Die Filmproduktion als Herstellungsvorgang eines Kino-, Werbe- oder Fernsehfilms gliedert sich in die Phasen Projektentwicklung, Vorproduktion, Dreharbeiten, Postproduktion und Filmverwertung. Filmproduktionen gibt es überall auf der Welt in wirtschaftlichem, sozialem, politischem und künstlerischem Kontext. Eine Vielzahl an Techniken wird dabei angewendet. Oft ist an der Filmherstellung eine große Anzahl an Menschen beteiligt. Die Herstellungsdauer kann von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren variieren.

Kinofilmproduktion weltweit Weltweite KinofilmproduktionEmerging Markets and the Digitalization of the Film Industry (PDF; 2,0 MB), S. 10/11Summe aus Allein- und Mehrheitsproduktionen des Landes # Land 2010 2011 2013 1 1.274 1.259 1.321 2 792 819 1.025 3 542 584 589 4 408 441 458 5 189 212 269 6 261 272 266 7 346 299 256 8 200 199 206 9 152 216 201 10 142 155 158 weitere 16 88 84 87 23 46 54 59

Die Anzahl der Filme der weltweiten Kinofilmproduktionen, also Spiel-, Animations-, Dokumentar- und andere Langspielfilme, die für die Erstaufführung in Kinos bestimmt sind, betrug im Jahr 2011 6573. Von 2005 bis 2011 wuchs diese weltweite Filmproduktion um 39 % an. In dieser Zeit wurden in rund 100 Ländern durchschnittlich 5987 Filme pro Jahr produziert. Seit 2008 stagniert die Anzahl der weltweiten Produktionen jedoch bei rund 6500 Filmen pro Jahr. In dieser Übersicht sind Filme nicht berücksichtigt, die nicht ausschließlich für das Kino gedreht werden. In Nigeria wurden im Jahr 2009 z. B. 987 Filme produziert, wodurch Nigeria zur zweitgrößten Filmnation der Welt wurde.New release of cinema data, UNESCO Institute for Statistics (englisch), abgerufen am 18. April 2014

Tätigkeiten

In der Filmproduktion wird zwischen kreativ organisatorischer-wirtschaftlicher und kreativ künstlerischer Tätigkeit unterschieden:

Zum künstlerischen Bereich gehören z. B. Kamera, Szenenbild, Kostüm, Maske, VFX (Visuelle Effekte), Ton und Schnitt. Die künstlerische Leitung und Gesamtverantwortung trägt meist der Regisseur.

Zu den organisatorisch-wirtschaftlichen Tätigkeiten zählen z. B. Herstellungsleitung, Produktionsleitung, Aufnahmeleitung und Filmgeschäftsführung. Die wirtschaftliche Verantwortung liegt beim Produzenten.

Filmproduktion in Phasen Eine Filmproduktion lässt sich in folgende Phasen einteilen: Projektentwicklung – Die erste Phase, in der die Ideen für den Film entwickelt werden, Rechte gekauft werden, das Drehbuch geschrieben, die Filmkalkulation durchgeführt und die Filmfinanzierung gesichert wird. Vorproduktion – In dieser Phase werden die Vorbereitungen getroffen für die Dreharbeiten: Schauspieler und Filmstab werden engagiert, Drehorte ausgewählt und Filmsets produziert. Dreharbeiten – Während der Dreharbeiten werden die eigentlichen Filmaufnahmen durchgeführt. Postproduktion – Das aufgenommene Bild- und Tonmaterial, visuelle Effekte und Musik werden zu einem fertigen Film zusammengestellt. Filmverwertung – Der fertige Film wird in Kinos gezeigt, auf DVD und Blu-ray veröffentlicht oder auf Streaming-Plattformen (wie zum Beispiel Netflix, Disney+ oder Prime Video) angeboten.

