mini|120px|right|Wappen der Stadt Paderborn Die Geschichte der Stadt Paderborn beschreibt die Entwicklung der ostwestfälischen Stadt Paderborn von ihren Anfängen als Siedlung im Bereich der Paderquellen über die Errichtung einer Kaiserpfalz durch Karl den Großen und die historische Bedeutung als Bischofssitz bis zur heutigen Groß- und Kreisstadt.
Vor- und Frühgeschichte Einzelne Siedlungsfunde im Paderborner Land lassen sich ab Ende der Altsteinzeit und der zurückgehenden Vergletscherung mit Ausklingen der Eiszeiten nachweisen. Es gibt mehrere Fundstätten von mittelsteinzeitlichen Lagerplätzen, größeren Erdwerken und jungsteinzeitlichen Steinkistengräbern, außerdem bronzezeitliche Hügelgräber und feste Wohnplätze mindestens seit der vorrömischen Eisenzeit. In der Römerzeit gehörte Paderborn generell zum Siedlungsbereich der Westgermanen und damit über die Jahrhunderte zum Gebiet verschiedener Stämme. Zur Zeit des römischen Nachschublagers nahe Anreppen einige Kilometer westlich, das im Jahr 4 n. Chr. angelegt und in der Folge der römischen Niederlage in der Varusschlacht nur wenige Jahre bestand, waren dies die BruktererJörg Jarnut: Langobarden in Paderborn? WZ 138 1986, S. 228. Digitalisat.. Aufgrund logistischer Überlegungen zu Marschweiten, Wasserversorgung und Verbindungen zu Pässen gilt als unwahrscheinlich, dass dieses Lager das östlichste Römerlager entlang der Lippe war. Es wird eher angenommen, dass sich ein oder mehrere weitere, noch unentdeckte Lager nahe den Quellen der Lippe oder der Pader im Raum Paderborn befunden haben.
Am 23. Juni 2023 gab der Landschaftsverband Westfalen-Lippe bekannt, dass bei Ausgrabungen am St. Johannisstift durch Funde von Amphorenfragmenten und von römischen Feldbacköfen, wie sie bisher nur in römischen Marschlagern gefunden wurden, ein sicherer Hinweis für ein römisches Marschlager unter dem Riemekeviertel gefunden worden sei. Holzkohlestücke aus den Feldbacköfen wurden mit der Radiokarbonmethode auf die Zeit um Christi Geburt datiert.LWL-Pressemitteilung: Ein Augusteisches Marschlager in Paderborn?, besucht am 27. Juni 2023.
Die große mittelalterliche Handwerkersiedlung Balhorn entlang der Alme im Westen der Stadt (Balhorner Feld, heute zwischen dem Stadtzentrum und dem Stadtteil Wewer), am Schnittpunkt von Hellweg und Frankfurter Weg (Via Regia), existierte bis zu ihrem Niedergang wahrscheinlich mindestens seit der Zeit um Christi Geburt. Zur Zeit der Völkerwanderung etwa von 300–600 kam es bis auf wenige Ausnahmen zum Abbruch der Siedlungskontinuität und zum Wüstfallen einzelner germanischer Siedlungen im Raum Paderborn.
Frühmittelalter miniatur|380px|center|Stadtansicht Paderborns aus südwestlicher Richtung. Von links: Abdinghofkirche, Westerntor, Marktkirche St. Pankratius (1784 abgerissen), Dom, Gaukirche, Jesuitenkolleg, Busdorfkirche. Kupferstich von Matthäus Merian aus dem Jahr 1647 nach einer Vorlage aus dem Jahr 1629. Chronologische Übersicht Die Handwerkersiedlung Balhorn existierte wahrscheinlich bereits seit der Zeit um Christi Geburt. etwa 300–600: bis auf wenige Ausnahmen Abbruch der Siedlungskontinuität 7. Jahrhundert: Etablierung der von Norden eindringenden Sachsenstämme. 772: Beginn der fränkischen Sachsenkriege, Einfall Karls des Großen in das Gebiet der Engern. 776: Aufenthalt Karls des Großen in Paderborn. Begründung der Pfalz und der Karlsburg. 777: Erster Reichstag und Missionssynode unter Karl dem Großen.Erste offizielle Namensnennung der Siedlung an den Paderquellen (patris brunna). 780, 782, 783, 785, und 799: Weitere Reichsversammlungen Karls. 794: Eingliederung des Landes in das Frankenreich. 799: Treffen von Papst Leo III. und Karl dem Großen auf der Paderborner Pfalz. Beschluss der Kaiserkrönung Karls (im Jahr 800 in Rom).Gründung des Bistums Paderborn.Baubeginn der ersten Vorgängerkirche des heutigen Doms. 806: Der Sachse Hathumar wird erster Bischof von Paderborn. Vergrößerung des Doms und erstmalige gemauerte Befestigung um die Siedlung in Domnähe, die „Domfreiheit“. 815: Reichsversammlung in Paderborn unter Kaiser Ludwig dem Frommen: Konstitution des neuen Bistums Hildesheim. Gunthar von Hildesheim wird erster Bischof von Hildesheim. 