Konrad Goehl (* 24. Juni 1938 in Ansbach) ist ein deutscher Altphilologe, Mittellateiner, Germanist und Medizinhistoriker.
Leben und Wirken Konrad Goehl, Sohn von Simone Göhl, geborener Vogelhuber, und des Schreinermeisters Anton Göhl, stammt aus Ansbach in Mittelfranken, besuchte dort die Karolinenschule und die Friedrich-Güll-Schule und dann das Gymnasium Carolinum illustre, an dem er im Juli 1959 das Abitur ablegte. Er studierte anschließend Klassische Philologie (Griechisch und Latein) und Germanistik – jeweils sechs Semester an der Universität Erlangen und der Ludwig-Maximilians-Universität München –, bis er im Sommersemester 1965 in Erlangen das Staatsexamen ablegte. Seine zweijährige Referendarzeit absolvierte er am Augustinus-Gymnasium in Weiden in der Oberpfalz und am Simpert-Kraemer-Gymnasium in Krumbach (Schwaben).
Nach Bestehen der Pädagogischen Prüfung erhielt Konrad Goehl im August 1967 das Zeugnis über die Prüfungen für das Lehramt an Gymnasien und wurde Studienreferendar am Schillergymnasium in Heidenheim an der Brenz. Von 1967 bis 1996 arbeitete er dort – ab 1970 als Studienrat und ab 1971 als Oberstudienrat – im Schuldienst.Konrad Goehl: Lebenslauf. In: Konrad Goehl: Guido d’Arezzo der Jüngere und sein „Liber mitis“. 1984, S. 1059. Im Jahr 1984 wurde er an der Universität Würzburg, an der er 1976 mit dem von Gundolf Keil geleiteten Würzburger Institut für Geschichte der Medizin in Kontakt gekommen war,Konrad Goehl: Nachruf auf Johannes Gottfried Mayer (19. November 1953 – 27. März 2019). In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018 (2021), S. 317–319, hier: S. 317. mit einer Arbeit über Guido d’Arezzo den Jüngeren und dessen im 12. Jahrhundert entstandenes, auf der Humoralpathologie beruhendesKonrad Goehl, Gundolf Keil: ‚Liber mitis‘. Zum Titel von Guidos Purgiertrakat. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 4, 1986, S. 179–184. medizinisches Werk Liber mitis (enthalten in der medizinischen Sammelhandschrift Codex Strozzi 88Konrad Goehl: Guido d’Arezzo der Jüngere und sein „Liber mitis“. 1984, S. 126–136. in der Bibliotheca Medicea Laurentiana in Florenz) zum Doktor der Philosophie promoviert.Zum rätselhaften Titel Liber mitis siehe: Konrad Goehl: Anmerkungen zur Bedeutung Guidos d’Arezzo des Jüngeren und seines „Liber mitis“. In: Gundolf Keil (Hrsg.): Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 4/5 (2008/09), Deutscher Wissenschafts-Verlag, Baden-Baden 2010, S. 23. Für die Würzburger medizinhistorischen Mitteilungen verfasste er zahlreiche Aufsätze.WmM-Autorenverzeichnis 1 (1983) – 24 (2005). S. 13–14. 1999 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der interdisziplinären Forschergruppe Klostermedizin. Zusammen mit deren Leiter Johannes Gottfried Mayer, mit dem er seit 1996 zusammengearbeitet hatte, gab er unter anderem, nachdem ihn Mayer auf diese Schrift aufmerksam gemacht hatte, 2001 den Macer floridus von Odo Magdunensis, das allgemeine Standardwerk der mittelalterlichen Kräuterheilkunde, erstmals in einer neuhochdeutschen Fassung in Höhepunkte der Klostermedizin (später Kräuterbuch der Klostermedizin) heraus.Konrad Goehl: Nachruf auf Johannes Gottfried Mayer (19. November 1953 – 27. März 2019). 2021, S. 317.
Im Deutschen Wissenschafts-Verlag folgten weitere Ausgaben und Übersetzungen zentraler Werke der mittelalterlichen Arzneikunde, u. a. zum Circa instans sowie zum Kanon der Medizin von Avicenna. Zudem lehrt und forscht Goehl in der Klassischen Philologie an der Universität Würzburg, arbeitet mit Jorit Wintjes und assistierte Udo W. Scholz bei der Herausgabe der Persius-Scholien der Traditionsfamilien B und C.
