alt=Foto: Karin Heinelt, 2019|mini|Claus Stolz Claus Stolz (* 16. März 1963 in Mannheim) ist ein deutscher Fotokünstler. Er betreibt eine radikale Form der analogen Fotografie. mini|Heliografie von Claus Stolz, Sonne #252, 8×10″ Originalfilm, 2016 mini|Heliografie von Claus Stolz, Sonne #220C, 2015 mini|Sonne 180A; Ausschnitt Diaprojektion, 2010

Leben und Werk Claus Stolz hat an der Freien Kunstakademie Mannheim studiert. Seit Mitte der 1990er Jahre entwickelt Stolz spezielle fotokünstlerische Verfahren.

Für seine Heliografien richtet Stolz fest montierte Aufnahmegeräte direkt in die Sonne aus und beschädigt das Filmmaterial, bewusst jedoch wohldosiert, durch extreme Überbelichtung von einigen Sekunden bis zu mehreren Stunden. Die zerstörerische Kraft der Strahlungsenergie lässt die Filmschichten an den Brennflächen Blasen werfen, platzen, schmelzen und kristallisieren. Dabei entstehen kleinere Kosmen von unterschiedlicher Farbigkeit, mit feinen Binnenzeichnungen. Groteske Monsterköpfe, bizarre Fratzen, surreale Zellgebilde erscheinen, doch rein gar nichts wird abgebildet.Kunstverein Viernheim: Zartbitter, Fotografien von Michael Schnabel und Claus Stolz, 2012 Vergleichbar mit den geschlitzten oder perforierten Leinwänden von Lucio Fontana in den 1960er Jahren wird der Bildträger durch die fokussierte Wärmeeinwirkung zum Bildobjekt, zur Kleinplastik. Zeit und Energie werden unmittelbar sicht- und erfahrbar.Kunst und Kosmos: Claus Stolz: Die Sunburns, Christel Heybrock 29. März 2010 Die Ergebnisse hängen von den jeweils verwendeten Filmtypen, von Aufnahme- und Verarbeitungsmodalitäten ab.Kunst und Kosmos: Zeit - Die unfassbare Instanz, Christel Heybrock 10. Juni 2009 Die Aufnahmen werden mit Sammellinsen von bis zu einem Meter Durchmesser auf Roll- und Planfilme belichtet und anschließend je nach Eignung und Format direkt in Leucht- oder Acrylglaskästen fixiert oder auf Fotopapier vergrößert. Diafilme wiederum projiziert Claus Stolz bis auf die Größe einer Hallenwand.Kulturpalast Wedding International: Claus Stolz: Sunlicht, Heliografien, Berlin 2013

mini|Lichtbild #66, Claus Stolz, Fotografische Platte, 2019

Die Arbeiten aus Stolz’ Werkgruppe Lichtbilder sind fotografisch reproduzierte Photoplatten aus Glas, bei denen der Auftrag der rückseitigen Lichthofschutzschicht oft eine besondere malerische Anmutung aufweist – welche so in der Regel nie zu sehen ist, (korrekt) verarbeitet wird diese wasserlösliche Schicht ausgewaschen. Durch das direkte Entnehmen aus der Packung werden die Platten von Claus Stolz kameralos belichtet bzw. dem Licht ausgesetzt, werden somit für ihren eigentlichen Zweck unbrauchbar – dafür aber in ihrer Materialität erst sichtbar. Die von Stolz gesammelten und verwendeten Platten sind bis zu 100 Jahre alt, somit über einen sehr langen Zeitraum gelagert bzw. konserviert, so dass an machen Stellen trotz offensichtlich unbeschädigter Verpackung ein wenig Licht oder auch Staub eingedrungen zu sein scheint. Auch sind die (frisch den Packungen entnommenen) Platten nicht frei von Kratzern und ähnlichen Beschädigungen. Es ist eine material-historische, archäologisch-ästhetische Spurensuche.

mini|hochkant|Kammerspiel #20 von Claus Stolz, Pigment Print, 2020

Im Zeitalter der digitalen Fotografie nehmen diese Werke von Claus Stolz eine einzigartige Position in der Fotografiegeschichte ein.Marc Peschke: Auf der Suche nach dem autonomen Bild. In: PhotoKlassik, Ausgabe 1/2013, Titelbild und S. 67 ff.

