mini|Französisches Feldbordell (Bordel militaire de campagne), Marokko, 1922 Militärprostitution ist Prostitution im Kontext mit dem Militärwesen in Friedenszeiten und im Krieg.
Geschichte In der Militärgeschichte erstreckt sich die Prostitution über Tross- und Lagerhuren des Mittelalters bis hin zu den Militärbordellen der Neuzeit.
20. Jahrhundert Seit den militärischen Expansionen Japans von 1904 bis 1920 wurden für die dort stationierten japanischen Soldaten der Kaiserlich Japanischen Armee japanische Frauen als Prostituierte ins Ausland verkauft; man geht von etwa 100.000 betroffenen Frauen aus.Antje Hilbig, Claudia Kajatin, Ingrid Miethe: Frauen und Gewalt: interdisziplinäre Untersuchungen zu geschlechtsgebundener Gewalt in Theorie und Praxis. Königshausen & Neumann, 2003.
Frankreich betrieb vom Ersten Weltkrieg bis zum Indochinakrieg regelmäßig militärische Bordelle, die Bordel militaire de campagne, danach nur mehr an ausgewählten Standorten der Fremdenlegion.
Auch die Frontsoldaten der Streitkräfte von Österreich-Ungarn und die des Deutschen Heeres nahmen die gewerbliche Prostitution in Anspruch. Der käufliche Sex an der Front erfolgte auf österreichisch-deutscher Seite in für Soldaten und Offiziere getrennten Bordellen, die von Militärärzten kontrolliert und teilweise vom Militär selbst betrieben wurden.
mini|Soldatenbordell, Brest, 1940 Während des Zweiten Weltkriegs richtete die deutsche Wehrmacht unter Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch ab Sommer 1940 in den besetzten Gebieten rund 500 Wehrmachtsbordelle ein, unter anderem in Frankreich, Polen, Italien und Norwegen.Angaben nach: Helke Sander/Barbara Johr (Hrsg.): Befreier und Befreite – Krieg – Vergewaltigung – Kinder. Frankfurt a. M. 2005, S. 65. Lothar-Günther Buchheim beschrieb seine Eindrücke aus Brest:Fortlaufende Nummer. Der Spiegel, 31. Oktober 1977 Für die deutschen Soldaten gab es eine Desinfektionsspritze in die Harnröhre. Es galt: Es gab auch Zwangsprostitution durch die deutsche Wehrmacht.Katharina Schiederig: Die Sexsklaverei der Achsenmächte. In: WeltTrends: Zeitschrift für internationale Politik, Jg. 14, H. 52, 2006, S. 119–131. .Thomas Gaevert, Martin Hilber: Frauen als Beute. Wehrmacht und Prostitution. ().
Das japanische Militär verschleppte etwa 200.000 Mädchen und Frauen im Alter von 11 bis 29 Jahren während des Zweiten Weltkriegs von 1937 bis 1945 aus ehemaligen Kolonien Japans, wie Korea und Taiwan und aus elf besetzten Ländern, wie China, den Philippinen und Indonesien, um sie als „Trostfrauen“ arbeiten zu lassen.Barbara Drinck (Hrsg.): Zwangsprostitution in Kriegs- und Friedenszeiten. Tagungsdokumentation, 2004 ().
Während des Vietnamkriegs (1955 bis 1975) bestand Militärprostitution in den US-amerikanischen Stützpunkten auf den Philippinen und in Thailand.
Das letzte französische Militärbordell im Mutterland wurde 1978 in Calvi auf Korsika geschlossen. Das letzte Militärbordell auf französischem Territorium wurde 1995 in Kourou in Französisch-Guayana aufgelöst, nachdem sich ein lokaler brasilianischer Zuhälter über die staatliche Konkurrenz beschwert hatte.Christian Benoit: L’armée a fermé son dernier bordel en 1995, In: Guerres & Histoire, Ausgabe Nr. 13, Juni 2013 (französisch). Im Fremdenlegionsstandort Dschibuti existierte ein vergleichbares Etablissement bis ins 21. Jahrhundert.
Bedeutung Militärprostitution ist in erster Linie darauf gerichtet, die Kampfmoral der Soldaten zu festigen und zu steigern. Durch den regulierten, institutionalisierten Zugang zu Geschlechtsverkehr in Militärbordellen sollen Desertionen, unkontrollierte sexuelle Feindkontakte, die Ansteckung der Soldaten mit Geschlechtskrankheiten, Homosexualität sowie die psychische Dekompensation verhindert werden.Udo Gerheim: Die Produktion des Freiers: Macht im Feld der Prostitution. Eine soziologische Studie. transcript Verlag, 2012.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Art der Prostitution Kategorie:Frauen und Militär Kategorie:Gewalt gegen Frauen