Quentin Fillon Maillet (* 16. August 1992 in Champagnole, Département Jura) ist ein französischer Biathlet. Mit insgesamt neun Medaillen ist er nach der Gesamtzahl der Medaillen der erfolgreichste französische Olympionike aller Zeiten.
Nach Erfolgen im Juniorenbereich debütierte Fillon Maillet 2013 im Weltcup, wo er 2015 erstmals auf dem Podest stand und 2018 sein erstes Einzelrennen gewann. Zwischen 2016 und 2024 errang er fünf Weltmeistertitel mit Staffeln. Im Winter 2022 wurde Fillon Maillet Olympiasieger im 20-Kilometer-Einzelrennen und in der Verfolgung. Zudem gewann er in der Saison 2021/22 den Gesamtweltcup, nachdem er zuvor dreimal in Folge den dritten Rang in dieser Wertung belegt hatte.
Werdegang Jugend- und Juniorenbereich (bis 2013) Mit vier Jahren begann Fillon Maillet, der in einer sportbegeisterten Familie in Saint-Laurent-en-GrandvauxChristian Lecomte: Quentin Fillon Maillet, le «morbac» du Jura aux cinq médailles. In: Le Temps [Genf], 19. Februar 2022, S. 18. Abgerufen am 26. April 2022 via ProQuest. nahe der Schweizer Grenze im Jura-Gebirge als ältestes von vier Geschwistern aufwuchs,Quentin Fillon-Maillet: portrait du sixième homme auf nordicmag.info. Erschienen im Dezember 2012 im Nordic Magazine, online veröffentlicht am 29. Januar 2014. Abgerufen am 1. April 2020. Quentins zwei Jahre jüngerer Bruder Jason nahm ebenfalls an den Juniorenweltmeisterschaften 2013 teil und erreichte dort als bestes Ergebnis einen 27. Rang. mit dem Skilaufen, wobei er zunächst von seinem Vater trainiert wurde. Die ersten Biathlon-Wettkämpfe bestritt er 2006, Erfolge im französischen Nachwuchsbereich ermöglichten ihm 2009 die Teilnahme am Europäischen Olympischen Winter-Jugendfestival und zwei Jahre später an den Jugendweltmeisterschaften in Nové Město na Moravě.Quentin Fillon Maillet, biathlète français auf skinordik.com. Erschienen am 28. Juni 2019. Abgerufen am 1. April 2020. Im Rahmen seines weiteren Aufstiegs debütierte er 2012 im IBU-Cup – der zweithöchsten Wettkampfserie im internationalen Biathlon – und gewann als Staffelläufer bei den Juniorenweltmeisterschaften 2013 und den Europameisterschaften im gleichen Jahr erste internationale Medaillen. Als Schlussläufer der französischen Junioren-Staffel trat er bei den Weltmeisterschaften in Obertilliach direkt gegen den neun Monate jüngeren norwegischen Schlussläufer Johannes Thingnes Bø an,Mirko Hominal: Dumont, Legrand, Chavoutier et Fillon Maillet en argent auf ski-nordique.net. Erschienen am 1. Februar 2013. Abgerufen am 1. April 2020. der 14 Sekunden vor ihm ins Ziel kam. Bei beiden Meisterschaften erreichte er auch in Einzelrennen Top-Ten-Resultate, so etwa im Sprint der Junioren-WM, als er beim Sieg des Russen Loginow Rang fünf belegte.
