mini|hochkant=1.0|Stolpersteine in der Hegenhei­merstrasse 96 in Basel Die Liste der Stolpersteine in der Schweiz enthält alle Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunst-Projekts von Gunter Demnig in der Schweiz verlegt wurden. Mit den Steinen soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus (NS-Zeit) verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Bis September 2025 wurden in der Schweiz in sieben Kantonen 62 Stolpersteine, ein Kopfstein und eine Stolperschwelle gesetzt: in Balgach, Basel, Bern, Biel, Brissago, Kreuzlingen, La Chaux-de-Fonds, Riehen, Tägermoos (TG), St. Gallen, Winterthur, Zürich und im Onsernonetal.

Am 8. September 2013 wurden die ersten beiden Stolpersteine in Kreuzlingen verlegt, am 13. September 2015 erfolgte die Verlegung eines Stolpersteins im Tägermoos, einer Gemarkung Konstanz’ auf Schweizer Gebiet. Seit 2020 werden auch in weiteren Städten in der Schweiz Stolpersteine verlegt. Präsident des nach dem Erscheinen des Buchs «Die Schweizer KZ-Häftlinge» gegründeten Vereins Stolpersteine Schweiz ist Res Strehle.Stolpersteine gegen das Vergessen. In: Tages-Anzeiger. 28. November 2020, S. 21.

Verlegte Stolpersteine Kanton Basel-Stadt Basel In Basel wurden elf Stolpersteine an neun Adressen verlegt.

Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben 120px HIER WOHNTEANNA MARIABÖHRINGERJG. 1885NACH DEUTSCHLANDABGESCHOBEN 2<2.9.1939ERMORDET 20.2.1945RAVENSBRÜCK Erlenstrasse 14120px geb. Bürgi wurde 1885 in Basel geboren. 1905 heiratete sie den Deutschen Arnold Böhringer und verlor so die Schweizer Staatsbürgerschaft. 1920 wurde sie wegen ihres «unmoralischen Lebenswandels» aus der Schweiz ausgewiesen. 1931 erfolgte die Scheidung. Die Nationalsozialisten inhaftierten Böhringer wegen kleinerer Vergehen. Bemühungen zur Aufhebung des Landesverweises scheiterten. Als sie ihren kranken Vater in Basel besuchte, wurde sie wiederholt verhaftet. Am 22. September 1939 wurde sie nach Lörrach abgeschoben. Sie wurde von der Gestapo verhaftet und am 9. November 1939 ins KZ Ravensbrück deportiert. Nach fünf Jahren wurde sie ins Jugendschutzlager Uckermark überstellt. Anna Maria Böhringer wurde am 20. Februar 1945 ermordet.120px HIER WOHNTEREBEKKABRAUNSCHWEIGJG. 1894FLUCHT 1938 BASELEXIL FRANKREICHRÜCKKEHR VERWEIGERTFLUCHT JULI 1942SCHWEIZ Hegenheimerstrasse 96120px geb. Olesheimer wurde 1894 in Kirchen unweit von Lörrach geboren. Einen Teil der Schulausbildung absolvierte sie in Basel. 1933, jetzt mit Leopold Braunschweig verheiratet, zog sie nach Saint-Louis. Etwa ein Jahr später erhielten beide einen befristeten Aufenthalt in der Schweiz, mussten dann aber nach Kirchen zurückkehren. 1938 zog Rebekka mit zwei Töchtern nach Besançon, ihr Mann wurde in Basel geduldet. Am 15. Juli 1942 floh sie in die Schweiz, illegal die Grenze im Jura überquerend, nachdem ihre Tochter Johanna deportiert worden war. Am 18. August 1942 verfügten die Bundesbehörden die Ausweisung. Nach Protest eines Anwalts erklärte Heinrich Rothmund am 3. September 1942, dass man auf die Ausschaffung verzichten werde.120px HIER WOHNTEJOHANNABRAUNSCHWEIGJG. 1924FLUCHT 1938 BASELEXIL FRANKREICHRÜCKKEHR VERWEIGERTFLUCHT JULI 1942SCHWEIZ wurde 1924 in Basel geboren. Einen Teil der Schulausbildung absolvierte sie in Basel. 1937 übersiedelte sie für ein Jahr von Kirchen nach Basel zu ihrer älteren Schwester Denise, die einen Schweizer geheiratet hatte. 1938 floh ihre Mutter Rebekka mit ihr und der älteren Schwester nach Besançon. Am 8. Juli 1942 floh sie in die Schweiz, illegal die Grenze im Jura überquerend, nachdem die französische Gendarmerie begonnen hatte, Juden zu inhaftieren. Sie konnte nach zwei Tagen Haft zu ihrer Schwester. Kurze Zeit später folgte ihre Mutter. Am 18. August 1942 verfügten die Bundesbehörden die Ausweisung der beiden Frauen. Nach Protest eines Anwalts erklärte Heinrich Rothmund am 3. September 1942, dass man auf die Ausschaffung verzichten werde.120px HIER WOHNTEMARGOTBRAUNSCHWEIGJG. 1920FLUCHT 1938 BASELEXIL FRANKREICHRÜCKKEHR VERWEIGERTDEPORTIERTERMORDET 19.8.1942AUSCHWITZ wurde 1920 in Kirchen unweit von Lörrach geboren. 1938 floh ihre Mutter Rebekka mit ihr und der älteren Schwester nach Besançon. Am 12. Juli 1942 wurde sie dort verhaftet. Zwei Tage später erfolgte die Deportation ins KZ Auschwitz-Birkenau, wo sie am 19. August 1942 ermordet wurde.120px HIER WOHNTEGASTON DREHERJG. 1907NACH FRANKREICHABGESCHOBEN 2.12.1943ERMORDET 21.4.1944AUSCHWITZ-BIRKENAU Mostacker 15 wurde 1907 in Mülhausen geboren. 1912 zog die Familie nach Basel. Nach dem Tod des Vaters geriet die Familie in finanzielle Schwierigkeiten und Gaston mit dem Gesetz in Konflikt. 1927 wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Es folgten weitere Aufenthalte in Gefängnissen und psychiatrischen Kliniken in der Schweiz und in Frankreich. Wiederholt verletzte er den Landesverweis. Ein Gesuch um Aufhebung zeigte keinen Erfolg. Nach der Besetzung Frankreichs hielt er sich zuerst in der unbesetzten Zone auf und flüchtete im Herbst 1943 in die Schweiz. Nach einer Festnahme wurde er auf Beschluss der Bundesbehörden am 2. Dezember 1943 bei Genf ausgewiesen. Von den Deutschen verhaftet, wurde er ins Internierungslager Drancy gebracht. Am 17. Dezember 1943 wurde er ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurde er vermutlich am 21. April 1944 ermordet.120px HIER WOHNTEEDMÉEHIRSCH-DITISHEIMJG. 