Die Katholische Deutsche Studentenverbindung Gothia-Würzburg (kurz: KDStV Gothia-Würzburg) ist eine farbentragende und nichtschlagende Studentenverbindung. Sie gehört dem Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) an und wurde 1895 in Würzburg gegründet. Die Gothia vereint Studenten und Alumni der Julius-Maximilians-Universität zu Würzburg, diese werden (Würzburger-) Gothen genannt.

Couleur und Wappen miniatur|hochkant|Bandknopf in den Farben der KDStV Gothia-Würzburg Zur zeitlichen Entstehung der äußeren Erkennungszeichen der Gothia ist im Jahresbericht des Cartellverbandes der katholischen Studentenvereine Ripuaria Bonn und Gothia Würzburg 1898/99 nachzulesen: „Bereits am 6. Juli [sc. 1895] waren Namen und Farben, Wappen und Zirkel des neuen Vereins bestimmt.“

Couleur

Die Verbindung trägt die Farben schwarz–gold–grün mit grüner Perkussion am oberen und schwarzer am unteren Aufstoß. Bis 1907 waren diese golden und mussten aber geändert werden, da die KDStV Alemannia Greifswald diese Farbkombination im CV bereits seit 1891 für sich beansprucht hat. Die Gothenfüxe tragen ein schwarz–grünes Band mit goldener Perkussion. Nach der Aufnahme in den CV 1905 trugen die Gothen zunächst Hinterhauptcouleur. Um Verwechslungen mit einem Bischöflichen Knabenseminar auszuschließen, dessen Schüler ebenfalls kleinformatige grüne Tellermützen trugen, führte Gothia um 1925 die große Tellerform in Smaragdgrün ein.Vgl. Ulrich Becker: Würzburger Couleurkarten. Studentenleben auf alten und neuen Postkarten. Ein Beitrag zur Vierhundertjahrfeier der Universität Würzburg 1982. Ulrich Becker Verlag, Würzburg 1981, S. 50.

Der Senior trägt über die linke Schulter ein verziertes Band der 1876 gegründeten Freundschaftsverbindung KÖStV Austria Wien im ÖCV als Zeichen der besonderen Verbundenheit.Internet-Seite der K.Ö.St.V. Austria-Wien im ÖCV

Die heute noch vorhandene Gründungsfahne stammt aus dem Jahr 1899.

Wappen

Das Wappen ist geviert. Rechts oben in Gold in den Verbindungsfarben beschleifter Lorbeerkranz, darin offenes Buch mit dem Verbindungswahlspruch „Cum fide virtus!“ (zu dt.: „In Treue fest!“); links oben zweifach in den Verbindungsfarben schräglinksgeteilt, darauf der Verbindungszirkel; rechts unten in Grün schräggekreuzt Lyra und Trinkhorn; links unten die Ansicht Würzburgs: die ‚alte Mainbrücke‘ mit Blick zur Festung Marienberg. Golden bordierter Herzschild, in Schwarz ein Tatzenkreuz. Gekrönter Spangenhelm; Decke und drei Straußenfedern in den Verbindungsfarben.Schieweck-Mauk: Lexikon der CV- und ÖCV-Verbindungen. S. 337 f.

Geschichte Gründungsjahre Als offizielles Gründungsdatum wird der 19. Juni 1895Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 116. betrachtet und auch gefeiert. Die Tradition reicht jedoch um einige Jahrzehnte weiter zurück, denn Gothia wurde von ehemaligen Mitgliedern des 1875 gegründeten Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereins Unitas (seit 1920 WKStV Unitas Hetania) ins Leben gerufen, einem Würzburger Zweigverein des ältesten katholischen Studenten- und Akademikerverbands, dem 1855 gegründeten Unitas-Verband (UV).Ulrich Becker: Würzburger Couleurkarten. Studentenleben auf alten und neuen Postkarten. Ein Beitrag zur Vierhundertjahrfeier der Universität Würzburg 1982. Ulrich Becker Verlag, Würzburg 1981, S. 50; Hermann Josef Wurm: Handbuch für den Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen. 3. Auflage. Berlin 1905, S. 55 f. Den Gründern unter Federführung von Franz Xaver Haegy ging es um eine in ihren Augen zeitgemäße Verwirklichung der Unitas-Prinzipien. Wegen der Widerstände, die ihnen dabei entgegenschlugen, gründeten sie eine neue Verbindung.Christopher Dowe: Auch Bildungsbürger. Katholische Studierende und Akademiker im Kaiserreich (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 171). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-35152-6, S. 61.