Erste Erfolge im Weltcup (2013 bis 2018) Für den Winter 2013/14 wurde Fillon Maillet erstmals in die von Stéphane Bouthiaux und Siegfried Mazet betreute sechsköpfige französische Weltcupgruppe berufen, der auch der amtierende Gesamtweltcupsieger Martin Fourcade angehörte.Gemeinsam mit dem gleichzeitig beförderten Simon Desthieux ersetzte Fillon Maillet dort den in der Vorsaison zurückgetretenen Vincent Jay und den degradierten Florent Claude, vgl. Fédération française de ski: Collectifs Nationaux Biathlon 2013–2014 auf ffs.fr, 19. April 2013; abgerufen am 1. April 2020. Sowie Sélection Collectif Biathlon France 2012/2013 auf ffs.fr, 24. April 2012; abgerufen am 1. April 2020. Fourcade, den Fillon Maillet bei mehreren Gelegenheiten heraushob und als großes Vorbild bezeichnete,„Martin hat eine neue Art des Biathlonsports geschaffen. Er fand die perfekte Lösung für das Laufen und das Schießen. […] Er ist für mich ein großes Vorbild.“ Jerry Kokesh: Eingelöste Versprechen. In: Biathlonworld. Nummer 52/2019, S. 48–52; cloudinary.com (PDF; 38,7 MB)William Pereira: « Avec Martin, on arrive à faire le switch entre la bagarre sur les skis et la vie de groupe », Quentin Fillon-Maillet se livre auf 20minutes.fr. Erschienen am 14. Februar 2020. Abgerufen am 1. April 2020. „[…] je suis vraiment fier d’avoir Martin dans mon équipe et je peux le remercier pour tout ce qu’il a fait“ (auf Deutsch: „[…] ich bin wirklich stolz, Martin in meiner Mannschaft zu haben und ich kann ihm nur danken für alles, was er tut“) dominierte als mit Abstand erfolgreichster Biathlet seines Landes insbesondere die französische Berichterstattung über die Sportart. Später gab Fillon Maillet an, dass es durchaus frustrierend gewesen sei, in Interviews immer wieder nach seinem prominenten Teamkollegen gefragt zu werden und dass manche seiner eigenen guten Rennen angesichts der Ergebnisse Fourcades anfangs wenig Beachtung gefunden hätten.William Pereira: « Avec Martin, on arrive à faire le switch entre la bagarre sur les skis et la vie de groupe », Quentin Fillon-Maillet se livre auf 20minutes.fr. Erschienen am 14. Februar 2020. Abgerufen am 1. April 2020. Auf der anderen Seite sei es ein Vorteil gewesen, nicht im Fokus der Medien zu stehen, da er dadurch „[s]einen eigenen Weg“ habe gehen können.Jerry Kokesh: Eingelöste Versprechen. In: Biathlonworld. Nummer 52/2019, S. 48–52; cloudinary.com (PDF; 38,7 MB). Sein Weltcupdebüt gab Fillon Maillet beim Heimweltcup von Annecy im Dezember 2013 als 54. Am Ende seines ersten Weltcupwinters stand für ihn ein zwölfter Rang (beim Sprint von Oslo) als bestes Ergebnis, im Gesamtweltcup war er als 49. der am sechstbesten platzierter Franzose. Als Ersatzmann wurde er zudem für die Olympischen Winterspiele in Sotschi nominiert, erhielt dort aber keinen Einsatz.
mini|links|Fillon Maillet beim Stehendschießen, 2018 in Oberhof In den Folgejahren stieg Fillon Maillet weiter innerhalb des französischen Teams auf: Als Martin Fourcade beim Weltcup von Oberhof im Januar 2015 das Staffelrennen ausließ, um sich auf die Einzelwettkämpfe zu konzentrieren,Liveticker zur 4×7,5km-Staffel der Herren in Oberhof auf eurosport.de, 8. Januar 2015; abgerufen am 1. April 2020. wurde Fillon Maillet bei seinem ersten Staffeleinsatz als Schlussläufer eingesetzt, lief auf den dritten Rang und stand gemeinsam mit Martins Bruder Simon Fourcade, Jean-Guillaume Béatrix und Simon Desthieux erstmals auf einem Weltcuppodest. Eine Woche später unterlag er als Zweiter im Massenstart von Ruhpolding nach fehlerfreiem Schießen Simon Schempp erst im Schlussspurt und nach Auswertung des Zielfotos um wenige Zentimeter.Claus Dieterle: Schempp gewinnt spektakuläres Finale auf faz.net. Erschienen am 18. Januar 2015. Abgerufen am 1. April 2020. In der Folge wurde Fillon Maillet zum Stammläufer in der Staffel – mit ihr gewann er bei den Biathlon-Weltmeisterschaften 2015 die Bronzemedaille und 2017 WM-Silber. Als dritter Läufer der Mixed-Staffel wurde er 2016 gemeinsam mit Martin Fourcade, Anaïs Bescond und Marie Dorin-Habert Weltmeister.