1907DAS BÜRGERRECHT ABERKANNTWEGEN HEIRATVERHAFTET 1944ERMORDET AUG. 1944AUSCHWITZ Spalenring 140 geb. Ditisheim wurde 1907 in Basel geboren. 1929 heiratete sie den Franzosen Armand Hirsch und verlor so die Schweizer Staatsbürgerschaft. Die Familie Hirsch lebte in Colmar, ab 1939 in Quarré-les-Tombes, nach dem Überfall auf Frankreich in Saint-Geniès-de-Malgoirès und ab Januar 1944 in Noirétable. Ein Antrag der Familie auf Einreise in die Schweiz «zwecks Vorbereitung der Weiterreise» wurde am 25. Mai 1944 bewilligt. Einen Tag zuvor wurden sie jedoch verhaftet. Am 30. Juni wurden sie vom Sammellager Drancy ins KZ Auschwitz-Birkenau überführt. Edmée starb im August 1944 an einer Lungenentzündung – nur ihr Sohn Claude überlebte die KZ-Haft.120px HIER WOHNTEROBERT KEHRLIJG. 1897IM WIDERSTANDVERHAFTETDEUTSCHLANDVERURTEILT 1934'VORBEREITUNG HOCHVERRAT'ZUCHTHAUS HOHENASPERGENTLASSEN 1939 Utengasse 43 wurde 1897 in Mannschatz bei Leipzig als Sohn eines Schweizers und einer Deutschen geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg, aus dem er verwundet heimkehrte, übersiedelte er in die Schweiz. Er trat der Kommunistischen Partei bei. 1926 trat er aus der Partei aus, unterstützte aber Kommunisten jenseits der Grenzen mit Kurierdiensten und Fluchthilfe. Nachdem er im Dezember 1934 beim Schmuggel von Flugblättern über die Grenze verhaftet worden war, wurde er zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Am 23. Dezember 1939 wurde er in die Schweiz entlassen. Durch die lange Haft erlitt er gesundheitliche Probleme. Er verstarb am 20. November 1968 in Basel.120px HIER WOHNTEERWIN LÜSCHERJG. 1905IM WIDERSTANDVERHAFTETDEUTSCHLANDVERURTEILT 1940'VORBEREITUNG HOCHVERRAT'ZUCHTHAUS LUDWIGSBURGENTLASSEN NOVEMBER 1944 Bäumlihofstrasse 39verlegt am 18. September 2025120px 120px HIER WOHNTEALICE MARTHAMARX-STEINJG. 1879BÜRGERRECHT ABERKANNTWEGEN HEIRATDEPORTIERT 1940GURSBEFREITLUBERSAC Auberg 11verlegt am 18. September 2025 120px HIER WOHNTEKURT PREUSSJG. 1910NACH DEUTSCHLANDABGESCHOBEN 5.3.1939ERMORDET 3.12.1941GROSS-ROSEN Rappoltshof 7 wurde 1910 in Breslau geboren. Aus Berlin kommend, überquerte er am 8. Juni 1938 mit seiner Geliebten Gertrud Lüttich bei Lörrach die Grenze zur Schweiz. Wegen der Beziehung eines Juden zu einer Nicht-Jüdin wurde in Deutschland nach ihnen gefahndet. Einige Wochen später wurde ihnen die Frist gesetzt, bis zum 5. August 1938 die Schweiz zu verlassen. Die Frist wurde bis zum 15. Oktober 1938 verlängert. Am 19. Dezember 1938 reisten sie nach Frankreich aus, kehrten aber wieder in die Schweiz zurück, da sie kein Geld und keine Papiere hatten. In Basel wurden sie am 7. Februar 1939 verhaftet. Kurt Preuss wurde nach einer kurzen Haftstrafe ausgewiesen, kehrte aber unverzüglich in die Schweiz zurück. Am 5. März 1939 wurde er in Lörrach an die deutschen Behörden übergeben, am 19. Juli 1941 in das KZ Groß-Rosen gebracht und dort am 8. Dezember 1941 ermordet. 120pxHIER WOHNTEMARTHA SCHWARTZJG. 1892IM WIDERSTANDVERHAFTET 6. 4. 1938VERURTEILT 1938STRAFANSTALT GOTTESZELlPSYCHIATRIE MÜNCHENTOT 30. 10. 1939Fröschgasse 15 120px HIER WOHNTEARMIN WEISSJG. 1895NACH DEUTSCHLANDABGESCHOBEN 12.12.1939ERMORDET 16.3.1940SACHSENHAUSEN Schnabelgasse 3 wurde 1895 in Wien geboren. Am 31. Juli 1938 überquerte er bei Weil am Rhein die Grenze zur Schweiz. Er erhielt vorerst eine befristete Aufenthaltserlaubnis. Wegen Verletzung des Erwerbsverbots wurde Weiss am 12. Dezember 1939 nach Lörrach abgeschoben. Er wurde am 16. März 1940 im KZ Sachsenhausen ermordet.

