Der Purpur-Enzian (Gentiana purpurea) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Enziane (Gentiana) innerhalb der Familie der Enziangewächse (Gentianaceae).
Beschreibung mini|links|Illustration aus The botanist's repository, for new and rare plants, Tafel 117 mini|Habitus, Laubblätter und Blüten mini|Blütenstand mini|Fruchtstände
Vegetative Merkmale Der Purpur-Enzian wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 20 bis 60 Zentimetern. Der aufrechte und unverzweigte Stängel ist sehr kräftig und hohl.
Die Laubblätter sind kreuzgegenständig am Stängel angeordnet. Die unteren Laubblätter sind gestielt, die oberen sitzend. Die einfache, glänzend grüne Blattspreite ist bei einer Breite von 3 bis 7 Zentimetern eilanzettlich, mit meist fünf bogigen Hauptnerven.
Generative Merkmale Die Blütezeit erstreckt sich je nach Standort von Juli bis September. Die Blüten sitzen einzeln bis zu dritt in den oberen Blattachseln und sind zuoberst kopfig gehäuft.
Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch mit doppelter Blütenhülle. Die Kelchblätter sind verwachsen. Die Blütenkronen sind purpurrot mit dunklen Punkten und innen gelblich, selten ganz hellgelb oder weiß. Die 2,5 bis 4 Zentimeter lang Kronblätter sind auf etwa zwei Drittel ihrer Länge glockenförmig verwachsen. Die Krone trägt auf den Innenseite meist grüne Längsadern. Die fünf bis acht Kelchzipfeln sind aufrecht und breit-oval. Zwischen den Staubfäden sitzen fünf bis sechs getrennte Nektardrüsen.
Die sitzende Kapselfrucht ist ellipsoid. Die braunen Samen sind 3 bis 3,5 Millimeter lang sowie 2,5 bis 3 Millimeter breit und ringsum geflügelt; sie wiegen nur 0,00048 Gramm.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 40.
Ökologie Der Purpur-Enzian braucht winterlichen Schneeschutz. Die Blüten besitzen feinen Honigduft. Die Bestäubung erfolgt durch Hummeln.
Vorkommen Der Purpur-Enzian kommt vor allem in den Westalpen (bis zum Arlberg), im Apennin und in Skandinavien vor. Es gibt Fundortangaben für die Länder Frankreich, nördliches Italien, die Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Deutschland, Norwegen sowie Schweden. In Deutschland kommt er nur in kleinen Gebieten vor. Wie alle Enzian-Arten ist der Purpur-Enzian in Deutschland gesetzlich geschützt.
Er gedeiht am besten auf kalkarmen Böden. Er wächst in Höhenlagen von 1000 bis 2750 Metern. In den Allgäuer Alpen kommt er in Höhenlagen von 1180 bis 2200 Metern vor. Er ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Nardion-Verbands, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften des Verbands Caricion ferrugineae oder der Ordnung Adenostyletalia vor.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3w (mäßig feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 2 (subalpin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).
Verwechslungsmöglichkeiten Der Purpur-Enzian ist besonders dem Tüpfel-Enzian (Gentiana punctata) und dem Ostalpen-Enzian (Gentiana pannonica) ähnlich.
Taxonomie Die Erstveröffentlichung von Gentiana purpurea erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 227. Das Epitheton purpurea hatte Linné von Caspar Bauhins Pinax (1623) übernommen.
Nutzung Die unterirdischen Pflanzenteile werden für die Erzeugung von Enzianschnaps verwendet, gelten als die besten dafür.
Literatur Thomas Gaskell Tutin: Gentiana. In:
Einzelnachweise Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 333. Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3, Verlag Carl Hanser, München 1966. S. 1995–1997. Karol Marhold (2011+): Gentianaceae: Datenblatt Gentiana purpurea In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
Weblinks
Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
Kategorie:Enziane Kategorie:Alpenflora