mini|Dorfkirche Dalíchow Der Ort Dalichow ist der kleinste und höchstgelegene OrtsteilAuflistung als Ortsteil von Niedergörsdorf im Kommunalverzeichnis Brandenburg; abgerufen am 2. Mai 2026 der Gemeinde Niedergörsdorf im Landkreis Teltow-Fläming des deutschen Bundeslands Brandenburg.
Geografie Der Ort liegt fünf Kilometer westlich von Niedergörsdorf, drei Kilometer nördlich von Blönsdorf und elf Kilometer westlich von Jüterbog. Dalichow liegt im Fläming auf einem fruchtbaren Lößstreifen, welcher während der Weichseleiszeit entstand. Der Ort ist ein kleines Angerdorf mit weitgehend erhaltener Dorfstruktur. Im Dorf befinden sich zwei Teiche.
In der Ortsmitte steht die Dorfkirche Dalichow, die im 13. Jahrhundert errichtet wurde. Sie besitzt keinen Kirchturm und gehört damit zum einfachsten Typ der Flämingkirchen. Die Kirche steht inmitten des von einer Feldsteinmauer umgebenen Friedhofs.
Das Gelände liegt auf einer Höhe von rund und steigt nach Südwesten auf rund 115 Meter an.Dalichow, Brandenburgviewer, abgerufen am 8. Februar 2026.
Geschichte und Etymologie 13. bis 15. Jahrhundert Der Ortsname geht auf das slawische Wort daleko (= weit),Vortrag von Wilhelm Höhne am 9. Januar 1985 einen slawischen Personennamen, zurückMarie-Luise Buchinger, Marcus Cante: Denkmale in Brandenburg: Landkreis Teltow Fläming. Teil 1: Stadt Jüterbog mit Kloster Zinna und Gemeinde Niedergörsdorf. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2000, ISBN 3-88462-154-8 oder ist wendischen Ursprungs: Dalichoste = „fette oder satte Aue“.Carl Gottlob Ettmüller: Annales der Creyß Stadt Jüterbog von Anno 1159 an. Zwei Bände, Manuskript Jüterbog Ende 18. Jh. (1794 nicht gesichert), Stadtmuseum Jüterbog Das Dorf wurde 1286 erstmals als de villa Dalchow erwähnt und vom Kloster Zinna erworben. Weitere Bezeichnungen waren das Auftreten eines Jacob Dalchowe (in Treuenbrietzen) im Jahr 1351, villam nostram Dalchow im Jahr 1394 und Dalicho im Jahr 1814.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 96. Dalichow ging 1394 zusammen mit Kaltenborn, Lindow und dem wüsten Malterhausen in den Besitz des Jüterboger Nonnenklosters über. Bei Dalichow lag nach Ettmüller der Fischteich des Nonnenklosters.
16. Jahrhundert Die Bewohner zahlten um 1500 zwei Schock 12 ½ Groschen zur Anlage. Um 1516 waren es 6 Rheinische Gulden (fl) zur Steuer. Im Jahr 1529 lebten im Dorf acht Hufner, die 29 Hufen bewirtschafteten. Dem Pfarrer standen in dieser Zeit zwei Pfarrhufen zur Verfügung. Er erhielt acht Scheffel Korn, der Küster 41 Scheffel Korn von beiden Dörfern (Dalichow und Eckmannsdorf).Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 98. Die Abgaben betrugen im Jahr 1534 6 fl 7 Groschen (gr) zum 50. Pfenning. Ein Schulze war vor 1541 im Dorf ansässig. Der Küster erhielt im Jahr 1555 insgesamt 45 Scheffel Korn und 16 Brote aus beiden Dörfern. Im Jahr 1562 wurde von sechs Hauswirten berichtet. Der Pfarrer besaß eine Hufe gutes Land und bekam die 30. Mandel vom Getreidezehnt, den dritten Teil vom Fleischzehnt. Er besaß außerdem ein Hof im Dorf, auf dem einer ein Scheffel Roggen ausbringen konnte. Die Kirche besaß ein Stück Acker, auf dem zwei Scheffel Roggen ausgebracht wurden. Ihr gehörte außerdem ein Stück an der Seehausischen Grenze mit drei Scheffel. Der Küster erhielt 14 Scheffel Roggen für den Läutedienst sowie aus jedem Haus ein Brot und eine Wurst. 1568 wurde erneut nur vom Schulzen berichtet. Eine Statistik aus dem Jahr 1575 führte auf: sechs Hufner, keine Gärtner. Der Schulze zahlt dem Pfarrer des 30.; fünf Bauern gaben jedes dritte Jahr je von sechs Lämmern, Gänsen oder Ferkeln. Zwei Bauern mussten jedes dritte Jahr ein Rauchhuhn abgeben. Die Pfarrhufe war verpachtet und wurde mit ½ Wispel Roggen und zwei Scheffel Geste besät. Der Küster erhielt 12 ½ Scheffel Korn sowie von jedem Einwohner ein Brot und eine Bratwurst. 1584 waren es erneut sechs Hauswirte. Sie zahlten zwei Jahre später 3 Taler 21 gr 6 Pfennig (d) zum 70. Pfennig."Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 97. Zwischen 1570 und 1594 ging das Dorf an das Amt Jüterbog über.
