Ein Fahrradunfall ist ein Straßenverkehrsunfall mit einem Fahrrad bzw. meist mit einem beteiligten Radfahrer. In der öffentlichen Wahrnehmung sind vor allem Kollisionen mit Pkws, Lkws und Fußgängern bedeutsam. Kollisionen mit Kfz führen häufig zu schweren Personenschäden.
Waren 2024 Autofahrerinnen oder -fahrer beteiligt, trugen die Radfahrenden nur in 24,7 % der Fälle die Hauptschuld und somit lag sie zu über 3/4 bei anderen. Bei Fahrradunfällen mit Güterkraftfahrzeugen lag der Anteil noch darunter: Nur zu 20,9 % wurde die Hauptschuld bei der Radlerin oder dem Radler gesehen und somit zu fast 80 % bei anderen.Jedes sechste Todesopfer im Straßenverkehr 2024 war mit dem Fahrrad unterwegs, Pressemeldung am 24. April 2025. - Statistisches Bundesamt DESTATIS, abgerufen am 30. März 2026.
Einen oftmals unterschätzten Anteil aller Fahrradunfälle machen Alleinunfälle aus – zum Beispiel durch Auffahren auf ein Hindernis oder Gleichgewichtsverlust bei zu langsamer Fahrt oder unter Alkoholeinfluss. Nicht selten sind auch Defekte am Fahrzeug die Unfallursache, zum Beispiel mangelhaft funktionierende Bremsen. Ein weiterer Grund für Unfälle mit Beteiligung radfahrender Personen sind schlechte geplante oder mangelhafte Rad-Infrastrukturen.
Statistik mini|Fahrradunfall mini|Häufigkeit der Verletzungen in verschiedenen Körperregionen bei schwerverletzten Verkehrsunfallopfern im Vergleich 2023 wurden in Deutschland 87.180 Verkehrsunfälle mit Körperschädigung mit Beteiligung Radfahrender polizeilich aufgenommen und vom Statistischen Bundesamt publiziert, darunter 431 Unfälle mit Getöteten, 13.779 mit Schwer- und 72.970 Leichtverletzten: Somit gibt es insgesamt täglich 238 solcher Unfälle mit Beteiligung Radfahrender.T. Schönebaum/R. Spörer: www.Fahrrad-Unfallorte.de – Unfall-Aufschlüsselung 2020 bis 2023 und Schwere der Körperschädigung (unter der Graphik aktiv anklickbar), abgerufen am 12. Oktober 2024.
2018 wurden 88472 Unfälle mit Personenschaden mit Fahrradbeteiligung polizeilich und damit statistisch erfasst:; 88435 Radfahrer wurden verletzt, 445 getötet, darunter: 7734 Pedelec-Fahrer (max. 25 km/h) verletzt, 89 getötet. Jeder fünfte Verletzte und jeder achte Verkehrstote im Straßenverkehr war demnach ein Radfahrer. auf runtervomgas.de vom 1. November 2019, abgerufen am 1. Dezember 2022. Bei 20 % der polizeilich erfassten Unfälle mit verletztem Radfahrer gab es keinen Unfallgegner, bei den Unfällen mit verletzten Pedelec-Fahrern sogar in 30 % der Fälle.
Bei Unfällen mit Personenschaden hat die Polizei 59.939 Verfehlungen von Radfahrern aufgenommen (17 % der Verfehlungen aller Verkehrsteilnehmer). Unter den häufigsten Fehlern von Radfahrern waren verbotswidrige Benutzung der Fahrbahn oder anderer Straßenteile (7.158) (was sehr häufig die unerlaubte linksseitige Nutzung eines Radwegs oder auch eines nicht für Radverkehr frei gegebenen Gehwegs meint), Fehlverhalten beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Ausfahren (5.695), Fehlverhalten beim Gewähren von Vorfahrt/Vorrang (5.149), Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot (3.283), Benutzung der Fahrbahn entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung (Einbahnstraße) (1.902).
Bei einem Straßennetz von 644.480 km Länge ereignet sich pro Jahr pro 7 km Straßennetz ein Unfall mit Personenschaden mit Radfahrerbeteiligung, alle 1.450 km Straßennetz stirbt pro Jahr ein Radfahrer.
Die Dunkelziffer von Unfällen, die der Polizei nicht zur Kenntnis gelangen und die daher nicht in die amtliche Unfallstatistik eingehen, gilt als sehr hoch. Nach einer Untersuchung von Hautzinger 1993 gehen fast 99 Prozent der Fahrrad-Alleinunfälle, 97 Prozent der Unfälle zwischen Fußgängern und Radfahrern, aber auch 82 Prozent der Unfälle zwischen Radfahrer und Pkw nicht in die amtliche Unfallstatistik ein.
