mini|Blick vom Kreuzgang zum Dom mini|Innenhof mit gotischer Totenleuchte (um 1500) Der Brixner Domkreuzgang zählt zu den bedeutendsten Kunstdenkmälern Südtirols. Er entstand in vorromanischer Zeit und wurde später romanisch und gotisch umgestaltet. Mit den angrenzenden Gebäuden – darunter Brixner Dom, Johanneskapelle und Frauenkirche – stellt der Kreuzgang das Zentrum des Dombezirks dar. Berühmt ist er vor allem wegen seiner Fresken aus der Zeit der Gotik.

Anlage mini|Nach Osten ausgerichteter Grundriss des Kreuzgangs; links erkennbar Teile des Doms, rechts unten die Johanneskapelle und links unten die Apsis der Frauenkirche Der Kreuzgang liegt an der Südseite des Domes und ist mit diesem durch einen Zugang verbunden. Der Innenhof ist fast quadratisch (ca. 20 × 20 m), in seiner Mitte befindet sich eine steinerne Totenleuchte aus der Zeit um 1500. Die vier umgebenden Arkadengänge sind nicht gleich breit, am breitesten ist der an den Dom angrenzende Nordflügel. Die Fensteröffnungen des Kreuzganges zum Innenhof sind unverglast.

Außer dem Dom im Norden grenzen noch andere Gebäude an den Kreuzgang an: im Süden die Johannes-Kapelle sowie die Domschule und darüber der Kapitelsaal, im Osten der Domherrenhof sowie im Westen die Frauenkirche, deren Apsis im Bereich der 8. Arkade sogar ein wenig in den Kreuzgang hineinragt, sowie Nebenbauten des alten Domherrenhofs. Somit bildet der Kreuzgang das Zentrum des Dombezirkes.

Geschichte

Der heutige Kreuzgang geht auf eine vorromanische Anlage zurück, die noch die klassische Form von zweimal fünf und zweimal vier Arkaden und Eckarkaden hatte, so dass der Innenhof damals etwa 20 × 25 m maß. Nach dem Brand des Domes 1174 erhielt dieser einen nach Süden vorgeschobenen Querschiffarm, der es notwendig machte, den Nordflügel des Kreuzgangs in Richtung Innenhof zu verschieben. Damals entstand auch das romanische Südportal des Doms. Um 1200 wurde auch der restliche Teil des Kreuzgangs neu gestaltet und erhielt seine marmornen Doppelsäulchen mit Blatt- und Knospenkapitellen. Der romanische Kreuzgang war mit einem flachen Pultdach und offenem Dachstuhl gedeckt. Dies widersprach später dem Raumempfinden des 14. Jahrhunderts, das die Einwölbung sakraler Bauten bevorzugte. Es wird angenommen, dass Bischof Friedrich von Erdingen (1375–1396) die Neugestaltung veranlasste und dass sie durch den im Kreuzgang bestatteten Meister Utz(o) durchgeführt wurde. Damals entstanden die heutigen Kreuzgratgewölbe der Arkaden.

In späterer Zeit erfolgten keine wesentlichen Veränderungen des Kreuzganges, mit Ausnahme des Abbruchs der St.-Christoph-Kapelle an der Nordwestecke, wo ein Zugang zum Domplatz geschaffen und zwischen der achten und neunten Arkade ein das Gewölbe tragender Rundpfeiler eingesetzt wurde. Der Treppenaufgang ins Kapitelhaus in der Südostecke entstand vermutlich im frühen 17. Jahrhundert. Beim Neubau des barocken Domes blieb der Kreuzgang weitgehend unangetastet.

Bemalung

Bereits vor der Einwölbung war der Kreuzgang bemalt, vorwiegend in Röteltechnik. Spuren dieser frühgotischen Bemalung befinden sich in der 1. und 14. Arkade. Bei den Restaurierungsarbeiten wurden oft mehrere übereinanderliegende Bemalungsschichten festgestellt.

Die heutige Freskenbemalung entstand ab ca. 1390 nach der gotischen Umgestaltung des Kreuzganges. Sie erfolgte schrittweise während des 15. und bis Anfang des 16. Jahrhunderts, meist im Auftrag der Domherren, die im Kreuzgang bestattet wurden. So ergab sich kein einheitliches Bildprogramm, wenn auch manche Arkaden thematisch zusammengehören. Besonders beliebte Motive wie die Geburt Christi kommen auch mehrfach vor. Andererseits kann man durch die sukzessive Bemalung sehr schön die Entwicklung der spätgotischen Malerei an einem Ort verfolgen. Die Namen der Künstler sind meist unbekannt, stilistische Zuschreibungen sind aber möglich, beispielsweise an die Meister Leonhard von Brixen und Ruprecht Potsch mit ihren Werkstätten. Die meisten Künstler waren Einheimische, aber auch wandernde Künstler aus Italien und Deutschland beteiligten sich an der Bemalung. Man unterscheidet: Bilder im weichen Stil (1390–1440) mit idealisierten Gestalten und Motiven (4. sowie 9. bis 13. Arkade), beginnenden Naturalismus der Spätgotik um die Mitte des 15. Jahrhunderts (2., 3., 5., 14 und 15. Arkade) sowie Spätkunst des Mittelalters, die Landschaft und Körper beherrschte, im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts (1. sowie 6. bis 8. Arkade).