Im Kammerspiel kombiniert Stolz in vielfältigen Settings gewachsene mit produzierten Materialien, echte mit unechten Pflanzen(teilen), arrangiert Silikon und Chlorophyll, Vergängliches und Überdauerndes, hortikulturelles und industrielles Material. Darüber hinaus verdichtet Stolz manche Motive zusätzlich durch spezielle Überblendungen zu überbordenden Tableaus aus fluide verschmelzenden Blüten- und Blattfragmenten, Tischtennisbällen, farbigen Papierfetzen… Und konterkariert durch schwarzweiße, oft spontan aufgenommene, einfache Objekte: ein vielfach verbogener Draht, ein halb aufgefaltetes Papierschiffchen, ein schief angeschnittener Styroporschädel, eine aus Ton nachgebildete Handyform. Die Grenzen zwischen Natur und Kultur verschwimmen. Stolz’ hybride Arrangements werfen die Frage auf, ob die Begriffe „echt“ oder „unecht“ im Zeitalter des Anthropozäns  noch eine Rolle spielen.Pamela Pachl: Von Tischtennisbällen, Callas und Kabelbindern, in: Claus Stolz Kammerspiel - Chamber Play Kehrer Verlag Heidelberg, 2022.Paul Brakmann:  Kombinatorik des Fotografischen in: Photosphären (Ausst. Katalog, Edgar Lissel und Claus Stolz, Port25 Raum für Gegenwartskunst, Mannheim), 2021Marc Peschke: „Claus Stolz Kammerspiel“, PhotoNews Ausg. 12/2022"Claus Stolz" in: VOR ORT Mannheimer Kunstverein, (Ausst. Katalog), 2023Christel Heybrock „Üppige Farben, kippender Turm: Fotobuch des Mannheimer Künstlers Claus Stolz“, in: OPUS Kulturmagazin, Ausg. März/April 2023

In seiner jüngsten Werkserie, Imagine, erzeugt Stolz mithilfe eines Text-zu-Bild-Generators Pflanzenbilder mit der Anmutung edler, schwarzweißer Vintage-Prints. Die Schönheit und Exotik eines botanischen Gartens in scheinbar paradoxer Synthese mit der Irritation des Artifiziellen, des generierten Bildes.Haus am Werderplatz, Heidelberg. Claus Stolz Zweifelhafter Natur - Fotografie oder Bilder die so aussehen Während Stolz’ Heliografien keinerlei Referenten in der Wirklichkeit haben, so basieren die Bilder der Imagine-Serie auf geradezu unendlich vielen aus dem Datenpool des Trainingsmaterials – alle, die jemals ein Bild veröffentlicht haben, werden somit wahrscheinlich ein wenig zu Mitautoren.

Stolz lebt und arbeitet in Mannheim und ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) und der Deutschen Fotografischen Akademie (DFA).