JahrFahrradunfälle mit Personenschadengetötete Radfahrer201478.685396201578.341383201681.272393201779.826382201888.472445201987.253445202091.533426202183.723372202297.712474202394.050446202492.882445 / 441KORREKTUR: Jedes sechste Todesopfer im Straßenverkehr 2024 war mit dem Fahrrad unterwegs, Pressemeldung am 24. April 2025. - Statistisches Bundesamt DESTATIS, abgerufen am 30. März 2026.
Unfalltypen und Ursachen Kollision mit anderen Fahrzeugen Häufig sind, besonders innerorts, Unfälle mit Personenkraftwagen beim Rechts- oder seltener beim Linksabbiegen, wobei die Autofahrer den Vorrang des geradeaus fahrenden oder entgegenkommenden Radverkehrs missachten. Sehr viel seltener, aber folgenschwerer, sind Unfälle mit Lastkraftwagen, bei denen Radfahrer auf einem Radweg fahren und durch ein rechts abbiegendes Fahrzeug angefahren werden. Dabei tragen neben Verhaltensfehlern des Autofahrers, wie zum Beispiel durch fehlenden Schulterblick, Sichtbehinderungen, beispielsweise durch parkende Fahrzeuge, zum Unfall bei.
Zahlreich sind auch Unfälle, bei denen „falsch“, also auf der linken Seite der Fahrbahn fahrende Radfahrer („Geisterradler“), von Fahrzeugen aus Seitenstraßen, an Parkplatz- oder Tankstellenausfahrten angefahren werden, oder die Radfahrer fahren auf das die Vorfahrt missachtende Fahrzeug seitlich auf.Benjamin Schreck: Radverkehr – Unfallgeschehen und Stand der Forschung. In: Zeitschrift für Verkehrssicherheit 2/2016 An Zweirichtungsradwegen ist das gefährliche „Geisterradeln“ sogar durch die amtliche Ausschilderung so vorgeschrieben: Den Radfahrenden bleibt somit gar keine andere Wahl, als auf der linken Seite „geisterzuradeln“. Autofahrer, die die Vorfahrt dort nicht beachten, verursachen hohe Unfallzahlen an Einmündungen und Ausfahrten. So entstehen sogar Radunfall-Schwerpunkte, wenn die Ämter die dringend erforderliche erhöhte Absicherung der Radfahrenden unterlassen.Harmlose Einmündung? Von wegen … – Abgerufen am 12. Oktober 2024
Dooring
Beim Radfahren auf der Fahrbahn neben parkenden Kraftfahrzeugen können unachtsam plötzlich geöffnete Fahrertüren (Dooring), bei Radwegen entsprechend die Beifahrertüren, zu einem Unfall führen. Dies ereignet sich innerorts öfter als der von vielen Radfahrern befürchtete Unfall durch Auffahren oder zu enges Überholen von Autos. Vom Dooring sind auch andere Zweirad-Fahrer wie E-Scooter-, Motorroller- und Motorradfahrer betroffen.Dooring-Unfälle – es passiert so schnell, ace.de, 20. Juli 2020
Eine StudieUDV (Hrsg.): Pkw Heck- und Seitenkollisionen mit Fußgängern und Radfahrern der Unfallforschung der Versicherer auf Basis eigener Unfalldaten hat ergeben, dass bei rund jedem 14. Pkw/Radfahrer-Unfall (7 Prozent) ein Radler mit einer sich öffnenden Autotür, meist der Fahrertür, kollidiert. Rund jeder fünfte dieser Unfälle endete mit einer schweren Verletzung für den Radfahrer. Meist sind es Kopf- und Beinverletzungen. Die Untersuchung zeigt, dass diese Unfälle oft dort geschehen, wo es keine separate Radverkehrsführung wie Radwege, Radfahrstreifen oder Schutzstreifen gibt, also an „normalen“ Straßen (Fachjargon: Radverkehr im Mischverkehr auf der Fahrbahn), an denen Radfahrer oft direkt neben den parkenden Fahrzeugen fahren.
