mini|Franz Heinrich Höltich, Radierung von Christian Romstet mit einer Widmung von Johann Caspar Pflaume, Herzog August Bibliothek Franz Heinrich Höltich, (* 14. März 1643 in Bergedorf; † 8. August 1676 in Groß-Salze), war Doktor beider Rechte, Jurist, Hochschullehrer der Wittenberger Universität Leucorea und Syndikus zu Groß-Salze.

Leben Franz Heinrich Höltich war ein Sohn des Herzoglich Sachsen-Lauenburgischen Holzvogts (Forstmeisters) Ludolph Höltich († 1683 in Marienwohlde) aus Marienwohlde bei Mölln und dessen Frau Margarethe, geborene Garss (* 5. September 1625 in Bergedorf; † 1660). Nach dem anfänglichen Unterricht durch einen Privatlehrer wurde er auf die Domschule in Ratzeburg geschickt. Im Juni 1656 immatrikulierte er sich zusammen mit seinem Bruder Johann Adolph Höltich an der Universität Rostock.Eintrag im Rostocker Matrikelportal 1658 besuchte er für zwei Jahre das Katharineum zu Lübeck unter den Inspektionen von Sebastian Meier, Heinrich Bangert und Johann Polz. Am 29. September 1660 schrieb er sich an der Wittenberger Universität Leucorea ein, wieder zusammen mit seinem Bruder Johann Adolph.Eintrag in Album Academiae Vitebergensis: Jüngere Reihe Teil 2 (1660–1710) (Google Books)

Nach Jahren intensiven Studierens in Wittenberg wurde er 1665 von seinem Vater nach Marienwohlde zurückberufen. Nachdem Franz Heinrich sich seinem Vater erklärt hatte, schickte dieser ihn an die Universität Straßburg, wo er sich am 29. Juni 1665 immatrikulierte.S. 280. in Die alten Matrikeln der Universität Straßburg: 1621 bis 1793, 2. Die Matrikeln der medicinischen und juristischen Fakultät von Gustav C. Knod, 1897. Von dort reiste er nach Basel. Dann bekam er das Angebot seines Vaters, in fremde Länder reisen zu dürfen, was ganz seinen Wünschen entsprach. Die erste Station war Kölln, wo er den Winter über blieb. Im heranbrechenden Frühling des folgenden Jahres zog es ihn nach Italien. Dort blieb er eineinhalb Jahre und besuchte Akademien, Höfe und Collegia (Vereinigungen). Im Jahre 1667 durchreiste er fast ganz Frankreich und ließ sich von dort trotz des harten Winters nach England übersetzen. Von England ging es nach Holland, wo er sich wieder eine Zeit lang aufhielt und Akademien besuchte. Nach Hause berufen, trat er mit Bonaventura von Bodeck eine Reise nach Königsberg an, wo sich der Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg samt Hofstaat aufhielt. Nach der Rückreise entschloss er sich, nach einer Beratung mit Kanzler Johann Eichel von Rautenkron 1671, in Wittenberg weiter zu studieren, reiste aber vorher noch nach Leipzig.

Kurze Zeit später war er wieder in Wittenberg, wo er sein Studium an der Wittenberger Universität Leucorea fortsetzte. Am 4. März 1671 wurde er zum Lizenziaten und am 26. April 1671 zum Doktor der Rechte promoviert.Eintrag in Album Academiae Vitebergensis: Jüngere Reihe Teil 2 (1660–1710) (Google Books) Er wurde auch Doktor beider Rechte. Ab 1672 wirkte er dort als Praeside. Neben seiner Lehrtätigkeit als Privatdozent an der Universität gab er auch Privatunterricht. Der Freiherr und spätere Geheimrat Moritz Heinrich von Miltitz (1654–1705) wohnte zu diesem Zweck mit in seinem Haus (vermutlich mit dessen Hofmeister), bis dieser 1673 nach dessen Promotion zum Doktor der Rechte auf Bildungsreise ging. In dessen Dissertation Dissertatio Jur. De Legato Rei Alienae vom 5. Februar 1673 war er dessen Praeside. Moritz Heinrich von Miltitz war ein Urururgroßneffe von Karl von Miltitz.Nachweis Franz Heinrich Höltichen in Historische Remarques Der Neuesten Sachen in Europa Des 1705. Jahres, Band 7, S. 309 (29. September 1705) Höltich wirkte in Wittenberg außerdem als Hofgerichts- und Konsistorialadvokat.Nachweis Hofgerichts- und Konsistorialadvokat