Zunächst noch als Katholischer Studentenverein entschied man sich – vermutlich aus Begeisterung für das Buch Ein Kampf um Rom des ehemaligen Würzburger Professors Felix Dahn, sicher aber unter dem Eindruck des heroisierenden und historisierenden Zeitgeistes des Wilhelminismus – für den Namen „Gothia“ und wählte die Farben schwarz–gold–grün, welche von den 28 Gründungsmitgliedern aber zunächst noch nicht als Band und Mütze getragen wurden. Man behielt die Prinzipien der Unitas (virtus – scientia – amicitia) bei und wählte den Wahlspruch Cum fide virtus (gemeinhin mit „In Treue fest“ übersetzt). Am 16. Juli 1895 erlangte man die Bestätigung des Akademischen Senats der Universität Würzburg, unter dem damaligen Prorektor Wilhelm Conrad Röntgen.

Zu den ersten (Ehren-)MitgliedernBericht des katholischen Studenten-Vereins Gothia. Nr. 5 (8) Würzburg, 1. Juni 1902, S. 23 f. (I. Chronik. Winter-Semester 1901); speziell zu Professor Henner: Peter Josef Jörg: Theodor Henner. In: Lebensläufe aus Franken Nr. 6/1960, S. 241–250; http://franconica.uni-wuerzburg.de/ub/55franc4105/ueber.html gehörten unter anderem Theodor Henner, Friedrich Philipp von Abert, Johannes Hehn sowie Herman Schell, welcher die noch heute über der Neuen Universität am Sanderring zu lesende Widmung „Veritati“ (lat. „Für die Wahrheit“) stiftete.Siehe hierzu den bebilderten Artikel von Robert Emmerich: Die Neue Universität am Sanderring. Ein Streifzug durch die Geschichte des Hauses auf den Seiten der Univ. Würzburg:

Eine Aufnahme in die Katholicarum Congregativum Confoederatio (KCC), dem damaligen Zusammenschluss aller katholischen Verbindungen in Würzburg, erreichte man nicht. Dafür trat man im Juni 1898 in ein Korrespondenzverhältnis zum Katholischen Studentenverein Ripuaria Bonn und gründete am 18. Juni 1899 zusammen dem Katholischen Akademischen Stammtisch Burgundia (heute KDStV Burgundia München).Die Hintergründe für den Kartellabschluss werden dargelegt in: Gothia jubilans. Festschrift zum 25. Stiftungsfest der KDStV Gothia. Würzburg 1920, S. 8. Dem aus diesen drei Korporationen gegründeten „Kleinen Kartellverband“, welcher unter der Bezeichnung Verband katholischer Studentenvereine (VKSt) auftrat, schloss sich im Jahr 1901 noch der Studentenverein Arminia Münster an.

Aufnahme in den CV Im aufziehenden Akademischen Kulturkampf drängte man auf einen Anschluss des VKSt an einen größeren Verband. Gothia favorisierte den Kartellverband Katholischer Deutscher Studentenvereine (KV), dessen Auffassungen man grundsätzlich teilte. Dies führte jedoch zu Meinungsverschiedenheiten und im Mai 1904 schließlich zum Austritt Gothias aus dem VKSt. Als eine Aufnahme in den KV scheiterte, wandte man sich Ende 1904 letztlich an den Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) – wenngleich dies eine Umwandlung in eine farbentragende Verbindung nach sich ziehen und zunächst für einige innere Widerstände sorgen sollte. Am 2. März 1905 wurde die KDStV Gothia-Würzburg als „Freie Vereinigung“ in den CV aufgenommen.Über die Aufnahme Gothias in den CV berichtet: Academia. Monatschrift des Cartellverbands der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen, Nr. 18/1 vom 15. Mai 1905. Ein Abdruck der Originalausgabe nebst einem Auszug aus dem Protokoll der 42. Cartellversammlung, die vom 17. bis 21. August 1906 in Essen stattfand und über die Aufnahme Gothias als vollberechtigte Verbindung in den CV entschied, finden sich in: Richard Baumann: Gothia sei’s Panier. 100 Jahre KDStV Gothia zu Würzburg im CV 1895–1995. Würzburg 1995, S. 25–26. Etwa zur gleichen Zeit löste sich auch der verbliebene VKSt im CV auf. Schwierigkeiten bereitete in den folgenden Jahren die Suche nach einem geeigneten Kneiplokal. Nach Jahren mit häufig wechselnden Lokalen bezog die Verbindung schließlich im Sommersemester 1916 ihr Heim im traditionsreichen Weinhaus Stachel, der ältesten Weinstube Würzburgs.Bis zum Wintersemester 1925/26 hatte die KDStV Gothia ihre Kneipe im 1. Stock des Seitengebäudes im Hof des traditionsreichen Weinhauses. Vgl. hierzu Ulrich Becker: Würzburger Couleurkarten. Studentenleben auf alten und neuen Postkarten; ein Beitrag zur Vierhundertjahrfeier der Universität Würzburg 1982. Verlag Becker, Würzburg 1981, S. 51.