Projektentwicklung

Bei der Projektentwicklung steht neben der Erstellung eines produktionsreifen Drehbuchs (Stoffentwicklung) auch die Filmkalkulation und Filmfinanzierung oder die Besetzung der wichtigen kreativen Positionen im Filmstab (Regie, Kamera, Schnitt) im Mittelpunkt.Heinz-Hermann Meyer, James zu Hüningen: Entwicklung. In: Lexikon der Filmbegriffe, Hrsg. von Hans J. Wulff und Theo Bender. Redakteure, Produzenten und Regisseure können zu unterschiedlichen Phasen ein Projekt angeboten bekommen, es kann aber auch ein Drehbuchautor seine eigenen Überlegungen umsetzen, ggf. mit der Hilfe weiterer Künstler. Die Stoffentwicklung bezeichnet den weit gefassten Zeitraum von der Recherche an einer Geschichte bis zur drehreifen Fassung des Drehbuchs. Dabei wird zwischen Entwicklungen nach einer Vorlage (Romane, Comics oder PC-Spiele) oder nach einer Originalidee unterschieden. Beides führt zu einem ersten Exposé, das bei einem 90-minütigen Film etwa acht Seiten umfasst, um die Filmhandlung mit Figuren und zeitlicher Einordnung kurz und stimmig erklären zu können. Im weiteren Verlauf der Stoffentwicklung wird das Drehbuch von einem Drehbuchautor in Abstimmung mit dem Produzenten und dem RegisseurStoffentwicklung im Glossar der Deutschen Filmakademie. Abgerufen am 26. Januar 2017. zu einem Treatment (Handlungstext ohne Dialog) ausgearbeitet. Am Ende steht das fertige Drehbuch (Handlungstext mit Dialog und ev. Regieanweisungen und Kameraeinstellungen). Parallel zur kreativen Entwicklung läuft die organisatorisch-wirtschaftliche Filmfinanzierung.

Schon diese Phase erfordert im professionellen Bereich einigen Aufwand, die Koordination vieler Beteiligter und einige vertragliche und finanzielle Vorbereitungen und Vorleistungen, etwa für die Drehbuchentwicklung. Die Finanzierung der Projektentwicklung wird in der Regel aus Eigenmitteln, Filmförderungen, Mitteln von Fernsehsendern oder durch Rückstellungen der Drehbuchautoren bezahlt.

Um die Projektentwicklung abzuschließen und in die Umsetzung des Filmprojektes einzusteigen, muss insbesondere bei größeren Produktionen eine Greenlight genannte Freigabe des Projekts mit einer verbindlichen Zusage der Finanzierung vorliegen.

Vorproduktion

In der Vorproduktion werden sämtliche technischen und organisatorischen Schritte, die den eigentlichen Dreharbeiten vorausgehen, durchgeführt.Ansgar Schlichter: Vorproduktion. In: Lexikon der Filmbegriffe, Hrsg. von Hans. J. Wulff und Theo Bender.Vorproduktion im Glossar der Deutschen Filmakademie. Abgerufen am 26. Januar 2017. Dazu gehört der Entwurf des Storyboards, abschließende Arbeiten am Drehbuch, die Produktion der Szenenbilder und Kostüme, die Auswahl der Drehorte durch einen Locationscout, die Erstellung eines genauen Drehplans, das Casting der Schauspieler, das Zusammenstellen des Filmstabs sowie die Ausarbeitung von Verträgen oder das Mieten von Ausrüstung. Allerdings sind eine Reihe dieser Arbeiten noch nicht abgeschlossen, wenn der Dreh beginnt, sodass die Vorproduktion meist eher die Planung und Organisation (Disposition) der Dreharbeiten und der Ausstattung bezeichnet. Im Prozess der Vorproduktion sind zumeist die Hauptbeteiligten einer Filmproduktion involviert, unter anderem Regisseur und Produzent des Films. Der Produktionsmanager oder Produktionsleiter, der dem Produzenten untersteht, leitet in der Regel die Organisation der Vorproduktion in Bezug auf Arbeitsorganisation, Materialbeschaffung, Budgetierung, Kostenkontrolle und Koordinierung des Drehplans.Ludger Kaczmarek: Präproduktion. In: Lexikon der Filmbegriffe, Hrsg. von Hans. J. Wulff und Theo Bender. Bei Großprojekten werden oft aus finanziellen und organisatorischen Gründen eigene Filmproduktionsfirmen gegründet.

Dreharbeiten

Die Phase der eigentlichen Dreharbeiten ist erfahrungsgemäß die kostenintensivste, weil hier die Gagen der SchauspielerAnsgar Schlichter: Principal photography. In: Lexikon der Filmbegriffe, Hrsg. von Hans. J. Wulff und Theo Bender. sowie die Kosten für den Drehstab und Motivkosten anfallen. Mit dem Beginn der Dreharbeiten ist die Vorbereitungszeit abgeschlossen. Das heißt, das Drehbuch liegt in seiner Endfassung vor, die Besetzung steht fest, die Bauten sind weitestgehend abgeschlossen und die Motive der Außenaufnahmen festgelegt.Ansgar Schlichter: Drehbeginn. In: Lexikon der Filmbegriffe, Hrsg. von Hans. J. Wulff und Theo Bender.

