Die Hohenbodmaner Linde, auch tausendjährige Linde genannt, steht in der Ortsmitte von Hohenbodman, einem Ortsteil von Owingen im Bodenseekreis in Baden-Württemberg.

Beschreibung Die Sommerlinde (Tilia platyphyllos) ist nach verschiedenen Schätzungen 400 bis 1000 Jahre alt und seit dem 25. Juli 1939 durch den Landkreis Überlingen auf der Liste der Naturdenkmäler aufgeführt. Der Baum ist ungefähr elf Meter hoch und hat einen Stammumfang von zehn Metern, er ist damit einer der umfangstärksten Bäume in Deutschland. Das „Deutsche Baumarchiv“ zählt die Linde zu den „National Bedeutsamen Bäumen (NBB)“, wichtigstes Auswahlkriterium hierfür ist der Stammumfang in einem Meter Höhe. Die Deutsche Dendrologische Gesellschaft (DDG) führt die Linde als „Championtree“; ausgewählt wird von der DDG dazu der jeweils dickste Baum der Art im Bundesland. Über den Zustand der Linde, die sich im Eigentum der Gemeinde befindet, wurden in den Jahren 1982, 2001, 2004 und 2010 Gutachten erstellt. Pflegemaßnahmen fanden in den Jahren 1983, 1994 und 2010 statt.

Lage Der Ort Hohenbodman mit etwa 230 Einwohnern befindet sich nordöstlich des Bodenseeufers bei Überlingen und etwa 280 Meter über Seehöhe. Die Linde steht auf etwa an einem kleinen Straßenabzweig der Lindenstraße neben dem Feuerwehrhaus inmitten einer etwas erhöhten, ungefähr dreieckigen und grasbewachsenen Straßeninsel. Diese ist von einem etwa 40 Zentimeter hohen Sockel aus Natursteinen umsäumt, die angrenzenden Straßenflächen sind auf zwei Seiten asphaltiert, auf den beiden anderen ersetzen gelochte Betonsteine eine frühere Teerdecke.

Geschichte Frühe Geschichte Der mündlichen Überlieferung zufolge wurde die Linde von den Herren von Bodman, Reichsministeriale der Hohenstaufen und des Bischofs von Konstanz, gepflanzt. Die Herren von Bodman waren bis 1282 am Ort ansässig und werden mit der Linde in Verbindung gebracht, weil ihr Wappen drei Lindenblätter enthielt. Im Jahre 1859 berichteten die Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg: „Das wenig höher als die Warte gelegene kleine Dorf Hohenbodmann ruht auf dem Diluvium und auf diesem beim Dorfe steht eine alte hohle Linde von 10′ Diameter.“ In seinem Buch Bemerkenswerte Bäume im Grossherzogtum Baden schrieb der deutsche Botaniker und Biologe Ludwig Klein im Jahre 1908: mini|hochkant|Linde um 1904 von Ludwig Klein

Der Botaniker Friedrich Oltmanns schrieb im Jahr 1922 in Das Pflanzenleben des Schwarzwaldes: „Der 26 m hohe Baum hat einen für unsere Verhältnisse unerhörten Stammumfang von 9,4 m.“ H. von Bronsart schrieb 1924 in Die heimische Pflanzenwelt: „So steht bei Hohenbodman am Bodensee eine Linde mit 9,5 Meter Stammumfang, der stärkste Baum von ganz Baden.“ Im Jahr 1938 verband man die unteren Äste mit starken Eisenbändern, sogenannten Schlaudern, damit die große Krone nicht auseinanderbrach. Die Linde wurde am 25. Juli 1939 nach dem Reichsnaturschutzgesetz (RNG) mit der Verordnung zur Sicherung von Naturdenkmalen im Landkreis Überlingen zum Naturdenkmal erklärt.Umweltschutzamt Bodenseekreis 2013 In der Literatur wird als Jahr der Unterschutzstellung auch 1936 genannt.

