mini|Standort Lahnstein Die Zschimmer & Schwarz Holding GmbH & Co KG ist ein Hersteller von Spezialchemie mit Hauptsitz in Lahnstein. Gegründet wurde das Unternehmen 1894 in Chemnitz von Otto Zschimmer und Max Schwarz als Chemikaliengroßhandlung. Vertretungen bestehen in über 60 Ländern und es werden mehr als 1500 Mitarbeiter beschäftigt.

Geschichte Unternehmensgründung und erste Jahre miniatur|hochkant|Unternehmensgründer Otto Zschimmer miniatur|hochkant|Unternehmensgründer Max Schwarz miniatur|Erste Firmenzentrale in Chemnitz Am 1. Januar 1894 wurde die offene Handelsgesellschaft Zschimmer & Schwarz im Handelsregister von Chemnitz eingetragen. Das Unternehmen handelte zunächst mit Drogen, überseeischen Farbstoffen wie Indigo, Cochenille, Curcuma, Catechu, Farbhölzern sowie Farbholzextrakten und Chemikalien. 1905 kam der Gerbstoffhandel hinzu. 1909 erfolgte die erste größere Firmenerweiterung. Bisher nur im Handelsgeschäft tätig, kam mit dem Kauf einer ehemaligen Wolldruckerei in Greiz-Dölau die Fabrikation von Textil-, Leder- und Papierhilfsmitteln hinzu. Bis zum Jahr 1934 hatte sich der Mischbetrieb mit 10 Mitarbeitern zu einer chemischen Fabrik mit industriellen Produktionsanlagen und eigener Forschung entwickelt. Bis 1945 wuchs der Standort mit rund 500 Mitarbeitern zur größten Produktionsstätte des Unternehmens heran.Informationen zur Historie aus: 120 Jahre Zschimmer & Schwarz, o. O. 2015.

Produziert wurde zunächst Wasserstoffperoxid für die Woll- und Seidenbleicherei und als Nebenprodukt Blanc-fixe – ein Füllstoff für Malerfarben und Lacke. Ziel war es, sämtliche in der Papier-, Textil- und Lederindustrie benötigten Produkte herzustellen. So wurden sowohl die Produktpalette als auch die Firmengebäude in Greiz-Dölau erweitert. Im Juli 1910 wurde im Greizer Amtsblatt bekannt gegeben, dass „in neu zu errichtenden Gebäude Ameisensäure, ameisensaure Salze, Tonerde und Tonerde-Präparate sowie Ölfarben hergestellt werden sollen.“ 1913 pachtete das Unternehmen eine Schwefelsäureanlage in Grünberg bei Graslitz, die einige Jahre später gekauft wurde. 1913 lag der Umsatz der Chemischen Fabrik Greiz-Dölau bei 800.000 Mark.

Entwicklung in den 1920er und 1930er Jahren miniatur|Fabrik Heinrichshall miniatur|Fabrikgelände Greiz-Dölau Anfang der 1930er Jahre 1920 schied Otto Zschimmer aus dem Unternehmen aus und seine Söhne Fritz Zschimmer und Erich Zschimmer traten die Nachfolge an. Auch Max Schwarz holte seine Söhne in die Firma. Rudolf Schwarz übernahm 1921 die Betriebsleitung in Greiz-Dölau und Werner Schwarz folgte 1925 als Kundenbetreuer.

Die Jahre des Ersten Weltkrieges überstand das Unternehmen unbeschadet und mit Vollbeschäftigung. 1918 hatte das Unternehmen 161 Mitarbeiter. Nach Kriegsende wurde auch der Betriebsausbau vorangetrieben. In der Folge entwickelte sich der Standort Greiz-Dölau zum „Herzstück des Unternehmens“.120 Jahre Zschimmer & Schwarz, o. O. 2015, S. 29. 1927 wurde im thüringischen Heinrichshall eine Schwefelsäurefabrik übernommen, nachdem Anwohner einen entsprechenden Neubau am Standort Greiz-Dölau verhindert hatten. Auch erste Wohnhäuser für die Arbeiter und Angestellten des Unternehmens entstanden in Dölau in den 1920er Jahren.

Die eigene Forschung und Entwicklung begann ebenfalls in den 1920er Jahren in Greiz-Dölau. 1925 wurde das erste Patent angemeldet. Zahlreiche weitere Patente folgten in den 1930er und 1940er Jahren. Unter anderem für Wasserenthärtungsmittel, neue Verfahren zur Herstellung von glänzendem Papier, pulverförmige Waschmittel, neue Seifen mit Terpentin, neue Verfahren zum Färben von Leder und zur Herstellung von Kunstfasern. Neben einer Qualitätskontrolle für alle Produkte gab es erste Versuchsstrecken für Praxistests.

