Dieser Artikel behandelt die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Deutschland nahm zum achtzehnten Mal an der Endrunde und zum dritten Mal an einer WM in Südamerika teil. Die bisher einzigen Weltmeisterschaften (1930 und 1950), an denen Deutschland nicht teilnahm, fanden auch in Südamerika statt. Seit dem Sieg im Finale vom 13. Juli ist Deutschland nach Spanien (Südafrika 2010) die zweite europäische Mannschaft, die außerhalb Europas Weltmeister werden konnte, und die erste, die auf dem amerikanischen Doppelkontinent den Titel gewann.
Qualifikation Die Mannschaft qualifizierte sich über die Qualifikationsspiele des europäischen Fußballverbandes UEFA für die Weltmeisterschaft in Brasilien.
Spiele mini|Die deutsche Fußballnationalmannschaft vor dem Spiel am 11. September 2012 in Wien In der ersten Runde traf Deutschland in der Gruppe C auf Schweden, Österreich, Irland, Kasachstan und die Färöer. In den zehn daraus entstandenen Begegnungen trug Deutschland neun Siege und ein Remis gegen Schweden davon, wobei die deutsche Mannschaft dabei erstmals trotz eines 4:0-Vorsprungs nur ein Unentschieden erreichte (4:4). Durch das 3:0 am vorletzten Spieltag gegen Irland qualifizierte sich die Mannschaft vorzeitig als Gruppensieger direkt für die WM-Endrunde. Der höchste Sieg in der Gruppenphase war ein 6:1-Auswärtserfolg über Irland, wobei man Irland die höchste Heimniederlage beifügte. Nur im letzten Gruppenspiel in Schweden geriet die Mannschaft zeitweilig in Rückstand. Deutschland erzielte von allen europäischen Mannschaften die meisten Tore, musste aber auch von allen direkt qualifizierten europäischen Mannschaften die meisten Gegentore hinnehmen. Insgesamt erzielten 10 Spieler die deutschen Tore, davon Mesut Özil mit 8 Toren die meisten, womit er mit drei anderen Spielern Platz 3 der europäischen Torschützenliste belegte. Am 6. September 2013 erzielte Miroslav Klose beim Spiel gegen Österreich mit dem 1:0 seinen 68. Länderspieltreffer und egalisierte damit den Rekord von Gerd Müller. Insgesamt setzte Bundestrainer Joachim Löw 23 Spieler ein und damit wie Belgien die wenigsten Spieler aller qualifizierten Mannschaften. Nur Torhüter Manuel Neuer, Mesut Özil und Thomas Müller kamen in allen zehn Spielen zum Einsatz, von denen aber nur Neuer in allen Spielen über die volle Distanz spielte, während Özil im letzten Spiel gegen Schweden acht Minuten vor Spielende ausgewechselt wurde und Müller nur in vier Spielen über die volle Distanz spielte.
DatumSpielortGastgeber GastErgebnisTorschützen Hannover Deutschland – Färöer 3:0 (1:0) Götze (28.), Özil (54., 72.) Wien Österreich – Deutschland 1:2 (0:1) Reus (44.), Özil (52., Elfm.); Junuzović (57.) Dublin Irland – Deutschland 1:6 (0:2) Reus (32., 40.), Özil (55., Elfm.), Klose (58.), Kroos (61., 83.); Keogh (90.+2') Berlin Deutschland – Schweden 4:4 (3:0) Klose (8., 15.), Mertesacker (39.), Özil (55.); Ibrahimović (62.), Lustig (64.), Elmander (76.), Elm (90.+3') Astana Kasachstan – Deutschland 0:3 (0:2) Müller (20., 73.), Götze (22.) Nürnberg Deutschland – Kasachstan 4:1 (3:0) Reus (23., 90.), Götze (27.), Gündoğan (31.); Schmidtgal (46.) München Deutschland – Österreich 3:0 (1:0) Klose (33.), Kroos (51.), Müller (88.) Tórshavn Färöer – Deutschland 0:3 (0:1) Mertesacker (22.), Özil (74.), Müller (84.) Köln Deutschland – Irland 3:0 (1:0) Khedira (11.), Schürrle (58.), Özil (90.+1') Solna Schweden – Deutschland 3:5 (2:1) Hysén (6., 69.), Kačaniklić (42.); Özil (45.), Götze (52.), Schürrle (57., 66., 76.)
Abschlusstabelle der Qualifikationsrunde
Schweden erreichte als einer der acht besten Gruppenzweiten die Playoff-Spiele, verlor aber beide Spiele gegen Portugal und konnte sich somit nicht für die WM qualifizieren.