Die Dreharbeiten können im Filmstudio oder an Originalmotiven durchgeführt werden. Die Wahl des Drehorts hat dabei künstlerische und ökonomische Gründe. Während das Drehen im Filmstudio die größte Planungssicherheit bietet, ist die Produktion der Kulissen mitunter mit einem großen finanziellen Aufwand verbunden. Auch aus künstlerischen Gründen wird deshalb oft an Originalschauplätzen gefilmt,Daniel Möhle: Drehort. In: Lexikon der Filmbegriffe, Hrsg. von Hans. J. Wulff und Theo Bender.Hans Jürgen Wulff: On location. In: Lexikon der Filmbegriffe, Hrsg. von Hans. J. Wulff und Theo Bender. obwohl Außendrehs einen höheren Aufwand als Studiodrehs erfordern, da Menschen und Material an den Drehort gebracht werden müssen. Die Reihenfolge der zu drehenden Szenen ist nicht unbedingt chronologisch, sondern richtet sich nach organisatorisch-logistischen Aspekten wie der Verfügbarkeit der Darsteller oder des Motivs sowie bei Außenaufnahmen nach Jahreszeit, Wetter und Lichtsituation. In der Regel werden alle Szenen eines Motivs am Stück gedreht. im Glossar der Deutschen Filmakademie. Letzte Änderung am 15. Oktober 2008.

Die Dauer der Dreharbeiten richtet sich nicht allein nach der Länge des Films, sondern auch nach Anzahl und Art der Drehorte. Die Drehzeit für einen 90-minütigen Film liegt in Europa bei 12 bis 100 Tagen. In den USA wird bei Studioproduktionen je nach Filmprojekt eine Drehzeit von 15 bis 20, von 40 bis 50 oder bei größeren Produktionen von 80 bis 100 Tagen zugrunde gelegt, wobei in anderen Ländern zum Teil noch wesentlich länger gedreht wird.Ansgar Schlichter: Drehzeit. In: Lexikon der Filmbegriffe, Hrsg. von Hans. J. Wulff und Theo Bender. Wegen Drehpausen und schwer kalkulierbaren Nachdrehs wird die Anzahl der Drehtage in der Regel höher angesetzt als eigentlich notwendig.Ansgar Schlichter: Drehtage. In: Lexikon der Filmbegriffe, Hrsg. von Hans. J. Wulff und Theo Bender.

Postproduktion

Zur Postproduktion gehört vor allem der Schnitt, die digitale Nachbearbeitung der Bilder im Computer (Visuelle Effekte, CGI) sowie das Unterlegen der Bilder mit Filmmusik. Die Arbeitsabläufe in der Postproduktion unterscheiden sich zum Teil erheblich, je nachdem, auf welchem Material gedreht wurde, wie groß der Anteil von computergenerierten Effekten und Bildern ist und welches Endprodukt herzustellen ist. Während die meisten Kinofilme weltweit nach wie vor auf 35-mm-Filmmaterial gedreht und mit mechanischen Projektoren in den Kinos gezeigt werden, sind die Arbeitsschritte in der Postproduktion dagegen inzwischen weitestgehend digital.

Bei analogem Filmmaterial beginnt die Postproduktion mit der Filmentwicklung des belichteten Materials. Das gesamte entwickelte Filmoriginal wird auf einem Filmscanner digitalisiert und die Daten werden zusammen mit den schon digital aufgenommenen Original-Tondaten auf Festplatten geladen, um dort mit einem digitalen System geschnitten zu werden. Wird mit digitalen Kameras gedreht, entfallen die Arbeitsschritte Filmentwicklung und Scannen. Nach dem Schnitt erfolgt die Farbbestimmung: Ein Colorist digitalisiert erneut auf einem Filmscanner diejenigen Teile des Negativs, die in der Schnittfassung vorkommen und gibt dem Film dabei seinen sogenannten „Look“. Die endgültige Bildfassung wird auf 35-mm-Film ausbelichtet. Davon wiederum wird, ergänzt um die Lichttonspur, eine Nullkopie gezogen, das erste vorführbereite Filmpositiv. Nach einer Testvorführung der Nullkopie und gegebenenfalls Farbkorrekturen im Entwicklungsprozess hat man schließlich einen Master, von dem Kopien gezogen und in den Kinos gezeigt werden können.

Parallel dazu läuft üblicherweise die Vermarktung des entstehenden Films an. Screenings sind spezielle Vorführungen eines Films im Rahmen der Postproduktion zur Prüfung der Wirkung aufs Publikum oder – nach Fertigstellung des Films – an Filmfestivals, Pressevorführungen und Vorpremieren.

Filmverwertung