Das Jahrzehnt zwischen Weltwirtschaftskrise und dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zählte zu den stärksten Wachstumsperioden des Unternehmens.Günther Schmutzler „Das Ende von Seife und Seifensieden in Dölau“, in: Greizer Heimatkalender, 2006. Die Einbeziehung von Fettalkoholen als Rohstoffbasis und die Entwicklung eines Fettalkoholsulfonats mit der Produktbezeichnung CFD 31 im Jahr 1931 war der Durchbruch bei der Fabrikation moderner Textil- und Lederhilfsmittel. Der Bau der Seifenfabrik Anfang der 1920er Jahre und die Produktion von Fettalkolholsulfaten waren der Einstieg in die organische Chemie, die bis heute das Produktprogramm von Zschimmer & Schwarz bestimmt.

Vorkriegsjahre und Zweiter Weltkrieg Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 begann die zunehmende Überwachung der Wirtschaft. In der Chemieindustrie wurden unter anderem die Preise für sämtliche Chemikalien festgelegt und Haushaltsseifen durften aufgrund der „Fettlücke“ nur noch 50 bis 52 % Fett enthalten.

Trotz Regulierung von Industrie und Wirtschaft sowie Devisen- und Rohstoffknappheit entwickelte sich die Chemische Fabrik Greiz-Dölau weiterhin erfolgreich. Zwischen 1934 und 1944 erhöhte sich der Umsatz von 5,5 auf 12,6 Millionen Reichsmark; auch die Produktion bei einigen Textil- und Papierhilfsmitteln wurde gesteigert. Laut Unternehmenshistorie gibt es keine Nachweise über die Produktion von Kriegs- und Rüstungsmaterialien, allerdings über Wehrmachtsaufträge, so beispielsweise über 500.000 Stück Einheitsfeinseife, 300.000 Stück Rasierseife und 5.000 Kilogramm Mineralseife im Jahr 1944.120 Jahre Zschimmer & Schwarz. o. O. 2015, S. 52.

Der Standort Greiz-Dölau wurde während der nationalsozialistischen Herrschaft weiter ausgebaut. 1936/37 kam ein Hauptlabor hinzu, das sich in die Fachlabore Textil, Leder, Fettchemie, Analytik und Tonerde untergliederte. Im gleichen Zeitraum wurde die Tonerdefabrik modernisiert und erweitert. Ab 1938 entstand ein „Gefolgschaftshaus“ für die Mitarbeiter mit Speisesaal, Großküche, Bücherei, Bierkeller und Aufenthaltsräumen. Mit der 1941 eingeführten „Gefolgschaftsrente“ zahlte das Unternehmen seinen Mitarbeitern erstmals Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenrente aus. Damit führte Zschimmer & Schwarz eine Tradition fort, die 1922 mit dem Bau von Arbeiterwohnungen begonnen hatte. 1941 erhielt die Chemische Fabrik Greiz-Dölau die Auszeichnung als nationalsozialistischer Musterbetrieb für vorbildliche Sozialeinrichtungen und Betriebsführung.

Durch die Verdoppelung der Produktionszahlen in Greiz-Dölau zwischen 1926 und 1943 stellte sich für das Unternehmen das Problem, dass die vom Reichswirtschaftsministerium zugeteilten Rohstoffkontingente nicht mehr ausreichten, um die Produktion im gewünschten Umfang aufrechtzuerhalten. Einen Ausweg bot der Kauf der Flesch-Werke in Oberlahnstein. Die Chemie- und Gerbstofffabrik passte zum Produktprogramm und lieferte die fehlenden Rohstoffkontingente. Für 440.000 Reichsmark erwarb Zschimmer & Schwarz 1939 sämtliche Aktien der Flesch-Werke AG, eine Tochtergesellschaft der Farb- und Gerbstoffwerke Carl Flesch jr. oHG mit Sitz in Frankfurt am Main.

Umstritten ist, ob die Flesch-Werke AG 1937 durch den Aufsichtsratsvorsitzenden der Dresdner Bank, Carl Goetz, und den thüringischen NSDAP-Gauwirtschaftsberater Otto Eberhardt, arisiert wurden. Zwar nahm die Liquidierung jüdischer Unternehmen seit 1937 massiv zu und wurde von arischen Unternehmen – gerade in Branchen mit Rohstoffknappheit – zunehmend genutzt, um an deren Rohstoffkontingente zu gelangen.Bräutigam, Petra: Mittelständische Unternehmen im Nationalsozialismus, München 1997, S. 299 f. Im Falle der Flesch-Werke wurden die Aktien des Unternehmens jedoch lange vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1926 als Sicherheit für Kredite verpfändet. Da die Kredite nicht zurückgezahlt werden konnten, entschieden sich 1937 die Hauptkreditgeber – die niederländische Bank Hollandsche Bank Unie NV. und das Londoner Bankhaus J. Henry Schröder & Co –, das Konkursverfahren einzuleiten und die Aktien versteigern zu lassen. Über mehrere Zwischenkäufer gelangten die Aktien schließlich in den Besitz von Zschimmer & Schwarz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg reichten zwei ehemalige Gesellschafter der Flesch-Werke Klage ein und verlangten die Rückgabe des Unternehmens. 1952 wies das Landgericht Koblenz die Klage ab. Das Urteil wurde vom französischen Obergericht für Rückerstattungssachen in letzter Instanz bestätigt. Kritiker der damaligen Entscheidung gaben zu bedenken, dass Herbert Flesch seine Ansprüche nicht durchsetzen konnte, da nahezu alle Beteiligten an der Arisierung – mit Ausnahme des 1939 verstorbenen Otto Eberhardt – während des Verfahrens kooperiert hätten. Katrin und Christian Schwarz wiesen als Vertreter der Gesellschafter jedoch darauf hin, dass schon 1947 der jüdische Rechtsanwalt Hans Jeidels, der Deutschland 1938 verlassen musste, in einem Schreiben an Zschimmer & Schwarz bestätigt hätte, dass der Firmenübergang rein wirtschaftlicher Natur und es bereits im Frühjahr 1932 unzweifelhaft gewesen sei, dass „die Herren Flesch die Aktien bzw. das Unternehmen nicht halten konnten“.

