Artz ist ein Sammelbegriff für mehrere Firmen in Hannover, die Autotuning Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre unter dem Dach des Autohauses Nordstadt Hannover bzw. zwischen 1980 und 1993 als Blitz Automobil Vertriebs und Handelsgesellschaft anbot.

Der Firmenname Artz wurde für die Einlagerung und Konservierung von Fahrzeugen bzw. Fahrzeug-Leasing als Artz Leasing GmbH genutzt.

Der Name ging auf den Geschäftsführer Günter Artz zurück. Die Basis für die Fahrzeugumbauten stellten hauptsächlich die Modelle von Audi, VW und Porsche bzw. Opel. mini|VW Golf 928 von Artz, basierend auf dem Porsche 928 – optisch erkennbar an der Fahrzeugbreite

Geschichte Günter Artz war bis 1981 der Geschäftsführer des Autohauses Nordstadt in Hannover. Er war ein PR-Spezialist, der die Festpreiswartung, das Gebrauchtwagenzelt und den Nordstadt-Heckscheibenaufkleber erdacht und entwickelt hat. Bekanntheit erlangte er vor allem durch sein innovatives Autotuning.Wolfgang Blaube: DAZ24 - Auto Mobiles - Träume Wagen, 04/2010 vom 1. April 2010. Wie viele Fahrzeugtuner der 1980er Jahre wie z.B BB GmbH & Co Auto KG, Gemballa, Ruf Automobile usw. gelang es ihm für seine Fahrzeuge eine amtliche Zulassung zu erhalten. Seine ersten Umbauten in eigener Sache waren ein VW Karmann-Ghia Typ 34 mit einem luftgekühlten Sechszylinder-Boxermotor des Chevrolet Corvair und 1969 der Nordstadt-Express, ein silberfarbener VW 411 mit Porsche-911-Motor. Volkswagen Classic. Magazin #5.

1972 schuf er aus der kompletten Bodengruppe eines VW-Porsche 914/6 sowie dem 210 PS starken 2,7-Liter-Motor eines Porsche 911 und einer VW-1302-Karosserie den 213 km/h schnellen „Nordstadt Carrera-Käfer“ mit einer Beschleunigung von null auf 100 km/h in 7,3 Sekunden. Der Nordstadt Carrera-Käfer sieht aus wie ein Käfer, ist genau genommen aber ein als Käfer verkleideter, d. h. mit einer geänderten Karosserie versehener VW Porsche 914/6 mit Mittelmotor, der dort, wo der klassische Käfer den Motor hat, einen kleinen Kofferraum aufweist.Boschen/Barth: Das große Buch der Porsche-Sondertypen und -Konstruktionen. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1984, ISBN 3-87943-805-6.

1978 schnitt sein italienischer Karosserieschlosser Celeste di Santolo von einem verunfallten Vorserien-Porsche 928 das Dach oberhalb der Fensterlinie und die Außenhülle ab und verkleidete das unveränderte Fahrgestell mit der Karosserie eines VW Golf, die er zuvor um 210 mm verbreitert und um 300 mm verlängert hatte, um den pressewirksamen Nordstadt Golf 928 mit einem gewünschten Verkaufspreis von 150.000,– DM zu schaffen.

1979 gab es einen großen Bericht in der Zeitschrift Auto Motor Sport (AMS 12/1979) mit dem Titelbild Der stärkste Golf der Welt mit der der Golf 928 als Super Golf von Nordstadt bekannt gemacht wurde.

Am 22. September 1978 wurde der zweite und damit der letzte gebaute Artz Golf zugelassen. Auftraggeber und Käufer war Louis Krages aus Bremen, der fünf Jahre später unter dem Pseudonym John Winter mit einem Porsche 956 C die 24 Stunden von Le Mans gewann. Im Oktober 1981 wurden in der Zeitschrift Auto Motor & Sport der Nordstadt-Carrera-Käfer und Golf 928 sowie drei Kombiversionen des Audi 200 5T, Audi quattro und Porsche 924 Turbo veröffentlicht.

Im Herbst 1980 erhielt Artz von Porsche die Genehmigung für die „Vergolfung“ des neuen, 300 PS starken Porsche 928 S und holte sich bei Webasto einen Kostenvoranschlag für die Fertigung von 100 Dachsegmenten ein. Noch vor dem Produktionsstart der Kleinserie kam es zu internen Dissonanzen bei der Bischoff & Hamel-Gruppe, zu der Nordstadt gehört und Artz machte sich mit eigenem Namen Artz in derselben Straße selbständig. Er gründete das Opel Autohaus Blitz und präsentierte dort 1983 den Mini-Blitz, einen Opel Corsa Caravan (d. h. Kombi) mit einem 1,8-Liter-Motor und dem Getriebe und der vorderen Bremsanlage aus dem Kadett D GTE unter Verwendung speziell angefertigter Antriebswellen.Corsa Umbauten von Opel Blitz (Artz). In dieser Zeit entstanden Umbauten auf Opel-Basis, so zum Beispiel der Opel Senator B Kombi, der Teile des Opel Senators und des weitgehend baugleichen Opel-Omega-Kombis verband, oder der Opel Kadett V8, eine Corvette, der die Karosserie eines Opel Kadett GSI aufgesetzt wurde, sowie sein letzter großer Umbau, der Lotus Calibra, bei dem eine modifizierte Opel Calibra-Karosserie auf eine Lotus Omega-Basis gebaut wurde.