Vorbereitung Zur Vorbereitung auf die WM wurden vier Freundschaftsspiele geplant, davon das letzte als Benefiz-Spiel. Zwischen dem zweiten und dritten Spiel fand vom 21. bis 31. Mai 2014 ein Trainingslager im Passeiertal in Südtirol statt, an dem auch als Testspielgegner die U-20-Nationalmannschaft teilnahm. Ein erweiterter Kader von 28 Spielern für das Trainingslager wurde von Bundestrainer Löw am 8. Mai benannt. Dieser musste nach dem Trainingslager auf 23 Spieler reduziert werden. Beim 6:1-Sieg gegen Armenien erzielte Klose sein 69. Länderspieltor und ist damit nun alleiniger Rekordtorschütze der deutschen Nationalmannschaft. Jedoch verletzte sich Marco Reus in diesem letzten Spiel vor der WM und konnte deshalb nicht an dieser teilnehmen (siehe unten). Nach dem letzten Spiel erfolgte die Abreise nach Brasilien, wo das gesamte DFB-Team sein Basisquartier Campo Bahia bezog.
Datum Spielort Gegner Ergebnis Torschützen Stuttgart 1:0 (1:0) Götze (16.) Hamburg 0:0 Mönchengladbach 2:2 (0:0) Eto’o (62.), Müller (66.), Schürrle (71.), Choupo-Moting (78.) Mainz 6:1 (0:0) Schürrle (52.), Mchitarjan (69., Elfm.), Podolski (71.), Höwedes (73.), Klose (76.), Götze (82., 89.)
Kader Eine vorläufige Spielerliste mit 30 Spielern musste bis zum 13. Mai 2014 bei der FIFA eingereicht werden. Die endgültige Liste mit 23 Spielern musste bis spätestens 2. Juni 2014 bei der FIFA eingehen. Von den schließlich 30 vorläufig nominierten Spielern kamen zwölf bereits bei vorherigen WM-Turnieren zum Einsatz. Der vorläufige Kader wurde am 8. Mai 2014 bekanntgegeben. Nach dem Freundschaftsspiel gegen Polen wurden Maximilian Meyer, Leon Goretzka, André Hahn und Marcell Jansen aus dem vorläufigen Kader gestrichen, wohingegen Christoph Kramer, der gegen Polen sein Debüt gab, dem Kader hinzugefügt wurde. Am 22. Mai 2014 zog sich Lars Bender im Trainingslager eine Oberschenkelverletzung zu und fiel dadurch für die Weltmeisterschaft aus. Joachim Löw verzichtete auf eine Nachnominierung. Nach dem Testspiel gegen Kamerun am 1. Juni 2014 strich Löw Shkodran Mustafi, Marcel Schmelzer und Kevin Volland aus dem Kader. Im Benefiz-Länderspiel gegen Armenien am 6. Juni 2014 zog sich Marco Reus jedoch einen Teilriss des vorderen Syndesmosebandes oberhalb des linken Sprunggelenks zu und fiel damit für das Turnier aus. An seiner Stelle rückte Mustafi in das Aufgebot.
Erstmals standen sieben bei ausländischen Vereinen tätige Spieler im Kader, womit die bisherige Maximalzahl von sechs Spielern von 1994 übertroffen wurde.
Der Kader bestand aus folgenden Spielern (Einteilung in Torhüter, Abwehr, Mittelfeldspieler und Stürmer laut FIFA):
Nr. Spieler VereinErfolge des Vereins: C = UEFA-Champions-League-Sieger 2013/14, M = Nationaler Meister 2013/14, P = Nationaler Pokalsieger 2013/14. Länderspiel-einsätzeAngegeben sind nur die Spiele und Tore, die vor Beginn der Weltmeisterschaft absolviert bzw. erzielt wurden (Stand: 6. Juni 2014, nach dem Spiel gegen Armenien). Länderspiel-tore Geburtsdatum Spiele Tore 10px|Gelbe KartenDie Anzeige „1/1“ bedeutet, dass eine Karte vor dem Halbfinale und eine Karte nach dem Viertelfinale erhalten wurde, so dass keine Sperre fällig wurde. 10px|Gelb-Rote Karten 10px|Rote KartenWM-TeilnahmenWM-Spiele(vor 2014)WM-Tore(vor 2014) Torhüter 1 Manuel Neuer FC Bayern MünchenM, P 45 0 style="text-align:right" 7 0 0 0 0201060 22 Roman Weidenfeller Borussia Dortmund 3 0 style="text-align:right" 0 0 0 0 0 12 Ron-Robert Zieler Hannover 96 3 0 style="text-align:right" 0 0 0 0 0 Abwehr 20 Jérôme Boateng FC Bayern MünchenM, P 39 0 style="text-align:right" 7 0 0 0 02010 5 0 15 Erik Durm Borussia Dortmund 1 0style="text-align:right" 0 0 0 0 0 3 Matthias Ginter SC Freiburg20 style="text-align:right" 0 0 0 0 0 2 Kevin Großkreutz Borussia Dortmund 5 0 style="text-align:right" 0 0 0 0 0 4 Benedikt Höwedes FC Schalke 04 21 2 style="text-align:right" 7 0 1/1 0 0 5 Mats Hummels Borussia Dortmund 30 2 style="text-align:right" 6 2 0 0 0 17 Per Mertesacker FC ArsenalP 98 4 style="text-align:right" 