Am 2. September 1672 heiratete Franz Heinrich Höltich in Wittenberg Sabina Dorothea Leyser (* 19. Mai 1654 in Wittenberg; † Ende Mai 1702), auf der Website die Tochter von Caspar Leyser und Anna Maria Hettenbach, Tochter des Anwalts und Advokaten Georg Hettenbach in Wittenberg und Enkelin von Ernestus Hettenbach. Zu Sabina Dorotheas Vorfahren gehörten auch Polykarp Leyser II., Polykarp Leyser der Ältere, Lucas Cranach der Jüngere und Lucas Cranach der Ältere.

Nach Dissertationen, einer Disputation und einigen anderen Schriften veröffentlichte er im Dezember 1672 mit Johann Caspar Waltz Quaest. Foemina Non Est Homo. In dem Werk, von dem mindestens vier weitere Auflagen erschienen, wurde festgestellt, dass Frauen keine Menschen sein könnten. Schon vor Valens Acidalius war das ein Thema, das vor und auch nach Franz Heinrich Höltich und Johann Caspar Waltz oft aufgegriffen wurde, in der jahrhundertelangen Geschichte der Querelle des femmes.Auflistung einiger Werke zu dem Thema in der Biografie von Michael Lantzenberger Rosina Dorothea Schilling (1670–1744), später Schilling-Ruckteschel, war wohl die erste Frau, die nach dem Erscheinen der fünften Auflage 1688 zu dem Inhalt der Schrift Stellung bezog und ihre Streitschrift Das Weib auch ein wahrer Mensch gegen die unmenschlichen Lästerer Weibl. Geschlechts einfältigst vorgestellet von einer Jungfräulichen Weibs-Person R. D. S. aus ihren Zellen verfasste. Ihre Schrift erschien 1697.Dietrich Blaufuß: Reformatische Impulse, frauen-und-reformation.de

Franz Heinrich Höltich verfasste ferner Epicedien auf Verwandte, auf Anna Barbara Schneider, Frau des Konrad Viktor Schneider und Tochter von Aegidius Strauch I., eine Cousine zweiten Grades seiner Frau,Eintrag von Franz Heinrich Höltich auf Seite 114 und 115 des Buches, der digitalen Bibliothek der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie auf deren Tochter Euphrosyne Walther, Frau des Michael Walther des Jüngeren,Eintrag von Franz Heinrich Höltich auf Seite 89 in dem Buch, digitalisiert auf der Website der Staatsbibliothek Berlin die in deren Leichenpredigten veröffentlicht wurden. Ebenfalls für seinen Freund Ernst Dieterich von Selmnitz.Epikedeion auf Ernst Dieterich von Selmnitz (digitalisiert online) Auch ein Gratulationsgedicht zur Hochzeit von Samuel Benedict Carpzov, Sohn von Johann Benedikt Carpzov I., und Anna Maria Ostermann, Tochter des Wittenberger Professors Johann Erich Ostermann, wurde von ihm verfasst.Eintrag von Franz Heinrich Höltich auf einer Seite des Buches, der digitalen Bibliothek der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Von 1673 bis zur zweiten Hälfte des Jahres 1674 erschienen von Franz Heinrich Höltich einige weitere Werke. 1674 wurde seine Tochter Christiane Elisabeth in Wittenberg geboren.

Im selben Jahr wurde er Syndikus des kursächsischen Hofgerichts in Groß-Salze. 1675 verfasste er einen Nachruf in lateinischer und ein Epikedeion in deutscher Sprache auf den Pastor von Groß-Salze Christian Seelmann.Epikedeion, S. 29. S. 27 u. 28 latein., 29 und 30 deutsch (digitalisiert online) Ab dem 1. August 1676 litt Franz Heinrich Höltich an Durchfall und hitziger Krankheit,Hitzige Krankheit, heutige Bezeichnung was heute als Typhus bezeichnet wird, und wurde bettlägerig. Sieben Tage danach, am 8. August 1676 verstarb er.