Enteignung und neue Firmenzentrale in Oberlahnstein miniatur|Firmengelände Lahnstein um 1940 Während das Chemnitzer Stammhaus komplett zerstört und die Produktionsstätte Heinrichshall und die Schwefelsäureanlage in Grünberg stark beschädigt worden waren, hatten die Produktionsstandorte in Greiz-Dölau und Oberlahnstein den Krieg relativ unbeschadet überstanden. So war an beiden Standorten bald wieder eine reguläre Produktion möglich. In Oberlahnstein machte 1946 und 1947 Waschpulver das Hauptgeschäft aus, ein Produktionszweig, der nach der Währungsreform 1948 aufgrund des explodierenden Wettbewerbs aufgegeben wurde.

In Greiz-Dölau zeichnete sich am 30. Oktober 1945 eine neue Entwicklung ab, als die Sowjetische Militäradministration die Fabrik und sämtliche Vermögenswerte beschlagnahmte. Nach vergeblichen Versuchen, die darauf folgende Teilenteignung rückgängig zu machen, erhielt das Unternehmen im Mai 1948 die Enteignungsurkunde für die Vollenteignung. Nach der Enteignung aller Zschimmer-&-Schwarz-Betriebe in Thüringen und Sachsen wurde der Sitz des Stammhauses in Chemnitz sowie der Niederlassungen Greiz-Dölau und Heinrichshall nach Brilon in Nordrhein-Westfalen verlegt, um sich die Patente und Warenzeichen zu sichern.

Bis 1945 hatte das Werk in Oberlahnstein eng mit der Produktionsstätte in Greiz-Dölau zusammengearbeitet, wo sich Hauptlabor, technische Leitung und die Patentabteilung befanden. Nach der Enteignung entstanden die nun fehlenden Abteilungen in Lahnstein neu. Trotz der Mehrbelastung entwickelte sich das Unternehmen auch in den 1950er Jahren gut: Innerhalb des Jahrzehnts verdoppelte sich der Umsatz von acht Millionen DM im Jahr 1951 auf 19 Millionen DM im Jahr 1959. Verantwortlich waren die Geschäftsbereiche Leder-, Textil- und Papierhilfsmittel, die Waschrohstoffe und das Handelsgeschäft. Der Exportanteil lag bei 20 %, die Mitarbeiterzahl betrug 394.

Neben zahlreichen Neuheiten, die auf den Markt gebracht wurden, investierte das Unternehmen in den Standort Lahnstein, wo in den 1950er Jahren neue Labore sowie neue Produktionsanlagen entstanden. Durch den Zukauf von rund 12.000 Quadratmetern wurde das Betriebsgelände erweitert. 1957 wurde ein neues Verwaltungsgebäude bezogen. 1959 löste das Unternehmen die Zweigniederlassung in Brilon auf, Oberlahnstein wurde zur Zentrale von Zschimmer & Schwarz.

Expansion von 1960 bis 1989 Sechs Jahre nach dem Tod des Firmengründers Max Schwarz im Jahr 1960 benannte die Stadt Lahnstein die Alte Braubacher Straße, an der die Unternehmenszentrale lag, in Max-Schwarz-Straße um.

Wie in den 1950er Jahren verdoppelte sich auch in den 1960er Jahren der Umsatz von 19 Millionen DM auf 40 Millionen im Jahr 1969. Die Mitarbeiterzahl stieg von 400 auf 470. Da die heimische Lederwirtschaft zunehmend einbrach, ging der Umsatz im Geschäftsbereich Lederhilfsmittel stark zurück, sodass sich die Geschäftsführung nach weiteren Absatzgebieten umsah. 1960 erfolgte mit der Gründung des Geschäftsbereichs Keramikhilfsmittel der Einstieg in ein neues Geschäftsfeld.