Lucio Papirio DittatoreDie Großschreibung aller drei Worte des Titels findet sich in der Besetzungsliste (S. 3) und als Überschrift zu Beginn des Textes (S. 4) im originalen Händellibretto (Abruf am 8. September 2026)Siehe auch die erhaltene Partitur zur Giacomelli-Oper (Abruf am 8. September 2026)Siehe auch: Reinhard Strohm: Lucio Papirio Dittatore (HWV A6), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 387–390.Auch: Reinhard Strohm: Lucio Papirio Dittatore (1732) (in: Handel’s pasticci). In: Essays on Handel and Italian Opera. Cambridge University Press 1985; Reprint: 2008, ISBN 978-0-521-26428-0, S. 177 ff. (englisch)Auch: Bernd Baselt: A6. Lucio Papirio Dittatore, In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 3. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1986, ISBN 3-7618-0716-3, S. 363–367. (heutzutage auch: Lucio Papirio dittatoreJohn H. Roberts: Lucio Papirio dittatore. In: Annette Landgraf und David Vickers: The Cambridge Handel Encyclopedia. Cambridge University Press 2009, ISBN 978-0-521-88192-0, S. 402 f. (englisch).Auch: , abgerufen am 8. September 2026., englisch: Lucius Papirius the DictatorSiehe englische Besetzungsliste (S. 2) und Überschrift zu Beginn der englischen Übersetzung (S. 5) im originalen Händellibretto (Abruf am 8. September 2026); HWV A6) ist ein Dramma per musica in drei Akten von Geminiano Giacomelli, das 1732 in einer Überarbeitung durch Georg Friedrich Händel und mit zwei Einlege-Arien von Nicola Porpora im King’s Theatre am Haymarket in London aufgeführt wurde.

Es wird zu Händels Pasticci gezählt, obwohl der Begriff in diesem Fall nicht ganz stimmig ist.Reinhard Strohm: Lucio Papirio Dittatore (HWV A6), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 388 und 390.John H. Roberts: Lucio Papirio dittatore. In: Annette Landgraf und David Vickers: The Cambridge Handel Encyclopedia. Cambridge University Press 2009, ISBN 978-0-521-88192-0, S. 403 (englisch).

Entstehung In der Spielzeit 1731/32 brachte Händel, abgesehen von zahlreichen Wiederaufnahmen früherer eigener Werke (Tamerlano, Poro, Admeto,Giulio Cesare, Flavio, re de’ Longobardi), zwei neu komponierte Opern auf die Bühne: Ezio (UA: 15. Januar 1732) und Sosarme (UA: 15. Februar). Darüber hinaus führte er mit großem Erfolg sein erstes Oratorium Esther (UA: 2. Mai) auf.Reinhard Strohm: Lucio Papirio Dittatore (HWV A6), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 387–388.

Neben all diesen eigenen Werken bot er dem Publikum um der Abwechslung willen auch zwei Werke anderer Komponisten an: Attilio Ariostis Il Coriolano (eine Wiederaufnahme) und Giacomellis Lucio Papirio dittatore. Die letztere hatte Händel höchstwahrscheinlich 1729 während seiner Italienreise in Parma kennengelernt, wo sie in einer Star-Besetzung mit Farinelli, Faustina Bordoni, Antonio Bernacchi und dem Tenor Francesco Borosini zum ersten Mal aufgeführt worden war.John H. Roberts: Lucio Papirio dittatore. In: Annette Landgraf und David Vickers: The Cambridge Handel Encyclopedia. Cambridge University Press 2009, ISBN 978-0-521-88192-0, S. 402 (englisch).

Die Londoner Premiere fand bereits gegen Ende der Spielzeit, am 23. Mai 1732 im King’s Theatre statt, mit der folgenden Besetzung:Reinhard Strohm: Lucio Papirio Dittatore (HWV A6), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 387 und 388–389. Lucio Papirio – Giovanni Battista Pinacci (Tenor) Papiria – Anna Maria Strada del Pó (Sopran) Quinto Fabio – Francesco Bernardi, genannt „Senesino“ (Altkastrat) Marco Fabio – Antonio Montagnana (Bass) Rutilia – Francesca Bertolli (Alt) Servilio – Anna Bagnolesi (Alt) Cominio – Antonio Gualandi, genannt „Campioli“ (Altkastrat)

Die Oper erlebte bis zum 6. Juni vier Aufführungen. Im „Opera Register“, einem fälschlicherweise Francis Colman zugeschriebenen Operntagebuch, ist zu lesen:

Libretto Apostolo Zenos Libretto Lucio Papirio Dittatore wurde zum ersten Mal 1719 für Aufführungen am Wiener Kaiserhof von Antonio Caldara und später noch von zahlreichen weiteren Komponisten vertont.

Giacomelli verwendete für seine 1729 in Parma uraufgeführte Oper ein von dem dortigen Hofpoeten Carlo Innocenzo Frugoni überarbeitetes Textbuch,Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Instrumentalmusik, Pasticci und Fragmente. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 3. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1986, ISBN 3-7618-0716-3, S. 367. das auch einige Rezitativ-Texte aus Antonio Salvis Libretto Lucio Papirio verwendet,Reinhard Strohm: Lucio Papirio Dittatore (HWV A6), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 388. welches zuerst im Karneval 1714 in Rom mit Musik von Francesco Gasparini aufgeführt worden war.Dale E. Monson: Lucius Papirius. In: Grove Music Online (englisch; nur mit Abonnement)., abgerufen am 8. September 2026.