Durch Vertragsunstimmigkeiten mit Opel, bei denen es um die Nennung „Opel-Blitz“ sowie EG-Grauimporte ging, wurde das Vertragsverhältnis gekündigt. Zum Ende der Opel-Zeit entstanden auch zwei Mercedes-Fahrzeuge auf Basis der Baureihe W 124, es handelte sich dabei um Modelle des Typs 500 E als Kombiversion, die ab Werk nicht angeboten wurde.

Günter Artz zog sich 1996 aus dem Automobilgeschäft zurück und verkaufte die Firma, die sich mit Langzeitkonservierungen von Fahrzeugen befasste. Ein Tätigkeitsbereich, der auch schon Anfang der 1980er Jahre zum Angebot gehörte, als er 25 VW Käfer Cabrios bestellte und einlagerte.

Modelle Die Artz-Umbauten waren durch seine PR Geschicklichkeit Weltweit bekannt und waren häufig renommierten Auto-Fachzeitschriften einen Titelartikel wert. Oft wurden auch Sportwagen zu Kombi-Modellen umgebaut. Viele Fahrzeuge von Artz blieben Einzelstücke, einige wurden in Kleinserien gebaut. Die Zeitschrift Auto, Motor und Sport bezeichnete auf ihrem Titelblatt in Heft 21 vom 21. Oktober 1981 eine Auswahl von Artz-Fahrzeugen als „Die tollsten Autos aus Deutschland“.

Audi 200 Kombi auf Basis des Audi 200 (1981) Audi quattro Kombi auf Basis des Audi quattro (1981) Audi quattro Limousine auf Basis des Audi quattro (1981) Cordett Basis Opel Kadett E und Chevrolet Corvette (1989) Lotus Calibra Basis Lotus Omega und Opel Calibra (1992) Mercedes W124 Kombi 500 TE (1991) Porsche 924 Turbo Kombi auf Basis des Porsche 924 (1981) Porsche 928 Kombi auf Basis des Porsche 928 (1979& 1980) VW Golf 928 Basis Porsche 928 und VW Golf I VW Golf Speedster auf Basis des Golf I Cabriolets (1980) VW Jetta Cabrio auf Basis des Golf I Cabriolets (1980) VW Käfer Carrera (1972/1974) auf Basis einer Porsche 914 Bodengruppe incl. Porsche-Carrera-Motor und VW Käfer Karosserieteilen. VW Käfer Carrera (1986/1987) auf Basis einer Porsche 914 Bodengruppe und VW Käfer Karosserieteilen im Kundenauftrag VW Scirocco als Pick-up Sciwago (VW Scirocco Kombi, 1978)

Audi 200 Kombi mini|ARTZ Audi 200 Kombi quattro vor dem Oldtimermuseum in Stadtlohn

Der Audi 200 Kombi entstand, indem einer Audi 200 Limousine (Typ 43) das Heck eines VW Passat Variant angepasst wurde. Da Audi selbst den Audi 200 des Typs 43 nie als Avant anbot, stellte der Audi 200 Kombi von Artz eine Besonderheit dar, zumal die Avant-Version des baugleichen Audi 100 damals noch ein reines Schrägheck besaß, während der Audi 200 Kombi von Artz ein richtiger Kombi war. Das Auto galt lange Zeit als verschollen. Seit Ende 2023 steht das Auto im Siku-Museum in Stadtlohn.

Als Besonderheit wurde der Audi 200 Kombi auch mit Allradantrieb und dem 147-kW-Motor des Audi Quattro angeboten.

Audi quattro Kombi Der Audi quattro Kombi war eine eigenständige Entwicklung von Artz, bei der das Heck individuell gestaltet wurde. Auffällig war die große Heckscheibe, die gleichzeitig als Kofferraumdeckel diente. Sie reichte sehr weit bis zum Leuchtband zwischen den Heckleuchten hinunter.