Seine Leichenpredigt hielt Christoph Brenner in der Kirche St. Johannis in Groß-Salze. Es war die erste Predigt von der neuen Barockkanzel. Am 16. August, acht Tage nach seinem Tode, wurde seine zweite Tochter Margaretha Gottlieb geboren, die aber einen Tag später verstarb. Johann Friedrich Spengler (Mitglied im Pegnesischen Blumenorden unter dem Ordensnamen Charicles ab 1678) verfasste zum Tode Franz Heinrich Höltichs 1676 das Madrigal Es bindet sich an die Gesezze nicht, das in seinem Gedichtband Wittenbergischer Poeten-Steig 1687 gedruckt veröffentlicht wurde.Aufgeführt in Melos conspirant singuli in unum: Repertorium bio-bibliographicum zur Geschichte des Pegnesischen Blumenordens in Nürnberg (1644–1744) (Google Books) 1677 erschien die gedruckte Leichenpredigt mit einem zusätzlichen Teil, der Epicedien auf Franz Heinrich Höltich enthielt. Beiträger waren unter anderen Christian Donati, Werner Theodor Martini, Johann Andreas Quenstedt, Joachim Nerger, Gottfried Strauß, Andreas Sennert, Michael Strauch, Christian Röhrensee, Konrad Samuel Schurzfleisch, Johann Karl Naeve, Christian August Pompejus (Sohn von Nikolaus Pompeius) und sein Schwager Caspar Friedrich Leyser.

Ein Porträt von Franz Heinrich Höltich, mit einer Widmung von seinem Schwager Johann Caspar Pflaume darunter, erschien als Radierung, angefertigt mit der Schabtechnik des Kupferstechers Christian Romstet.Porträt Franz Heinrich Höltich. In der Widmung benutzt Pflaume das lateinische Wort Affini, was als Verwandter, Schwager oder Verschwägerter übersetzt werden kann. Höltich und Pflaume sind ab dem 2. September 1672 die Ehepartner zweier Cousinen, was man aber nicht als verschwägert und schon gar nicht als verwandt bezeichnen kann (schon gar nicht als Jurist), daher muss er wohl ein wirklicher Schwager gewesen sein. Die Wappenkartusche in der linken oberen Ecke der Radierung zeigt das Höltich-Wappen. Unklar ist, ob es ein älteres Familienwappen ist oder ob Franz Heinrich Höltich nur das Recht bekommen hat, mitsamt seinen Nachfahren das Wappen zu führen, sollte er geadelt worden sein. Im Schilde befinden sich zwei gekreuzte Schriftrollen (vermutlich), hinter denen oben heraus kleine beblätterte Zweige hervorschauen. Aus dem gekrönten Helm heraus oder direkt hinter ihm hervor zeigt sich ein gebeugter Arm, dessen Hand einen Lorbeerkranz in die Höhe hält. Die Wappenkartusche in der rechten oberen Ecke der Radierung stellt das Familienwappen der seit 1590 geadelten württembergisch-sächsische Linie der Familie Leyser dar. Im Schilde stehen zwei mit den Spitzen nach außen gekehrte Sichelmonde nebeneinander. Auf dem gekrönten Helm darüber befinden sich sechs Straußenfedern, ebenfalls mit zwei nebeneinander stehenden, mit den Spitzen nach außen gekehrten Sichelmonden davor. In farbigen Abbildungen des Wappens sind die Monde sowie die Helmkrone goldfarben und das Schild sowie die Straußenfedern schwarz gehalten.Farbiges Wappen von der Familie Leyser

Familie Seine Witwe Sabine Dorothea heiratete in Wittenberg am 7. April 1678 Christian Donati, mit dem sie aber keine zusätzlichen Kinder hatte. Am 20. oder 30. April 1691Eintrag auf der Website von CERL Thesaurus heiratete seine Tochter Christiane Elisabeth Höltich den Professor Johann Georg Neumann. Aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor. Sabina Dorothea stiftete als Witwe von Donati ein Stipendium, das Donatsche Stipendium,Eintrag über das Donatsche Stipendium in Die preussischen Universitäten: Eine Sammlung Der Verordnungen, Welche Die Verfassung Und Verwaltung Dieser Anstalten Betreffen von 1839 (Google Books) für die Nachkommen von Johann Georg Neumann und für die Deszendenten ihres Großvaters Polykarp Leyser II. männlicher Linie. Donati starb am 13. und wurde am 17. August 1694 in der Stadt- und Pfarrkirche St. Marien zu Wittenberg beigesetzt. Sabina Dorothea ließ ihm dort ein Epitaph errichten.Nr. 19 auf Seite 76 in Die Begräbnisstätten Wittenbergs und ihre Denkmäler (1896) von Ernst Zitzlaff (digitalisiert online)