Riehen Am 2. November 2021 wurde in Riehen eine Stolperschwelle verlegt:

Inschrift Verlegeort Name, Leben x120px|Stolperschwelle für abgewiesene Juden und Jüdinnen an der Basler Grenze VON HIER AUSWURDEN 13 JÜDINNEN UND JUDEN AM 23.11.1938 VON SCHWEIZER POLIZISTEN UND GRENZWÄCHTERN DER GESTAPO AUSGELIEFERT.IM GEDENKEN AN ÜBER 30.000 MENSCHEN,DIE IN IHRER NOT IN DER SCHWEIZ RETTUNG SUCHTEN UND UM ASYL GEBETEN HATTEN–VERGEBLICH.DIE SCHWEIZ TRÄGT EINE MITSCHULD AN IHREM SCHICKSAL. Lörracherstrasse, Zoll Die Stolperschwelle für abgewiesene Juden und Jüdinnen an der Basler Grenze am Grenzübergang Lörrach/Riehen gedenkt der über 30'000 Menschen, die auf der Flucht vor dem nationalsozialistischen Terror vergeblich Rettung in der Schweiz gesucht und um Einlass gebeten hatten.

Kanton Bern Bern Am 15. Juni 2023 wurden in Bern erstmals fünf Stolpersteine gesetzt. Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben 120px HIER WOHNTEARTHUR BLOCHJG. 1882ERMORDET VON SCHWEIZER ANTISEMITEN16.4.1942PAYERNE Monbijoustrasse 51verlegt am 15. Juni 2023 150px (1882–1942)

Die Ermordung von Arthur Bloch ist Handlung eines Romans von Jacques Chessex und des gleichnamigen Films Ein Jude als Exempel.

Arthur Bloch wurde 1882 in Aarburg geboren, wo schon sein Vater 1854 auf die Welt gekommen war. Seine Mutter, Henriette Weil, hatte 1859 in Langenthal das Licht der Welt erblickt. Arthur war Viehhändler. 120pxHIER WOHNTELUCIENLEWEIL-WOOGJG. 1896UMZUG NACH FRANKREICHVERHAFTET 20.11.1943INTERNIERT DRANCYDEPORTIERTAUSCHWITZERMORDET 25.11.1943Spitalgasse 14verlegt am 15. Juni 2023 (1896–1943) 120px HIER WOHNTEGUIDOZEMBSCH-SCHREVEJG. 1916IM WIDERSTAND/FRANKREICHVERHAFTET 20.3.1944DEPORTIERT KZ BUCHENWALDKZ MITTELBAU-DORAKZ RAVENSBRÜCKFLUCHT AUF TODESMARSCHDistelweg 1verlegt am 15. Juni 2023 150px (1882–1942) 120px IN BERN SUCHTE SCHUTZCELINE ZAGIELJG. 1925AUSGESCHAFFT 19.8.1942 FRANKREICHINTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 24.8.1942AUSCHWITZERMORDETAmthausbrunnen (Dreiecksplatz Hodlerstrasse/Bollwerk)verlegt am 15. Juni 2023 180px (1925–1942) 120pxIN BERN SUCHTE SCHUTZSIMON ZAGIELJG. 1921AUSGESCHAFFT 19.8.1942FRANKREICHINTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 24.8.1942AUSCHWITZBEFREIT (1921–1942)

Biel Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben120x120px HIER WOHNTECLARA WINOGRAD-PINTSCHUKJG. 1903BÜRGERRECHT ABERKANNTWEGEN HEIRATAUSGEWANDERT POLENGHETTO BIALYSTOKRÜCKKEHR IN DIESCHWEIZ VERHINDERTERMORDET 1943 Karl-Neuhaus-Strasse 40verlegt am 8. Mai 2025 (1903–1943)120x120px SE REFUGIAIT A BIENNELAJA "LILI"SONABENDNEE 1904EXPULSEE 17.8.1942EN FRANCE OCCUPEEINTERNEE DRANCYDEPORTEE 24.8.1942AUSCHWITZASSASSINEESonabend-Platzverlegt am 8. Mai 2025 150px|Feierliche Einweihung des nach der Familie benannten Sonabend-Platzes in Biel