822: Verleihung des Münzrechts durch Ludwig dem Frommen an das Bistum Paderborn unter Bischof Badurad. 836: Reliquien des heiligen Liborius von Le Mans nach Paderborn überführt. Beginn der ältesten Städtepartnerschaft in Europa. 843: Nach der Aufteilung des Fränkischen Reiches im Vertrag von Verdun gehört Paderborn zum ostfränkischen Reich unter Ludwig dem Deutschen und wird in diesem späteren Alten Reich Hauptstadt des gleichnamigen Hochstiftes. 924: Ungarn können Paderborn nicht einnehmen.Bildung einer Bürgerwehr zur Stadtverteidigung. 1000: Großer Stadtbrand, die Pfalz und der frühe Dom werden zerstört. 1002: Krönung von Kunigunde von Luxemburg (Gemahlin von Heinrich II.) zur Königin. 1009–1015: Neubau des Paderborner Doms unter Meinwerk (Bischof bis 1036).Gründung des Benediktinerklosters Abdinghof (1019) und des Stiftes Busdorf.Bau des Bischofspalastes und der Bartholomäuskapelle.Erneuerung der Befestigungen von Hathumars karolingischer Burgstadt und Bürgerstadt. 1011: Entlassung aus der weltlichen Abhängigkeit von Mainz und Erhebung zum reichsunmittelbaren Bistum. 1028: Erste urkundliche Erwähnung Paderborns als Stadt. 1051–1076: Weiterbau des Doms unter Bischof Imad. 1058: Zweite große Feuersbrunst zerstört fast die ganze Stadt. 1133: Dritter großer Stadtbrand. 1146: Die äußere Stadtbefestigung existiert in der Ausdehnung des heute noch sichtbaren Kernrings. 1165: Großer Brand im Westen der Stadt, Neubau von Marktkirche und Abdinghof. 1222: Älteste erhaltene Urkunde mit einem Stadtsiegel. 1222: Revolte der Bürger gegen die Bischofsherrschaft. 1225: König Heinrich VII. schränkt die Macht des bischöflichen Grafen stark ein und gewährt der Bürgerschaft Privilegien. 1241: Endgültige Festlegung des Stadtnamens „Paderborn“. 1247: Erstmalige Verleihung des Titels „Fürstbischof“ an Bischof Simon I. zur Lippe (bis 1277) durch den Kaiser. 1254: Erste Erwähnung als Hansestadt 1275: Zeitweise Verlegung des Bischofssitzes nach Neuhaus. 1279: Erste Erwähnung eines Rathauses. 1289: Großer Stadtbrand. 1295: Erste urkundliche Erwähnung als Mitglied der Hanse. 1327: Bekräftigung des Rechts auf freie Ratswahl durch Bischof Bernhard V. 1340: Großer Stadtbrand. 1341–1361: Dezimierung der Stadtbevölkerung durch die Pest. 1370: Endgültige Verlegung der Residenz des Fürstbischofs nach Schloß Neuhaus. 1449: Friedensschluss mit dem Kurfürstentum und dem Erzbistum Köln. 1471: 33 Jahre währender Friedensschluss mit dem Landgrafen von Hessen. 1474: Feldzug gegen Graf Otto von Waldeck nach dessen Raubzügen im Bistum (Plünderung von Lichtenau), 1475: Friedensschluss mit Waldeck. 1506: Großer Stadtbrand, Beschluss zum Bau einer künstlichen Wasserversorgung. 1523: Fertigstellung von Pumpstation und Leitungen. Erstes eigenes Leitungsnetz. 1525: Reformation: Paderborn wird mehrheitlich evangelisch. 1528: Aufruhr in der Domfreiheit. Fraktionierungen und bürgerkriegsähnliche Revolten unter der Bevölkerung bis 1604. 1555: Gesetzliche Anerkennung des neuen Glaubens. 1571: Paderborn hat etwa 5.400 Einwohner. 1580: Beginn der Gegenreformation; das Domkapitel holt die Jesuiten nach Paderborn. 1604: „Kampf um Paderborn“: Hinrichtung des protestantischen Bürgermeisters Liborius Wichert. Verlust der Selbständigkeit an den katholischen Fürstbischof. 1612: Gründung des Theodorianum. 1613–1618: Neubau des heutigen Rathauses im Stil der Weserrenaissance. 1614: Gründung der Jesuitenuniversität. 1618: Nachweislich 300 brauende Bürger in der Stadt. 1622: Raub und Einschmelzung des Liborischreins durch Christian von Braunschweig. 1627: Rückgabe der Liborireliquien. 1630: Verfassen der „Cautio Criminalis“ gegen den Hexenwahn durch Friedrich von Spee im Paderborner Jesuitenkolleg. 1646: Schleifung durch Hessische und Schwedische Truppen unter Feldmarschall Wrangel. 1651: Abschluss der Reparatur der Kriegsschäden an der Stadtbefestigung. 1652: In der Schänke am Eckkamp Nr. 66 wird erstmals Sechsundsechzig gespielt, weshalb das Spiel auch unter dem Namen Paderbörnern bekannt ist. 1658: Gründung des Michaelsklosters. Älteste Mädchenschule in NRW. 1661: Beginn des Baus der Franziskanerkirche. 1661–1683: Herrschaft von Bischof Ferdinand von Fürstenberg. 1686: Beginn des Baus der Michaelskirche.