17. Jahrhundert Um 1600 lebten im Dorf nach wie vor sechs Hauswirte; 1602 wurde nur von 6 Wirten, 1606 von sechs Bauern und 1609 von sechs Untertanen berichtet. Der Pfarrer besaß im Jahr 1618 insgesamt zwei Hufen und einen halben Hof im Dorf. Von dort erhielt er acht Scheffel Roggen, drei Scheffel Gerste und ein Scheffel Hafer. Der Küster bekam 12 ½ Scheffel Roggen, Brote und Bratwürste. Im Jahr 1648 besaß der Schulze vier Lehn- und eine Pachthufe. Von den vier Fünfhufnerhöfen lag einer wüst, ebenso der einzige Vierhufnerhof. Die Gemarkung war 29 Hufen groß. Im Jahr 1658 gab es fünf Hufner, darunter der Schulze. Ein Hof lag nach wie vor wüst. Eine Statistik aus dem Jahr 1661 führte auf: den Schulzen mit vier Lehn- und einer Pachthufe, vier Fünfhufner, einen Vierhufner, einen wüsten Freihäusler, der auf einer Hufe auf der wüsten Feldmark Malterhausen lag. Zum Ende des 17. Jahrhunderts gab es im Jahr 1699 sechs Bauernhöfe (davon einer wüst), einen wüsten Vierhufnerhof sowie 29 Hufen, von denen 21 Hufen gangbar waren und vier wüst lagen. Die verbliebenen vier Hufen waren Lehnhufen und damit von Abgaben befreit.
18. Jahrhundert Im Jahr 1704 lebten im Dorf fünf Fünfhufner, darunter der Lehnschulze und ein Vierhufner. Sie bewirtschafteten nach wie vor 28 Hufen (1706). Im Jahr 1714 wurde lediglich vom Lehnschulzen und fünf Hufnern berichtet. Eine Statistik aus dem Jahr 1721 wies sieben Mann aus: Das Lehnschulzengut, fünf Bauern oder Anspänner sowie eine nach wie vor freie Freihäuslerstelle. Der Lehnschulze bewirtschaftete nach wie vor vier freie Lehnhufen, aber auch eine zusätzliche Pachthufe. Es gab weiterhin vier Fünfhufner, einen Vierhufner, einen wüsten Freihufner sowie einen Pfarrgarten mit einer Scheffel Aussaat. Hinzu kam ein gemeinsam genutztes Hirtenhaus mit Gartenflecken. Im Jahr 1760 gab es fünf Vollhufner und sechs Feuerstellen (=Haushalte) mit 29 Hufen. Im Jahr 1777 waren es sechs Hufner und Vollspänner (darunter der Schulze) sowie das Hirtenhaus.
