Die Leusden war ein Sklavenschiff der Niederländischen Westindien-Kompanie (WIC), das 1738 vor der Küste von Suriname unterging. Hierbei starben ungefähr 664 Sklaven und damit mehr als in jedem anderen derartigen Unglück in der maritimen Geschichte der Niederlande. Dabei spielte besonders die Brutalität der Besatzung gegenüber den eingesperrten Opfern eine große Rolle.Die Geschichte des Schiffes war bis zur Publikation von Leo Balai über das Schiff nicht bekannt. Deshalb sind alle Angaben seiner wissenschaftlichen Qualifizierungsschrift entnommen worden. Andere Publikationen zum Schiff sind bisher (16. Februar 2014) nicht bekannt.

Mit der hohen Anzahl von neun vollendeten Reisen der Leusden im atlantischen Dreieckshandel fällt sie ebenfalls aus dem Rahmen. Diese Fahrten wurden alle als Sklaventransporte absolviert, was für kein anderes Schiff dokumentiert ist. Erst auf der zehnten Reise, 18 Jahre nach dem Bau, ging das Schiff durch Strandung aufgrund eines Navigationsfehlers verloren. Eine weitere Besonderheit der Leusden war, dass sie von Anfang an und als einziges Schiff der WIC als Sklaventransporter konzipiert, gebaut und eingesetzt wurde. Andere Schiffe der WIC wurden erst nachträglich umgebaut beziehungsweise später wieder rückgebaut, um für andere Verwendungen geeignet zu sein.

Daten zum Schiff mini|Technische Zeichnung und perspektivische Darstellung der von Gerbrand Slegt 1723 gebauten Wageningen zu 131 voet (37,1 m) Länge und 36 Kanonen mini|Technische Zeichnung von Paulus van Zwijndregt aus Rotterdam eines 120 voet (33,9 m) langen Fregattschiffes

Am 25. Oktober 1718 beschloss die Unternehmensführung der WIC, die Heren Tien (die zehn Direktoren der aus fünf Kammern bestehenden WIC), dass für die Fahrten des Jahres 1719 ein neues Schiff notwendig sei.Balai: Leusden. S. 125. Damit wurde die Kammer Amsterdam beauftragt.Für 1719 wurden mindestens fünf Touren beschlossen. Davon sollte die Kammer Amsterdam, nach einem festen Verteilerschlüssel unter den einzelnen Kammern, die dritte und fünfte Tour ausführen. Für die dritte Tour sollte ein neues Schiff entweder angekauft oder selbst gebaut werden. Balai: Leusden. S. 125. Der Schiffbaumeister Jan Gerbrandse Slegt (ca. 1677–1739) reichte das niedrigste Gebot ein und erhielt den Zuschlag.Es wurde der Mindestanbieter gewählt. Slegt bot 20.000 Gulden unter der Bedingung, dass die Companie das ganze Eisenwerk (Nägel, Bänder, Bolzen) selbst stellte. Balai: Leusden. S. 125, N. 384, N 385. Auf der Werft De Eendracht auf Kattenburg begann am 14. März 1719 mit der Kiellegung der Bau des Schiffes. Slegt baute 1723 bis 1725 für die Admiralität Amsterdam insgesamt acht Kriegsschiffe in der Größe von 36 bis 72 Kanonen.J. R. Bruijn: De Admiraliteit van Amsterdam in rustige Jaren 1713-1751. Regenten en financien, schepen en zeevarenden. Amsterdam 1970, S. 169–171. Von der mit 131 voet (37,1 m)Hier wird der im niederländischen Schiffbau häufig verwendete Amsterdamer Fuß verwendet. Dieser setzt sich aus 11 Daumen zusammen. Die Länge des Amsterdamer Fußes wird mit 0,283 m angegeben. etwas größeren Wageningen haben sich mehrere Darstellungen auf einem Blatt erhalten.Von diesen Schiffen sind die Pläne in der Universitätsbibliothek Utrecht erhalten. Auf der Zeichnung der Meervliet befindet sich die Aufschrift: „door Gerbrant Slegt en slegt uytgevallen“ (A. J. Hoving, A. A. Lemmer: In tekening gebracht. Amsterdam 2001, S. 32; deutsch: durch Gerbrand Slegt und schlecht ausgefallen). Sie geben einen Eindruck, wie die von diesem Schiffbaumeister gebauten Schiffe aussahen. Die Wageningen erfüllte die in sie gesetzten Erwartungen und bewies dies auf einem Kriegszug eines niederländischen Geschwaders gegen die nordafrikanischen Barbareskenstaaten 1724 im Mittelmeer.Bruijn: Admiralität van Amsterdam. S. 28. Die ersten schiffbautechnischen Zeichnungen moderner Form waren durch Paulus van Zwijndrecht (1681–1749) in den Niederlanden zu eben jener Zeit eingeführt worden. Von diesen Zeichnungen hat sich eine für ein Fregattschiff zu 120 voet (33,9 m) Länge erhalten. Dieses Schiff sollte mit fast 33,5 voet (9,5 m) anderthalb voet (fast 0,5 m) breiter werden. Dagegen sind die Maße für die Raumtiefe und die Zwischendeckshöhe identisch (also 15 7/11 voet, 6 1/11 bzw. 6 5/11 voetDie Brüche bedeuten 7 duimen (Daumen) des Amsterdamer Fußmaßes mit 11 Daumen, also 6 von 11. Die Raumtiefe ist demnach 4,42 m, die Zwischendeckshöhe 1,86 m. Balai: Leusden. S. 277.). Diese Zeichnung gibt einen Eindruck, wie auch die Leusden ausgesehen haben könnte, denn eine Darstellung des Schiffes ist nicht bekannt. Weitere technische Details sind ebenfalls nicht bekannt, sodass die Endabrechnung zum Bau des Schiffes nur allgemeine Informationen zum Schiff liefern kann. Dazu zählen auch die Beiboote. Die Leusden erhielt danach ein Boot mit 28 voet (7,9 m) Länge, 9 voet (2,5 m) Breite und eine Schaluppe mit 26 voet (7,3 m) Länge und 6 ½ voet (1,8 m) Breite für 300 fl.Balai: Leusden. S. 284. Zur Selbstverteidigung hatte die Leusden zwölf Geschütze an Bord: zwei Achtpfünder, vier Sechspfünder, zwei Vierpfünder und vier Dreipfünder.Balai: Leusden. S. 130. Nach dieser Abrechnung hatte sie auch 8 Anker und zwei Draggen für 1.524 fl als Ausrüstung erhalten.Balai: Leusden. S. 283.