1802/03: Das Hochstift fällt infolge der Säkularisation an Preußen; der Fürstbischof verliert sein weltliches Amt als Fürst. 1803/04: Friedrich Sertürner, Apotheker aus Neuhaus, isoliert in einem Haus am Marktplatz erstmals Morphin aus Opium. 1806: Kampflose Einnahme der Stadt durch napoleonische Truppen, offizielles Verbot der Bürgerwehr. 1807–1813: Zugehörigkeit zum napoleonischen Königreich Westphalen. 1809: Beginn der Jahrzehnte dauernden Abtragung der Schanzenanlagen vor den Stadttoren. 1815: Zugehörigkeit zu Preußen nach Wiener Kongress 1816: Paderborn wird Sitz eines Kreises. 1818: Auflösung der Universität Paderborn durch die preußische Regierung. 1820: Paderborn wird Garnisonsstadt. 1825: Einführung einer Berufspolizei. 1831: Neugründung der Bürgerwehr als Bürger-Schützen-Verein. 1850: Eröffnung der Eisenbahnstrecke der Königlich-Westfälischen Eisenbahn-Gesellschaft Richtung Hamm. 1853: Durchgängige Eröffnung der Eisenbahnstrecke Hamm–Paderborn–Kassel. 1854: Bau einer Gaserzeugungsanstalt, ab 1855 gasbetriebene Straßenbeleuchtung. 1863: Die Abdinghofkirche wird der evangelischen Gemeinde zugewiesen. 1875: „Ükernbrand“ – ein Großfeuer vernichtet den Stadtbereich Ükern und greift auch auf den Dom über. 1879: Eingliederung des Weilers Dören (Gemeinde Benhausen). 1881: König Wilhelm I. von Preußen überträgt die Stadtmauer aus Staatsbesitz kostenlos an die Stadt. 1890: Erste Anlage des Truppenübungsplatzes Senne/Sennelager. 1898/1902/1906: Eröffnung der Eisenbahnstrecken in Richtung Büren (Westfalen) (Almetal-Bahn), Bielefeld (Senne-Bahn) und Bad Lippspringe. 1909: Gründung der Paderborner Elektrizitäts- und Straßenbahn-Aktiengesellschaft (PESAG). 1930: Bistum Paderborn wird Erzbistum. Seither Sitz der Mitteldeutschen Kirchenprovinz (Erzbistum Paderborn). 1939: Paderborn hat 42.490 Einwohner, nach dem Krieg noch 29.033. 1945: Paderborn wird insbesondere am 17. Januar und 27. März zu über 85 % durch alliierte Luftangriffe zerstört. 1946: Gründung der Pädagogischen Hochschule (als Pädagogische Akademie). 1964: Beginn der Ausgrabungen der karolingischen und ottonischen Kaiserpfalzen. 1965: Anschluss an das Erdgasnetz. 1967: Offizielle Besiegelung der seit 836 bestehenden Städtefreundschaft mit Le Mans. 1969: Eingliederung der Gemeinden Marienloh und Wewer. 1971: Gründung der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen, (kurz: KFH, heute KatHO), Abt. Paderborn an der Leostraße 19 (aus d. Höh. FS für Sozialwesen Meinwerk-Institut, ggrd. 1956). Mit Standorten in Münster, Köln (Sitz) und Aachen heute größte FH/HAW in kirchl. Trägerschaft Deutschlds., in PB 1tds Studierende v.a.d. Sozialen Arbeit. 1972: Neugründung der Universität Paderborn, die Pädagogische Hochschule wird zur Gesamthochschule unter Zusammenführung der Fachhochschulen Paderborn, Höxter, Meschede und Soest. Heute studieren hier rund 20000 Studierende. 1975: Bau des Diözesanmuseums.Gebietsreform: Durch Zusammenschluss mit weiteren Gemeinden wird Paderborn zur Großstadt. 1977: Große 1200-Jahr-Feier, Beginn des Wiederaufbaus der ottonischen Kaiserpfalz. 1981: Bau der Paderhalle.Während des Kalten Krieges war die Stadt auch Garnison der 33. britischen Panzerbrigade (Armoured Brigade). 1994: 4. Landesgartenschau NRW am Schloß Neuhaus. 1996: Besuch von Papst Johannes Paul II. 1999: Feier des Bistumsjubiläums und des 1200-jährigen Jubiläums des Treffens von Karl dem Großen und Papst Leo III.