Um diese Tür-Unfälle zu verhindern, sind Maßnahmen in verschiedenen Bereichen gefragt: Infrastruktur. Radfahrern sollten Fahrflächen angeboten werden, die mit ausreichendem Abstand zu parkenden Fahrzeugen liegen. Dazu werden nach den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen bei Radwegen baulich andersartig gestaltete Sicherheitstrennstreifen, bei markierten Radverkehrsführungen oder bei Mischverkehr auf der Fahrbahn auch rechtsseitige Begrenzungslinien markiert. Bei Radfahrstreifen und Schutzstreifen entspricht eine Gestaltung ohne ausreichenden Sicherheitstrennstreifen (mindestens 0,50 m breit, besser 0,75 m) inzwischen nicht mehr dem Stand der Technik. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) fordert hier Sicherheitstrennstreifen von größer / gleich 0,75 m und verweist dabei auf die Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen. Die Breite von Radfahrstreifen sowie von Schutzstreifen soll dabei laut DVR mindestens 1,85 m betragen. Für Fahrbahnen ohne vom Autoverkehr getrennte Radverkehrsführungen wurde hingegen eine Markierung mit ausreichendem Abstand zu parkenden Fahrzeugen bisher nur selten umgesetzt, so beispielsweise in der Fahrradstraße Clemensstraße in München-Schwabing. Fahrzeugtechnik. Das Fahrzeug sollte den aussteigenden Autofahrer nicht nur warnen können, sondern das Öffnen der Türen kurz vor und während des Vorbeifahrens eines Radfahrers verhindern. Solche Systeme wären technisch mit den bereits am Fahrzeug verbauten Sensoren zur Umfeldüberwachung umsetzbar. Bewussteres Verhalten der Fahrzeuginsassen beim Aussteigen. Beim sogenannten Dutch Reach („niederländischer Griff“) wird die Tür mit der zur Tür abgewandten Hand geöffnet, sodass sich der gesamte Oberkörper zur Tür dreht und der Aussteigende automatisch den Schulterblick zur Straße durchführt.
Alleinunfälle In Baden-Württemberg waren 2011 knapp ein Viertel der von der Polizei erfassten Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern Alleinunfälle. Auch hier geht die Polizei davon aus, dass viele Alleinunfälle gar nicht erfasst werden und somit eine hohe Dunkelziffer wahrscheinlich ist., Statistik Baden-Württemberg, abgerufen am 11. November 2014. Eine umfassende internationale Studie belegt, dass sich die Mehrzahl der Unfälle mit Radfahrern, die deswegen von einem Arzt stationär behandelt werden müssen, ohne Fremdverschulden ereignet haben.Was Radfahrer vor Alleinunfällen schützt. INOVEXX GmbH (25. August 2014), VersicherungsJournal Verlag GmbH, abgerufen am 11. November 2014.
Bei entsprechenden Alleinunfällen spielen vor allem Alkoholeinfluss, Unachtsamkeiten (insbesondere an Kanten oder mit im oder nahe dem Verkehrsraum stehenden Hindernissen), Fahrbahnschäden, unangepasste Fahrweise (oft im Zusammenhang mit zu hohen Geschwindigkeiten, z. B. an Gefällestrecken) und technische Mängel eine Rolle.
Bei Alleinunfällen durch beschädigte oder verschlissene Radverkehrsanlagen, wie zum Beispiel bei Schlaglöchern, aufbrechenden Baumwurzeln oder Verschmutzungen, gibt es nur selten Schadenersatz für Verunglückte, da wegen der Erkennbarkeit in der Regel ein Eigen- oder zumindest ein Mitverschulden unterstellt wird.Roland Huhn: , ADFC, 22. Juni 2012, S. 8.
Geisterradeln Unter „Geisterradeln“ wird umgangssprachlich das Nutzen zum Beispiel des Radwegs in die falsche, nicht freigegebene Fahrtrichtung verstanden. Nach Schätzungen von wissenschaftlichen Untersuchungen sind in Deutschland durchschnittlich 15 % bis 20 % des Radverkehrs als Falschfahrer unterwegs. Laut Polizei Hamburg ist das Geisterradeln eine der Hauptunfallursachen im Radverkehr. Zur Prävention wurde eine Plakataktion gestartet. Einige Kommunen in Deutschland stellen an besonderen Gefahrenpunkten präventiv entsprechende nichtamtliche Warn- bzw. Hinweisschilder auf. Zum Teil wird an linksseitigen Radverkehrsanlagen in Ausnahme auch das amtliche Zeichen 254 „Verbot für Radfahrer“ montiert.
Die Fachhochschule Erfurt schloss im Jahr 2020 das Forschungsprojekt „Geisterradeln – Ursachen der Radwegbenutzung entgegen der Fahrtrichtung und Strategien zur Unfallvermeidung“ ab.„Geisterradeln“ – Ursachen und Maßnahmen Ursachen der Radwegbenutzung entgegen der Fahrtrichtung und Strategien zur Unfallvermeidung, auf mobilitaetsforum.bund.de, abgerufen am 15. April 2024 Im Rahmen dieses Projekts wurden auch Materialien zur Öffentlichkeitsarbeit erstellt. Es entstand u. a. ein Video zur Unfallprävention. Ferner wurden Vorlagen für Plakate und Postkarten erarbeitet (Projektseite geisterradeln.de).
Unfallprävention Information und Verkehrserziehung