Der Bau mit Ausrüstung kostete 53.094 Gulden (fl)Balai: Leusden. S. 126; Die komplette Abrechnung ist als Anlage 9, S. 282–284, beigefügt. Darin sind alle Empfänger der unterschiedlichen Gewerke mit ihren Beträgen aufgelistet. Der scheepstimmerman Slegt erhielt zu diesen drei Terminen zweimal 7.000 und einmal 6.000 Gulden. und wurde, wie üblich, in drei Terminen ausbezahlt: zum ersten bei Kiellegung, die zweite Rate zum Stapellauf und die letzte Rate, als das Schiff übergeben wurde. Außerdem wurden noch zusätzliche Arbeiten für den Aufenthalt in tropischen Gewässern und größere Vorratskammern mit 4.565 fl bezahlt. Diese Arbeiten werden verdubbelen genannt und umfassen das Aufbringen einer zweiten Außenhaut im Bereich des Unterwasserschiffes. Diese zweite Plankenlage ist auch mit einem Anstrich aus Teer verbunden und soll den Bewuchs und den Befall durch Schiffsbohrwurm verhindern.

Das Schiff ist wahrscheinlich nach der Ortschaft Leusden benannt, zu dieser Zeit eine Herrlichkeit im Eemland. Eigentümer war Cornelis Bors van Waveren (1662–1722), der Schöffe von Amsterdam, Direktor der Sozietät von Suriname und seit 1693 Bewindhebber der WIC. In dieser Funktion war er einer der Auftraggeber für den Bau des Schiffes.Balai: Leusden. S. 91, 127. Nach der ersten Reise, die fast anderthalb Jahre dauerte, wurde das Schiff für 12.977 fl erneuert und ausgebaut. Die Erneuerung der Außenhaut wurde wieder durch Gerbrand Slegt für 1.229 fl ausgeführt. Der größere Betrag von 6.683 fl ging auf die Erneuerung der Takelage. Nach der achten Reise wurde das Schiff auf Kosten der Kammer Stad en Lande (alte Bezeichnung für die Stadt Groningen und die Ommelanden) für 19.980 fl erneuert.

Die Konstruktion der Leusden muss so überzeugend gewesen sein, dass neun weitere Schiffe nach demselben Zerter bestellt wurden.

Fahrten Eine Besonderheit des Schiffes waren die vielen Sklavenfahrten. Während andere Schiffe der WIC neben den Sklavenfahrten auch andere Routen mit Handelsware befuhren oder als sogenannte kruiser auf Schmugglerjagd gingen, blieb die Leusden mit zehn Touren und ausschließlich Sklaven eine Ausnahme in Bezug auf die Anzahl der Reisen und Lebenszeit des Schiffes.Balai: Leusden. S. 98. Auf alle Touren gerechnet, überlebten nur 73 % der Sklaven diese Überfahrten.