6 0 0 0 02006, 2010 130 21 Shkodran Mustafi Sampdoria Genua 1 0 style="text-align:right" 3 0 0 0 0 Mittelfeldspieler 14 Julian Draxler FC Schalke 04111 style="text-align:right" 1 0 0 0 0 6 Sami Khedira Real MadridC, P 46 4 style="text-align:right" 5 1 1 0 02010 71 23 Christoph Kramer Borussia Mönchengladbach20 style="text-align:right" 3 0 0 0 0 18 Toni Kroos FC Bayern MünchenM, P 44 5 style="text-align:right" 7 2 0 0 02010 4 0 16 Philipp Lahm FC Bayern MünchenM, P 106 5 style="text-align:right" 7 0 1 0 02006, 2010 13 1 8 Mesut Özil FC ArsenalP 55 17 style="text-align:right" 7 1 0 0 02010 7 1 7 Bastian Schweinsteiger FC Bayern MünchenM, P 102 23 style="text-align:right" 6 0 1/1 0 02006, 2010 14 2 Stürmer 19 Mario Götze FC Bayern MünchenM, P299 style="text-align:right" 6 2 0 0 0 11 Miroslav Klose Lazio Rom 132 69 style="text-align:right" 5 2 0 0 02002, 2006, 2010 19 14 13 Thomas Müller FC Bayern MünchenM, P 49 17 style="text-align:right" 7 5 0 0 02010 6 5 10 Lukas Podolski FC ArsenalP 114 47 style="text-align:right" 2 0 0 0 02006, 2010 13 5 9 André Schürrle FC Chelsea 3313 style="text-align:right" 6 3 0 0 0 Mannschaftsleitung: Trainer und Manager Joachim Löw Bundestrainer 105 style="text-align:right" 7 2006 Joachim Löw nahm an der WM 2006 als Assistent von Bundestrainer Jürgen Klinsmann teil und wurde erst nach dem Turnier zum Bundestrainer ernannt., 2010 7 Oliver Bierhoff Teammanager 139 style="text-align:right" 7 2006, 2010 14 Hansi Flick Trainerassistent 105 style="text-align:right" 7 2010 7 Andreas Köpke Torwarttrainer 136 style="text-align:right" 7 2006, 2010 14
Von den sieben Spielern, die in allen sieben Spielen eingesetzt wurden, waren neben Manuel Neuer nur der Kapitän Philipp Lahm und Benedikt Höwedes jeweils über die gesamte Spielzeit im Einsatz.
Gruppenphase
Bei der am 6. Dezember 2013 vorgenommenen Auslosung der Endrunde wurde Deutschland als eine von acht Mannschaften aufgrund der Platzierung in der FIFA-Weltrangliste vom Oktober 2013 in Topf 1 gesetzt und als Gruppenkopf der Gruppe G gelost. Zugelost wurden Ghana, die USA und Portugal – letztere Mannschaft durch Geoff Hurst, den Schützen des Wembley-Tores. Gegen Ghana bestritt Deutschland bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika am 23. Juni 2010 das letzte Gruppenspiel und zog durch ein 1:0 ins Achtelfinale ein. Die vom ehemaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann trainierten USA waren zuletzt am 2. Juni 2013 aus Anlass des 100. Geburtstags des US-Fußballverbandes Gegner bei einem Freundschaftsspiel, das mit 3:4 verloren wurde. Bei Weltmeisterschaften trafen Deutschland und die USA 1998 in der Gruppenphase (2:0 für Deutschland) und 2002 im Viertelfinale (1:0 für Deutschland) aufeinander. Portugal war zuletzt am 9. Juni 2012 im ersten Gruppenspiel der EM-Endrunde Gegner, wobei Deutschland mit 1:0 gewann. Bei Weltmeisterschaften trafen beide erst einmal aufeinander, im Spiel um Platz 3 bei der WM 2006, das Deutschland mit 3:1 gewann. Erstmals spielte Deutschland damit in der Gruppenphase gegen keine Mannschaft, gegen die bei einer WM noch nie gespielt wurde. Vor der Auslosung äußerten sowohl Jürgen Klinsmann als auch Portugals Rekordtorschütze Cristiano Ronaldo den Wunsch, nicht auf Deutschland zu treffen, während Kevin-Prince Boateng sich Deutschland und damit seinen Halbbruder Jérôme Boateng wieder als Gruppengegner wünschte.
Unterkunft der deutschen Mannschaft war das Campo Bahia, welches am 8. Juni bezogen wurde. Das erste Gruppenspiel war das 100. WM-Spiel für Deutschland, womit als erste Nation diese Grenze erreicht wurde. Alle Spielorte bis zum Viertelfinale lagen an der Atlantikküste mit Mindesttemperaturen im Juni von 22 °C und Maximaltemperaturen von bis zu 29,6 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 82 bis 85 %. Das Spiel in Fortaleza war das äquatornächste Spiel in der Geschichte der Nationalmannschaft. Deutschland hatte vor der WM noch keine Spiele in einem der drei Gruppenspielorte bestritten.
K.-o.-Runde
Achtelfinale