Die Fresken wurden in den letzten Jahrzehnten vom Südtiroler Denkmalamt restauriert und befinden sich in gutem Zustand.

Die Zählung der Arkaden erfolgt im Uhrzeigersinn, beginnend in der Mitte des Südflügels mit der ersten bemalten Arkade.

Erste Arkade mini|1. Arkade: Sarkophag des Fürstbischofs Fuchs von Fuchsberg Die erste Arkade mit dem Sarkophag des Fürstbischofs Christoph Fuchs von Fuchsberg († 1542) befindet sich im Südflügel, links vom ehemaligen Südeingang.

Die Ausmalung wurde von Domdekan Dr. Benedikt Fieger († 1490 in Wien) gestiftet und vom Brixner Maler Ruprecht Potsch um 1490 ausgeführt. Gewölbe Vier Szenen aus dem Leben des Apostels Paulus: Predigt auf dem Areopag von Athen, Verhör durch den römischen Statthalter Festus, Schiffbruch vor Malta, der Heilige bleibt auf Malta nach einem Schlangenbiss unversehrt. Südwand Der Apostel Johannes auf Patmos schaut in einer Vision die apokalyptische Frau, Stifterfigur des Domdekans Fieger mit Wappen. Reste älterer Fresken sind ebenfalls zu erkennen.

Zweite Arkade mini|2. Arkade: Apeme ohrfeigt König Darius (links), Dornenkrönung (rechts) Die Ausmalung wurde von Johannes Sailer († 1462) gestiftet und um 1465 von mehreren Künstlern aus der Werkstatt des Meisters Leonhard von Brixen ausgeführt. Zentrales Thema ist das heilbringende Leiden Christi.

Gewölbe Szenen, die auf das Leiden Christi hinweisen: Die bösen Winzer ermorden den Sohn des Weinbergbesitzers, Heimkehr der Kundschafter mit der Riesentraube (Buch Numeri/Mose 4, Kap. 13), König Hanon verspottet Davids Boten durch Abschneiden der Bärte und Gewänder, Kreuztragung Christi Südwand Apeme gibt König Darius eine Ohrfeige (Hinweis auf den geohrfeigten Christus), Dornenkrönung Christi. Stifterfigur des Johannes Sailer Nordwand über der Fensterreihe Erzengel Michael mit der Seelenwaage, Heilige Katharina

Dritte Arkade In dieser Arkade an der Südwestecke des Kreuzgangs befindet sich der Eingang zur Johannes-Kapelle (St. Johannes im Kreuzgang). Die Darstellung des Leidens Christi mit Vorbildern aus dem Alten Testament wird hier fortgesetzt. Die Fresken entstanden zur gleichen Zeit und durch die gleiche Werkstatt wie die der zweiten Arkade. Das Kreuzigungsfresko an der Westwand hingegen malte um 1450 Jakob von Seckau, ein Vorläufer des Leonhard von Brixen. Gewölbe Grablegung Christi, der Stifter Notar Paul Greußlinger, die Heilige Dorothea, der ägyptische Josef wird von seinen Brüdern in die Zisterne geworfen, Jona wird vom Fisch verschlungen, Achior wird von den Dienern des Holofernes gebunden, Ijob wird vom Teufel geschlagen und von seiner Frau und zwei Freunden verspottet, Eleasar Awaran tötet einen Kriegselefanten und wird von diesem erdrückt Südwand Ecce Homo, Johannes der Täufer mit Stifterfigur Westwand Kreuzigung Christi mit den Schächern und Stifter Ingenuin Brandel († 1448)

Vierte Arkade mini|hochkant|Westflügel, im Vordergrund die 4. Arkade Diese und die folgenden Arkaden liegen im Westflügel des Kreuzgangs. Die bedeutende Malerei dieser Arkade im höfischen Stil ist ein Werk des Meisters Hans von Bruneck aus dem Jahr 1417. Gewölbe Vier Gloriaengel, die vier Evangelisten, die vier abendländischen Kirchenväter (die Heiligen Ambrosius, Hieronymus, Augustinus und Gregor der Große) sowie acht Propheten Ostwand über der Fensterreihe Kreuzfahrer, Heiliger Georg mit dem Drachen, die drei heiligen Jungfrauen Barbara, Christina und Agnes Westwand Das Fresko der Geburt Jesu und Anbetung der Könige wurde abgenommen und befindet sich nun im Diözesanmuseum. Von der Anbetung der Könige sind noch die Vorzeichnungslinien zu sehen. Dafür sind zuvor verdeckte Fresken aus dem 14. Jahrhundert sichtbar geworden, die in Rötelzeichnung das Martyrium der Heiligen Christina zeigen.