Reisedaten Abfahrt Stationen Ziel Reisedauer Kapitän Sklaven Tote Überlebende Verkaufspreis 26. Dezember 1719 – 8. Juni 1721 Texel Elmina, Loango, St. Eustatius Texel 530 Tage Jacob Thijl 465 59 +3 Besatzung 406 unbekannt 15. Januar 1722 – 6. März 1723 Texel Elmina, St. Eustatius Texel 429 Tage Pieter Ras 562 91 471 -10 kurz nach Ankunft 90.440 flBalai: Leusden. S. 149. 5. August 1725 – 7. Juni 1726 Texel Elmina, Fida, Berbice, St. Eustatius Texel 409 Tage Pieter Ras 605 74 531 126.260 flBalai: Leusden. S. 155. 5. August 1725 – 7. Juni 1726 Texel Elmina, St. Eustatius Texel 306 Tage Jan Schamp 747 71 676 -5 kurz nach Ankunft 165.633 flBalai: Leusden. S. 160. 30. Januar 1727 – 22. Mai 1728 Texel Elmina, Accra, Elmina, Suriname Texel 478 Tage Jan Schamp 748 +25 vor Abfahrt verstorben 41 682 -10 kurz nach Ankunft 147.890 flBalai: Leusden. S. 167. 21. März 1729 – 17. April 1730 Texel Elmina, Jaquin, Suriname Texel 392 Tage Simon Ovens 708 72 636 -7 kurz nach Ankunft 170.067,5 fl für 627 verkaufte SklavenBalai: Leusden. S. 169. 1. Oktober 1730 – 23. Februar 1732 Texel Elmina, Accra, Jaquin, Suriname Texel 510 Tage Bruijn Harmensz 629 76 553 -2 kurz nach Ankunft 141.520 flBalai: Leusden. S. 171. 6. Juli 1732 – 14. November 1733 Texel Elmina, Hollandia, Elmina, Appa, Suriname Texel 496 Tage Adries Graan 713 41 672 -11 kurz nach Ankunft 180.810 fl 5. August 1734 – 16. Juni 1736 Texel Elmina, Appa, Chama, Elmina, Appa, Suriname Texel 680 Tage (mit 122 Tagen die längste Afrika-Amerika Reise) Daniel te Velde 687 -42 vor Abfahrt verstorben 367 280 -51 kurz nach Ankunft 226 Sklaven verkauft für 48.645 flBalai: Leusden. S. 179. 10. März 1737 – 1. Januar 1738 Texel Elmina, Accra, Elmina Untergang vor Suriname 296 (mit 44 Tagen die kürzeste Afrika-Amerika Reise) Lodewijk Lodewijksz bzw. Joachim Outjes (auch: Aukens) 700? 716? 20? während der Überfahrt, 664 Sklaven nach Strandung Besatzung und 16 Sklaven 16 Sklaven verkauft für 4.140 fl

mini|Niederländische und englische Sklavenschiffe vor der niederländischen Karibikinsel St. Eustatius, 1763. Diese Insel fuhr die Leusden bei ihren ersten vier Reisen als Ziel an.

Bis zur vierten Reise war das Ziel St. Eustatius. Da aber die WIC 1727 beschloss, dort keine Sklaven mehr zu verkaufen, wurde ab der fünften Reise die Kolonie Suriname als Ziel angewiesen. Dort konnte die WIC ihre Sklaven zu noch höheren Preisen absetzen. Aber die Gründe für den Wechsel werden in der Forschung unterschiedlich bewertet.

Neben den üblichen Problemen auf diesen Reisen wurden nur drei Zwischenfälle bekannt. Zu den normalen Problemen gehörten Schwierigkeiten, das Schiff mit einer ausreichenden Besatzung zu versehen und genug Sklaven aufzukaufen. Andere mögliche Hindernisse, wie Stürme oder Flauten, Seuchen oder Versorgungsprobleme sind nicht bekannt. Auf der fünften Reise griffen zwei portugiesische Schiffe an der Küste des heutigen Liberia am 17. März 1727 die vor Anker liegende Leusden und die sie seit Texel begleitende s' 'Graveland an. Während die Leusden alle Segel setzte und entkam, ergab sich die kleinere s' Graveland. Die Portugiesen waren mit je 40 bis 50 Geschützen viel stärker bewaffnet, sodass ein Gefecht aussichtslos erschien. Trotzdem wurde ein internes Untersuchungsverfahren von Seiten der WIC angestrengt. Besonders der Kapitän der Leusden musste sich als Befehlshaber beider Schiffe verantworten und wurde zusammen mit dem anderen Kapitän, Adriaan van der Parre, aus dem Dienst entlassen.Balai: Leusden. S. 184–186.

Es sind nur zwei größere Sklavenaufstände überliefert, einer während der sechsten Reise, was aber nur aus Briefen der Verwaltung der WIC bekannt wurde, und ein zweiter während der siebten Reise. Dabei wurden fünf Besatzungsmitglieder getötet. Die Anzahl der Opfer unter den Aufständischen ist unbekannt. Einer wurde noch auf dem Schiff zum Tode verurteilt, ein weiterer erst in Suriname unter Folter ohne Ergebnis befragt und später verkauft.Balai: Leusden. S. 187–190.

Der Untergang mini|Auf dem Kartenausschnitt aus 1853 zeigt die Pfeilspitze in etwa auf eine der Sandbänke, die Tijgerbank, wo die Leusden 1738 gesunken sein könnte.