Konrad Goehl lebt in Jettingen-Scheppach in der Nähe von Augsburg. Er ist seit August 1966 verheiratet; aus der Ehe gingen 1968 eine Tochter und 1970 ein Sohn hervor.
Veröffentlichungen (Auswahl) Kurzindex zum pseudoplatearischen „Liber iste“. In: Gundolf Keil (Hrsg.): „gelêrter der arzenîe, ouch apotêker“. Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte (Festschrift Willem F. Daems). Pattensen bei Hannover (jetzt im Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg) 1982 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 24), S. 655–659. Guido d’Arezzo der Jüngere und sein „Liber mitis“. 2 Bände. Horst Wellm, Pattensen bei Hannover (jetzt Königshausen & Neumann, Würzburg) 1984 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 32), ISBN 3-921456-61-4 (zugleich Philosophische Dissertation Würzburg). Guido d’Arezzo als Avicenna-Leser. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 1, 1983, S. 23–35. Zur Stuhlschau des Theophilus. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 2, 1984 , S. 29–77, sowie Ergänzungen und Berichtigungen zu 'Zur Stuhlschau des Theophilus. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 3, 1985, S. 385 f. Guido d’Arezzo der Jüngere als Purgiermeister. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 4, 1986, S. 39–61. Lesefrüchte aus der griechisch-lateinischen Galen-Ausgabe von Karl Gottlob Kühn. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 5, 1987, S. 97–110. Ein Humoralpathologe liest das Wintergedicht des Horaz. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 7, 1989, S. 101–104. Das Florentiner Fragment des anonymen Traktates „De modo medendi“. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 31). mit Gundolf Keil: „apothecarii nostri temporis“. Eine Kritik am Apothekerstand aus der Frühzeit der Pharmazie. In: Veröffentlichungen der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Neue Folge, Band 59, Stuttgart 1991. Die Palatina-Fassung des „Liber mitis“ von Guido d’Arezzo dem Jüngeren. Mit Kommentar und Wörterbuch herausgegeben. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 12, 1994, S. 91–142. Das „Gicht-“ und „Schnupfenregiment“ des Anonymus Luneburgensis. Untersuchungen zu zwei norddeutschen Konsilien des Jahres 1442 mit kritischer Ausgabe des Textes. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 13, 1995, S. 133–198. mit Johannes Gottfried Mayer: Signa mortui foetus. Das tote Kind im Mutterleib. Ein neuer Text zur mittelalterlichen Gynäkologie. In: Sudhoffs Archiv. Band 84, 2000, S. 232–235. mit Johannes Gottfried Mayer: Ein gynäkologisch-kosmetisches Fragment aus der Mitte des 13. Jahrhunderts im Propsteiarchiv Kempen als Gegenstand der medizinhistorischen Forschung. In: Die Handschriften des Propsteiarchivs Kempen. Köln 1999, S. 59–76. Generalregister zu den Bänden I–XX der Würzburger medizinhistorischen Forschungen. 2 Bände. Pattensen bei Hannover 1987 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Beiheft 1), jetzt beim Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg. Generalregister zu den Bänden XXI–XXIV, XXVI, XXVIII der Würzburger medizinhistorischen Forschungen. 2 Bände. Würzburg 1999 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Beiheft 5). Xenophon und die Medizinhistorikerin. Wie ein Beziehungsversuch nicht gelang. Notwendige Ergänzung zu dem Aufsatz: „Bolismus oder bulimia – Krankheit der modernen Zeit?“ von Milada Říhová. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 19, 2000, S. 533–540. als Hrsg. mit Johannes Gottfried Mayer: Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil zum 65. Geburtstag (= Texte und Wissen. Band 3). Königshausen & Neumann, Würzburg 2000, ISBN 3-8260-1851-6. Die Grundlagen der Galenik in einem Florentiner Fragment des 13. Jahrhunderts. In: Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil zum 65. Geburtstag. Königshausen & Neumann, Würzburg 2000 (= Texte und Wissen. Band 3), ISBN 3-8260-1851-6, S. 17–43. mit Johannes Gottfried Mayer: Variationen über den Phlebotomie-Traktat „Venarum minutio“. Die Vorlage des sogenannten „24-Paragraphen-Textes“. In: Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil zum 65. Geburtstag. Königshausen & Neumann, Würzburg 2000 (= Texte und Wissen. Band 3), ISBN 3-8260-1851-6, S. 45–65. Berthold Blumentrosts Giftbüchlein „Tractatus de cautelis venenorum“ – neu gelesen. In: Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil zum 65. Geburtstag. Königshausen & Neumann, Würzburg 2000 (= Texte und Wissen. Band 3), ISBN 3-8260-1851-6, S. 67–126. mit Johannes Gottfried Mayer: Was tun, wenn die Pest kommt: Götter lästern oder Juden brennen? In: Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil zum 65. Geburtstag. Königshausen & Neumann, Würzburg 2000 (= Texte und Wissen. Band 3), ISBN 3-8260-1851-6, S. 127–166. mit Johannes Gottfried Mayer: Antike Gemmen: Steinmagie und Liebeszauber bis ins christliche Mittelalter. Der Jude „Techel“ oder „Cheel“ und die >coelatio lapidum< mit Edition und Übersetzung zweier Steinbücher. In: Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil zum 65. Geburtstag. Königshausen & Neumann, Würzburg 2000 (= Texte und Wissen. Band 3), ISBN 3-8260-1851-6, S. 265–316. Die Vita Avicennae des Sorsanus oder Al-Dschusadschani, lateinisch und deutsch. In: Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil zum 65. Geburtstag. Königshausen & Neumann, Würzburg 2000 (= Texte und Wissen. Band 3), ISBN 3-8260-1851-6, S. 317–338. mit Johannes Gottfried Mayer: Deus in cogitatione existens. Der Appendix zum „Proslogion“ des Anselm von Canterbury – oder: Kann Gaunilos Nicht-Sein gedacht werden? In: Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil zum 65. Geburtstag. Königshausen & Neumann, Würzburg 2000 (= Texte und Wissen. Band 3), ISBN 3-8260-1851-6, S. 339–402. Tradition, Empirie und Paradigmenwechsel. Zu Dominik Groß: Zähne und Zeiten. In: Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil zum 65. Geburtstag. Königshausen & Neumann, Würzburg 2000 (= Texte und Wissen. Band 3), ISBN 3-8260-1851-6, S. 419–427. Als Epitaphium für Michael Holler: Elegische Verse des Antipatros von Thessalonike mit Übertragungsangeboten von Konrad Goehl. In: Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil zum 65. Geburtstag. Königshausen & Neumann, Würzburg 2000 (= Texte und Wissen. Band 3), ISBN 3-8260-1851-6, S. 428–429. mit Johannes Gottfried Mayer: Das Darmstädter Johannes-Alexandrinus-Fragment. In: Sudhoffs Archiv. Band 84, 2000, S. 201–221. mit Johannes Gottfried Mayer: Nachträge zum „Darmstädter Johannes-Alexandrinus-Fragment“. In: Sudhoffs Archiv. Band 88, 2004, S. 96–102. als Hrsg. mit Johannes Gottfried Mayer: Höhepunkte der Klostermedizin: der „Macer floridus“ und das Herbarium des Vitus Auslasser. Reprint-Verlag, Leipzig 2001, ISBN 3-8262-1120-0. mit Johannes Gottfried Mayer: Das Verhältnis der mittelalterlichen Kräuterbücher zu ihren lateinischen Quellen: dargestellt am „Älteren deutschen Macer“, dem „Leipziger Drogenkompendium“ (Leipzig UB, 1224) sowie dem „Gart der Gesundheit“ (Mainz 1485). In: Sprachwissenschaft. Band 28, 2003, S. 273–292. mit Johannes Gottfried Mayer und Gundolf Keil: Der Aderlaßmann aus Michelstadt: Ein Plakat aus dem Mittelalter. In: Bewahren und Erforschen, Festschrift Kurt Hans Staub., Michelstadt 2003, S. 56–74.