Im Weltcup blieb Fillon Maillet zwar weiterhin deutlich von der Konstanz und den Ergebnissen des Seriensiegers Fourcade entfernt, etablierte sich aber in den Wintern von 2015 bis 2018 mit wiederholten Podiumsergebnissen als einer der erfolgreichsten Biathleten Frankreichs. Währenddessen verschoben sich seine Stärken vom Schießen zum Laufen: In der Saison 2015/16 war Fillon Maillet ein nur leicht überdurchschnittlicher Läufer, gehörte aber dafür mit einer Trefferquote von 87 Prozent zu den zehn besten Schützen im Weltcup.IBU Biathlon Guide 2016/2017. S. 422–424. Schon eine Saison später zählte er zu den zehn besten Läufern, seine Trefferquote fiel hingegen auf 81 Prozent.IBU Biathlon Guide 2017/2018. S. 324–326; (PDF; 21,5 MB) Schwache Schießergebnisse prägten auch seine Teilnahme an den Olympischen Spielen von Pyeongchang 2018, für die er im Vorfeld als Medaillenanwärter gehandelt worden war.Pyeongchang Men’s Matchup: France vs. Norway. IBU, auf biathlonworld.com, 2. Februar 2018; abgerufen am 1. April 2020. Im Sprint verfehlte er vier von zehn Scheiben und wurde 48., die Ergebnisse in Verfolgung und Massenstart waren nur unwesentlich besser; in der Staffel wurde er nicht eingesetzt. Fillon Maillet bezeichnete die Spiele von Pyeongchang nach der Saison als „größten Fehlschlag [s]einer Karriere, geprägt von Traurigkeit und Unverständnis“.Martin, Simon Desthieux, Anais Bescond, Justine Braisaz Lead France. IBU, auf biathlonworld.com, 22. November 2018; abgerufen am 1. April 2020. Später führte der Franzose seine Schwäche im Schießen darauf zurück, dass er die Waffe geringfügig anders gehalten habe als in den Jahren zuvor, dies habe er in der Vorbereitung auf den folgenden Winter korrigiert.
Etablierung in der Weltspitze (2018 bis 2021) Das Training der französischen Biathlon-Nationalmannschaft der Männer übernahm im Sommer 2018 der frühere Skilanglauf-Weltmeister Vincent Vittoz. Fillon Maillet bezeichnete Vittoz’ Lauftraining als „spezifischer“ als das seines Vorgängers Bouthiaux, was ihm geholfen habe, seine Laufleistung noch weiter zu steigern. Tatsächlich zählte Fillon Maillet ab 2018 in beiden Teildisziplinen – durch die Umstellung der Gewehrhaltung am Schießstand war auch seine Trefferquote wieder auf 87 Prozent gestiegen – zu den besten Athleten des Teilnehmerfeldes: Nach weiteren Podestergebnissen gewann er im Januar 2019 mit dem Massenstart von Antholz sein erstes Einzel-Weltcuprennen. Dabei blieb er dank eines fehlerfreien Wettkampfs 14 Sekunden vor Johannes Thingnes Bø, der den mit Formproblemen kämpfenden Martin Fourcade als Seriensieger abgelöst hatte und vor Fillon Maillets Sieg elf von vierzehn Saisonrennen für sich entschieden hatte.27.01.2019 – Zum Antholz-Abschluss jubelt Quentin Fillon Maillet auf biathlon-antholz.it. Erschienen am 27. Januar 2019. Abgerufen am 1. April 2020. Fillon Maillet, der kurz danach auch bei der Verfolgung in Midway siegte und bei den Weltmeisterschaften in Östersund zwei Bronzemedaillen gewann, steigerte seine Laufleistungen weiter und wurde zu einem der wenigen Athleten, die mit dem insbesondere läuferisch dominierenden Bø mithalten konnten: In der Saison 2019/20 lief Bø um sechs Prozent schnellere Zeiten als der durchschnittliche Biathlet im Teilnehmerfeld, Fillon Maillet übertraf den Durchschnitt um fünf Prozent, Martin Fourcade um vier Prozent., , Sowohl 2018/19 als auch 2019/20 belegte Fillon Maillet den dritten Rang in der Weltcupgesamtwertung, die jeweils Bø für sich entschied: zunächst vor dem Russen Alexander Loginow, dann vor dem wiedererstarkten Fourcade.
mini|links|Fillon Maillet bei den Weltmeisterschaften 2019, im Hintergrund Tarjei Bø