Audi quattro Limousine mini|Audi quattro Limousine

Die Karosserie stammte von einem Audi 80 CD, der im August 1981 auf den Markt kam. Zu erkennen waren die Karosserien an den größeren Lufteinlässen unter der vorderen Stoßstange. Im Oktober 1981 wurde das Audi Quattro-Heck verbaut, im November 1981 wurden das Dach und die B-Säule aus einem Audi 80 verbaut. Der Vorderwagen und das Heck sind größtenteils vom Audi Quattro. Die hintere Stegwand zur Befestigung der Rückenlehne ist auch vom Quattro. Der Kofferraumdeckel ist eine Kombination aus 80er Limousine und Coupé. Im Dezember 1981 wurde das Projekt fertig. Der Erstbesitzer war Louis Krages alias John Winter. Heute steht das Auto im Siku-Museum in Stadtlohn.

Cordett Beim Cordett handelt es sich um ein Fahrzeug, das prinzipiell dem Nordstadt Carrera-Käfer und Artz Golf 928 gleicht. Diesmal wurde die gestreckte Karosserie eines Opel Kadett E GSi über die technische Basis einer Chevrolet Corvette C4 gestülpt. Der Cordett erlangte allerdings nie den Bekanntheitsgrad des VW Golf 928.

Lotus Calibra Ähnlich wie beim Nordstadt Carrera-Käfer, Golf 928 und Cordett wurde als letztes großes Projekt eine gestreckte und verbreiterte Karosserie eines Opel Calibra auf die technische Basis eines Lotus Omega gebaut. Hier ist es gelungen, die Proportionen der neuen Karosserie gegenüber dem Ursprungsfahrzeug am besten beizubehalten. Es war auch kostenmäßig der aufwendigste Umbau.

Mercedes 500 TE Der Umbau erfolgte, indem eine W124-036-Limousine mit einem Kombi-Heck versehen wurde. Anders als die normalen Serien-W124 wurde das 500er-Modell – zu erkennen an den stark ausgestellten Kotflügeln – bei Porsche gefertigt. Es wurden nur 2 Stück gebaut. Ein Fahrzeug fuhr der Rennfahrer Louis Krages, die Spur des Wagens verliert sich dann, dieser Wagen soll durch einen Unfall zerstört worden sein. Den zweiten Wagen nutzte Günter Artz bis 2008 als Privatwagen.

Porsche 924 Kombi/Porsche 928 Kombi mini|Porsche 928 S Break

Die Umbauten der Porsche-Modelle erfolgten wie beim Audi quattro Kombi ebenfalls eigenständig, wobei hier die Heckscheibe nicht so auffallend groß ausfiel. Der Porsche 924 Kombi wurde 20 mal gebaut.

VW Golf 928 mini|Im Autohaus Nordstadt am 22. September 1979

Der wohl bekannteste Umbau von Artz war der VW Golf 928. Auf die Technik und Bodengruppe des Porsche 928 wurde eine dem VW-Golf ähnliche Karosserie gesetzt.

Auf den ersten Blick sieht der Wagen wie ein normaler VW Golf I aus. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass die Karosserie um 21 cm verbreitert und um 30 cm verlängert wurde. Auf weitere Tuningmaßnahmen wie z. B. Spoiler wurde verzichtet. Auch die Optik wurde nicht dem Golf GTI, sondern dem Golf GL angepasst.

So waren diesem Fahrzeug seine 177 kW (240 PS) aus einem V8-Motor mit 4,5 Liter Hubraum kaum anzusehen. Das einzige, was äußerlich aus technischen Gründen übernommen werden musste, waren die Räder und Reifen des Porsche 928. Lediglich zwei VW Golf 928 wurden gebaut und wie bereits vorher beim „Nordstadt Käfer“ den jeweils aktuellen Modellen angepasst. So hatten beide zuerst die kleinen bis Juli 1980 verwendeten Rückleuchten und später die breitere Version der Rückleuchten die ab August 1980 im Golf verbaut wurden.

VW Golf Speedster Der Golf Speedster ist ein Golf 1 Cabrio, bei dem die ganze Dachlinie um ca. 10 cm niedriger ist als in der Serie. Dies bedingte eine spezielle Frontscheibe ebenso wie modifizierte Seitenscheiben und ein eigens entwickeltes Verdeck. Gebaut wurden 6 Fahrzeuge, von denen heute noch 2 bekannt sind. Von diesen hatte einer einen 51-kW-Motor (70 PS), zwei hatten einen Schrick-Turbo-Motor und die restlichen drei hatten jeweils einen 81-kW-GLI-Motor (110 PS/MKB EG). Bis auf einen (die Nummer 2), wurden alle Fahrzeuge auf Basis von Neuwagen aufgebaut. Bei der Nummer 2 wurde ein Jahreswagen umgebaut.

VW Jetta Cabrio Das VW Jetta Cabrio basierte auf dem Cabriolet des VW Golf I. Es ist somit, wie bei den Basismodellen, ein Golf mit angesetztem Kofferraum. Gebaut wurden nach Angaben der verschiedenen Quellen 2 bis 14 Stück, wobei das bügellose rote Exemplar sicher nur einmal gebaut wurde.

VW Käfer Carrera