Einzelausstellungen (Auswahl) 2024: Zweifelhafter Natur – Fotografie und Bilder die so aussehen, Haus am Werderplatz, Heidelberg 2024: Sie haben das Recht zu schweigen, Galerie im Tulla, Mannheim 2021: LICHTECHT, Edgar Lissel und Claus Stolz, Port25 Raum für Gegenwartskunst, Mannheim 2020: Materie ist Möglichkeit, Ernst-Bloch-Zentrum, Ludwigshafen (im Rahmen des OFF/FOTO-Festivals) 2017: VELBUELE, Kunstverein Bellevue-Saal, Wiesbaden (mit Myriam Holme) 2016: Solitär, Fotoraum Köln – GROWING, Kunstverein Heddesheim 2014: Kunstverein Trier – Galerie Grandel, Mannheim 2013: SUNLICHT, Kulturpalast Wedding International, Berlin 2012: Zartbitter, Kunstverein Viernheim (mit Michael Schnabel) 2011: Sunburns, galerie photonet (Kleinschmidt Fine Photographs), Wiesbaden 2010: Photo Edition Berlin 2008: Sonnenbrände, galerie photonet, Wiesbaden 2007: Heiter bis wolkig, Peng! raum für kunst, Mannheim – Stop and go, Kunstbetrieb Karlsruhe (mit Barbara Hindahl) 2004: Künstlerhaus Göttingen 2003: galerie photonet, Wiesbaden alt=|mini|242x242px|Imagine #33, Claus Stolz, 2023, Pigment Print auf Museum Etching2001: Nach der Natur, Artothek Wiesbaden 2000: Ein Platz an der Sonne, Mannheimer Kunstverein 1999: Galerie Fahlbusch, Mannheim 1996: Kunstverein Bad Dürkheim 1995: Landesmuseum Mainz 1993: Galerie in der Lampenfabrik, Mainz 1992: Kunstverein Leimen

Gruppenausstellungen und Messeteilnahmen (Auswahl) 2023: VERMESSUNGEN Port25 Raum für Gegenwartskunst, Mannheim 2022/23: REFLEKTOR Neue Galerie Chemnitz und Tuchfabrik Trier 2023: VOR ORT Mannheimer Kunstverein 2021: ANALOG TOTAL FOTOGRAFIE HEUTE, Grassi Museum für angewandte Kunst, Leipzig 2019: Kammerspiel, Knut Eckstein, Barbara Hindahl und Claus Stolz, Oberwelt e.V., Stuttgart 2018: Jubiläumsausstellung 10 Jahre Photo Edition Berlin, Photo Edition Berlin 2017: ichduersiees, Delegierte Kunstwerke, Kunstverein Ludwigsburg 2016: Konkrete und Generative Fotografie / 2. Teil – Die Zeitgenossen Marco Breuer, Richard Caldicott, Inge Dick, Ewald Maurer, Harald Mairböck und Claus Stolz, Photo Edition Berlin – Timelines, Kunstverein Ludwigshafen – Repertoire. Abstrakte Kunst, Galerie Grandel, Mannheim 2015: Lichtbild und Datenbild – Spuren Konkreter Fotografie, Museum im Kulturspeicher Würzburg – Movement, Energy and Presence – a Challenged Perception, Sylvia Ballhause, Jürgen Hatzenbühler und Claus Stolz, Fotografie, Galerie Grandel, Mannheim – Raw Exposure. Photographische Werke mit (an-)organischen und mechanischen Verfahren, Edgar Lissel (AT), Harald Mairböck (AT), Claus Stolz (D) und Jiri Sigut (CZ), Photo Edition Berlin, – fotofever, Paris, Frankreich – On the Sublime – Artists of the Gallery, Karl Hugo Schmölz, Michael Schnabel, Claus Stolz. Kleinschmidt Fine Photographs, Wiesbaden 2014: Kunstverein Germersheim – Ein Gramm Licht. Alte Verfahren in jungen fotografischen Bildern, Museum Industriekultur, Nürnberg 2013: ART13 London, G.B. – Prague Photo Festival, Tschechien – Künstler der Galerie und Gäste, Photo Edition Berlin – The Art of Photography Show, The San Diego Art Institute, USA 2012: Group Show, Photo Edition Berlin – Les Rencontres d’Arles 2012, Arles, Frankreich – St'art 2012, Sammlung Burg, Straßburg, Frankreich 2011: Art Karlsruhe – Bieler Fototage 2011, Schweiz – Wolfgang Reindel und Schüler, eine Retrospektive, Kunstverein Germersheim 2009: Show me yours, Städtische Galerie Bydgoszcz, Polen – Art Karlsruhe 2008: Art Karlsruhe – Art Cologne – Hong Kong International Art Fair – KIAF Seoul Photo Edition Berlin – Lianzhou International Photo Festival, China 2006: Cologne Fine Art – Wunder der Prärie, Internationales Festival für Theater, Performance, Tanz, Kunst 2005: 7. Internationale Fototage Mannheim/Ludwigshafen, Monat der Fotografie im Rhein-Neckar-Dreieck – Art Bodensee, Dornbirn 2003–2005: KunstKöln – Art Frankfurt 2002: Art Frankfurt 2001: 20 Jahre Kunstverein Leimen, Jubiläumsausstellung 1998: Ausstellung zum Pfalzpreis für Bildende Kunst 1998, Pfalzgalerie Kaiserslautern – Parallelen, zeitgenössische Kunst und Archäologie im Dialog, Reiss-Museum Mannheim 1994: Der Wald, Kunstverein Leimen