Fünfte Arkade mini|hochkant|Westflügel, im Vordergrund die 5. Arkade Die Auferstehung Christi ist das Thema dieser Arkade, deren Fresken von Leonhard von Brixen aus der Zeit um 1472 stammen. Es sind auch Szenen aus dem Alten Testament dargestellt, die auf die Auferstehung hindeuten. Inschriften erklären die Bilder. Stifter ist Johannes von Firmian († 1471). Gewölbe David enthauptet Goliat, Samson im Kampf mit dem Löwen sowie mit den ausgehobenen Stadttoren, Jona entsteigt dem Bauch des Fisches, Auferstehung Christi, Ruben sucht seinen Bruder Josef in der Zisterne, die Braut des Hoheliedes sucht ihren Bräutigam, der auferstandene Christus erscheint Maria von Magdala im Garten und wird von ihr für den Gärtner gehalten, Daniel in der Löwengrube wird vom König besucht. Der Schlussstein zeigt den Namenszug Maria. Ostwand über der Fensterreihe Josef gibt sich in Ägypten seinen Brüdern zu erkennen, Christus besucht die Toten in der Unterwelt Westwand Klagende Frauen am Grab Christi, der Stifter mit den Heiligen Johannes und Ulrich

Sechste Arkade mini|hochkant|Westflügel, im Vordergrund die 6. Arkade Die Fresken dieser Arkade kreisen um die besondere Stellung Mariens in der Heilsgeschichte. Die Darstellungen basieren teilweise auf Apokryphen. Gestiftet wurden sie von Berchtold Soldwedel († 1482), geschaffen wurden sie vermutlich um 1482 von Ruprecht Potsch. Gewölbe Der aus dem Meer gefischte goldene Tisch als Symbol der aufgehenden Sonne, die Wurzel Jesse, König Astyages sieht im Traum einen weltumspannenden Weinstock aus seiner Tochter Mandane sprießen, Abiatar weist das Opfer Joachims wegen dessen Kinderlosigkeit (vor Marias Geburt) zurück, Jiftach opfert seine Tochter, die Königin von Persien erfreut sich ihrer Hängenden Gärten, ein Engel verkündet Joachim und Anna die Geburt Mariens, Begegnung von Joachim und Anna an der Goldenen Pforte Ostwand über der Fensterreihe Der Stifter mit den Heiligen Pantaleon und Katharina, der verschlossene Garten und der versiegelte Brunnen als Symbole Mariens, ein Engel verstellt Bileam den Weg Westwand Mariä Opferung im Tempel; dieses Fresko ist stark zerstört.

Siebente Arkade mini|7. Arkade: Pietà mit Stifter Gregor Sybar Hauptbild dieser Arkade ist die Pietà an der Westwand, gestiftet von Gregor Sybar († 1443) und Mitte des 15. Jahrhunderts von Leonhard von Brixen gemalt. Die anderen Fresken am Gewölbe und an der Ostwand entstanden erst Ende des 15. Jahrhunderts und stammen vermutlich von Ruprecht Potsch. Ihr zentrales Thema ist die Jungfräulichkeit Mariens. Die dargestellten Symbole sind teils antiken Schriften entnommen, teils den Kirchenlehrern, sowie der Verteidigung der Jungfräulichkeit Mariens des Franz von Retz um 1400. Gewölbe Darstellung verschiedener Symbole der Jungfräulichkeit, unter anderem das sich im Laufe verjüngende kappadozische Pferd, die Vestalin Tuscia trägt zum Zeichen ihrer Unschuld Wasser in einem Sieb, eine Löwin erweckt ihre totgeborenen Jungen durch Anbrüllen zum Leben, der Vogel Charista verjüngt sich im Feuer, der Pelikan ernährt seine Jungen mit seinem Herzblut, die Bärin formt ihre Jungen durch Belecken schön, der aus der Asche auferstandene Vogel Phönix Ostwand über der Fensterreihe Die Vestalin Claudia macht mit ihrem Gürtel ein festgefahrenes Schiff wieder flott, der Vogel Calander zieht mit seinem Blick menschliche Krankheiten auf sich Westwand Pietà mit Stifter Gregor Sybar († 1443), der Heiligen Katharina sowie König David und der Prophet Jesaja

Achte Arkade