19. Jahrhundert In einer Statistik aus dem Jahr 1800 erschienen: sechs Anspänner, 16 Pferde, 23 Kühe und 176 Schafe. Im Jahr 1812 lebte der Schulze zusammen mit einem Sohn, einer Magd und einem Gänsemädel. Von den fünf Hufnern lebte eine Person mit einer Tochter, einem Knecht und einem Tagelöhner zusammen. Ein Hufner lebte mit einem Sohn, einer Magd und einem Tagelöhner, ein anderer mit einem Sohn, einem Knecht, einer Magd und einem Jungen. Ein weiterer Hufner lebte mit einem Sohn und einer Magd. Es gab außerdem einen Häusler und in Summe sieben Steuerpflichtige. Von 1817 bis 1872 gehörte Dalichow zum Amt Zinna. Im Jahr 1815/1816 kam der Ort zum Kreis Jüterbog-Luckenwalde im Königreich Preußen. Ein Schmied erschien erstmals 1836. Im Folgejahr arbeitete im Dorf außerdem ein Grobschmiedemeister. Es gab neun männliche und vier weibliche Dienstboten sowie acht Wohnhäuser. Das Dorf bestand im Jahr 1858 aus drei öffentlichen, acht Wohn- und 26 Wirtschaftsgebäuden. Die Gemarkung umfasste 898 Morgen (Mg): 20 Mg Gehöfte, 8 Mg Gartenland, 870 Mg Acker.
20. Jahrhundert Zur Jahrhundertwende standen im Dorf zwölf Häuser. Es gab eine Altsitzerin, einen Gastwirt, einen Gemeindevorsteher, drei Hufner, einen Schmiedemeister und einen Zimmermann. Dalichow umfasste eine Fläche von 439 Hektar (ha) und wurde 1931 Landgemeinde mit elf Wohnhäusern und zwölf Haushaltungen. Im Jahr 1939 gab es sechs land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit einer Fläche zwischen 20 und 100 ha. Drei Betriebe waren zwischen 10 und 20 ha, ein Betrieb zwischen 5 und 10 ha sowie ein Betrieb zwischen 0,5 und 5 ha groß.
Im Jahr 1957 gründete sich eine LPG Typ III mit vier Mitgliedern und 224 ha Fläche, die 1959 an die LPG Typ III Blönsdorf angeschlossen wurde. Dalichow war seit 1950 Gemeinde, wurde bereits 1952 als Ortsteil mit Blönsdorf vereinigt und ab 1985 ein Ortsteil von Blönsdorf. Im Jahr 1983 gab es im Dorf die LPG Blönsdorf, Abteilung Dalichow.
Bevölkerungsentwicklung Einwohnerentwicklung in Dalichow von 1817 bis 1946 Jahr 1817 1837 1858 1871 1885 1895 1905 1925 1939 1946 Einwohner 58 72 78 78 69 79 83 102 77 99
Kultur und Sehenswürdigkeiten Die Dorfkirche Dalichow ist eine rechteckige Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert, dessen Giebel spätgotisch verändert wurde. Im Innern steht eine mittelalterliche Fünte; im Turm hängt eine Glocke aus dem 15. Jahrhundert. Der Volksmund hat seine eigene Erklärung für den fehlenden Kirchturm: "Einst spannte ein Bauer seine Gänse vor den Pflug. Sie flogen ihm jedoch samt Pflug davon und rissen dabei den Kirchturm hinunter.Gemeinde Niedergörsdorf: Gemeinde Niedergörsdorf … Leben im Herzen des Flämings. 2008, 28 Seiten Im Juni wird traditionell der Erdbeerball in Dalichow gefeiert.
Politik
Ortsvorsteher Dietmar Seidel (seit 2016)
Ralf Schmager (seit 2014)
Detlef Schmager (2004–2014)
Dietmar Seidel (2026)
Veranstaltungen Regelmäßig findet der Erdbeerball statt.
Weblinks
Dalichow, Webseite der Gemeinde Niedergörsdorf, abgerufen am 8. Februar 2026.
Literatur Marie-Luise Buchinger, Marcus Cante: Denkmale in Brandenburg: Landkreis Teltow Fläming. Teil 1: Stadt Jüterbog mit Kloster Zinna und Gemeinde Niedergörsdorf. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2000, ISBN 3-88462-154-8 Viola Pfeifer: Feldsteinkirchen im Fläming. Ein kunsthistorischer Führer. Druckhaus Berlin-Mitte GmbH, 1997, ISBN 3-930541-18-1 Carl Gottlob Ettmüller: Annales der Creyß Stadt Jüterbog von Anno 1159 an. Zwei Bände, Manuskript Jüterbog Ende 18. Jh. (1794 nicht gesichert), Stadtmuseum Jüterbog Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 96 bis 98.
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Teltow-Fläming Kategorie:Ortsteil von Niedergörsdorf Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Teltow-Fläming) Kategorie:Ersterwähnung 1286 Kategorie:Gemeindeauflösung 1950