mini|Botschaft Saudi-Arabiens in Berlin, Tiergartenstraße Die bilateralen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Saudi-Arabien bestehen seit 1954 und sind nach Angabe des Auswärtigen Amtes freundschaftlich und spannungsfrei. Einige deutsche Nichtregierungsorganisationen kritisieren dagegen eine systematische Missachtung der Menschenrechte in Saudi-Arabien., Amnesty International, Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)https://www.hrw.org/de/middle-east/n-africa/saudi-arabia

Dem Verhältnis beider Staaten war ein Freundschaftsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Königreich Hedschas im Jahr 1929 vorausgegangen.

Die Beziehungen beruhen zu einem Großteil auf wirtschaftlichen Interessen. Die deutsche Regierung betrachtet Saudi-Arabien als Partner, da das Land mäßigenden Einfluss auf radikale Kräfte im Nahost-Konflikt ausübe.Leo II an die erste Ölmacht?, Die Zeit vom 7. Oktober 1983 Gegenstand öffentlicher Debatten war mehrfach der rüstungs- und sicherheitspolitische Austausch. Der erste Kommandeur der Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9) Ulrich Wegener war nach seiner Pensionierung als Berater beim Aufbau einer Sondereinheit in Saudi-Arabien tätig. , ZDF-History, 21. September 2012 2012 war Saudi-Arabien der weltweit größte Abnehmer deutscher Rüstungsexporte.

Saudi-Arabien unterhält eine Botschaft in Berlin und ein Generalkonsulat in Frankfurt am Main. In Riad befindet sich eine Deutsche Botschaft.

Wirtschaftliche und finanzielle Beziehungen In den 1970er Jahren hielt die Bundesrepublik die moderate Preispolitik Saudi-Arabiens hoch, während andere OPEC-Staaten für einen Anstieg der Ölpreise verantwortlich gemacht wurden. Zwischen 1980 und 1982 vergab Saudi-Arabien Kredite an Deutschland in Höhe von insgesamt 23 Milliarden Mark; so viel wie kein anderes Land in jener Zeit. Zur Förderung gegenseitiger Investitionen wurde 1982 die Saudi-German Economic Investment Company (SAGECO) gegründet. Das Deutsch-Saudiarabische Verbindungsbüro für Wirtschaftsangelegenheiten in Riad (GESALO) ist ein Teil des weltweiten Netzwerks der deutschen Industrie- und Handelskammern und verfolgt das Ziel, die Wirtschaftsbeziehungen, den wissenschaftlich-technischen Fortschritt und die Kooperation beider Partnerländer zu fördern. teils englisch

2006 waren etwa 220 deutsche Firmen im Königreich tätig. Das Handelsvolumen zwischen beiden Staaten betrug im Jahr 2011 etwa acht Milliarden und wuchs 2012 auf rund zehn Milliarden Euro an.

In einer Umfrage an der 503 Personen aus Deutschland teilgenommen hatten, sprachen sich 60 Prozent der Befragen gegen weitere Geschäfte mit Saudi-Arabien aus, da die Menschenrechtssituation in dem Land unzureichend sei. 29 Prozent befürworteten die Geschäftsbeziehungen zwischen beiden Ländern.

Rüstungsgeschäfte mini|In Deutschland sorgten 2011 Pläne zum Verkauf deutscher Panzer des Typs Leopard 2 PSO/2A7+ für Aufsehen. 1981 beabsichtigten die Streitkräfte Saudi-Arabiens neben Waffen, Panzer des Typs Leopard 2 aus deutscher Produktion zu kaufen. Dafür bot das Land langfristige Kredite zu niedrigen Zinsen, sowie eine finanzielle Beteiligung an deutschen Industrieunternehmen. Ölexporte nach Deutschland sollten bei Zustandekommen des Rüstungsgeschäfts laut dem Angebot Saudi-Arabiens durch den Kauf deutscher Chemie- und Stahl-Industrieanlagen anstelle von Devisen beglichen werden können.Deutsche Panzer nach Saudi-Arabien?, Der Spiegel Ausgabe 1/1981, 5. Januar 1981 Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt und Franz Josef Strauß sagten die Geschäfte zunächst zu, konnten sich jedoch nicht gegen Widerstände aus der damaligen Bundesregierung durchsetzen und erteilten der Anfrage somit eine Absage, woraufhin Saudi-Arabien Panzer aus den USA bezog.Rüstdungsdeal mit Saudi-ArabienKritik an Panzer-Export, taz Die Bundesregierung unter Helmut Kohl fasste 1983 den Beschluss, das Waffensystem nicht an einen potentiellen Gegner Israels zu liefern.Zu Schmidts Haltung vgl. Zum Vorstoß von Strauß vgl. Frankfurter Rundschau 21.2. u. 26. Februar 1985.