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Sommer 1914 und die Einberufung zahlreicher Bundesbrüder unterbrachen das weithin konsolidierte Verbindungsleben. Der aktive Bundesbetrieb wurde erst 1919 wieder in vollem Umfang aufgenommen. Bis zum Ende des Krieges waren von den mittlerweile rund 200 Gothen etwa 130 an allen Fronten eingesetzt. Neben etlichen Verwundeten hatte man insgesamt 22 Gefallene und zwei Vermisste zu beklagen. Die gemeinsamen Kriegserlebnisse ließen bestehende Konflikte zwischen Studenten und Korporationen allmählich in den Hintergrund treten.Einen ausführlichen und quellenreichen Einblick in die Geschichte der Studentenverbindungen in der Weimarer Republik bietet Matthias Stickler: Zwischen Reich und Republik. Zur Geschichte der studentischen Verbindungen in der Weimarer Republik. In: Harm-Hinrich Brandt, Matthias Stickler (Hrsg.): „Der Burschen Herrlichkeit“. Geschichte und Gegenwart des studentischen Korporationswesens. Würzburg 1998, S. 85–123 (inkl. eines Abdrucks der Tagungsdiskussion). So gelang am 17. Januar 1919 die Wiederbegründung des Zusammenschlusses der katholischen Korporationen an der Universität Würzburg zum Katholischen Coporationen Convent (KCC). Daneben konnte bereits im Dezember 1918 der Zweckverband der Würzburger Studentenkorporationen ins Leben gerufen werden – ein Novum in Deutschland, das maßgeblich zum Spannungsabbau zwischen nicht-schlagenden und schlagenden Verbindungen beitrug. Dieser Zweckverband sollte sich im Sommer 1919 zu einem Allgemeinen Studentenausschuss (AStA) erweitern. Im Frühjahr 1919 kam es auch in Würzburg zu Unruhen und Putschversuchen. Anfang April wurde die Räterepublik ausgerufen. Soldaten und Korporationsstudenten – darunter Gothen – gingen schließlich erfolgreich gegen die Revolutionäre vor und befreiten Würzburg.Vgl. ausführlich zur Revolution 1919 in Würzburg und deren Niederschlagung: Bettina Köttnitz-Porsch: Novemberrevolution und Räteherrschaft 1918/19 in Würzburg. Würzburg 1985 (= Mainfränkische Studien 35). Am 30. Juni 1921 konnte das Erlanger Verbände- und Ehrenabkommen zum Erfolg gebracht werden, außerdem trat Gothia zusammen mit den übrigen Verbindungen des WCV dem Hochschulring Deutscher Art (HDA) bei. Als der Hochschulring sich im Zuge des Hitler-Putsches auf die Seite der Putschisten schlug, erklärte Gothia als erste Korporation des WCV ihren Austritt. Sie stellte sich ganz auf die Seite des Gothen Franz Matt, der als bayerischer Kultusminister und stellvertretender Ministerpräsident wesentlichen Anteil an der Vereitelung dieses Putsches hatte.Vgl. Lydia Schmidt: Kultusminister Franz Matt (1920–1926). Schul-, Kirchen- und Kunstpolitik in Bayern nach dem Umbruch von 1918 (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte). C. H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-10707-9. Weiterhin bemerkenswert ist, dass Gothia sich seit 1923 in der Würzburger Hochschulpolitik engagierte und 1926/27 sowie 1931/32 den 1. AStA-Vorsitzenden stellen konnte. Im Jahr 1926 erwarb der „Hausbauverein Gothenheim“ das Anwesen Leutfriedweg 10, nahe dem Käppele. Die Einweihung der auf dem Grundstück stehenden neugotischen Villa, die aufgrund ihrer markanten, burgähnlichen Bauweise von vielen Würzburgern bis heute als „Gothenburg“ bezeichnet wird, erfolgte am 31. Oktober 1926 durch den Würzburger Bischof Matthias Ehrenfried, der 1927 das Ehrenprotektorat Gothias übernahm.Nach der erzwungenen Selbstauflösung 1935 wurde das Haus verkauft und wechselte mehrfach den Besitzer, bis es beim Bombenangriff am 16. März 1945 zerstört wurde. Vgl. Ulrich Becker: Würzburger Couleurkarten. Studentenleben auf alten und neuen Postkarten; ein Beitrag zur Vierhundertjahrfeier der Universität Würzburg 1982. Verlag Becker, Würzburg 1981, S. 52.

NS-Diktatur