Bauarbeiten bei der Linde und Sanierungen mini|hochkant|Teile der Kronensicherung mit Hängekonstruktion Beim Ausheben eines eineinhalb Meter tiefen Grabens für eine Trinkwasserleitung etwa zwei Meter neben dem Fuß der Linde wurde im Jahr 1964 ihr Wurzelwerk beschädigt. Mit der Eingemeindung von Hohenbodman im Zuge der Gebietsreform in Baden-Württemberg zum 1. Januar 1972 nach Owingen wurde die Untere Naturschutzbehörde des Bodenseekreises für die Linde verantwortlich. Im Jahr 1975 wurde ein weiterer, zwei Meter tiefer Graben für die Abwasserentsorgung etwa zehn Meter neben dem Stamm gezogen. Wiederum wurde das Wurzelwerk beschädigt und die Vitalität der Linde ließ daraufhin binnen weniger Jahre stark nach. Im Herbst 1982 erstellte die Baumpflegefirma Michael Maurer ein Baumgutachten, das in der Hauptsache diese Baumaßnahmen der Jahre 1964 und 1975 in der nahen Umgebung des Baumes für den starken Vitalitätsabbau der Linde verantwortlich machte. Der Wurzelverlust war nach Angaben des Baumexperten „ganz erheblich und umfangreich“. In Anbetracht der Ausladung der Äste schätzte der Gutachter, dass 35 bis 40 Prozent der Gesamtwurzelmasse bei den beiden Bauarbeiten zerstört oder beschädigt worden waren. Die Standfestigkeit der Linde hatte dadurch zwar nicht gelitten, jedoch war ein erheblicher Teil ihrer Wurzeln zerstört worden. Das Gutachten bewertete die Linde wegen ihrer Einmaligkeit als „unbedingt erhaltenswert“ und trotz ihres schlechten Zustandes als „erhaltungsfähig“. Im Jahr 1983 fanden für 20.000 Deutsche Mark Sanierungsarbeiten an der Linde statt. Dabei kürzte man die einstmals 30 Meter hohe Krone um 30 Prozent ein, um dem Baum eine Überlebenschance zu geben. Nach der Sanierung wurde ihr noch eine Lebenserwartung von 30 bis 50 Jahren attestiert. mini|links|Linde von Norden aus Im Jahr 1994 wurde die Linde erneut baumchirurgisch behandelt. In den Jahren 2001 und 2004 gab es weitere Gutachten, um die Standsicherheit zu prüfen und notwendige Maßnahmen einzuleiten. Diese Untersuchungen ergaben auch, dass sich der Befall mit dem Brandkrustenpilz stark ausgeweitet hatte. Im Jahre 2005 ging die Linde im Zuge der Verwaltungsreform vom Landratsamt in die Verantwortung der Stadt Überlingen über. Bei einer Sitzung im Juni 2010 über die Zukunft der Linde waren sich Ortsvorsteher Jörg Nesensohn und der Überlinger Revierförster und Baumexperte Rolf Geiger darin einig, dass die Linde wegen der Verkehrssicherungspflicht der Gemeinde im Herbst gefällt werden sollte. Auch Bürgermeister Henrik Wengert hielt es für zu riskant, den Baum mit seiner gewichtigen Krone auf marodem Stamm stehen zu lassen. Der Stamm sei völlig verfault, die Krone werde nur noch von der verbliebenen Rinde gehalten. Wenn man die Linde allerdings weiträumig absperren würde, könne sie eventuell stehen bleiben. Für eine Fällung hätte die Verwaltungsgemeinschaft die rechtlichen Voraussetzungen schaffen müssen. Da sich unmittelbar am Baum Wanderer und Spaziergänger ausruhten und dort Kinder spielten, hatte man sie schon einige Zeit zuvor mit einem Bauzaun provisorisch abgesperrt, damit niemand von herabstürzenden Ästen getroffen würde. Bei einer Befragung sprach sich die große Mehrheit der über 50 anwesenden Bürger dafür aus, den Baum zu beseitigen, lediglich drei stimmten für den Erhalt der Linde.

Gutachten im Jahr 2010 und Sanierung mini|hochkant|Stamm von Süden, mit Hinweistafel davor Am 27. Juli 2010 berichtete Förster Geiger vom Revier Überlingen bei einer öffentlichen Gemeinderatssitzung über den Zustand der Linde. Er regte an, ein erneutes Gutachten darüber erstellen zu lassen, wie lange der Baum noch stehen könne. Es sollte bei der von drei Straßen umgebenen Ortslinde die notwendige Verkehrssicherheit und die Ästhetik berücksichtigen und auch die Kosten für den Erhalt nennen. Die Gemeinde gab daraufhin mit finanzieller Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises nochmals ein Gutachten beim Baumsachverständigen Marco Wäldchen in Auftrag. Dieser erstellte nach der zuvor erfolgten Besichtigung bis zum 14. November 2010 ein 13-seitiges Gutachten. Bei der Untersuchung wurden der Standort mit Baumumfeld, der Standraum, die Wurzelanläufe, der Stamm, die Starkverzweigungen und sämtliche Teile der Krone bis in die Feinverzweigung visuell überprüft. Der Schwerpunkt lag auf der Vitalität und den für die Verkehrssicherheit relevanten biomechanischen Aspekten. Die Gehölzvitalität wurde anhand des Schlüssels des Forstwissenschaftlers Andreas Roloff, der von Vs 0 (Baum ohne Schadensmerkmale) bis Vs 3 (Baum absterbend) reicht, mit Vs 1–2 eingestuft, was bedeutet, dass sich die Linde im Übergangsbereich von der Degenerationsphase (Vs 1=Baum geschwächt) zur Stagnationsphase (Vs2=Baum mit deutlichen Vitalitätsverlusten) befand. mini|links|Linde von Süden aus Aus dem Gutachten geht hervor, dass die Linde zwar noch zu retten war, jedoch nicht mehr verkehrssicher. Dies sollte schnellstmöglich abgestellt werden. Die Krone sollte zur mechanischen Entlastung bei Windlast stark zurückgeschnitten werden. Ein Rückschnitt von Neuaustrieben sollte dann alle sieben bis zehn Jahre wiederholt werden. Auch sollte das abgestorbene Stammsegment um 50 Prozent eingekürzt werden; die alten Gewindestangen, die die einzelnen Stammsegmente verbanden und die keinen Halt mehr gaben, sollten entfernt werden. Nach dem Rückschnitt müssten alle Schlaufen, die in der Krone zur Stabilisierung der Äste eingebaut sind, daraufhin kontrolliert werden, ob sie nachzustellen sind. Die Stadt Überlingen teilte der Gemeinde aufgrund des Gutachtens mit, dass keine Ausnahmegenehmigung zur Fällung des eingetragenen Naturdenkmals erteilt werden könne. Die Linde sollte in einem Turnus von neun Monaten einer Kontrolle unterzogen werden. Die Pflegemaßnahmen wurden durchgeführt, den Grünschnitt übernahm der gemeindliche Bauhof. Nach der Sanierung wurde der Bauzaun um die Linde entfernt.