Besonders eine Anfrage Saudi-Arabiens vom Juli 2011, zur Anschaffung von bis zu 200 Kampfpanzern des Typs Leopard 2 PSO/2A7+ und mehreren hundert Boxer-Radpanzern aus Deutschland,Waffen-Deal: Deutschland will Saudi-Arabien Kampfpanzer liefern, Spiegel Online vom 2. Juli 2011 wurden im Rahmen öffentlicher Debatten kritisch diskutiert und dabei auf die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien, dessen undemokratische Regierungsform und Gegnerschaft zu Israel sowie die Beteiligung von saudischen Streitkräften bei der Niederschlagung der Proteste in Bahrain 2011 verwiesen. Die Bundesregierung verwies auf die Geheimhaltung der Beschlüsse des Sicherheitsrates und führte an, dass seitens der israelischen Regierung keine Einwände zum Rüstungsgeschäft bestünden und Saudi-Arabien eine zentrale Rolle in der Terrorismusbekämpfung zukäme.

2012 genehmigte die Bundesregierung insgesamt Rüstungsexporte an die saudi-arabischen Streitkräfte im Wert von 1,237 Milliarden Euro. Saudi-Arabien war damit weltweit größter Abnehmer deutscher Rüstungsexporte. Unter den Exporten befanden sich Rohrwaffenrichtgeräte und Waffenzielgeräte, Ausrüstung zur Sicherung von Grenzen sowie Software für die Steuerung von Flugkörpern.Rüstungsexporte: Saudi-Arabien ist Deutschlands bester Waffenkunde, Spiegel Online vom 19. November 2013 Seitens der Bundesregierung wurden die aufgrund der als problematisch betrachteten Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien kritisierten Exporte gerechtfertigt mit Bemühungen Saudi-Arabiens um die Stabilität im Nahen Osten und Vermittlungsversuchen im Nahost-Konflikt.Waffenlieferungen: Bundesregierung verteidigt Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien, Spiegel Online vom 20. November 2013

2013 sorgten zudem geheim gehaltene Pläne zum Verkauf von bis zu 70 Grenzschutzboote aus Deutschland im Wert von 1,5 Milliarden Euro für Kontroversen.Saudi-Arabien will Boote für 1,5 Milliarden Euro von Deutschland kaufen In: Mitteldeutsche Zeitung vom 10. Februar 2013 Insgesamt wurden im Jahr 2013 Waffenexporte von insgesamt 360 Millionen Euro bewilligt.

Der Bundessicherheitsrat beschloss am 21. Januar 2015 die Waffenexporte nach Saudi-Arabien bis auf weiteres einzustellen. Einige Exportanträge wurden abgelehnt, bei anderen Anträgen wurde die Entscheidung vertagt. Begründete wurde dies mit der instabilen Lage in der Region. In einer Umfrage an der 503 Personen aus Deutschland teilgenommen hatten, sprachen sich 78 Prozent der Befragen gegen Waffenexporte nach Saudi-Arabien aus. 17 Prozent befürworteten die Lieferungen.Instabile Lage: Bundesregierung stoppt offenbar Waffenexporte nach Saudi-Arabien, Spiegel Online vom 25. Januar 2015

Saudi-Arabien besitzt seit 2008 eine Lizenz zur Herstellung der Sturmgewehre der Typen HK G3 und HK G36 von dem deutschen Unternehmen Heckler & Koch für den eigenen militärischen Bedarf. Im April 2015 gab Saudi-Arabien jedoch Gewehre des Typs HK G3 zur Unterstützung von Milizen im Kampf gegen die Huthi-Rebellen weiter, indem es diese über dem Flughafen Aden abwarf. Das Wirtschaftsministerium der Deutschen Bundesregierung räumte daraufhin ein, eine „physische Endverbleibskontrolle der in Saudi-Arabien gefertigten G3 und G36“ sei „auf Basis der zugrundeliegenden Genehmigungen nicht möglich“.Deutsche Gewehre im Jemen: Bundesregierung gibt Lücke bei Waffenexport-Kontrolle zu, Spiegel Online vom 12. Juni 2015

Bis November hatte Deutschland im Jahr 2017 Rüstungsexporte für 264 Millionen Euro an Saudi-Arabien geliefert. Nach der Bundestagswahl 2017 einigten sich die Parteien CDU, SPD und CSU in einem gemeinsamen Sondierungspapier für eine mögliche Große Koalition auf Drängen der SPD auf den Satz „Die Bundesregierung wird ab sofort keine Ausfuhren an Länder genehmigen, so lange diese am Jemen-Krieg beteiligt sind.“ Damit würden vorerst keine Waffenlieferungen mehr nach Saudi-Arabien gehen. Die Vereinbarung sah jedoch Ausnahmemöglichkeiten vor. Gänzlich eingestellt wurden die Lieferungen nach der Tötung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi. Das Embargo wurde im März 2019 um sechs Monate bis zum 30. September verlängert und im September erneut um sechs weitere Monate bis zum 31. März 2020.

