutige Wyssokoje liegt 32 Kilometer südöstlich der früheren Kreisstadt Polessk (Labiau) und 28 Kilometer südwestlich der neuen Rajonshauptstadt Slawsk (Heinrichswalde) an einer Nebenstraße, die von der russischen Fernstraße A 216 (einstige deutsche Reichsstraße 138, heute auch Europastraße 77) abzweigt und über Gremjatschje (Groß Berschkallen, 1938 bis 1946 Birken) und Dowatorowka (Leipeningken, 1938 bis 1946 Georgental) bis nach Majowka (Georgenburg) nördlich von Tschernjachowsk (Insterburg) führt. Die nächste Bahnstation ist Salessje-Nowoje (Mehlauken, 1938 bis 1946 Liebenfelde) an der Bahnstrecke Kaliningrad–Sowetsk (Königsberg–Tilsit).

Die TurmruineAktuelles Foto der Turmruine bei flickr.com steht am nordwestlichen Ortseingang südlich der Hauptstraße.

Kirchengebäude In Popelken ist bereits 1640 eine Kirche nachgewiesenWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, Seite 61, Abb. 194. Sie wurde 1768/69 durch einen Nachfolgebau ersetzt. Dabei handelte es sich um einen verputzten rechteckigen Ziegelbau. Wegen Baufälligkeit musste der aufgesetzte Dachreiter abgebrochen werden, dafür wurde 1901 ein Westturm vorgesetzt.

Der Kanzelaltar war ein Werk des 19. Jahrhunderts unter Einbeziehung einer Figur des Mose von 1680, die wohl ehemals als Kanzelträger fungierte. Bemerkenswert waren ein Taufengel von 1720 und die silbernen Altargeräte aus dem 17. Jahrhundert.

Die Orgel war ein Werk des Orgelbauers August Terletzki aus Elbing (heute polnisch: Elbląg). Die zwei Glocken stammten aus dem Jahre 1818.

Kirchengemeinde Die Kirchengemeinde in Popelken wurde 1626 gegründetWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, Seite 465 und erhielt im gleichen Jahr eine eigene Pfarrstelle. Eine zweite Pfarrstelle wurde im Jahre 1900 beigegebenFriedwald Moeller, Altpreußisches Evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 113. Bis 1841 war die Kirche Popelken auch für die Orte des dann gegründeten Kirchspiels der Kirche Mehlauken (1938 bis 1946: Liebenfelde, heute russisch: Salessje) zuständig.

Bei der Volkszählung des Jahres 1925 lebten im Bereich der Pfarrei Popelken 6800 Gemeindeglieder in 47 Orten des weitflächigen Kirchspiels. Bis 1945 gehörte es zum Kirchenkreis Labiau in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung in Folge des Zweiten Weltkrieges sowie der restriktiven Religionspolitik der Sowjetunion brach das kirchliche Leben in dem dann Wyssokoje genannten Ort ein.

In den 1990er Jahren bildeten sich in der jetzigen Oblast Kaliningrad neue evangelisch-lutherische Gemeinden, darunter die Wyssokoje am nächsten liegende in Bolschakowo (Groß Skaisgirren, 1938 bis 1946 Kreuzingen). Sie ist eine Filialgemeinde in der Kirchenregion der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen) in der Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Kirchspielorte Neben dem Pfarrort Popelken gehörten zu dem bis 1945 bestehenden Kirchspiel 46 Orte, Ortschaften und Wohnplätze: Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Alt Domharthenen Domhardtfelde Obscherninken Dachsfelde Auxkallen ab 1936:Ackerhof Packalwen Berghöfen Beszarwen,1938–1938: Bescharwen Scharhöfen Paggarszwienen,1936–1938: Paggarschwienen Krauseneck Bielauken Bielken Pannaugen Habichtswalde Bittehnen Biehnendorf Jagodnoje Paringen Paaringen Bittkallen Bitterfelde Dalneje Paschwentschen Wittenrode Dalneje Budwallen Budewald Patilszen,1936–1938: Patilschen Kunzenrode Oruscheinoje Danielshöfen Plattupönen Breitflur Iskrowo Eszerningken,1936–1938: Escherningken Gutfließ Krasnaja Dubrawa Plompen Heiligenfließ Florlauken Blumenfelde Rogainen Hornfelde Sujewka Friedrichswalde Nowaja Schisn Rosenberg Groß Ischdaggen Rodenwalde (Ostpr.) Rudflorlauken Kleinbulmenfelde Groß Kallkeninken Groß Kalkfelde Rudlauken b. Mehlauken Göbelshof Kallweninken Hügelort Schwirgslauken Herzfelde (Ostpr.) Saretschje Klein Baum Serpentienen Beerendorf Klein Kallkeninken Kleinkalkfelde Luschki Skieslauken Mörnersfelde Oruscheinoje Klewienen Seegershöfen Spannegeln Dubrowka Korehlen Sowetskoje Szallgirren,1936–1938: Schallgirren Schliebenwalde Lankeninken Langenheim Treinlauken Kreuzberg Lauszen,1936–1938: Lauschen Brachhöfen Uszkampen,1936–1938: Uschkampen Kleinmarkthausen Mehlathal Liebenhof Sarja Wartenburg Mehlawischken Liebenort Wilkowischken Wolfshof Neu Domharthenen Kleindomhardtfelde Nowaja Schisn Wittgirren Weißenbruch

Pfarrer Von 1626 bis 1945 amtierten an der Kirche Popelken 22 evangelische Pfarrer: Erhard Waldeck, 1626–1643 Michael Glaser, 1643–1656 Christoph Enders, 1656–1682 Stephan Schwartz, 1682–1693 Johann Friedrich Stimehr, 1693–1710 Johann Albrecht Beilstein, 1710–1717 Johann Balthasar Schreiber, 1717–1726 Adam Friedrich Schimmelpfennig, 1726–1763 Georg Christoph Wilcke, 1763–1779 Georg Adam Voigdt, 1779–1787 Heinrich Johann Christ. Kempfer, 1787–1819 Johann Friedrich Glogau, 1819–1831 Junius L. Stolzenberg, 1832–1858 Carl Leopold Friedrich Neiß, 1855–1858 Hermann Leopold Friedrich Hahn, 1858–1889 Julius Theodor Dengel, 1899–1912 Ernst Albert Paul Harner, bis 1900 Richard Rudolf Neumann, 1900–1905 Alfred Schulz, 1905–1910 Hermann Karl Gustav Schnöberg, 1910–1914 August Eduard Sinnhuber, 1912–1938 Arthur Heinrich, 1921–1928 Theodor Koszinowski, 1938–1945

Pfarrer Schimmelpfennig Zwischen 1740 und 1763 amtierte an der Kirche der Pfarrer Adam Friedrich SchimmelpfennigWyssokoje - Popelken/Markthausen bei ostpreussen.net (1699–1763). Er dichtete religiöse Lieder und war Autor profaner litauischer Literatur in Kleinlitauen. Als 1732 ein erstes litauisches Gesangbuch erschien, waren darin bereits 51 Lieder Schimmelpfennigs enthalten. Zwischen 1738 und 1748 übernahm er die Redaktion einer weiteren Gesangbuchausgabe und publizierte 1750 schließlich ein zweites litauisches Liederbuch. Auch gab Schimmelpfennig die zweite vollständige Ausgabe der litauischen Bibel heraus und übersetzte 1756 Johann Arndts Hauptwerk „Vom wahren Christentum“.

Verweise

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