Arth ist eine politische Gemeinde im Bezirk Schwyz des Kantons Schwyz in der Schweiz. Sie besteht aus den Ortschaften Arth, Oberarth, Goldau und aus einem Teil der Rigi.
Geographie Die Gemeinde Arth liegt am Südufer des Zugersees in einem Tal zwischen dem Rossberg und der Rigi. Ihr Gebiet erstreckt sich über eine Fläche von 4858 ha, wozu ein Anteil am Zugersee gehört. Vom Gemeindegebiet sind rund 26 Prozent Kulturland und rund 30 Prozent von Wald bedeckt; die restliche Fläche ist für Siedlungen und die Verkehrsinfrastruktur genutzt.
Die Berglandschaft bildete sich in der Entstehungszeit der Alpen heraus. Während der Auffaltung dieses Gebirges führten starke Flüsse viel Schutt und Geröll in das nördliche Alpenvorland hinaus und lagerten die Sedimente in weiten Schuttfächern ab; das grobkörnige Material blieb nahe an den Bergen liegen und verfestigte sich während Jahrmillionen zu Nagelfluh-Konglomeraten, während die feineren Anteile weiter nach Norden verfrachtet wurden, wo daraus die Molasse des Schweizer Mittellands entstand. Die Rigi und der Rossberg sind wie das Napfgebiet weiter westlich und der Höhronen im Osten bedeutende Überreste des aus Konglomerat-, Molasse- und Mergelschichten gebildeten Sedimentkörpers, der hier in der geologischen Fachliteratur als «Rigi-Schüttung» bezeichnet wird.René Hantke: Geologischer Atlas der Schweiz 1:25000. Blatt 1151 Rigi mit Nordteil von Blatt 1171 Beckenried. Erläuterungen. Wabern 2006, S. 19. Nur im südlichen Bereich des Rigimassivs sind (knapp ausserhalb des Gemeindegebiets von Arth) ältere Kieselkalkschichten, Schrattenkalk und Flysch am Bergaufbau beteiligt; es sind Schichtpakete der Helvetischen Decken, die von Süden auf die subalpine Molasse überschoben wurden und dabei auch diese verformten, so dass die an der Rigi gut erkennbaren Felsbänder, die «Riginen», schiefgestellt wurden.Geologie auf prorigi.ch, abgerufen am 4. September 2023. In einer späteren erdgeschichtlichen Epoche erodierten die Alpenflüsse aus den Nagelfluh- und Molasseschichten tiefe Täler heraus, die von den eiszeitlichen Gletschern noch überformt wurden. Der Reuss-Muota-Gletscher floss auf beiden Seiten um die Rigi herum und prägte auch die Talform bei Arth mit. An den Bergflanken bilden Findlinge Zeugen früher Gletscherstände; sie dokumentieren im Tal der Rigiaa den Höchststand des Eisrandes während der letzten Vergletscherung auf etwa René Hantke: Geologischer Atlas der Schweiz 1:25000. Blatt 1151 Rigi mit Nordteil von Blatt 1171 Beckenried. Erläuterungen. Wabern 2006, S. 38. Seit dem Abschmelzen der eiszeitlichen Gletscher ereigneten sich an den freigelegten Bergflanken von Rigi und Rossberg zahlreiche Bergstürze, die an den Trümmerfeldern am Bergfuss erkennbar sind, und Murgänge. In historischer Zeit sind unter anderem ein Bergsturz am Rossberg von 1222 und ein Felssturz beim Rothenfluhtunnel der Arth-Rigi-Bahn von 1897 bekannt.René Hantke: Geologischer Atlas der Schweiz 1:25000. Blatt 1151 Rigi mit Nordteil von Blatt 1171 Beckenried. Erläuterungen. Wabern 2006, S. 45.
Der niedrige Sattel auf dem Schuttfächer der Rigiaa zwischen den Bergmassiven wurde am 2. September 1806 vom mächtigen Schuttstrom des Goldauer Bergsturz noch etwas überhöht.René Hantke: Geologischer Atlas der Schweiz 1:25000. Blatt 1151 Rigi mit Nordteil von Blatt 1171 Beckenried. Erläuterungen. Wabern 2006, S. 46ff. An der tiefsten Stelle überquert die Gotthardbahn auf die Wasserscheide zwischen dem Zugersee und dem Lauerzersee.