Trotz Exportbeschränkungen wurden 2023 Waffenlieferungen an Saudi-Arabien im Wert von 44,2 Millionen Euro genehmigt worden, so viel wie seit 2018 nicht mehr. 2024 wurde die Lieferung von 150 Iris-T-Luft-Luft-Raketen von der Ampel-Regierung genehmigt. Dies war das erste große Rüstungsgeschäft mit dem Land seit der Ermordung von Khashoggi. Das Ende des Embargos wurde von Außenministerin Annalena Baerbock mit der „konstruktiven Position“ der Saudis gegenüber Israel begründet.

Ausbildung saudi-arabischer Sicherheitskräfte durch die Bundespolizei 2009 wurde der europäische Rüstungskonzern EADS von Saudi-Arabien mit der Lieferung von Systemen zur Sicherung von 9.000 Kilometern Grenze beauftragt. Nach Recherchen des Fernsehmagazins Fakt wurde bekannt, dass die Bundespolizei im Rahmen eines geheimen Einsatzes für EADS seit Anfang 2009 mit 30 bis 40Zweifelhafter Einsatz der Bundespolizei, vom 2. April 2011 dauerhaft entsendeten Polizisten saudi-arabische Sicherheitskräfte ausbildete. Insgesamt waren 79 Polizisten als Ausbilder im Einsatz.Bundespolizei bildet Sicherheitskräfte in Saudi-Arabien aus Tagesspiegel vom 30. Mai 2011 Gegenstand der Ausbildung waren die Bewachung der Grenze, Einsätze bei Hausbesetzungen und -Durchsuchungen und der Umgang mit Demonstrationen und Aufständen. Die Ausbildung stand unter anderem seitens der Opposition und der Gewerkschaft der Polizei in der Kritik, da seitens der Bundesrepublik kein Einfluss auf die Einsätze und das Vorgehen der ausgebildeten Grenzbeamten, sowie den Umgang mit festgenommenen Personen genommen werden konnte und Hinrichtungen oder Erschießungen aufgrund nicht legitimer Grenzübergänge oder bei Demonstrationen in dem auf der Scharia basierenden Gottesstaat nicht ausgeschlossen werden konnten.Bericht des Magazins Fakt

Für den Einsatz wurde kein Visaabkommen vereinbart, weswegen die deutschen Polizeibeamten alle 30 Tage nach Bahrain ausreisen mussten und nach zwei Tagen zur Wiedereinreise ein neues Visum in Riad ausgestellt bekamen. Die Polizisten besaßen keine Diplomatenpässe und somit auch keine Immunität, sondern lediglich ihre Dienstausweise.

Attacke auf deutsches Diplomatenfahrzeug Im Januar 2014 wurde ein deutsches Diplomatenfahrzeug, indem sich zwei Agenten des Bundesnachrichtendienstes befanden, bei einer Überlandfahrt in Saudi-Arabien von Motorradfahrern gestoppt und mit AK-47-Gewehren beschossen. Als der Fahrer des Fahrzeugs mit dem Diplomatenkennzeichen flüchten wollte, kam es zu einer Verfolgungsjagd. Die BND-Agenten wurden von einem Anwohner in Sicherheit gebracht, das Fahrzeug brannte anschließend aus. Vermutlich habe es sich um einen Entführungsversuch gehandelt.Vorfall in Saudi-Arabien: BND-Agenten unter Beschuss, Spiegel Online vom 14. Januar 2014

Kulturelle Beziehungen mini|Die König-Fahd-Akademie in Bonn Am 2. April 2006 trat ein zwischen beiden Staaten geschlossenes Regierungsabkommen zur bilateralen Kulturzusammenarbeit in Kraft und bildete den Beginn des gegenseitigen kulturellen Austauschs. Durch die Deutsche Botschaft und das Generalkonsulat werden kulturelle Veranstaltungen und Vorträge durchgeführt und deutsche Musik und Filme präsentiert. Religiös motivierte Verbote im kulturellen Bereich beschränken allerdings die Möglichkeiten des kulturellen Austauschs in Saudi-Arabien. Seit 2011 arbeitet ein Kulturmanager der Robert-Bosch-Stiftung in Dschedda.