Für die Londoner Aufführungen wurden Text und Musik gekürztReinhard Strohm: Lucio Papirio Dittatore (HWV A6), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 389–390. (siehe unten: Musik).

Historischer und literarischer Hintergrund Die historischen Begebenheiten um den 325 v. Chr. zum römischen Diktator ernannten Lucius Papirius Cursor und dessen Konflikt mit Quintus Fabius Maximus Rullianus wird von Titus Livius in dessen berühmtem Geschichtswerk Ab urbe condita überliefert.

Eine deutsche Zusammenfassung des historischen Hintergrunds der Oper liefert das Argomento zu Carl Heinrich Grauns Vertonung des Zeno’schen Librettos:

Handlung

Musik Geminiano Giacomellis Lucio Papirio Dittatore ist nur in einer handschriftlichen Kopie aus dem Besitz von Sir John Buckworth in der Royal Academy of Music in London erhalten,Geminiano Giacomelli: Lucio Papirio Dittatore, Digitalisat der Partitur auf IMSLP (Abruf am 8. September 2026) die wahrscheinlich von Händel für die Vorbereitungen seiner Aufführungen von 1732 benutzt wurde. Von diesen sind nur die Cembalopartitur (mit einigen Instrumentalparts) und das gedruckte Textbuch überliefert.Reinhard Strohm: Lucio Papirio Dittatore (HWV A6), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 388.

Händel änderte an Giacomellis Partitur so wenig wie möglich. Er strich allerdings eine Reihe von Arien, so dass am Ende von ursprünglich 28 Arien nur 21 übrig blieben. Von Giacomellis Auftrittsarie für Quinto Fabio verwendete Händel nur den ersten Teil als Instrumentalsinfonia. Um Giacomellis Musik an die Stimmen seines Londoner Sänger-Ensembles anzupassen, waren allerdings Transpositionen nötig. So musste beispielsweise die ursprünglich für den Soprano Farinelli komponierte Partie des Quinto Fabio für Senesinos Altstimme um eine Quarte oder Quinte nach unten gesetzt, und die für Faustina Bordoni komponierte Partie der Papiria für die Strada bis zu einen Ton höher gelegt werden. Für die Transpositionen der Arien gab Händel nur die gewünschte Tonart vor und ließ die eigentliche Arbeit von seinem Kopisten Johann Christoph Schmidt d. Ä. ausführen. Von den Rezitativen änderte er nur die problematischen Passagen, wobei er Giacomellis Continuo-Stimme – und damit auch die Abfolge der Harmonien – wenn möglich unverändert ließ.Reinhard Strohm: Lucio Papirio Dittatore (HWV A6), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 389–390.

Die ursprünglich von dem Altkastraten Bernacchi gesungene Rolle des Marco Fabio gab Händel dem Bassisten Montagnana, ließ diesen aber nur eine der Original-Arien eine Oktave tiefer singen,Reinhard Strohm: Lucio Papirio Dittatore (HWV A6), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 387 (Liste der Arien) und 389. und fügte für ihn zwei Ersatzarien von Nicola Porpora ein: Chi del fato e della sorte (Nr. 4) aus Siface und Alma tra miei timori (Nr. 25) aus Poro. Dies sind die einzigen Stücke eines anderen Komponisten, die eine Definition von Händels Londoner Fassung des Lucio Papirio Dittatore als „Pasticcio“ überhaupt rechtfertigen können. Orchester Zwei Oboen, zwei Hörner, Streicher, Basso continuo (Violoncello, Erzlaute oder Theorbe, zwei CembaliEs ist bekannt, dass in Händels (wie in italienischen) Opernaufführungen zwei Cembali und „Erzlaute“ verwendet wurden. Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 34–35.).

Literatur Bernd Baselt: A6. Lucio Papirio Dittatore. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 3. (Thematisch-systematisches Verzeichnis. Instrumentalmusik, Pasticci und Fragmente). Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1986, ISBN 3-7618-0716-3, S. 363. Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006. Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-268-3, S. 128 f. John H. Roberts: Lucio Papirio dittatore. In: Annette Landgraf und David Vickers: The Cambridge Handel Encyclopedia. Cambridge University Press 2009, ISBN 978-0-521-88192-0, S. 402 f. (englisch). Reinhard Strohm: Lucio Papirio Dittatore (1732) (in: Handel’s pasticci). In: Essays on Handel and Italian Opera. Cambridge University Press 1985, Reprint 2008, ISBN 978-0-521-26428-0, S. 177 ff. (englisch). Reinhard Strohm: Lucio Papirio Dittatore (HWV A6), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 387–390 Steffen Voss: Pasticci: Lucio Papirio Dittatore. In: Hans Joachim Marx (Hrsg.): Das Händel-Handbuch in 6 Bänden: Das Händel-Lexikon. (Band 6), Laaber-Verlag, Laaber 2011, ISBN 978-3-89007-552-5, S. 559. Apostolo Zeno: Lucio Papirio dittatore. Drama. Da rappresentarsi nel Regio Teatro di Hay-Market. Reprint des Librettos von 1732, Gale Ecco, Print Editions, Hampshire 2010, ISBN 978-1-170-47540-9.

Weblinks

weitere Angaben zu Lucio Papirio dittatore (haendel.it) weitere Angaben zu Lucio Papirio dittatore (gfhandel.org)

Einzelnachweise

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