Östlich des Schutzgebiets gehört ein grosser Teil der Sumpf- und Moorlandschaft «Sägel» zu Arth, jedoch nicht der Bereich dieser Verlandungszone direkt am See. Die Naturlandschaft am Lauerzersee ist mit einer Fläche von 147 Hektar das grösste Amphibienlaichgebiet im Kanton Schwyz und ist im Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung registriert.Objektblatt des Amphibienlaichgebiets «Sägel, Schutt, Lauerzersee» im Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung. Das 100 Hektar grosse Flachmoor «Sägel» gehört zu den Mooren von nationaler Bedeutung,Objektblatt des Moorgebiets «Sägel» im Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung. und das ganze Gebiet «Sägel/Lauerzersee» zwischen der «Bernerhöhe» und Steinen ist zudem im übergeordneten Bundesinventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung aufgeführt.Objektblatt der Landschaft «Sägel/Lauerzersee» im Bundesinventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung.Helen Küchler, Meinrad Küchler: Schwyzer Moore im Wandel. In: Berichte der Schwyzerische Naturforschende Gesellschaft, 15. Heft, 2007. Einige Moorflächen bilden ein Naturschutzgebiet von Pro Natura.Naturschutzgebiet Moorlandschaft Lauerzersee-Sägel-Schut auf pronatura-sz.ch, abgerufen am 4. September 2023.
Mit grossen Abschnitten der Gemeindefläche hat Arth ausserdem Anteil an drei national bedeutenden Landschaftsschutzgebieten. Die Nordostflanke der Rigi mit dem Hochtal der Rigiaa liegt im Gebiet «Vierwaldstättersee mit Kernwald, Bürgenstock und Rigi» (BLN 1606),Objektblatt BLN 1606 «Vierwaldstättersee mit Kernwald, Bürgenstock und Rigi» des Bundesamts für Umwelt. die Fläche östlich der Autobahn A2 mit dem Moor «Sägel» im Landschaftsobjekt «Lauerzersee» (BLN 1604),Objektblatt BLN 1606 «Lauerzersee» des Bundesamts für Umwelt. und die Abbruch- und Schuttzone des Bergsturzes unter dem Gnipen im Areal «Bergsturzgebiet von Goldau» (BLN 1607), das darüber hinaus das ganze Rossbergmassiv mit der Hagegg nördlich des Gnipen einschliesst.Objektblatt BLN 1606 «Bergsturzgebiet von Goldau» des Bundesamts für Umwelt. Die Westflanke und ein Teil des Südhangs des Rossbergs liegen auf dem Gemeindegebiet von Arth. Der Gnipen () ist der Westgipfel des Rossbergs und der höchste Punkt der Gemeinde auf der Nordostseite.
Die Berge der Schwyzer Voralpen gehören zu den niederschlagsreichen Landschaften am Nördlichen Alpenrand. Von Rigi und Rossberg fliessen zahlreiche Wildbäche zu den Seen bei Arth. Die Rigiaa, deren Quellgebiet unterhalb von Rigi-Kulm (), dem höchsten Punkt der Gemeinde Arth, und Rigi-Staffel liegt, ist der längste Bach auf dem Gemeindegebiet. Er fliesst durch das Tal bei Rigi-Klösterli, durchquert eine tiefe, steile Schlucht unter der Rothenfluh und ein Tobel am Goldauerberg, fliesst durch Goldau und Oberarth und mündet in Arth am «Aazopf» in den Zugersee. Für den Flussbau am Wildbach ist die 1935 gegründete Wuhrkorporation «Rigi-Aa» zuständig.Wuhrkorporation Rigi-Aa Arth auf lima-city.de, abgerufen am 4. September 2023. Mehrere Wildbäche entwässern den sehr steilen Nordosthang der Rigi und münden teils in die Rigiaa und teils direkt in den Zugersee; dem Lauf des Fischchrattenbachs folgt die Gemeindegrenze von Rigi-Kulm bis zum Zugersee.
In vielen Runsen unterhalb der Rigi-Scheidegg () laufen Wildbäche zum Gebiet Goldauerberg und nach Buosigen herunter. Der Goldbach und der Chlausenbach sammeln die meisten der Bäche und fliessen zum Moorgebiet Sägel und in den Lauerzersee. Dem Bachbett des Teubertsbachs folgt die südöstliche Gemeindegrenze von Arth.
Aus der Bergsturzzone am Südhang des Gnipen fliessen ebenfalls mehrere Wildbäche in das Tal. Der Kienbach ist ein Zufluss der Rigiaa, während der Gnipenbach im Sägel in den Goldbach mündet. Mitten durch das Bergsturzgebiet verläuft also die Wasserscheide zwischen den Flussgebieten der Muota und der Lorze, zwei Nebenflüssen der Reuss.
Im Ablagerungsgebiet des Bergsturzes von Goldau sind in einigen Senken kleine Seen entstanden, so das Goldseeli, der Blauweiher und der Waldweiher.Goldseeli auf schweizersee.ch. Die beiden letzteren befinden sich im Areal des Natur- und Tierparks Goldau.