Monografien Claus Stolz KAMMERSPIEL – CHAMBER PLAY, Kehrer Verlag Heidelberg, ISBN 978-3-96900-088-5 Claus Stolz: SUNBURNS, hrsg. v. Klaus Kleinschmidt, Kehrer Verlag Heidelberg, 2009, ISBN 978-3-86828-066-1 Claus Stolz, Ausstellungs-Katalog, hrsg. v. Martin Stather, Mannheimer Kunstverein, 2000

Publikationen Marc Peschke: Kammerspiel, Claus Stolz in: PHOTONEWS 12/22 Paul Brakmann "Kombinatorik des Fotografischen" in: PHOTOSPHÄREN – Edgar Lissel und Claus Stolz, Ausst.Kat., Port25 Raum für Gegenwartskunst, Mannheim 2021 "Claus Stolz", Blatt – Blad, Issue 63, 2020 "Sunburns by Claus Stolz" in: Life Force Magazine, May 2018 issue Sun Series - Claus Stolz, Reset the Apparatus!, University of Applied Arts Vienna, 2018 Wolfgang Neumann, Kunstverein Ludwigsburg: Ichduersiees, delegierte Kunstwerke, 2017 Damian Zimmermann: Der radikale Lichtbrenner in: PhotoKlassik, Ausgabe 1.2017 Photo Edition Berlin: Konkrete und generative Fotografie, Teil II, 2016 Sarah-Denise Neven, Heliografien, interView Magazin, 14. Oktober 2016 Claus Stolz in SPOTLIGHT – Twenty Years of the Biel/Bienne Festival of Photography, 2016 Lichtbild und Datenbild: Spuren Konkreter Fotografie, Ausst.-Kat. Museum im Kulturspeicher Würzburg, hrsg. Henrike Holsing und Gottfried Jäger, 2015 Christoph Schaden. Claus Stolz Heliografien, in: Ein Gramm Licht, Ausst.-Kat. Museen der Stadt Nürnberg, hrsg. von Ingrid Bierer und Matthias Murko, Michael Imhof Verlag, 2014 HEIST-online Microscopic – Claus Stolz, 2014 contra doc! Ausg. 2, 2014 Claus Stolz. Heliographs LensCulture Claus Stolz Heliographs, 2014 F-STOP Magazine, Ausgabe 58, 2013 PhotoKlassik, Ausgabe 1, 2013 Der Greif, Ausgabe 6, 2012 Rebekka Schraner: Claus Stolz. Sunburns. In: Bieler Fototage 2011, Ausst.-Kat., Benteli Verlag Bern, Schweiz, 2011 Claus Stolz. The Sun. In: uyw photography magazine, Ausgabe 14, hrsg. von Heidi Romano und Claudio Severo, Melbourne 2011