mini|hochkant|Jean-Marc Aveline (2021) mini|hochkant|Kardinalswappen Jean-Marc Noël Kardinal Aveline (* 26. Dezember 1958 in Sidi Bel Abbès, Algerien) ist ein französischer römisch-katholischer Geistlicher, Dogmatiker und Erzbischof von Marseille.

Leben Jean-Marc Aveline wurde am 26. Dezember 1958 in Sidi Bel Abbès in Algerien, das damals noch eine französische Kolonie war, geboren. Nach dem Unabhängigkeitskrieg zog seine Familie 1966 nach Marseille. Sein Vater arbeitete für die französische Staatsbahn SNCF, sodass die Familie in einer ihrer Unterkünfte in Saint-Barthélemy wohnte. Jean-Marc Aveline besuchte zunächst das Lycée Victor-Hugo und anschließend das prestigeträchtige Lycée Thiers. Er trat 1977 ins interdiözesane Seminar von Avignon ein und studierte Philosophie sowie Theologie am Institut catholique de Paris, an der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne, der Universität Paris IV sowie der Sorbonne. Am 3. November 1984 empfing er das Sakrament der Priesterweihe für das Erzbistum Marseille.

Von 1986 bis 1991 war er Professor für dogmatische Theologie und Studienleiter am interdiözesanen Seminar in Marseille sowie Gemeindepfarrer in Saint-Marcel in Marseille. Von 1987 bis 2007 wirkte er als Bischofsvikar für die Weiterbildung und die universitäre Forschung und war Mitglied des Pastoralteams der Pfarrei Saint-Pierre-Saint-Paul. Zudem leitete er von 1991 bis 1996 die diözesane Berufungspastoral und war Diözesanbeauftragter für die Seminaristen. 1992 war er Gründungsdirektor des Institut de sciences et théologie des religions (ISTR) in Marseille, ein Amt, das er bis 2002 innehatte. Von 1995 bis 2013 war er Direktor des Institut Saint-Jean, das 1998 zum Institut catholique de la Méditerranée (ICM), einer mit der Katholischen Universität Lyon assoziierten Organisation, wurde. An der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität Lyon lehrte er von 1997 bis 2007.

2007 wurde Jean-Marc Aveline Generalvikar der Erzdiözese Marseille. Von 2008 bis 2013 war er Konsultor des Päpstlichen Rats für den Interreligiösen Dialog.

Papst Franziskus ernannte ihn am 19. Dezember 2013 zum Titularbischof von Simidicca und Weihbischof in Marseille. Die Bischofsweihe spendete ihm der Erzbischof von Marseille, Georges Paul Pontier, am 26. Januar des folgenden Jahres in der Kathedrale La Major. Mitkonsekratoren waren die emeritierten Erzbischöfe von Marseille, Roger Kardinal Etchegaray und Bernard Kardinal Panafieu.

Er war Mitglied des Ausschusses für Studien und Projekte der Französischen Bischofskonferenz (2016–2017) und Präsident des Rates für interreligiöse Beziehungen und neue religiöse Strömungen (2017–2018).

Papst Franziskus ernannte ihn am 8. August 2019 zum Erzbischof von Marseille. Die Amtseinführung fand am 15. September desselben Jahres statt. Sein Wahlspruch Fiat mihi secundum verbum tuum (deutsch: Mir geschehe nach deinem Wort) stammt aus dem Lukasevangelium ().

Am 8. Juli 2020 berief ihn Papst Franziskus zum Mitglied des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog (seit 2022: Dikasterium für den Interreligiösen Dialog) und am 13. Juli 2022 zum Mitglied des Dikasteriums für die Bischöfe. Diese Mitgliedschaft wurde am 14. Februar 2026 bestätigt.

Im Konsistorium vom 27. August 2022 nahm ihn Papst Franziskus als Kardinalpriester mit der Titelkirche Santa Maria ai Monti in das Kardinalskollegium auf. Die Besitzergreifung seiner Titelkirche fand am 23. April 2023 statt.

Im September 2023 empfing Kardinal Aveline Papst Franziskus bei dessen Auslandsreise in Marseille. Am 2. April 2025 wurde er in Lourdes zum neuen Präsidenten der Französischen Bischofskonferenz gewählt, seine dreijährige Amtszeit begann am 1. Juli desselben Jahres.Kardinal Aveline von Marseille ist neuer Präsident der französischen Bischofskonferenz, Catholic News Agency, 4. April 2025

Kardinal Aveline nahm am Konklave 2025 teil, das Leo XIV. wählte. Im Vorfeld der Wahl zählte er selbst zu den in den Medien häufig als möglicher Nachfolger des verstorbenen Papstes Franziskus Genannten.

Am 28. August 2025 ernannte ihn der Papst zum Mitglied des Dikasteriums für den Klerus und am 30. Juni 2026 zum Mitglied der Sektion für die Erstevangelisierung und die neuen Teilkirchen des Dikasteriums für die Evangelisierung.

Ehrungen und Auszeichnungen 2018 – Ordre national du Mérite (Ritter) 2022 – Ehrenlegion (Ritter)

Schriften L’enjeu christologique en théologie des religions : le débat Tillich-Troeltsch , Verlag Cerf 2003, ISBN 978-2-204-07039-3 Le guide de la transmission du patrimoine , Eyrolles Group 2006, ISBN 978-2-7081-3467-6 mit Christian Prisco-Chreiki: Gestion du patrimoine, Eyrolles Group 2007, ISBN 978-2-212-53808-3 Humanismes et religions: Albert Camus et Paul Ricoeur, Lit Verlag 2014, ISBN 978-3-643-90453-9 François d’Assise et de Marseille, Chemins de dialogue 2016, ISBN 979-10-93441-07-8 mit Henry Fautrad: Musulmans : comprendre, rencontrer, aimer : essai pastoral pour un témoignage chrétien auprès des musulmans, Verlag Editions Emmanuel 2018, ISBN 978-2-35389-682-0 Jean-Louis Tauran : le courage et la liberté, Chemins de dialogue 2019, ISBN 979-10-93441-21-4 Bonjour Marseille!, Chemins de dialogue 2020, ISBN 979-10-93441-25-2

Literatur Michael Quisinsky: Der Mittelmeerraum als Theologie-Laboratorium. Der französische Kardinal Jean-Marc Aveline als innovativer Theologe. In: Herder Korrespondenz, Jg. 76 (2022), Heft 12, S. 32–35.

Weblinks

Biografie auf der Website der Französischen Bischofskonferenz

Einzelnachweise

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