Beschreibung mini|hochkant|Geöffneter Stamm Die Linde steht zwar im Ort, aber dort recht frei, so dass sie eine sehr große Stammdicke, überaus starke Äste und eine gewaltige Krone entwickeln konnte. Der Stamm ist völlig hohl und hat nach Südwesten zu eine große Öffnung, auf dieser Seite fehlt das Holz fast ganz. In etwa fünf Meter Höhe geht der Stamm abrupt in die heutige kleine Krone über. Die Linde hat bei verschiedenen Pflegemaßnahmen in den letzten 30 Jahren durch Einkürzung mehr und mehr an Kronenvolumen und Höhe verloren. Die verbliebenen Äste sind an einer Konstruktion aus Stahlrohren und Querstreben aufgehängt. Derzeit (2014) ist die Linde noch 11 Meter hoch und nur mehr wenige Äste bilden die kugelförmige Krone.

Anfang des 20. Jahrhunderts war die Linde auf dem Höhepunkt ihrer Wuchskraft. Der Stamm mit einem Umfang von über zehn Metern war zwar innen hohl, hatte aber nur an der Nordseite einen Spalt, der heute wieder verschlossen ist. Er war 3,8 Meter hoch und verzweigte sich in zwei nach oben strebende Teilstämme, die eine bis etwa 30 Meter hohe und beinahe vollständig erhaltene Krone bildeten.

Vor den ersten Pflegemaßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg war die Krone so groß, dass man drei Heuwagen unter die Linde stellen konnte, ohne dass das Heu nass geworden wäre. Noch aus den 1960er Jahren wird berichtet, dass die Hohenbodmaner Landwirte ihre Heufahrzeuge mit den Zugtieren oder Zugmaschinen zum Schutz vor dem Regen dort unterstellten.

Stammumfang Die folgende Tabelle nennt die in den konsultierten Quellen genannten Werte für den Stammumfang der Linde. Exakte und vergleichbare Messungen sind schon wegen der ovalen Form des Stammes, der Einbuchtungen und Fehlstellen schwierig. In den letzten 150 Jahren wurde die Größe mehrmals in wechselnder Höhe gemessen, oft bleibt unklar, in welcher.

Angaben zum Umfang Jahr Umfang in m Messhöhe in cm Quelle Bemerkung 1859 9,17 ? Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde Umfang mit der Kreisformel aus den 10 Württemberger Fuß Durchmesser in der Quelle 1908 9,40 ? Ludwig Klein, Bemerkenswerte Bäume im Grossherzogtum Baden 1922 9,4 ? Friedrich Oltmanns, Das Pflanzenleben des Schwarzwaldes 1924 9,50 ? H. von Bronsart, Die heimische Pflanzenwelt 1966 10,,2 100 Badische Heimat 1966 10,1  200 Badische Heimat 1978 10    ? Wolf Hockenjos, Begegnung mit Bäumen 1981 10,10 130 Hartwig Goerss, Unsere Baumveteranen 1988 10,15 100 Bernd Ullrich, Stefan Kühn, Uwe Kühn, Unsere 500 ältesten Bäume Quelle stützt sich auf das Deutsche Baumarchiv 1995 10,10 130 Hans Joachim Fröhlich, Wege zu alten Bäumen 2007 10,2  ? Michel Brunner, Bedeutende Linden 1998 9,87 Taille Bernd Ullrich, Stefan Kühn, Uwe Kühn, Unsere 500 ältesten Bäume Quelle stützt sich auf das Deutsche Baumarchiv 2005 10,10 130 Anette Lenzing, Gerichtslinden und Thingplätze in Deutschland 2013 9,87 ? Deutsche Dendrologische Gesellschaft (DDG), Datenbank der Championtrees