Die Waldfläche an der «Rigilehne», dem Berghang südwestlich von Arth, ist grösstenteils Eigentum der «Unterallmeind Korporation Arth»Unterallmeind Korporation Arth. Wald auf uak.ch. und ist als Schutzwald (auch «Bannwald») für die Siedlungen, die Verkehrs- und Energieinfrastruktur wichtig, die in einem Gebiet mit erheblichem Risiko durch Naturgefahren liegen.Golo Stadelmann: Modellierung der Waldentwicklung an der Rigi-Nordlehne zur Analyse der Schutzwirkung von Wald gegen Murgan. ETH Zürich 2008, S. 22, . Ein Waldgebiet in der Grösse von 500 Hektar zwischen Arth und Immensee gehört den SBB und wird als Schutzwald über der Gotthardbahn gepflegt.Lukas Denzler: Schwachstellen im Schutzwald, in: Tagesanzeiger, 12. September 2016, abgerufen am 4. September 2023.Jin Chei: Bannwald und Bahnwald. Historisches Archiv der SBB, 2. Mai 2022, abgerufen am 4. September 2023. 190 Hektaren Wald musste die Unterallmeind Korporation Arth 1920 nach einem Bundesgerichtsentscheid den SBB abtreten.Geschichte der Unterallmeind Korporation auf arth.ch. Am Berghang informiert ein 2013 eingerichteter Waldlehrpfad über die Funktionen des Waldgebiets, das je nach Lage aus Buchenwald oder Tannen-Buchenwald besteht.Via Silva Waldlehrpfad auf verkehrsverein-arth.ch, abgerufen am 4. September 2023.
Mit dem Bergsturz von Goldau entstand im Tal auf der Ablagerung von etwa 30 bis 40 Millionen Kubikmeter Gestein eine ausgedehnte Schuttlandschaft, auf welcher sich mit der Zeit neue Vegetationsgesellschaften ansiedelten.André Grundmann: (2000): Zur Standorts- und Vegetationsentwicklung im Goldauer Bergsturz. Berlin, Stuttgart 2000. Und in der Abbruchzone des oberen Bergsturzhanges hat sich während 200 Jahren eine Pioniervegetation entwickelt, die zu den Trockenwiesen von nationaler Bedeutung gezählt wird.Objektblatt SZ11500 im Bundesinventar der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung.André Grundmann: Die Vegetation auf trockenen Block- und Felsstandorten im oberen Bergsturzgebiet von Goldau. In: Bauhinia, 2005, s. 1–14. Im Pflanzenschutzgebiet der Bergsturzlandschaft steht bei Nolberg ein Buchenwald mit vielen Orchideen.Goldau Nolberg. Orchideen-Buchenwald auf unr.ch, abgerufen am 4. September 2023. In der Gemeinde Arth sind mehrere Bereiche als Waldreservate ausgeschieden.Karte der Waldreservate auf swisstopo.Karte der Waldreservate von Arth auf dem Geoportal des Kantons Schwyz.
In Rodungslichtungen und oberhalb der Waldgrenze an Rigi und Rossberg sowie auf der Fronalp besitzt die Unterallmeind Korporation von Arth seit dem 14. Jahrhundert Bergwiesen im Umfang von etwa 10 Quadratkilometern, die im Sommer von mehr als 50 Betrieben als Viehweide genutzt werden. Die artenreichen Flächen der Kulturlandschaft im Gebirge sind für die Biodiversität wertvoll. Im Gebiet Rigi-Klösterli liegt die Alp Trieb und am Berghang unter Rigi-Kulm die Alp Chäserenholz, deren Sennereien aus Kuh- und Ziegenmilch in traditioneller Weise Käse herstellen,Unterallmeind Korporation Arth. Produkte auf uak.ch.Alpkäserei Trieb auf rigi.ch, abgerufen am 4. September 2023. der wie die Produkte anderer Bergkäsereien des Kantons als «Schwyzer Alpkäse» in der Liste des Kulinarischen Erbes der Schweiz aufgeführt ist.Schwyzer Alpkäse auf patrimoineculinaire.ch.
mini|Arth, historisches Luftbild von 1919, aufgenommen aus 600 Metern Höhe von Walter Mittelholzer
Geschichte Die ersten Siedler in Arth waren Pfahlbauern und Kelten (Helvetier). Keltischen Ursprungs ist auch der Name des Tales, denn das Wort «Arth» kommt vom Wort «Artha», was so viel heisst wie «gepflügtes Land».Arth auf ortsnamen.ch Die grosse Ebene vom Südende des Sees bis Goldau und die sonnigen Halden am Sonnenberg waren gutes Weide- und Ackerland. Der Fischreichtum im See und in den das Tal durchfliessenden Gewässern ergab nebst der Landwirtschaft und der Jagd eine gute Ernährungsquelle.