Dähre ist eine Gemeinde im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geographie Lage Dähre, ein Dorf mit Kirche, liegt 18 Kilometer südwestlich der Kreisstadt Salzwedel an der Salzwedeler Dumme. mini|hochkant=1.3|Andreaskirche Dähre, 1903–1904 Querhaus angefügt und Chor weitgehend erneuert

Gemeindegliederung Als Ortsteile der Gemeinde sind ausgewiesen:

Hans-Jochen-Winkel Das Gemeindegebiet ist annähernd deckungsgleich mit dem „Hans-Jochen-Winkel“ bzw. „Hansjochenwinkel“, einer vor allem im 19. Jahrhundert populären Bezeichnung für den Landstrich in Grenzlage, wie Heinrich Christoph Steinhart bereits im Jahre 1802 schrieb. Die Bezeichnung soll auf die vielen Männer mit den Vornamen „Hans-Jochen“ und „Hans-Joachim“ zurückzuführen sein, wie Jodocus Temme im Jahre 1839 meinte. Nach anderen Angaben stammt der Begriff von der preußischen Königin Luise, die ihn um 1810 angesichts dreier Hans-Jochens aus der Region prägte, wie Wilhelm Meyer-Markau aus Dähre 1882 in der Gartenlaube schrieb. Die Forstbetriebsgemeinschaft mit Sitz in Dähre heißt bis heute „FBG Hans-Jochen-Winkel“.

Geschichte Mittelalter Im Jahre 1220 wurde ein Henricus Prepositus de Dore erwähnt. Bereits 1223 wurde die Propstei Dähre und die AndreaskircheRudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 31, Teil 11, Die Zeit von der Potsdamer Konferenz bis zur Gründung der Deutschen Demokratischen Republik 1945–1949. St. Benno Verlag, Leipzig 1989, S. 302. genannt als ecclesia in Dore, als der Bischof Yso von Verden einen Gütertausch zwischen der Propstei und Lippold von Dore genehmigte.

Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes erfolgte im Jahre 1308 als villa Doren, als der Kastellan Gottfried Knappe von Thünen dem Kloster Diesdorf Besitz verkaufte.

Im Jahr 1362 überließ die Familie Buchmast (Bokmast) ihren Besitz in Dähre dem Kloster Diesdorf.

Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wurde der Ort als Dore aufgeführt und gehörte den von dem Knesebeck. In Dähre befand sich ein Kaland. Nordöstlich des Dorfes befand sich an der Dumme eine Wassermühle.

Archäologie Im Jahr 2004 wurde eine Grabung in Dähre durchgeführt, bei der 43 Gräber freigelegt wurden. Ein Grabungsbericht wurde bislang nicht veröffentlicht. Als prominentester Fund gilt eine Wikingerfibel im Borre-/Jelling-Stil aus dem 9. Jahrhundert.

Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Detail Wendischhorst, Gutsbezirk 01.10.1912 Eingliederung in die Landgemeinde Dähre Dähre, Gutsbezirk 17.10.1928 Eingliederung in die Landgemeinde Dähre Kleistau 01.04.1935 Eingemeindung in die Gemeinde Dähre Eickhorst 20.07.1950 Eingemeindung in die Gemeinde Dähre Hohendolsleben 20.07.1950 Zusammenschluss mit Siedendolsleben zur Gemeinde Dolsleben Siedendolsleben 20.07.1950 Zusammenschluss mit Hohendolsleben zur Gemeinde Dolsleben Dolsleben 01.01.1992 Eingemeindung in die Gemeinde Dähre Fahrendorf 01.01.1992 Eingemeindung in die Gemeinde Dähre

Bildung der neuen Gemeinde Dähre Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschlossen die Gemeinderäte der Gemeinden Bonese (am 5. Mai 2008), Dähre (am 5. Mai 2008) und Lagendorf (am 8. Mai 2008), dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Dähre vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2009 in Kraft.StBA: Gebietsänderungen am 01.01.2009

Das Gemeindegebiet vergrößerte sich dadurch von 29,59 km² auf 78,73 km².

Einwohnerentwicklung Gemeinde JahrEinwohner17341721774380178934017983501801368JahrEinwohner18184051840565186462718716281885595JahrEinwohner189568719057311925855193997819461326JahrEinwohner1964105619711006198191519938292006921 Quelle:

Ortsteil JahrEinwohner201554620185362020548202153520225262023522

Religionen Die Volkszählung in der Europäischen Union 2011 zeigte, dass von den 1541 Einwohnern der politischen Gemeinde Dähre rund 41 % der evangelischen Kirche und rund 5 % der römisch-katholischen Kirche angehörten.

Die evangelische Kirchengemeinde Dähre, die früher zur Pfarrei Dähre gehörte, wird heute betreut vom Pfarrbereich Osterwohle-Dähre (mit Sitz in Dähre) im Kirchenkreis Salzwedel der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Die katholische Kirche St Antonius von Padua befand sich an der Friedensstraße, hinter einem an der Straße gelegenen Wohnhaus. 1937 erwarb die katholische Kirche in Dähre ein Grundstück, zunächst fand der Gottesdienst in einem Zimmer des Wohnhauses statt. Anfang der 1950er Jahre wurde in der auf dem Grundstück befindlichen Scheune die Kirche eingerichtet. Von 1941 bis 1979 war Dähre Kuratie und hatte einen eigenen Geistlichen,Johannes Werner: Chronik der kath. Pfarrei St. Lorenz zu Salzwedel. Salzwedel 2002. danach gehörte sie zur Pfarrei St. Laurentius in Salzwedel. 2015 wurde die Kirche geschlossen und kam in Privatbesitz, danach fanden noch bis etwa 2018 katholische Gottesdienste im evangelischen Gemeinderaum statt. Heute gehören Katholiken in Dähre zur Pfarrei Salzwedel, nähergelegen sind jedoch die Kirchen St. Bonifatius (Bad Bodenteich) und Maria Königin (Wittingen).

Politik Bürgermeister 2016–2017: Michael Olms (CDU) 2017–2025: Bernd Hane seit 2025: Jan Meine

Glos wurde im September 2016 zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf gewählt, sodass in Dähre eine Neuwahl erforderlich wurde.

Hane wurde bei der Bürgermeisterwahl am 15. Januar 2017 ohne Gegenkandidat mit 100 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt. Am 24. September 2023 wurde er mit 61,9 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 24. September 2023 Er trat im März 2025 von seinem Amt zurück.

Meine wurde bei der Bürgermeisterwahl am 28. September 2025 mit 53,6 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 28. September 2025

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Glockenträger der Kirche Die evangelische St.-Andreas-Kirche befindet sich an der Friedensstraße. Das Schiff der Kirche gehört zu den ältesten Kirchengebäuden der westlichen Altmark. Die Grabungen auf dem Kirchengelände aus dem Jahre 2004 lassen vermuten, dass es einen Vorgängerbau der heutigen Kirche spätestens im 12. Jahrhundert gegeben hat. 1903/04 erfolgten nach Plänen des damaligen Kreisbaurats Hugo Prejawa umfangreiche Erneuerungen, jedoch wurde der Turm der Kirche 1939 nach einem Einsturz abgerissen. Der freistehende Glockenträger nördlich der Kirche stammt aus den 1950er Jahren.

Verkehr In der Gemeinde verkehren Linienbusse und Rufbusse der Personenverkehrsgesellschaft Altmarkkreis Salzwedel.

Durch das Gemeindegebiet, u. a. direkt durch den Ortsteil Dahrendorf, verläuft der Iron Curtain Trail (EV13), der als Kulturroute des Europarats zu den bedeutendsten Fernradwegen in Europa (EuroVelo) zählt. Durch das Dorf Dähre führt auch die Route des Altmarkrundkurses.

Dähre lag an der Bahnstrecke Salzwedel–Diesdorf. Der Schienenpersonennahverkehr nach Diesdorf wurde im Mai 1993 und der nach Salzwedel im Dezember 1995 eingestellt. Zum 1. April 1997 folgte die Stilllegung.

Persönlichkeiten Wilhelm Meyer-Markau (1853–1910), in Markau geborener Pädagoge und Schriftsteller

Literatur

Archivalien Urkundenüberlieferung der Propstei Dähre im Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Magdeburg

Weblinks

Gemeinde Dähre Gemeinde Dähre auf der Website der Verwaltungsgemeinschaft

Einzelnachweise Königlicher Scherz. In: Altmark Zeitung, 25. Mai 2010; abgerufen am 11. Oktober 2015

Wilhelm Meyer-Markau: Nr. 49. Der Hansjochenwinkel. In: Die Gartenlaube (1882). Nr. 19. Leipzig: Ernst Keil, 1882, S. 313 (Wikisource)

Hauptsatzung der Gemeinde Dähre (PDF; 81 kB)

Jodocus Donatus Hubertus Temme: Besondere Gebräuche und Meinungen im Hans Jochen-Winkel. In: Die Volkssagen der Altmark. Nicolaische Buchhandlung, Berlin 1839, S. 73–76 (Wikisource)

Kategorie:Ort im Altmarkkreis Salzwedel Kategorie:Ersterwähnung 1308